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Grammophon Gramola IV 1911/12
Moderatoren: SchellackFreak, berauscht, Grammophonteam, Formiggini, krammofoon, Limania
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PONOPHON
Do Mär 23 2017, 18:29 Druck Ansicht
Dabei seit: Sa Dez 12 2015, 17:45
Wohnort: Österreich
Einträge: 80
HERSTELLER: DGAG
MODELL: Gramola IV
SERIENNUMMER: 271
JAHR: 1911/1912
DAMALIGER PREIS: MK 425.-
GEHÄUSE: Eiche, furniert, schwarz gebeizt.
PLATTENTELLER: Durchmesser 30cm
TRICHTER: Innenliegend, Holz/Metall
MOTOR: Dreifeder Motor
SCHALLDOSE: Exhibition Seriennummer: 295665

Soeben ist mit der Spedition mein Gramola IV angekommen.
Noch nie zuvor habe ich eines dieser Geräte zu Gesicht bekommen. Kürzlich fand ich es auf einer österreichischen Internet Verkaufsplattform und habe sofort zugeschlagen.
Auch wenn es einige Arbeit bedeutet, freue ich mich sehr darüber. Dass der Sockel abgeschnitten wurde und die Beschläge nicht Original sind habe ich an den Verkaufsbildern bereits gesehen.
Ich denke aber, der Aufwand wird sich lohnen, es ist mir kein zweites dieser Geräte bekannt.




































[ Bearbeitet Fr Mär 24 2017, 06:51 ]
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alang
Do Mär 23 2017, 19:29
Dabei seit: Di Jun 12 2012, 19:52
Wohnort: Delaware, USA
Einträge: 489
Gratuliere zu diesem schoenen und aussergewoehnlichen Geraet. Das mt dem Sockel ist schade, kann man aber sicher wieder hinbekommen. Von der Ausstattung her scheint es obere Mittelklasse gewesen zu sein, wie toll muessen dann erst die Top-Modelle ausgesehen haben? Vielen Dank fuers Vorstellen und halte uns bitte auch auf dem Laufenden mit Bildern von waerend und nach der Wiederherstellung.

Gruss
Andreas
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VoxHumana
Do Mär 23 2017, 19:47
Dabei seit: Mi Okt 12 2016, 21:13
Wohnort: Baden
Einträge: 116
Ein wunderschönes und tolles Gerät, herzlichen Glückwunsch!!
Das mit dem Sockel sollte kein ganz so großes Problem sein.
Ich habe noch nie Bilder davon gesehen.
Wie es nach der Restaurierung aussieht, würde mich brennend interessieren. Wie Andreas schon schrieb: Bitte halte uns auf dem Laufenden!
LG Annette
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Starkton
Do Mär 23 2017, 21:31
Dabei seit: Mi Okt 05 2011, 21:47
Wohnort: Berlin
Einträge: 2048
Da hast Du wirklich einen tollen Fang gemacht. Besonders schön finde ich, dass die alte Beize noch drauf ist. Endlich kann man sehen wie das Grammophon tatsächlich ausgesehen hat.

Auf dem obersten Foto erkennt man, was der Katalog beschreibt, nämlich, dass Teile des Gehäuses heller getönt sind. Offenbar sind aber nicht nur die Schnitzereien sondern auch die umgebenden Felder heller. Kannst Du eventuell ohne Blitz arbeiten, damit diese Farbunterschiede besser zur Geltung kommen? Es wäre auch interessant wie das Plattenfach aufgeteilt ist.

Ich würde das Gehäuse auf jeden Fall einem guten Holzrestaurator geben, der neben dem Sockel auch die Schnitzerei im obersten Feld, genauer gesagt die Enden beider Zöpfe, ergänzt. Das Grammophon ist wirklich rar, erst recht mit der dunklen Beize. Vor anderthalb Jahren ist mal ein leeres, offenbar abgelaugtes Gehäuse des Gramola IV angeboten worden.

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Starkton
Do Mär 23 2017, 21:49
Dabei seit: Mi Okt 05 2011, 21:47
Wohnort: Berlin
Einträge: 2048
alang schrieb ...

wie toll muessen dann erst die Top-Modelle ausgesehen haben?

Du wärest enttäuscht. Zu dieser Zeit gehörten die vier Spitzenklassemodelle von 750 bis 1100 Mark bereits zum, von der Victor Talking Machine Co. vorgegebenen, Einheitsbrei. Die typischen "Urnen" halt. Da finde ich das Gramola IV wesentlich interessanter.
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Starkton
Do Mär 23 2017, 21:53
Dabei seit: Mi Okt 05 2011, 21:47
Wohnort: Berlin
Einträge: 2048
PONOPHON schrieb ...

MOTOR: Doppelfeder Motor
SCHALLDOSE: Exhibition

Das ist ein Dreifeder-Motor.

Könntest Du bitte die Seriennummer der Schalldose nachtragen falls sie original dazu gehört.
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PONOPHON
Fr Mär 24 2017, 07:28
Dabei seit: Sa Dez 12 2015, 17:45
Wohnort: Österreich
Einträge: 80
Ich habe den Fehler mit der Anzahl der Federn bereinigt und die Seriennummer der Schalldose nachgetragen. Ich gehe davon aus, dass sie original ist. Die mechanischen Teile sehen alle ziemlich unberührt aus, da wurde nicht daran herumgebastelt.





Bei der Schnitzerei im oberen Teil wurden die rechten Quaste mit Holzkitt rekonstruiert und bei beiden Quasten fehlen die unteren Kügelchen.
Der Trichter ist innen goldfarbig lackiert, das scheint mir nicht original zu sein. Beim unteren Türchen wurde nachträglich ein Schloss eingebaut, was vermutlich der Auslöser für den Tausch der Beschläge war. Original war da ein Federschnapper wie bei den Trichtertüren.

Das Plattenfach ist insgesamt 47,5 cm hoch. Daher befinden sich im oberen Bereich (auf Höhe 37cm) zwei Leisten um ein Fach einzulegen. Merkwürdigerweise ist aber gleichzeitig oben und unten ein Einschub für ein senkrechtes Zwischenfach, was wieder gegen das Quer Fach spricht? Die Höhe für rein senkrechte Fächer wäre ja auch viel zu hoch.


Wie man an den Wischspuren erkennt, habe ich versucht zu fühlen ob da früher ein zweiter Einschub für ein senkrechtes Fach war. Es ist aber vorab weder zu sehen noch zu fühlen, das muss ich noch genauer überprüfen.

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Starkton
Fr Mär 24 2017, 10:31
Dabei seit: Mi Okt 05 2011, 21:47
Wohnort: Berlin
Einträge: 2048
Bei dem abgelaugten Gramola IV sah das Fach so aus:



Ich vermute anhand der Spuren am Gehäuseboden, dass dort nebeneinander zwei Einschübe angebracht waren. Offenbar hat man die Einschübe umgesetzt und eine der Trennwände für die senkrechten Fächer als Querfach zweitverwendet. Die Leisten für das ursprüngliche Querfach wurden rausgeschlagen.

Eine große Zahl von Handwerkern wird, unter anderem, von solchen schnellen Umbauten gelebt haben. Man kann sich die Berge von Grammophonteilen vorstellen die zum Altmetall oder in den Müll gewandert sind.
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PONOPHON
Fr Mär 24 2017, 15:51
Dabei seit: Sa Dez 12 2015, 17:45
Wohnort: Österreich
Einträge: 80
Hallo Stephan, danke für die Bilder des abgelaugten Gramolas. Die helfen mir wirklich weiter!
Ich war mir bei der Füllung der unteren Tür gar nicht sicher, weil sie ganz anders ist als im Katalogbild. Durch die Bilder ist sie aber jetzt bestätigt. Hättest du eventuell ein Bild des unteren Griffes? Der sieht sehr ähnlich aus wie die beiden Griffe bei meinem Gerät an den Trichtertüren.
Ich bin mir nicht sicher ob dieses Gramola wirklich abgelaugt wurde, der Aufwand wäre enorm, meines ist auch innen durchgängig schwarz. Die Farbe aus allen Ritzen zu bekommen ist fast unmöglich, denke ich. Ggf. gab es auch eine helle Version? Sollten die Griffe gleich sein und sich nur an dem schwarzen Holzstück unterscheiden wäre das auch ein Indiz für eine helle Version. Zumal die Farbe des abgelaugten Gerätes ja ganz passabel und nicht ungewöhnlich aussieht.
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Starkton
Fr Mär 24 2017, 20:37
Dabei seit: Mi Okt 05 2011, 21:47
Wohnort: Berlin
Einträge: 2048
Leider habe ich nur gering aufgelöste Bilder vom unteren Griff



Er sieht so ähnlich auch auf dem zeitgleichen Gramola II auf. Ebenfalls ein seltenes Grammophon.


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PONOPHON
So Mär 26 2017, 08:15
Dabei seit: Sa Dez 12 2015, 17:45
Wohnort: Österreich
Einträge: 80
Vielen Dank für die Bilder, ich bin mir jetzt fast sicher dass meine beiden Griffe original sind. Vor allem wegen dem Bild des Gramola Nr. II. Verunsichert haben mich die Umstände, dass beim Deckelschloss und unten andere Beschläge eingebaut wurden, das Katalogbild des Gramola IV und die Tatsache dass bei meinen Trichtertürchen-Griffen die Befestigungsschrauben erneuert wurden. Außerdem wurde bei der hinteren Tür ein selbstgeschnitzter Holzknopf angebracht.
Zum Glück sind die Griffe reine Drehteile und können nachgefertigt werden.
Die genauere Untersuchung meines Gramolas mit der Taschenlampe hat leider einige andere unglückliche Umstände zu Tage gebracht.
Bei der unteren Tür fehlt am Rahmen innen und außen das Furnier, ebenso an der Vorderseite an den beiden Lisenen und an der Kurbelseite an der Quersprosse und unten. Der Sockel wurde nicht abgeschnitten, sondern leider erneuert. Das Grammophon muss einmal feucht gestanden haben und wurde offensichtlich restauriert. Die furnierlosen Flächen (Fichte) wurden so geschickt dazu gebeizt, dass es bei normaler Betrachtung und normalem Licht nicht zu sehen ist und ich es auch gar nicht gleich erkannt habe (vor allem war es nicht an den Verkaufsfotos zu sehen).
Das Gerät weist außen einen stärkeren Glanz auf als innen, es wurde sicher komplett überlackiert. Innen sind der Lack und die ganze Erhaltung aber komplett original. Man kann auch außen an den original Furnierten Teilen keinerlei Schleifspuren oder verschliffene Kanten erkennen. Daher gehe ich davon aus, dass es nur lackiert wurde nicht aber abgeschliffen und komplett neu gebeizt. Außerdem sind ja die im Katalog beschriebenen Farbunterschiede noch zu erkennen.
Das Gute daran, ein Rückbau des unteren Schlosses ist ohne schlechtem Gewissen möglich, der Sockel muss nicht angestückelt werden, sondern kann komplett neu gefertigt werden (was sicher unauffälliger ist). Der Glanz des Lacks lässt sich sicher angleichen, da denke ich z.B. an feinste Stahlwolle und ein Möbelwachs.
Jedenfalls wird es ein größeres Projekt, ich werde Euch auf dem Laufenden halten.


[ Bearbeitet So Mär 26 2017, 08:16 ]
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Starkton
So Mär 26 2017, 17:18
Dabei seit: Mi Okt 05 2011, 21:47
Wohnort: Berlin
Einträge: 2048
Ich finde ebenfalls, dass die Griffe der Schalltrichtertüren gut passen. Die Außenlackierung ist schade weil sie das Aussehen verfälscht. Leider kann man den Lack nicht abnehmen ohne die Beize zu beschädigen. Der Zustand war doch prima und der Lack deshalb komplett unnötig. Ich hoffe es gelingt, Außen- und Innenseite optisch wieder zusammen zu bringen. Ich bin schon gespannt auf Fotos "danach," vor allem auf die hell getönten Bereiche der Gehäusefront.

Ich stelle immer wieder den Dilettantismus von "Reparateuren" fest die aus Unwissen oder Ignoranz den Zustand der Originalsubstanz verschlimmbessern. Gerade bei seltenen Objekten wünschte man sich sie hätten die Pfoten davon gelassen.

Interessant ist die Feststellung, dass es sich bei dem Gehäuse (zumindest teilweise) um Eichenfurnier auf einem Fichtenkorpus handelt. Vielleicht spielte der Gewichtsvorteil für den Transport eine Rolle, denn billig musste man bei dem Verkaufspreis (knapp 40% eines durchschnittlichen Jahreseinkommens) nicht produzieren.

[ Bearbeitet So Mär 26 2017, 17:20 ]
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PONOPHON
Di Apr 25 2017, 18:13
Dabei seit: Sa Dez 12 2015, 17:45
Wohnort: Österreich
Einträge: 80
Ein kleines aber entscheidendes Stück bin ich bei der Restaurierung schon weiter gekommen.
Die beiden fehlenden Griffe des unteren und hinteren Türchens konnte ich bereits nachfertigen.
Fürs Foto habe ich sie zwischen den Türen der Trichter Öffnung zum Vergleich eingeklemmt.
Das Messing muss noch leicht patiniert werden. An den Originalen dürfte auch eine Vergoldung vorhanden gewesen sein, die aber ebenfalls schon etwas nachgedunkelt ist. Gold Elektrolyt hätte ich, das wäre kein Problem. Nur muss ich den richtigen Grat zwischen Patina und Gold finden, das wird noch ein Nachmittagsprojet. Bei den Holzgriffen fehlt noch die Staubschicht in den Vertiefungen der Profile (fein gesiebte Asche oder Staub vom Kehren des Dachbodens mit Tapetenkleister gemischt, in die Rillen schmieren, trocknen lassen und Überschuss feucht abwischen, dann bleibt eine feine Staubschicht in den Vertiefungen).
Den fehlenden Federschnapper des unteren Türchens habe ich auch nachgefertigt. Dort wurde ja nachträglich ein Schloss eingesetzt und der griff entfernt. Muss ebenfalls noch seine Oberflächenbehandlung bekommen.
Der Rest wird noch etwas dauern, aber ich werde weiter berichten.
Liebe Grüße, Christian






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alang
Di Apr 25 2017, 20:03
Dabei seit: Di Jun 12 2012, 19:52
Wohnort: Delaware, USA
Einträge: 489
Toll! Respekt wenn Du diese Teile selbst anfertigen kannst. Da bin ich gleich noch mehr gespannt auf das fertige Geraet.

Andreas
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