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Edison - How We Gave a Phonograph Party (Form 67)
Moderatoren: SchellackFreak, berauscht, Grammophonteam, Formiggini, krammofoon, Limania
Autor Eintrag
alang
Mi Mär 15 2017, 00:52 Druck Ansicht
Dabei seit: Di Jun 12 2012, 19:52
Wohnort: Delaware, USA
Einträge: 484
Hier ist ein kleines Heftchen, das von Edison's "National Phonograph Co, New York" zwischen September 1899 bis Mitte 1900 herausgegeben wurde. Das Datum laesst sich anhand der Preise auf der Rueckseite gut nachvollziehen. Der Preis des Edison Concert Phonograph wurde im September 1899 von $125 auf $100 heruntergesetzt. Im Juni 1900 wurde der Preis dann auf $75 gesenkt. Also muss dieses Heftchen dazwischen veroeffentlicht worden sein.

Die Kurzgeschichte beschreibt zwei Damen die eine Phonographen Party veranstalten. Sie gehen durch die Planung, lernen wie man aufnimmt und abspielt, planen Essen und Getraenke usw. Dann wird beschrieben wieviel Spass jeder beim Aufnehmen ihrer Stimmen und Musikinstrumente hat und danach hat man wieder Spass beim Anhoeren.

Dieses Heftchen war offensichtlich Teil einer Serie, die potentielle Kunden davon ueberzeugen sollte, dass Edison's Vision "a Phonograph in Every Home" in jedermanns Interesse sei. Ich hoffe Euch gefaellt dieser Einblick in das Leben und die Werbung der Jahrhundertwende.









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[ Bearbeitet Mi Mär 15 2017, 00:56 ]
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veritas
Mi Mär 15 2017, 12:21
Dabei seit: Do Jun 28 2012, 17:52
Wohnort: im Ländle
Einträge: 437
Herzlichen Dank für's Posten dieses interessanten Pamphlets. Schon auf der ersten Seite auf eine Opernaufnahme von Walze hinzuweisen ist so ein herrlich Edison-typischer Widerspruch. Gab es doch gerade im Katalog der National Phonograph Co. zu dieser Zeit praktisch keine echte Opernaufnahme. Hier waren offenkundig Leute am Werk, die sich untereinander nicht abgesprochen haben. Wirklich sehr interessant!
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Starkton
Mi Mär 15 2017, 14:02
Dabei seit: Mi Okt 05 2011, 21:47
Wohnort: Berlin
Einträge: 2038
Das "Copyright 1899" auf der Innenseite des Deckblattes schränkt das Herstellungsdatum des Büchleins noch weiter ein.

Interessant ist der Name "Openeer" der fiktiven phonographenverrückten Familie, welcher an "Marktöffner" erinnert.

Der Einwurf von Norman ist leider sehr berechtigt. Es gab erst recht keine Serie von Walzen, wie im Heftchen erwähnt, welche eine ganze Oper wiedergibt. Das musste man schon selbst übernehmen. In diesem Zusammenhang ernüchtert die Warnung, die Privataufnahme eines Soprans, Tenors oder einer Geige gar nicht erst zu versuchen.
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alang
Mi Mär 15 2017, 16:48
Dabei seit: Di Jun 12 2012, 19:52
Wohnort: Delaware, USA
Einträge: 484
Stimmt, das Copyright 1899 habe ich vergessen zu erwaehnen. Also wurde das Heftchen irgendwann Ende 1899 gedruckt und war im naechsten Juni schon ueberholt. Um so mehr ueberrascht es mich, sowas noch in gutem Zustand zu finden. Sind ja doch 117 Jahre fuer ein kleines Werbeheftchen aus Papier.

Auch bemerkenswert ist, dass das ja noch vor den "Gold Molded Records" war, also noch zur Zeit individuell aufgenommernen brauner Wachswalzen. Da lag noch ein sehr grosser Schwerpunkt der Werbung auf Selbstaufnahmen.

In dem Zusammenhang ist auch wieder einmal die grossartige Vorraussicht von Fred Gaisberg zu bewundern einen Enrico Caruso und andere Opernstars fuer die Gramophone & Typewriter Company aufzunehmen. Das hat praktisch den Grundstein gelegt fuer die Musikindustrie mit ihren Stars wie wir sie heute kennen. Selbst Edison musste ja dann innerhalb kurzer Zeit von seinen anonymen und unterbezahlten Musikern auf seinen Walzen zu benannten Kuenstlern umsteigen.
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Starkton
Mi Mär 15 2017, 17:26
Dabei seit: Mi Okt 05 2011, 21:47
Wohnort: Berlin
Einträge: 2038
alang schrieb ...

In dem Zusammenhang ist auch wieder einmal die grossartige Vorraussicht von Fred Gaisberg zu bewundern einen Enrico Caruso und andere Opernstars fuer die Gramophone & Typewriter Company aufzunehmen.

Dass Fred Gaisberg irgend etwas mit dem Engagement von Caruso zu tun hatte ist ein Mythos, den Gaisberg, der offenbar ein übersteigertes Ego hatte, selbst mit seiner Autobiographie ins Leben rief und der bis heute nicht totzukriegen ist.

Es lief stattdessen so ab, dass die bekannteren Künstler Verträge mit einem örtlichen Vertreter der jeweiligen Grammophonniederlassung schlossen. Das war vernünftig, da die Niederlassungen ja selbst am besten wussten welche Sänger gerade buchbar waren und sich lokal gut verkaufen lassen würden. Die Künstler hatten sich dann zu einer bestimmten Zeit im Studio einzufinden um eine vorher abgesprochene Anzahl von "gelungenen" Tonaufnahmen zu machen. Jetzt erst kam Gaisberg ins Spiel.

Außerhalb der kulturellen Zentren Europas hat Gaisberg, wenn er z.B. in Russland, Indien oder auf dem Balkan unterwegs war, sicher den einen oder anderen (Straßen-)Künstler aufgegabelt und ins Studio geholt. Wenn es der Zufall so wollte war auch mal eine lokale Größe wie die Sängerin Gauhar Jan darunter, aber die Idee, die Aufnahme von Opernstars auf Gaisberg zurück zu führen, ist abwegig.
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veritas
Mi Mär 15 2017, 19:15
Dabei seit: Do Jun 28 2012, 17:52
Wohnort: im Ländle
Einträge: 437
Von diesem Werbeheft werden mit Sicherheit nicht viele Exemplare überlebt haben. Ich habe schon sehr viele Hefte aus der Zeit in Händen gehalten, dieses hier aber auch in fast 20 Jahren noch nie zuvor gesehen.

1899 war die Massenfertigung von vorbespielten Wachswalzen schon sehr fortgeschritten. Zwar wurden die verkauften Walzen in der Regel tatsächlich noch individuell mit einem Pantographen dupliziert, die Masterwalzen wurden aber schon 1898 galvanisch dupliziert. Diese Duplikate dienten dann als Quellenwalzen, von denen die finalen Wachswalzen pantographiert wurden. So konnte eine originalgleiche Walze in kleiner Stückzahl neu hergestellt und beim Kopieren ruhigen Gewissens "abgenudelt" werden. Ende 1901 war man bei der National Phonograph Co. dann soweit, den Launch im folgenden Jahr 1902 mit den Gußwalzen zu starten.

Was namhafte Künstler anging, so war Edison eigentlich über seine gesamte Lebenszeit wenig belehrbar. Ich bin mir absolut sicher, daß Namen wie Antonio Scotti oder Leo Slezak nur auf die Initiative der betrauten Mitarbeiter zurückzuführen ist.

Das gesamte Repartoire auf Diamond Disc und Blue Amberol zeigt einen deutlichen Schwerpunkt auf Interpreten, die ihren Wirkungsmittelpunkt quasi vor der Haustür der National Phonograph Co. hatten, also New Jersey und New York. Beispiele dafür sind Charles Harrison oder Elizabeth Spencer. Und unbekannte Künstler waren deutlich preiswerter zu haben!
Viele der Interpreten, die erst in den 1920ern mit Edison-Aufnahmen begannen, wurden von seinem Sohn Charles in den örtlichen Clubs und Bars angesprochen. Das dürfte einer der sehr wenigen Vorteile seiner berüchtigten Trinkfreudigkeit gewesen sein.

Thomas Edison selbst sagte zum Interpreten-Thema einmal: "Only the music matters." Und das meinte er wörtlich. Deshalb sucht man auf den frühen Diamond Discs von 1912/1913 auch vergeblich den Künstlernamen. Er ist dort nicht erwähnt, den nur die Musik zählt und es war ihm völlig gleich, wer sie darbot. Unsereins kann darüber nur ungläubig den Kopf schütteln.
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Starkton
Mi Mär 15 2017, 20:03
Dabei seit: Mi Okt 05 2011, 21:47
Wohnort: Berlin
Einträge: 2038
veritas schrieb ...

Thomas Edison selbst sagte zum Interpreten-Thema einmal: "Only the music matters."

Das Gleiche gilt bis in die frühen 1900er Jahre für Columbia, die es nicht mal bei Prominenten für nötig hielt, den Namen auf dem Label abzudrucken. Ich habe z.B. die frühe Pressung einer "anonymen" Platte des tschechischen Violinvirtuosen Jaroslav Kocian, aufgenommen 1903 in New York. Man muss die Ansage anhören um auf den Interpreten zu kommen.
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alang
Mi Mär 15 2017, 22:21
Dabei seit: Di Jun 12 2012, 19:52
Wohnort: Delaware, USA
Einträge: 484
Eben darum meine Aussage - ob es nun Gaisberg oder Berliner oder Eldridge Johnson war - Victor und die Gramophone & Typewriter Company hatten die Vorausschau, dass man Stars aufbauen und dann deren Popularitaet zu Geld machen konnte.Bei Edison ging es in erster Linie darum den Namen Edison zu vermarkten. Das ging halt aber eben nur soundso weit und hat sicher auch mit zu seinem Niedergang beigetragen.
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Starkton
Do Mär 16 2017, 11:31
Dabei seit: Mi Okt 05 2011, 21:47
Wohnort: Berlin
Einträge: 2038
Die Gramophone Co. in London hat, genau wie Edison, Emile Berliner und Eldridge Johnson zuvor, auf lokale Talente gesetzt die sich in unmittelbarer Nähe der Zentrale bzw. der Aufnahmestudios befanden. Das wäre noch eine Weile so weiter gegangen wenn nicht Joseph Berliner auf eigene Faust und ohne Wissen von London Anfang 1899 eine Aufnahmeexpedition nach Russland geschickt hätte, um dort Stars der Hofoper aufzunehmen.

Erst da begriff die Gramophone Co., dass es Sinn machte, ihre Ingenieure direkt zu den Kunden zu schicken um aufzunehmen, was dort populär war. Hinzu kam folgendes: Grammophone waren Kneipen- und Jahrmarktinstrumente und besaßen deshalb einen denkbar schlechten Ruf. Die Gramophone Co. hatte also ein großes Interesse daran sich selbst aufzubauen und vom Renomee bekannter Künstler zu profitieren.

Caruso hatte das Grammophon nicht nötig, auch wenn er zusätzlich davon profitierte, und hielt selbst wenig von seinen ersten Aufnahmen. Geld verdiente die Gramophone Co. nicht mit den Stars sondern mit Schlagern, Märschen und Humoristischem.
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