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Heinz Becker

Heinz Becker
Ein (beinahe) vergessener Musiker: Orchesterleiter, Arrangeur, Akkordeonist
21.9.1908 - Juli 1971


Danke an unser Mitglied snookebee für diese Biographie & die Recherche!






Als Sammler von AMIGA-Schellacks wird man immer wieder auf Platten des Orchesterleiters, Arrangeurs und Akkordeonisten Heinz Becker stoßen. Ähnlich wie beim Sünger Paul Dorn, der auch Dutzende von Aufnahmen einspielte, gibt es jedoch von Heinz Becker kaum verwertbaren Angaben zur Biografie. Bei der Suche im Netz trifft man dann hauptsächlich auf die Bühnenfigur gleichen Namens oder den Jazztrompeter Heinz Becker.

Der Musiker, dem dieser Beitrag gewidmet ist, taucht für Plattensammler zum ersten Mal als Leiter seines Barquintetts auf, das seit 1948 in den Berliner Studios von Amiga, Regina und Metrophon swingende Tanzmusik spielte. Die damals mitwirkenden Musiker sind auf dem Label angegeben:

Heinz Becker (acc), Heinz Kamberg (cl), Franz Zwickl (v), Fritz Wöllfer (g), Rudy Schelenz (b). Als Sänger wurde Ilja Glusgal hinzugezogen.



Unter der Bezeichnung "Heinz Becker mit seinen Solisten" entstehen dutzende Titel, oft mit Gesang von z.B. Werner Schöne, Werner Schmah, Sonja Siewert, Irma Baltuttis oder Hanns Petersen.

Aber auch originelle Instrumentalarrangements werden aufgenommen, wobei auf stilistische Vielfalt geachtet wird: Tango, Swing mit jazzigen Einschlag, Walzer, südamerikanische Rhythmen werden wirkungsvoll dargeboten. Heinz Becker's Platten der frühen 1950er Jahre zeigen ein durch Saxofone, Klarinetten und Streicher erweitertes Klangbild, die Holzbläser im Glenn-Miller-Stil, die Rhythmusgruppe im Shearing-Sound mit auffälliger elektrischer Gitarre. Ebenfalls auffällig ist das komplette Fehlen von Blechbläsern.



Nach der Veröffentlichung des Beitrages (im Forum) zu Heinz Becker gelang es mir, mit dem Sohn des Künstlers in Verbindung zu treten. Er lebt heute in Kanada. Herr Becker Jr. hat durch eigene Nachforschungen alle Schallplatten seines Vaters ermittelt und hier eingestellt:

http://www.discogs.com/artist/Heinz+Becker

Dankenswerterweise stellte er mir auch einige Dokumente und Informationen aus dem Nachlass seines Vaters zur Verfügung, die hier das Künstlerporträt abrunden.

Heinz Becker wurde am 21.9.1908 in Berlin geboren. In verschiedenen Dokumenten wird Berlin-Charlottenburg als Wohnsitz angegeben. Auf Wunsch seines Vaters wurde er Diplom-Kaufmann, arbeitete aber viel lieber als Musiker. In dem oben abgebildeten Zeitungsausschnitt wird erwähnt, dass Heinz Becker als Schlagzeuger im Moka Efti auftrat. Vielleicht war es die Gruppe, die auf folgendem Foto zu sehen ist. Das Bild ist nicht datiert. Ich vermute, es stammt aus den 30er Jahren. Heinz Becker steht rechts an der großen Trommel. Man beachte die Aufschrift auf dem Fell: JOLLY BOYS HOT RHYTHM (!)



Das folgende Dokument ist eine "Zulassungsbescheinigung des Magistrats von Gross-Berlin für Berufs-Musiker" Der Jahresstempel ist leider verwaschen und könnte 1930 oder 1950 bedeuten. Allerdings gab es im Jahre 1950 lt. Wikipedia keinen "Magistrat von Gross-Berlin" mehr. Besonders interessant ist an diesem Dokument der Eintrag:

"Inhaber dieser Bescheinigung ist vom Prüfungsausschuß der Berufsgruppe als Berufs-Musiker anerkannt."



Nach dem Krieg arbeitete Heinz Becker in alliierten Klubs als zivilangestellter Kapellmeister. Eine Identitätskarte von 1946 gibt Hinweis über die Arbeitsstelle: 3110th Sig.Serv.Bn. APO 777.

Aus dem Jahr 1947 liegt eine "Arbeitsbuch-Ersatzkarte" für die Tätigkeit als Kapellmeister vor, auf der vermerkt ist, an welchen Arbeitsstätten Heinz Becker Musik machte.

12. und 25.9.47 in einer Gaststätte in der Berliner Albrechtstr.11
1.11.47 und 2.12.47 beim RIAS - Sendung
1.4.48 im MAXIM, Berlin Friedenau
2.8.48 in der ERIKA-BAR




Damit ist bestätigt, dass Heinz Becker mit seiner Kapelle auch im Rundfunk zu hören war. Sein Sohn schrieb mir zum weiteren Lebensweg:

"Er wollte weg von Ost-Berlin, konnte sich aber in West-Berlin nicht als Rundfunk-Kapelle etablieren. Helmut Zacharias war schon da. Er hat dann in Berlin für Decca, Telefunken, London und RCA gearbeitet... Vertriebsleiter oder Produzent ist nicht klar. Ich erinnere, wie er mit Freude (Ende 50) die LPs durch die Gegend schmiss um zu beweisen, dass diese Platten nicht mehr kaputt gehen."

Heinz Becker war Mitglied des Deutschen Komponistenverbandes e.V. und der Interessengemeinschaft Deutscher Komponisten e.V.

Heinz Becker starb im Juli 1971. Eine Wiederauflage zweier seiner AMIGA-Platten im Jahr 1981 hat er nicht mehr erlebt. Zum Glück ist heute ein Großteil seines musikalischen Schaffens bei Youtube verfügbar und dem Vergessen entrissen. Vielen Dank an Herr Becker Jr. für die großzügige Unterstützung bei diesem Beitrag!






Ergänzungen:

Vor Kurzem erhielt ich von Bernd Meyer-Rähnitz vom Verlag www.albis-international.de eine Reihe von Informationen, die meine angestellten Vermutungen im ersten Beitrag dieses Threads korrigieren. Herr Meyer-Rähnitz ist Herausgeber und Mitautor von "Die ewige Freundin" einer Schellack-Diskografie der Firmen AMIGA und ETERNA von 2006.



Ich habe mich entschlossen, den fehlerhaften Artikel mit einem ergänzenden Hinweis stehen zu lassen und an dieser Stelle die Berichtigungen vorzunehmen.

1. Zur Auflistung der Plattenfirmen ist Folgendes zu ergänzen. Constantin Th. Metaxas war bei LIED DER ZEIT GmbH verantwortlich für Programmgestaltung und Produktionsplanung. Gleichzeitig war er auch der Herausgeber der eigenen Schallplattenmarke REGINA, die ca. 350 Titel aus dem Repertoire der LIED DER ZEIT GmbH und ca. 80 Eigenaufnahmen in den westlichen Zonen Deutschlands veröffentlichte. Die auf REGINA veröffentlichten Heinz-Becker-Platten stammen von AMIGA-Matrizen, sind also keine Eigenaufnahmen von REGINA.

2. Zu Heinz Becker's Funktion bei Amiga schreibt Herr Meyer-Rähnitz:

"Von einer Stellung als Aufnahmeleiter kann keine Rede sein, da gibt es bisher keine Hinweise. Denn diese Funktion hatte der Metaxas inne, der als Herausgeber der Reginaplatten im Westen die Amiga- und auch einige Eterna-Matrizen vertrieb... Natürlich mit Zustimmung von Ernst Busch. Denn das war ja schließlich sein Chef."

3. Zu Verschwinden von Heinz-Becker-Platten nach 1953 und der Vermutung kulturpolitischer Probleme schreibt Herr Meyer-Rähnitz:

"(Becker's) Musik stand nie in einem Widerspruch zum gewünschten Musikstil, da war er viel zu bieder und brav... Es ist vielmehr anzunehmen, daß (Heinz Becker) im Westen auch gut verdienen konnte und sich dort wohler fühlte... Es wird auch die Zeit für diese Art von Musik vorbeigewesen sein.

Wenn ich auch keine spezielle Analyse der Beckerschen Einspielungen gemacht habe, die sich so schnell nicht machen läßt, weil ein Teil seiner Aufnahmen bereits bei Lied der Zeit mit neuen Nummern Nachauflagen erfuhren, so habe ich doch nochmal ins Bestellnummer-Verzeichnis geschaut und sehe, daß ein Großteil seiner Aufnahmen auch bei VEB Lied der Zeit und mindestens 45 Platten bei VEB Deutsche Schallplatten nachaufgelegt wurden, also nach 1954 bis 1956. Aber in der Mitte der Fünfziger war die Zeit der kleinen Ensembles vorbei, nur noch Klennert und Riethmöller mit ihren kleinen Besetzungen haben ein paar Einspielungen gemacht. Neuaufnahmen von Heinz Becker haben bei VEB Deutsche Schallplatten definitiv nicht mehr stattgefunden. Danach kam der Boom der großen Orchester. Hier (im Osten) von Henkels und Natschinski , Härig, vom Westen her Hohenberger, Ernst, Lutter, Stanke, Dobschinski, Schütz , Lubo D´Orio, die ja bis 1961 alle noch auf Amiga eingespielt haben, sogar manchmal in getrennten Studios, Musik dort, Vocal hier und umgedreht."

4. Zur von mir so bezeichneten "Enteignung" der LIED DER ZEIT GmbH und den damit verbundenen Legenden schreibt Herr Meyer-Rähnitz, dass es keine Enteignung im wirtschaftlichen Sinne gab:

"Auch in unserem Buch ("Die ewige Freundin") von 2006 und in der im Vorjahr entstanden Discographie "Der Phonographische Ernst Busch" sind diese Formulierungen enthalten... die sich aus der Weitergabe von Halbwissen so ergeben hatten.

Als Ernst Busch 1953 unter mehr oder weniger großem Druck durch Partei und Regierung die Geschäftsfährung abgab (siehe Siebig, Karl: Ernst Busch, Rowohlt 1980, Seite 200 ff.), wurde aus der Lied der Zeit GmbH“ der „Volkseigene Betrieb Lied der Zeit“ und 1954 der Betrieb „VEB Deutsche Schallplatten Berlin“.

Erst die Forschungen von Elsner und Schramm... führten dann in den Korrekturen und Nachträgen... zu besserem Wissen, weil sie nun in offengelegten Dokumenten in den Archiven studieren konnten.

Bereits seit Jahren hatte Busch gegenüber der Regierung und der Partei eine Verstaatlichung seines Betriebes angestrebt. Er sah bereits Ende 1948 seine Mission um die Bildung einer Schallplattenproduktion für erfüllt an. Als nach mehrmaligen Anläufen es 1953 endlich zu der von ihm gewünschten Umbildung kam, ging das nicht ohne Probleme ab. Mehrere Streitpunkte mit der Kunstkommision und mit Funktionären hatten zu einer unerträglichen Situation geführt, die die Legendenbildung um die Enteignung nährte. In Wirklichkeit kam es zu einer vertragsgerechten Entbindung Buschs als Geschäftsführer, und einer Auszahlung seines Eigneranteils. Das eigentlich Schmerzhafte für Busch war, daß er in Folge dieser unangenehmen Vorfälle in keiner Weise mehr in die weitere Planung und Gestaltung der Plattenproduktion einbezogen wurde. Auch als Sänger wurde er boykottiert und nicht mehr zu Neuaufnahmen heranzogen. Dennoch blieben bis zum Ende der Schellackzeit ca. 20 Platten mit Busch-Aufnahmen im VEB DS-Angebot. Um den fast heroischen Kampf Buschs während seiner Zeit als Geschäftsführer im vollen Umfang zu erfassen - das betrifft sowohl seine Tanzmusikproduktion als auch klassische und politische Aufnahmen, allein 1949 mit einer Jahresproduktion von 800 000 Platten - sei die Lektüre des in zwei Halbbänden erschienen Werkes empfohlen (1. Halband Argumentationsteil, 2. Halbband Dokumententeil)"

--------------------

Hier noch die Angaben zum erwähnten Buch: „Dichtung und Wahrheit - Die Legendenbildung um Ernst Busch“ von Carola Schramm & Jürgen Elsner“, Trafo-Verlag 2006, ISBN 3-89626-591-1

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal ein großen Dank aussprechen an Bernd Meyer-Rähnitz für die zur Verfügung gestellten Informationen. Manche davon sind hier im Bezug auf das eigentliche Thema des Threads sicherlich als "offtopic" zu betrachten, geben aber auf jeden Fall ein klareres Bild von der damaligen Situation.




Erstellt von Mitglied Snookerbee
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