Automatic translation in English

Grammophon Portal zum lesen...

Anzeigen:
Plattenfirmen
Von wann ist
meine Schellackplatte?

Die Künstler
Grammophone
Historisch - Technisches
Musikalisches

Anzeigen






International Gramophone Board
Participate?

Foren

Foren > Firmengeschichte, Labels, Hüllen, und Matrizen > LABELKUNDE - Deutschsprachige Labels und Firmengeschichte > Informationskreis D. Grammophon
Gramola - Grammophon "Krieg" in Österreich
Moderatoren: SchellackFreak, berauscht, Grammophonteam, Formiggini, krammofoon, Limania
Autor Eintrag
Grammophonteam
Do Jul 23 2015, 21:31 Druck Ansicht
Seitenbetreiber

Dabei seit: So Sep 04 2011, 14:54
Wohnort: In den tiefen des Netzes ;)
Einträge: 2218
Nach dem ersten Weltkrieg kam es in Österreich, bedingt durch den Besitzerwechsel der Grammophon in Deutschland, zu einer etwas „absonderlichen“ Situation: Es gab zeitgleich zwei Grammophon Gesellschaften… Dies wurde an anderen Stellen im Portal schon angesprochen, z. B. unter Link - Hier klicken

Nach 1918 arbeiteten in Wien zum einen die:
- Österreichische Grammophon Gesellschaft m. b. H.
- Deutsche Grammophon A. G., Berlin – Hannover

Die „Österreichische Grammophon GmbH“ war noch ein direktes Tochterunternehmen der „Gramophone Comp. Ltd, London“ (His Masters Voice, HMV). Die „Deutsche Grammophon A. G“ (DGAG) seit dem Krieg eigenständig, bzw. nicht mehr mit dem ehemaligen Mutterkonzern in England verbunden. Beide Firmen beanspruchten für sich die berühmten Marken „Die Stimme seines Herrn“ (His Masters Voice), die Wortmarke „Grammophon“ sowie die Bildmarke „Nipper“ (Hund vor Trichtergrammophon). Ende 1920 entbrannte aus dem sich gegenseitig beobachten eine offene Auseinandersetzung der ehemaligen Partner, bzw. Mutter/Tochter Konzern.




Die DGAG erklärte daraufhin in ganzseitigen Anzeigen im Herbst 1920: Nur sie haben das Recht in Österreich, Tschechoslowakei, Jugoslawien, Ungarn und der Ukraine die beanspruchten Bild- und Wortmarken verwenden zu dürfen.





Der „Krieg“ zwischen den beiden Firmen eskalierte im Oktober 1920. Der bekannte Grammophonhändler und Hersteller Janauschek in Wien baute Geräte (wohl in Lizenz) unter Verwendung von Motoren und Bauteilen der HMV (Österreichische Grammophon GmbH). Diese wurden mit den Bezeichnungen „Grammophon“ und „Gramola“ verkauft. Dagegen ging die DGAG vor.




Wieder wurde in großen Anzeigen darauf hingewiesen: Nur die DGAG hat das Recht diese Marken zu verwenden. Sie wird gegen jeden Händler und Hersteller vorgehen, die ihre Rechte verletzen.





Nun meldete sich auch die Österreichische Grammophon GmbH aka Gramophone Comp. Ltd / HMV in großen Anzeigen zu Wort.





Die DGAG konterte…





Im Dezember 1920 sahen sich die beiden Grammophon Gesellschaften in Wien vor Gericht. Die DGAG gewann… Tatsächlich wurden vor dem ersten Weltkrieg die Wort- und Bildmarken auf eben die Tochtergesellschaft in Berlin angemeldet und nicht auf die Mutterfirma in London. Die Gramophone Comp. Ltd / HMV (Österreichische Grammophon GmbH) durfte die Marken in den von der DGAG beanspruchten Ländern nicht mehr verwenden.





Bald danach wurde der Name „Österreichische Grammophon GmbH“ aufgegeben, die HMV firmierte in der Tschechoslowakei und Österreich unter dem Namen „Gramophone Comp. Ltd“. His Masters Voice – Die Stimme seines Herren (HMV) durfte die HMV aber nicht verwenden. Dieses Recht hatte die „verlorene“ Tochter Deutsche Grammophon…

Im weiteren Verlauf wurde der HMV (Gramophone Comp. Ltd) jedoch zugesprochen in Österreich die Wortmarke „Gramola“ zu verwenden. Unter dieser Marke verkaufte die HMV nun Grammophone und Schallplatten. Parallel vertrieb die DGAG ihre Produkte unter dem Namen „Grammophon“ und der Bildmarke „Nipper“.







Anfang der 1930er Jahre (genaues Datum ist noch zu klären), erhielt die Gramophone Comp. Ltd (ehemalige Österreichische Grammophon GmbH) wieder das Recht an der Wortmarke HMV – His Masters Voice.
Nach oben
Grammophonteam
Sa Sep 12 2015, 19:46
Seitenbetreiber

Dabei seit: So Sep 04 2011, 14:54
Wohnort: In den tiefen des Netzes ;)
Einträge: 2218
Zu der Frage wann die Gramophone Comp. Ltd (ehemalige Österreichische Grammophon GmbH) wieder das Recht an der Wortmarke HMV – His Masters Voice erhielt:

Im Sommer 1929 firmiert in der Werbung die Deutsche Grammophon plötzlich mit der Schutzmarke "Polydor" - ohne Nipper und Grammophon. Ab späten Frühjahr 1930 taucht in Anzeigen wieder die HMV auf - mit der alten Schutzmarke Nipper. Damit lässt sich das Datum auf ~ 1929/30 eingrenzen.

Anzeigen aus Radio Wien, Juni 1930:


Nach oben
berauscht
So Sep 13 2015, 12:17
"Urgestein" Autor/Moderator

Dabei seit: Mi Jan 06 2010, 21:59
Einträge: 1319
Die letzten Gramola-Anzeigen erschienen Ende März 1930.

Nach oben
Grammophonteam
Fr Dez 18 2015, 22:18
Seitenbetreiber

Dabei seit: So Sep 04 2011, 14:54
Wohnort: In den tiefen des Netzes ;)
Einträge: 2218



Gramola in Österreich wieder "His Masters Voice"

Auf Grund des Londoner Schiedsgerichtsspruches können ab 31. Jänner 1930 die Erzeugnisse der Firma "His Masters Voice", die in Österreich unter der Marke "Gramola" in den Handel kamen, wieder den Originaltitel "His Masters Voice" tragen.
Prager Tagblatt, 5. Februar 1930
Nach oben
Hedensö
So Dez 20 2015, 19:17

Dabei seit: Fr Jan 06 2012, 11:09
Einträge: 975
Vielen herzlichen Dank für die sehr detaillierte und interessante Darstellung der Auseinandersetzung zwischen den beiden Firmen.

Ich denke, diese detaillierte Ausarbeitung ist einmalig im www. Habe sie mit sehr großem Interesse gelesen.
Nach oben
Formiggini
Sa Jan 09 2016, 00:00
Seitenbetreiber

Dabei seit: Di Dez 28 2010, 19:20
Einträge: 1880
Und wer sich schon immer gefragt hat, woher der Name GRAMOLA eigentlich kommt...




Juli 1911
Nach oben
Webseite
 

Forum:     Nach oben