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Phonographen-Schaustellerplakat von Wilhelm Bahre (1895)
Moderatoren: SchellackFreak, berauscht, Grammophonteam, Formiggini, krammofoon, Limania
Autor Eintrag
Starkton
Mo Feb 20 2017, 18:07 Druck Ansicht
Dabei seit: Mi Okt 05 2011, 21:47
Wohnort: Berlin
Einträge: 2038
Phonographen-Schaustellerplakat von Wilhelm Bahre (1895)

Im Sommer 1889 wurde der erste "verbesserte" Edison Phonograph mit Elektromotor und Walzen aus wachsähnlichem Material in Deutschland vorgeführt. Das Gerät erregte großes Aufsehen und noch ein Jahrzehnt später konnten Schausteller mit Phonographen aller Art gutes Geld verdienen.



Die Vorführungen wurden, zusätzlich zu Zeitungsinseraten, mit Handzetteln und Plakaten beworben. Von diesen Werbemitteln ist fast nichts überliefert. Ich zeige in diesem Thread ein etwa 60 x 80 cm großes Plakat, das an seiner Ober- und Unterkante mit schwarz lackierten Rundleisten aus Holz versehen ist. Das farbig bedruckte Papier ist zur Stabilisierung auf einem Gewebe kaschiert. Der Schausteller hatte es sicher auf einem Ständer vor seiner Bude aufgehängt um Besucher anzulocken.



Die Abbildung zeigt einen etwas griesgrämiger Edison vor seinem Class M Phonograph mit hochinteressantem, frühem Riesentrichter. Die Überschrift mit dem "besten Phonograph der Welt *Triumph*" weist jedoch in eine andere Richtung. "Triumph" war der Handelsname, den der Berliner Händler Wilhelm Bahre seinen ab mindestens 1895 importierten Graphophonen gegeben hatte: Link - Hier klicken Ich gehe davon aus, dass man in Bahres Laden solche Plakate zusammen mit den damit beworbenen Musik- und Sprechwalzen kaufen konnten.



Für die Datierung kam mir eines der plakatierten "Sensations-Stücke" zu Hilfe. Am 21. Juni 1895 legte Kaiser Wilhelm II. mit drei Hammerschlägen den Schlußstein des Kaiser-Wilhelm-Kanals an der Kieler Förde. Dazu fand ich folgendes Zitat: "Mit einem ungeheuren Propaganda-Aufwand war diese Leistung publik gemacht worden, eine Imagekampagne ohnegleichen für das junge Deutsche Reich. Das Eröffnungsspektakel, das vom 19. bis zum 22. Juni 1895 dauerte, brachte das halbe Volk aus dem Häuschen." Link - Hier klicken

Die Aufnahme der "Kieler Kaiserrede" war sicherlich für Monate ein Publikumsmagnet in ganz Deutschland. Ich zweifle übrigens nicht daran, dass die extra angekündigten "drei Hammerschläge" von der Walze recht authentisch wiedergegeben wurden. Natürlich hat nicht der Kaiser selbst in den Phonographen gesprochen. Zur Thematik solcher "Kaiser-Walzen" hatten wir bereits einen Beitrag: Link - Hier klicken
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alang
Mo Feb 20 2017, 18:59
Dabei seit: Di Jun 12 2012, 19:52
Wohnort: Delaware, USA
Einträge: 484
Interessantes Plakat. Das bekannte Edison Photo wurde anscheinend nach Bedarf mit verschiedensten Edison Phonographen "nachgeruestet". Edison war da angeblich muede und erschoepft von durchgearbeiteten Naechten, das griesgraemige kommt glaube ich eher von den Falten und Rissen im Papier. Das Horn ist ja wirklich interessant, so eines hab ich noch nicht gesehen. Das haette ohne Aufhaengung auch so keine Chance aufrecht zu bleiben. Auch interessant, dass man "Entree" anstatt "Eintritt" fuer den Preis benutzte. Irgendwie lustig ist, dass die Walzenkiste fast wie ein Laptop aussieht...

Danke fuers Vorstellen dieser Seltenheit.
Andreas
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PONOPHON
Mo Feb 20 2017, 19:29
Dabei seit: Sa Dez 12 2015, 17:45
Wohnort: Österreich
Einträge: 72
Ein Tolles und absolut seltenes Gusto Stück für eine außergewöhnlich gute Sammlung.
Herzlichen Glückwunsch!
Mir gefällt der „Amerikanische“ Rahmen mit den Sternen besonders gut.
Rührend finde ich auch die offensichtlich nachträglich angebrachte Dekoration zwischen dem Trichter und dem „Triumph“ Schriftzug. War es dem Besitzer nicht auffällig genug?
Christian
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Starkton
Do Feb 23 2017, 01:30
Dabei seit: Mi Okt 05 2011, 21:47
Wohnort: Berlin
Einträge: 2038
Hier ist der erschöpfte Edison am 16. Juni 1888 - nachdem er fünf Tage und Nächte an der Verbesserung seines Phonographen gearbeitet hatte.



Die Grafik auf dem Plakat enthält ein paar interessante Unterschiede. Die flaschenförmige Grenet Batterie sowie die weißen Walzen auf der Vorlage fehlen. Stattdessen stehen vor Edison zwei Phonographen: Links ein Modell Class M von Anfang 1889 mit brillenförmiger Fassung für die Schalldosen, rechts ein Modell Class W mit Wasserturbine (wenn ich mich nicht irre) von Ende 1889. Vom Class M führen Kabel zu zwei Lalande Batterien unter dem Tisch, rechts von der Walzenkiste. Die Schalldose des Class M ist mit einem Riesentrichter, die des Class W mit einem Verteiler für zahlreiche Hörschläuche verbunden.



Der Class W sieht im Original so aus:



Die Einrahmung mit weißen Sternen vor blauem Hintergrund ist womöglich ein Hinweis auf die amerikanische Herkunft des "Triumph" (= Graphophon). Wahrscheinlich stand die USA für besondere Qualität im Sprechmaschinenbau.

Die mit stark rußhaltiger Tinte und Gänsekiel(?) aufgemalten Striche und Punkte haben bestimmt was zu bedeuten. Sie stehen wohl für besondere Lautstärke der Vorführung.
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veritas
So Feb 26 2017, 08:47
Dabei seit: Do Jun 28 2012, 17:52
Wohnort: im Ländle
Einträge: 437
Ein sehr schönes Plakat! Die Form des Trichters erinnert entfernt an die eines Aufnahmetrichters, allerdings stimmt dafür die Formgebung nicht ganz. Wurde so ein Trichter von Bahre auch offeriert oder handelt es sich um eine künstlerische Interpretation?

Daß die gelben Paraffin-Walzen des Originalfotos entfernt wurden ist nur konsequent, gab es diese doch nur in der Erstphase der Edisonschen Wachswalze und 1895 waren die meisten Wachswalzen eher von hell- bis dunkelbrauner Färbung.

Hier eine Kiste mit solchen hellgelben Paraffin-Walzen von 1888:


Foto: Thomas Edison National Historical Park
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Webseite
Starkton
Mi Mär 01 2017, 16:57
Dabei seit: Mi Okt 05 2011, 21:47
Wohnort: Berlin
Einträge: 2038
veritas schrieb ...

Die Form des Trichters erinnert entfernt an die eines Aufnahmetrichters, allerdings stimmt dafür die Formgebung nicht ganz. Wurde so ein Trichter von Bahre auch offeriert oder handelt es sich um eine künstlerische Interpretation?

Die Grafik gibt mir ein paar Rätsel auf. Die Szene im Vordergrund mit den beiden Phonographen ist zu detailliert ausgeführt um als künstlerische Interpretation durchzugehen. Vermutlich konnte der Druckgrafiker auf eine historische Vorlage von 1889/90 zurückgreifen.

Sicher ist jedoch, dass die Szene aus zwei Teilen zusammengesetzt ist, denn der auf einem Stuhl sitzende Edison im Hintergrund geht auf eine Vorlage von bereits 1888 zurück.

Ähnliche Trichter gab es in Wangemanns Aufnahmestudio:


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