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V-Disc Label USA
Moderatoren: SchellackFreak, berauscht, Grammophonteam, Formiggini, krammofoon, Limania
Autor Eintrag
Grammo-Klaus
Sa Feb 08 2014, 18:01 Druck Ansicht
Dabei seit: Mo Jan 27 2014, 11:46
Wohnort: Im sonnigen Westfalenland
Einträge: 256
Hallo, ich habe zwar noch keinen Thread über die V-Discs gefunden, deshalb stelle ich sie mal hier vor. Wahrscheinlich haben viele schomal von der sog. V-Disc (Victory-Disc) gehört. Bei mir war das ziemlich spät, deshalb besitze ich auch nur 7 Stück, aber in recht gutem Zustand.
Die Idee, Soldaten an der Front mit Musik aus der Konserve zu unterhalten, stammt von dem amerikanischen Captain Howard Bronson, der zum musikalischen Direktor der Army´s-Recreation and Welfare Section wurde. Das war wohl eine amerikanische Truppenbetreuungs-Behörde. Ursprünglich wurde amerikanische Militärmusik an die Einsätze der US-Soldaten verschickt um die Moral der Truppe zu stärken. Allerdings kamen die Platten meist in Scherben bei den Soldaten an.
Das war 1942. Zeitgleich war die American Federation of Musicians (Amerikanische Musiker-Gewerkschaft), darüber erbost, das Musik ohne Tantiemen-Abgaben gespielt wurden. Der Leiter dieser Behörde war ein Mann namens James-Ceasar Petrillo. Er setzte die bekanntesten US-Plattenfirmen unter Druck (Decca, RCA,-Victor, Columbia und Capitol), wenn sich im Tantiemen-Bereich nichts ändern sollte, das die Künstler der AFM nach dem 31.7.1942 keine Aufnahmen mehr machen. Das führte zum sog. Record-Ban der zwei Jahre andauerte.
In dieser Zeit gab es nur Live-Aufnahmen, Radioübertragungen oder Vocal-Aufnahmen ohne Intrumentalbegleitung. Nun kam ein Mann namens Lieutenamt George-Robert Vincent in´s Spiel. Vincent hatte gute Verbindungen zu den Armed-Forces und zur Schallplattenindustrie. Er arbeitete sogar mit Thomas-Alva Edison und 1942 kam er zum AFRS als technischer Mitarbeiter. Er arbeitete von da an mit Bronson an den sog. Transcription-Discs. Lieutenand Vincent wusste genau, wie die Soldaten tickten und welche Musik zu ihrer Unterhaltung wichtig war. So machte er bei seinen Vorgesetzten ein Projekt schmackhaft, welches die Soldaten mit aktuellen Songs der beliebten Künstler der Zeit , beliefern sollte. Dazu kam die Tatsache, das die US-Army aber keine finanziellen Mittel hatte um eine Schallplatten-Gesellschaft zu gründen. Tatsächlich konnte er den Army-Finanzverwalter Major Howard Haycraft gewinnen, ca. 1 Million Dollar zur Verfügung zu stellen um das V-Disc-Programm zu unterstüzen. Vincent und sein Team machte sich an die Arbeit einen Ersatzstoff für Schellack zu finden. Sie fanden ein Union Carbide Product namens Vinylite, welches sich als brauchbar herausstellte. Die grossen Plattenfirmen verwendeten das neue Kunststoff-Material, ausser Columbia-Records die sich aus recycleten Schellacks bediente, um die neuen Platten zu pressen. Zwei wichtige neue Mitglieder kamen dann ins Team: Morty Palitz der bei Decca, Brunswick und Columbia arbeitete und Walt Heebner der bei RCA im Vertrieb war. Heebner musste nur noch die AFM und Petrillo von der patriotischen neuen Sache zu überzeugen, seine Zustimmung zur Produktion der V-Discs zu erbitten und die dem Verband angeschlossenen Musiker Aufnahmen für das Projekt zu gestatten. Petrillo gab quasi sein OK, aber mit Einschränkungen, das diese Platten nicht kommerziell genutzt werden dürfen. D.h. diese V-Discs durften nie im Radio gespielt werden oder in Musikgeschäften verkauft werden und nach dem Krieg mussten alle Pressmatritzen vernichtet werden. Dann kam der Aufnahme-Ingenieur Sgt. Tony Janak ins Boot, welcher Live-Aufnahmen in Jazzclubs und Konzertsälen machte. Die V-Discs kamen dann bei den Soldaten an den jeweiligen Fronten gut an. So hatten sie die Möglichkeit tausende Kilometer fern von zu Hause die aktuellsten Hits der heimischen Stars zu hören. Musik für die V-Discs kamen dann von vielen Quellen, z.B. Live-Aufnahmen, Radiosessions, Filmmusik aus den Filmstudios. Nach dem Krieg wurden die Matritzen zerstört, aber ein kompletter Satz wurde in der Library of Congress archiviert. V-Discs sind schon was besonderes, meines Erachtens nach, denn sie verbinden Weltgeschichte mit Musik-Kulturgeschichte. Man spricht heute noch von ca. 904 Titeln. Ich habe zwar nur 7 Stück aber ich bin froh sie zu haben. Noch eine Besonderheit einer V-Disc. Gängiges Format 30-CM, 78rpm Geschwindigkeit, manche haben zwei, drei oder auch mal vier Titel und bei vielen eine persönliche Ansprache an die Soldaten an der Front von den Stars.
Hier mal ein paar Bilder.





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Gast
Sa Feb 08 2014, 19:10
Gast
Gut geschrieben!
Ich besitze auch eine Reihe V-Disc Platten. Sie haben zwar Normalrillen
bestehen aber aus einem flexiblen Kunststoff - höchste Vorsicht beim
Abspielen mit schweren Nadeltonarmen!

[ Bearbeitet Sa Feb 08 2014, 19:12 ]
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Charleston1966
Sa Feb 08 2014, 21:05
Dabei seit: Mo Nov 12 2012, 11:19
Wohnort: Im Schwabenländle
Einträge: 467
Schöner sehr informativer Bericht,

habe auch einen ganzen Schwung dieser sehr interessanten Scheiben, die meisten als Kunststoff, aber doch auch eine ganz nette Anzahl in Schellack gepresst. Im Netz gibt es auch irgendwo eine V_Disc Diskographie. Einfach mal V-Disc in die Suchmaschine eingeben, da gibt es einiges.

LG
Karlheinz
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Grammo-Klaus
So Feb 09 2014, 12:09
Dabei seit: Mo Jan 27 2014, 11:46
Wohnort: Im sonnigen Westfalenland
Einträge: 256
Hallo Bruno und Charleston, ich spiele diese V-Discs immer elektrisch mit einem Hi-End-Spieler der Marke THORENS ab, welcher mit einem Ortophon-78-Nadelsystem ausgestattet ist. Es gab von SHURE auch ähnliche Schellacknadeln. Es ist heute schon schwer geworden, richtig gut erhaltene Exemplare der V-Discs zu bekommen, da die Vinyl-78er halt auch auf den Grammos der Truppen schnell verschlissen wurden. Wenn man bedenkt, das diese Platten in Europa und in Asien an den jeweiligen Kriegs-Einsätzen der US-Soldaten verwendet wurden. Die V-Discs die noch aus Schellack gepresst wurden, stammen dann von der US-Columbia. Ich habe meine teils sogar auf Flohmärkten und auch einige im Internet schnappen können. Ich habe mal eine kuriose Story gehört, das nach 1945 Leute V-Discs gefunden haben und eingebuddelt haben um sie dann später nach den Kriegswirren wieder in Besitz zu bringen, da ja der private Besitz, ausserhalb der US-Army, und das Verkaufen verboten war. Heutzutage gibt es CDs und Vinyl-LPs mit überspieltem V-Disc Inhalt, Serien mit Glenn Miller zum Beispiel. Ob dabei auch die Kommentare der Stars an die Soldaten auch mit überspielt wurden weiß ich allerdings nicht.
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Grammophonteam
So Feb 09 2014, 12:37
Seitenbetreiber

Dabei seit: So Sep 04 2011, 14:54
Wohnort: In den tiefen des Netzes ;)
Einträge: 2235
Die V-Disc wurden mit Halbdauernadeln ausgeliefert. Für "normale" Platten empfahl man einen Wechsel nach 8 Plattenseiten. Für V-Disc jedoch eine neue.



Sowohl Nadeln als auch die dazugehörigen Koffergrammophone (in besonders stabiler Ausführung) wurden im Auftrag der Navy hergestellt.









Bildquelle: Ebay-USA


Discographien zu den V - Dics gibt es unter Link - Hier klicken und Link - Hier klicken . Via archive.org kann man sehr viele der Platten anhören: Link - Hier klicken





[ Bearbeitet Di Apr 21 2015, 17:45 ]
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Charleston1966
So Feb 09 2014, 19:34
Dabei seit: Mo Nov 12 2012, 11:19
Wohnort: Im Schwabenländle
Einträge: 467
Hallo Klaus, ich spiele meine Schellacks sowie auch V.Discs und Decelithscheiben grundsätzlich nur auf meinem Thorens TD 126Mk III, mit Shure M78 System, oder auf dem Lenco L75 mit Stanton TH 500 System und Nadeln mit drei verschiedenen Verrundungen ab. Ich habe auch schon festgestellt, daß vor allem die Vinyl V-Discs auch wenn sie aussehen wie frisch aus der Presse doch ziemlich Knistern. Ich habe letztes Jahr auf einem Flohmarkt unerwartet ca. 50 V.Discs aus einem Konvolut LP's rausgezogen. Das Stück ca. € 1,50, es waren alle Qualitätsstufen sowie Pressungen in Kunststoff und Schellack dabei.
@ Grammophonteam
Ich wußte nicht, daß es spetielle Nadeln für die V-Discs gab. Interessant auch daß der Plattenteller scheinbar 30cm Durchmesser hatte, klar für die Vinylplatten, die sind ja recht dünn teilweise.
Danke für's zeigen und schließen dieser Wissenslücke.

LG
Karlheinz
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Grammo-Klaus
Mo Feb 10 2014, 11:11
Dabei seit: Mo Jan 27 2014, 11:46
Wohnort: Im sonnigen Westfalenland
Einträge: 256
Hallo Grammophonteam und Charleston, diese Nadeln nebst Packung habe ich auch noch nicht gesehen. Glückspilz Charleston für so einen Flohmarkt-Fund. *armen Lenco und Shure lassen sich selbstverständlich auch verwenden. Ich habe mich halt für einen THORENS TD-180 entschieden mit dem besagten Ortofon-78-System. Es sieht von Nadelträger dem OMB-10 ähnlich. Ich kenne keine V-Discs mit 33 Umdrehungen, m.E. sind diese Platten nur mit 78 Umdrehungen erschienen. Es gab hauptsächlich Swing, Jazz, Popular-Vocal-Songs, ein bisschen Blues, Weihnachtslieder, Polkas und auch Klassik.
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Charleston1966
Mo Feb 10 2014, 13:36
Dabei seit: Mo Nov 12 2012, 11:19
Wohnort: Im Schwabenländle
Einträge: 467
Hallo nochmals,
V-Discs gab es nur mit 78 Upm, allerdings sind die Rillen wesentlich enger geschnitten al bei einer normalen Schellack.


LG
Karlheinz

[ Bearbeitet Mo Apr 13 2015, 13:09 ]
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Silas-Leachman
Do Mär 09 2017, 16:13
Dabei seit: Di Mär 07 2017, 13:02
Wohnort: mittleres Ruhrgebiet
Einträge: 28
Hier noch die "Navy"-Variante.

Meiner Beobachtung nach waren die Bestell-Nummern nicht identisch mit der regulären Ausgabe.



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Pinetop
Sa Mär 11 2017, 08:24
Dabei seit: Di Okt 23 2012, 14:04
Einträge: 54
Hier eine einseitge Testpressung sowie eine spezielle Sing-a-long Serie. Darauf erschienen auch Titel mit Bing Crosby.





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