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Reparatur Grammophonmotor - Zugfeder ersetzen & neu schmieren
Moderatoren: SchellackFreak, berauscht, Grammophonteam, Formiggini, krammofoon, Limania
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Grammophonteam
Sa Mär 23 2013, 16:44 Druck Ansicht
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Dabei seit: So Sep 04 2011, 14:54
Wohnort: In den tiefen des Netzes ;)
Einträge: 2235
Formiggini

Wenn ihr spezielle Fragen zu einem bestimmten Motor habt, eröffnet dafür bitte einen neuen thread - die Sache bleibt dann Übersichtlicher!


Ausbau Federgehäuse

Da hier viele Bilder zu sehen sind, werde ich den Bericht über mehrere Nachrichten aufteilen, um die Ladezeiten kurz zu halten.


Hier ist ein typischer Grammophonmotor aus einem Koffergerät der 30´er Jahre. Ein gutes „Übungsstück“, da nur eine (kleinere) Federdose verbaut ist.


Trotzdem dürfen Arbeiten an der geöffneten Federdose nur mit Schutzmaßnahmen wie Handschuhen und Schutzbrille ausgeführt werden. Schnell kann die scharfkantige Zugfeder einem „entgegenspringen“. Haut und Augen müssen vor Schnittverletzungen geschützt werden. Langärmelige Kleidung tragen!



Bei diesem Motor war das Problem, dass nach einigen Kurbelbewegungen beim aufziehen die Feder etwas „knallte“ und die Spannung weg war – der Motor lässt sich nicht aufziehen. Außerdem fehlen bei dem Fliehkraftregler zur Geschwindigkeitsregulierung zwei Federn. Hier geht es aber jetzt erstmal um die Federdose/Zugfeder.



Jeder Motor ist etwas anders aufgebaut. Bei diesem müssen auf der Oberseite vier Muttern gelöst werden. Daraufhin lässt sich die Deckplatte abnehmen und das Federgehäuse entnehmen. Vor dem auseinandernehmen des Motors muss dieser komplett abgelaufen sein. Die Zugfeder darf keine Spannung mehr haben! Dies könnte sowohl zu Beschädigungen am Motor, wie auch zu Verletzungen führen!

Alle Kleinteile, Schrauben, Muttern usw. SOFORT in einer verschließbaren Dose/Schachtel ablegen – schnell gehen Kleinteile verloren!
Es ist sehr sinnvoll bei dem auseinandernehmen des Motors von jedem Schritt Bilder zu machen. So tut man sich später bei dem Zusammenbau wesentlich leichter!

Die Federdose lässt sich nun einfach entnehmen


Die Dose ist durch das alte Fett stark verharzt. Selbst wenn die grundlegende Funktion noch gegeben ist, ist es oft hilfreich das alte Fett an und in der Dose zu erneuern.


Bevor die Dose geöffnet wird, zieht man feste Handschuhe an, und setzt eine Schlagfeste Schutzbrille auf. Kunststoff ist hier besser als Glas!



Die Dose wird nun vorsichtig in einen Schraubstock gespannt.



Besser als hier bei mir ist es auf die Backen des Schraubstockes zwei Holzbretter zu legen. So wird der Zahnkranz der Dose geschützt.


















Reinigung

Bei dieser Dose ist der Deckel nur aufgesteckt. Mit leichten(!) Schlägen auf den Dosenrand lässt sich diese abheben.



Bei anderen Modellen kann der Deckel durch Schrauben oder einen Spannring gesichert sein. Auch ein kleiner Sprengring um die Achse kann zur Sicherung verbaut sein. Diese müssen natürlich vor dem öffnen entfernt werden! Auch hier: Alles dokumentieren und Kleinteile sofort sichern!


Die geöffnete Dose zeigt, das dass alte Fett ersetzt werden muss. In der Mitte der Zugfeder sitzt eine Metallhülse mit Dorn, die auch dafür verantwortlich war, das sich der Motor nicht mehr aufziehen ließ.
Die Einzelteile kommen nun zunächst in ein Terpentinbad um das alte Fett auszuwaschen. Eine alte Zahnbürste hilft hier gut, um das Fett zu entfernen. Handschuhe tragen!



Nach dem Reinigen und trocken werden die Einzelteile zunächst mit Silikonspray vor weiterer Korrosion geschützt. Überschüssiges Öl mit Papiertüchern wieder abnehmen. Die Metallteile sollen nur von einem dünnen Film überzogen sein.


Hier ist der gereinigte Deckel mit Achse und der Hülse die später wieder in der Mitte der Zugfeder sitzt.
















Ausbau und Einbau der Zugfeder

Ich stellte fest, dass es sich mit eng anliegenden Handschuhen besser arbeitet.Die geöffnete Federdose wird wieder in den Schraubstock gespannt.


Mit einem Schraubendreher wird die Mitte der Feder angehoben.
Nun am besten mit beiden Händen die Feder langsam entnehmen. Hier muss gegen die Spannung der Feder gehalten werden, sonst kann sie einem „entgegenspringen“. Bei dieser kleineren Feder ging dies aber sogar mit einer Hand – so hatte ich die andere für den Photoapparat frei.




Hier sieht man, das dass andere Ende der Feder an einer Niete des Gehäuses eingehängt ist[center].


Ein häufiges Problem bei einer kaputten Feder ist, das dass Loch in das die Niete greift ausgerissen ist. Dies kann an jedem der beiden Enden der Fall sein. Hier muss dann ein neues, konisches Loch in die Feder gearbeitet werden. Auch wenn die Feder an einer Stelle gebrochen ist, braucht sie eine neue Aufhängung. Dies funktioniert aber nur, wenn die Bruchstelle nicht zu weit von einem der Enden entfernt ist – das kürzere, gebrochene Stück Feder wird ja entfernt. Dadurch verringert sich auch die Zugkraft der Feder, möglicherweise spielt sie dann keine komplette Plattenseite mehr durch. Ist die Bruchstelle also z.B. in der Mitte, kann nur noch eine neue Feder eingebaut werden.
Möglicherweise muss aber auch bei einer neuen Feder zunächst die passende Aufhängung gearbeitet werden.
Hier geht man so vor (Beispiel für ausgerissene Aufhängung):


Da ausgerissene Ende wird abgeschnitten. Dann werden die beiden Ecken rund gefeilt. Mindestens zwei Zentimeter entfernt wird ein kleineres Loch gebohrt, das etwas größer als der Nietenstift ist.
Davon c. einen Zentimeter entfernt ein größeres Loch, das über den Nietenkopf passt. Der Zwischenraum zwischen den beiden Federn wird ausgefeilt und entgratet.
Hier reichte es die Feder zu reinigen.





















Die Innenseite der Dose wird nun mit Motorfett neu geschmiert. Es gibt unterschiedlichste „Rezepte“, welches Fett sich für Federdosen am besten eignet. In einigen alten Unterlagen findet man den Hinweis auf Fette mit Graphitanteilen.



Nun wird die Feder unter Spannung wieder in die Dose „eingewickelt". Auch hier ist es Sinnvoll beidhändig zu arbeiten! Dies ging hier nur nicht, da ja auch die Kamera gehalten werden musste


Wenn die Feder wieder komplett in der Dose ist, wird von oben ein Holzklotz aufgelegt und mit leichten Hammerschlägen auf den Klotz die Feder bündig in die Dose eingearbeitet. Arbeiten ohne Holzklotz kann durch die Hammerschläge Grate an der Feder verursachen!



Liegt die Feder fest in der Dose, wird auch sie mit Fett abgeschmiert.



Bei dieser Dose war die kleine Metallhülse in der Mitte dafür verantwortlich, das sich der Motor nicht mehr aufziehen ließ. An der Hülse ist ein kleiner Dorn ausgestanzt, der eigentlich in das Loch der Feder greift, um diese beim aufziehen mit zu nehmen. Dieser Dorn war aber nach innen gedrückt und rutschte dadurch immer wieder durch.



Mit vorsichtigen Schlägen von der Innenseite ließ sich der Dorn wieder nach außen drücken.


Hier sieht man, an welcher Stelle der Dorn greifen soll:


Wenn der Deckel mit Achse und Dorn aufgesetzt wird, greift die Hülse wieder in die Feder. Mit Schlägen eines Gummihammers wird der Deckel wieder auf der Dose gesichert.



Die Dose ist jetzt wieder bereit für den Einbau – vorher genau die Bilder des Ausbaues ansehen, dass man auch wirklich in der richtigen Reihenfolge vorgeht!





















Viel Erfolg – und keine zu große Angst! Mit etwas Geduld, logik und entsprechenden Schutzmaßnahmen ist so eine Überholung der Feder keine Hexerei!


Gerne würde ich auch eure Erfahrungen zu Arbeiten an der Federdose hören - vielleicht habt ihr ja von zurückliegenden Reparaturen auch noch Bildmaterial.

Welche Fette verwendet ihr, um Federdosen neu zu schmieren?
Woher bezieht ihr neue Zugfedern?

Ich hatte auch schon gelesen, das man die Enden von Federn vor dem bohren von Löchern über einer Gasflamme ausglühen soll - Wie ist eure Erfahrung damit?

Wenn ihr spezielle Fragen zu einem bestimmten Motor habt, eröffnet dafür bitte einen neuen thread - die Sache bleibt dann Übersichtlicher!




gramofan


Alles sehr schön beschrieben. Einen Hinweis würde ich noch geben: Der Stahl der Federn ist gehärtet. Nur die unmittelbaren Enden sind es i.d.R. nicht. Muss man ein neues Loch Bohren das ein paar cm weiter nach innen liegt, muss man den Stahl dort regelmäßig vorher enthärten, weil man sonst mit vernünftigem Aufwand keine Loch hineinbekommt (Mit Bohrern aus Hartmetall/Wolframcarbid [richtig teuer] geht auch das zur Not). Dazu muss man die entspr. Stelle rotglühend erhitzen und einfach an der Luft auskühlen lassen. Bewährt hat sich dafür ein kleiner Gasbrenner, wie man in im Baumarkt bekommt. Nach meinen Erfahrungen sollte man die Stelle nach erfolgreichem ungehärtet lassen.

In großen Notfällen (keine passende Feder zu bekommen), kann man eine gebrochene Feder auch mittig durch Nieten flicken. Allerdings hat die Feder an der genieteten Stelle eine unvermeidbare Schwachstelle und die Wahrscheinlichkeit, dass sie dort irgendwann erneut bricht, ist hoch.

Als Schmiermittel für die Feder benutze ich seit Jahren ein MoS2-Fett (z.B. M47 Langzeitfett von Liqui Moly). Das tut hervorragende Dienste. Ein Federgehäuse, dass ich nach 20 (!) Jahren aus Neugier mal wieder aufgemacht habe, zeigte noch keine erkennbaren Alterungsspuren des Schmiermittels.




Sondermeldung

Zwei Anmerkungen noch dazu:

Starke Reibung findet natürlich an den Federumgängen selbst statt. Deswegen ist es nicht ganz ausreichend, das Fett allein außen auf die Feder zu schmieren, wenn sie bereits wieder in der Dose ist.

Zuvor sollte man die Feder beisseitig mit mit dem entsprechenden Fett satt einreiben. Nur so vermeidet man die starke Reibung an den Umgängen der Feder selbst. Boden der Federdose fetten und die Innenseite des Deckels natürlich auch.

Motorenfett ist geeignet. Man kann dem Motorenfett übrigens 5 bis 10 % Graphit einrühren und erhält dadurch im Prinzip die Qualität alter Federdosen-Fette.

Hochmoderne Fette wie von Gramofan erwähnt sind aber wohl überlegen. Ich persönlich würde heute ein solch modernes, sehr haltbares Fett verwenden.

Gruß, Nils




alang

Im Prinzip stimme ich zu, dass idealerweise sowohl das Federgehaeuse als auch die Feder vor der Installation eingefettet werden sollte. Das geht auch recht schoen bei kleineren Federn wie von tragbaren Koffern etc. Groessere Federn wie z. B. von starken Edison Phonograph Motoren sind aber leider so stark, dass man jedes bisschen Griff fuer die Installation braucht. Solche Federn muss man "trocken" einbauen und dann so gut es geht hinterher die Federdose mit Fett fuellen. Anschliessend einige Male den Motor voll aufziehen und ablaufen lassen, dadurch wird dann das Fett in der Federdose verteilt.

Als Fett verwende ich weisses Lithiumfett, das ist sauberer als andere Motorenfette wie z. B. Molybdaenfett. Das orginale Rezept, das von Edison verwendet wurde war 10 Teile Vaseline und 1 Teil Graphitflocken. Das funktioniert auch heute noch wunderbar, nur leider schwaerzt das alles was damit in Beruehrung kommt und ist sehr schwer auszuwaschen. Nach hundert Jahren wird es dann zu dieser wunderbaren Masse, die man heute in Klumpen in alten Grammophonen findet.

Im Anhang eine Kopie der Motor Reperaturanleitung fuer Edison Diamond Disc Maschinen, das Prinzip ist aber dasselbe bei anderen Motoren.

Andreas

edison_diamond_disc_motor_repair_manual.pdf




Starkton

Ich verwende ein Mehrzweckfett aus der Autoindustrie von Nigrin. Solange das Federhaus offen ist, kann man mit einem Heißluftfön das oben auf die Windungen geschmierte Fett anschmelzen, so dass es sich sehr schön verteilt.




berauscht

Ich habe eine super Reiniger für alle "fettigen" Teile des Motors entdeckt. Ein Power Fettlöser-Spray eines Düsseldorfer Waschmittelherstellers löst selbtst das das 80 Jahre alte Fett, welches sich mit Terpentin nur schwer mit schrubben entfernen läßt, leicht mit einem Wisch. Alle Metallteile werden wieder ganz sauber und blank.
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Silas-Leachman
Do Mär 09 2017, 16:05
Dabei seit: Di Mär 07 2017, 13:02
Wohnort: mittleres Ruhrgebiet
Einträge: 28
Eine Ergänzung hierzu meinerseits: Wer häufiger Federn tauscht/Motoren wartet, kann sich auch einen solchen kleinen Schraubstock aus Holz fertigen. Damit beschädigt man garantiert nicht den Zahnkranz an der Federdose, vermeidet Kratzer oder Verbiegungen an der Dose.









Ich habe das ganze aus div. Holzresten gesägt, eine Gewindestange und zwei Muttern zum "zudrehen" und fertig.
Das Ganze kann man mit zwei Schraubzwingen auf der Arbeitsplatte befestigen, damit man die Hände zum arbeiten frei hat.

Alternativ kann man auch zwei Backen aus weichem Metall in den regulären Schraubstock legen:



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