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Orchester Polischuk - Isaak Polischuk
Moderatoren: SchellackFreak, berauscht, Grammophonteam, Formiggini, krammofoon, Limania
Autor Eintrag
Formiggini
Sa Nov 08 2014, 00:03 Druck Ansicht
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Dabei seit: Di Dez 28 2010, 19:20
Einträge: 1880


Isaak Polischuk
* 21. Juli 1883 in Kiew; † nach 1938, unbekannt

Orchesterleiter, Geiger in Deutschland


Das Orchester Polischuk spielte nach dem ersten Weltkrieg eine ganze Reihe an Schallplatten "moderner Tanzmusik" (im Ragtimestil) auf Favorite Records ein. Teilweise erschienen die Aufnahmen auch unter dem Namen Orchester Marion. Der Vorname Schura fand - bis jetzt - keine Bestätigung in Dokumenten.

Vermutlich kam Isaak Polischuk im Zuge der Revolution in Russland oder der Judenpogrome in dem Land nach Berlin. Sein Sohn Basia Polischuk wurde 1912 noch in Kiew geboren. Ab 1919 findet sich der Musiker zusammen mit seiner Familie in den Berliner Adressbüchern.

1919


1920


Bereits 1918 bearbeitet ein J. Polischuk die musikalische Untermalung zu dem Stummfilm "Die letzte Liebesnacht der Inge Tolmein" Link - Hier klicken .

Im Juni 1919 eröffnete der neue Tanzpalast Libelle, Jägerstrasse 63a, in Berlin. Das Orchester Polischuk spielte hier nun zum Tanz auf.
Anzeige 19. Juni 1919




Kurz danach wurde der Schallplattenkonzern Lindström auf das Orchester aufmerksam. Nach dem Tanzverbot während des Krieges war das Publikum und die Käuferschaft quasi "ausgehungert" nach modernen Tänzen und neuen Tanzplatten. Isaak Polischuk erfüllte für die Lindström nun in den Jahren 1919 bis c.1921 eine ähnliche Funktion wie das Orchester "Max" Tauber für die Konkurrenz Polyphon/Grammophon.

Ähnlich wie bei Tauber (hier wurde von der Schallplattenfirma ebenfalls mit dem Auftrittsort des Orchesters geworben), vermarktete man nun auf Schallplatten die Tanzaufnahmen als "Libellen Tänze".




Februar 1920



Der Libelle in der Jägerstrasse 63a war jedoch kein langes Glück beschieden. Bereits am 20. April 1920 brannte das Gebäude mit dem Ballsaal vollständig nieder. "...selbst die metallenen Musikinstrumente der Kapelle... sind geschmolzen".

20. April 1920


23. April 1920


Der erst vor kurzem als Einwanderer nach Berlin gekommene Orchesterleiter war nun nicht nur seiner festen Spielstätte beraubt, auch die Instrumente (und vermutlich auch die Arrangements und Notenblätter) fielen den Flammen zum Raub. Zwar setzte er noch einige Monate die rege Aufnahmetätigkeit für die Lindström fort - andere Orchester und Kollegen wie z.B. Dajos Bela oder Marek Weber wurden jedoch schneller populär. Nach den "Libellen - Tänzen" sind mir keine weiteren Aufnahmen des Kapellmeisters bekannt.


1926

Vermutlich ausgebildet als klassischer Geiger, wandte sich Isaak Polischuk wohl wieder zunehmend der ernsten Musik zu. Gelegentlich findet sich Ende der zwanziger Jahre in Anzeigen noch der Name Polischuk bei Konzertabenden. Hierbei könnte es sich jedoch bereits um seinen Sohn Basia Polischuk handeln. Neben den gewöhnlichen Vermerken im Berliner Adressbuch, lässt sich Isaak Polischuk 1931 auch in das neu aufgelegte "Jüdische Adressbuch Berlins" eintragen.

1931


Hauptberuflich spielt er nun im Kulturbundorchester der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Sein Sohn studierte u.a. auch in Brüssel Musik. Bis 1933 spielte Basia Polischuk in Berlin im Kammerorchester von Michael Taubes. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wird dieses Orchester verboten. Basia Polischuk wird nun Konzertmeister des Kulturbundorchester in welchem auch sein Vater, Isaak Polischuk spielt. Schon bald daruf verlässt Basia Polischuk Berlin und wandert nach Palästina aus. Er wird hier eines der Gründungsmitglieder des Palestine Symphony Orchestra ( “Orchestra of Exiles”). Später geht der Sohn in die USA. Hier stirbt er als amerikanischer Staatsbürger.

Der Vater, Isaak Polischuk bleibt in Berlin. 1935 wird er von der Reichsmusikkammer in die Namensliste „nichtarischer“ Musiker (RMK Sign.: R 56 II/15) aufgenommen. Auch die ideologischen Machwerke Judentum und Musik (1938) und Lexikon der Juden in der Musik (1941) führen seinen Namen. Aus diesen Quellen stammen auch die Angaben zu seinem Geburtsort- und Datum.

Letztmals findet man Isaak Polischuk (nun als Jack) im Berliner Adressbuch.
1939


Sein weiteres Schicksal ist mir unbekannt...

[ Bearbeitet Sa Nov 08 2014, 09:57 ]
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