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Das Heyn-Quartett
Moderatoren: SchellackFreak, berauscht, Grammophonteam, Formiggini, krammofoon, Limania
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humoresk
Sa Dez 14 2013, 10:22 Druck Ansicht
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Dabei seit: So Jun 10 2012, 16:06
Einträge: 387
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

das Heyn-Quartett ist bislang noch herzlich unerforscht, obwohl es - neben den unzähligen Plattenaufnahmen - immerhin eine Besetzungsangabe gibt: Das Ensemble soll aus Hans Göbel (1. Tenor), Robert Jonas (2. Tenor), Walter Bartoschek (Bariton) und Erich Heyn (Bass) bestanden haben.



Das war's aber auch schon fast an Informationen mit Ausnahme kleiner Details:
  • Ende der 1930er Jahre muss es zu immerwährenden Querelen mit den deutschen Ex-Comedian-Harmonists, dem Meister-Sextett, gekommen sein. Im Nachlass von deren Bassist Biberti gibt es einige Unterlagen, die bestätigen, dass Erich Heyn die Konkurrenten mehrfach bei offiziellen Stellen angezeigt und in Veruf gebracht hat. Nach 1945 hat sich Biberti mit einer Anzeige während der Denazifizierung revanchiert.
  • Etwa 1942/43 dürfte Erich Heyn das Ensemble (zugunsten seiner Solistentätigkeit?) aufgegeben haben: Als Bartoschek-Terzett machten die drei ehemaligen Kollegen kurzfristig weiter. Die dabei entstandenen Aufnahmen von der "Zizi, Zezi, Zuzi" und "Schönes Wetter heute" sind wirklich grandios!
  • 1951 entstand eine einsame Nachkriegsaufnahme der Gruppe als "Meister-Gesangs-Quartett". Dies lässt sich nicht nur nach dem Höreindruck, sondern auch anhand erhaltener Aufnahmeunterlagen belegen.
Gleichermaßen schade wie erstaunlich ist das Informationsdefizit zur Gruppe auch deshalb, weil das Heyn-Quartett ausgesprochen aktiv und - vor allem aufgrund des angenehmen Tenors von Hans Göbel - auch qualitativ ansprechend war.

Wer mehr über die Gruppe weiß, Fotos oder andere Dokumente besitzt, möge sich bitte melden oder sie hier mit allen teilen.

Liebe Grüße,

Josef



[ Bearbeitet Sa Jun 20 2015, 17:40 ]
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Musikmeister
Sa Feb 11 2017, 18:27
Autor
Dabei seit: So Aug 21 2011, 21:23
Wohnort: Hamburg
Einträge: 925
humoresk schrieb ...

Gleichermaßen schade wie erstaunlich ist das Informationsdefizit zur Gruppe


Habe mich jetzt ein bisschen mit der Frühgeschichte des Heyn-Quartetts und deren Mitgliedern, so sie denn namentlich bekannt sind, beschäftigt. Leider gibt es ja im Leimbach überhaupt keine Informationen über das Quartett.
Der Namensgeber des Quartetts, Erich Heyn, begann als Chorsänger im Chor der Städtischen Oper Charlottenburg ab der Spielzeit 1929/30. Im weiteren Verlauf sollten alle bekannten Mitglieder des Heyn-Quartetts auch Chormitglieder der Städtischen Oper bzw. des Deutschen Opernhauses Berlin werden. Als Erich Heyn 1929 in Berlin-Charlottenburg als II.Bass begann, wurde Hans Göbel als I.Tenor ebenso Chorsänger am Stadttheater Hagen in Westfalen engagiert. Beide scheinen also eher die beiden älteren Herren auf dem Bild zu sein, also ganz links und rechts.
Während Erich Heyn längerfristig an der Städtischen Oper engagiert war, wechselte Hans Göbel im Folgejahr 1930 erneut als I.Tenor bis Sommer 1933 an das Stadttheater Dortmund. Zur neuen Spielzeit 1933/34 wechselte Hans Göbel erneut, nun nach Darmstadt an das Hessische Landestheater, wie gehabt als I.Tenor.
In Berlin-Charlottenburg gesellte sich Walter Bartoschek als I.Bass zu Erich Heyn und dem Chor der Städtischen Oper, der gesamte Chor wurde bereits auch schon für Schallplatteneinspielungen, z.B. für Electrola, herangezogen. Nach dem Machtwechsel wurde die Führung der Städtischen Oper schnell NS-kompatibel ausgetauscht und der gesamte Chor sang auf Electrola NS-Aufnahmen ein. Im Herbst 1933 bekam Erich Heyn als Solist neben einigen Choraufnahmen die Gelegenheit, seine vielleicht erste Schallplatte solo zu besingen.
Electrola-Neuerscheinungen, Dezember 1933


2 Mitglieder des späteren Heyn-Quartett waren zur Spielzeit 1933/34 also bereits länger als Chorsänger aktiv. Neben Walter Bartoschek in Berlin-Charlottenburg begann zu dieser Spielzeit nun auch der II.Tenor Robert Jonas als Chorsänger tätig zu werden, vorerst am Stadttheater Freiburg im Breisgau. In der folgenden Spielzeit 1934/35 waren Erich Heyn und Walter Bartoschek weiter in Berlin-Charlottenburg engagiert, nun im umbenannten Deutschen Opernhaus Berlin. Robert Jonas geht in seine letzte Spielzeit in Freiburg im Breisgau und Hans Göbel wechselt aus Darmstadt nach Düsseldorf an die Städtischen Bühnen. Im Sommer 1935 zur neuen Spielzeit sind nun, nachdem Robert Jonas ebenso nach Berlin-Charlottenburg wechselte, 3 der 4 bekannten Mitglieder in Berlin. Der I.Tenor Hans Göbel wechselt aus Düsseldorf an das Bayrische Staatstheater nach München. Ab Oktober spätestens November 1935 nahm nun ein vorerst anonymes Gesangsquartett als Begleitung des Refrainsängers Erwin Hartung Aufnahmen für die Deutsche Grammophon auf. Diese Aufnahmen erschienen auf dem Grammophon "Braun"-Etikett. Nach kurzer Zeit erschienen von diesem Quartett auch eigene Platten - von den Heyn's Gesangs Guitarristen.
frühe "Grammophon"-Platten des Heyn-Quartetts


Diese Aufnahmen müssten eigentlich mit einem bisher nicht bekannten I.Tenor entstanden sein, da Hans Göbel noch in München weilte und erst ab Sommer 1936 das nun vollständige Heyn-Quartett vom Deutschen Opernhaus Berlin komplettierte.
Grammophon-Neuerscheinungen, August 1936


Nun wurde das Heyn-Quartett für die Deutsche Grammophon das, was die Metropol-Vokalisten für Odeon/Gloria waren. Über die Qualität der Sangeskunst der einzelnen Mitglieder des Heyn-Quartetts sei vermerkt, das jeder bis Kriegsbeginn als eigentlich Chormitglied auch feste kleinere Rollen in Bühnenstücken des Deutschen Opernhauses Berlin erhalten hat - bis auf Erich Heyn.

[ Bearbeitet Sa Feb 11 2017, 18:29 ]
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SchwarzesGold
Sa Feb 11 2017, 21:39
Dabei seit: So Aug 23 2015, 22:06
Wohnort: Pusemuckel
Einträge: 32
Erich Heyn wirkt ebenfalls als Solist in der Odeon Kurzoperette
"Orpheus in der Unterwelt" mit, neben u.a. Max Kuttner, Else Knepel, Paula Lindberg, Rudolf Hofbauer etc.,
die unter Leitung von Dr. Römer entstand.
Odeon O-11166 bis 11169
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EddieCondon
Sa Feb 11 2017, 21:41
Dabei seit: Fr Jan 06 2017, 13:29
Wohnort: Köln
Einträge: 87
...interessanterweise gibt es die (in der obigen Werbeanzeige erwähnte) frühe Solo-Aufnahme nicht nur als Electrola, sondern sogar als "HMV" (wer auch immer die in England 1933/34 gekauft haben mag) ....

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Musikmeister
Sa Feb 11 2017, 22:22
Autor
Dabei seit: So Aug 21 2011, 21:23
Wohnort: Hamburg
Einträge: 925
@SchwarzesGold & EddieCondon: Danke für den interessanten Hinweis und das ergänzende Labelbild!

Erich Heyn also doch in kleinen Rollen kurz nach Beginn seiner Chorsängerkarriere in den Kurzoperetten "Orpheus in der Unterwelt" (Oktober 1929) sowie "Der Bettelstudent" (März 1930) als Plattenaufnahmen für Odeon. Schon bemerkenswert, da die Städtische Oper zu der Zeit eine ganze Menge an Bassisten zur Verfügung hatte und die Wahl trotzdem auf den "Neuling" Erich Heyn fiel.


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