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Fuchstänze und Negerpfeifen

Fuchstänze und Negerpfeifen
Vor 80 Jahren war Deutschland Jazzland

© Hans-Jürgen Schaal

Vielen Dank an Herrn Schaal für diesen Artikel!
Auf seiner Seite HJS Jazz Link - Hier klicken finden sich
weitere Publikationen und Artikel des freien Jazz Journalisten.


Vielen Dank an Stompy de luxe/Wolfgang Hirschenberger für die Bereitstellung der Hörbeispiele.





Der Einbruch des Jazz nach Deutschland hatte Schock-Qualität. Gerade eben kämpfte man noch für Kaiser und Vaterland, nun explodierte das schamlose, exotische Tanzvergnügen als Massensport. Deutschland und der Jazz: Eine Begegnung der grotesken Art.




1916 taucht das Wort „Jazz“ erstmals im US-Magazin „Variety“ auf, 1917 entstehen die frühesten bekannten Jazz-Aufnahmen durch die Original Dixieland Jazz Band in New York. Die ersten Deutschen, die die seltsame, neue Musik hören, sind Weltkriegssoldaten in britischen und amerikanischen Gefangenenlagern. Die Besatzer veranstalten auch Tanzabende und bezahlen jeder deutschen Frau pro Tanz 1 Mark.

Zwei Aufnahmen aus Paris um 1918 - Möglicherweise hörten deutsche Soldaten neben den Aufnahmen der Original Dixieland Jass Band auch diese Kapellen.


Scrap Iron Jazz Band: WAY DOWN IN MACON GEORGIA


Hier spielen wohl amerikanische Soldaten in einer frühen Jazzband für die französische Pathe


BARNYARD BLUES (1918)


L'Orchestre Symphonique du Royal Palace


Schon in der Wintersaison 1918/19 erobert der Foxtrot die Berliner Tanzdielen: Man preist ihn als gesunde Nahrung für die vom Krieg ausgehungerten Beinmuskeln. In der Tanzwut kommt einiges zusammen: Kriegsende, Republik, halbe Revolution, Öffnung zur Welt, Wirtschaftsnot. Neben dem Bubikopf und den kurzen Kleidern der Frauen ist der Jazz das sichtbarste, hörbarste Zeichen des moralischen Umbruchs. Unsentimental und lebensfroh fegt er den ganzen Mief des Kaiserreichs, die steife Walzerkultur, die überholten Anstandsbegriffe und die Deutschtümelei von der Bühne.


Foxtrot Szene aus dem deutschen Stummfilm DIE AUSTERNPRINZESSIN - 1919



Im Streit um den Jazz formieren sich schnell die ideologischen Gegensätze der Weimarer Republik: Für die einen ist die dirigentenlose Jazzband ein Modell der Demokratie, für die anderen der Triumph von Kommunismus, Amerikanismus und Barbarei. Die Polemik gegen den Jazz trägt von Anfang an rassistische und nationalistische Züge, richtet sich gegen Amerikaner („Maschinenmusik“), Engländer („musiktaubes Volk“) und besonders gegen die Schwarzen, von denen es einige auch unter den Besatzungssoldaten gibt. Für die Reaktionäre signalisiert Jazz die Vollendung der deutschen Niederlage: eine „geistige Negerinvasion“, eine „schwarze Schmach“, eine „mit den Schwarzen eingeschleppte Geschmacksverrohung“.

1919-1920: Die große Verwirrung


Ein Gespenst geht um in Deutschland: Es heißt „Jazz“. Kaum einer weiß, was das ist, wie es klingt, wie man es schreibt. Es gibt davon weder Schallplatten noch Konzerte zu hören, ausländische Musikverlage ignorieren Notenanfragen aus Deutschland. Im „Artist“, der Zeitschrift der Unterhaltungsmusiker, erscheint im Juni 1919 erstmals das Wort „Jazz“. Die Schmusgeiger der Stimmungskapellen geraten in höchste Aufregung, erhalten aber die beruhigende Auskunft: Jazz ist nur ein neuer Modetanz. Prompt heißen die Saisonschlager „Cuyaba Jazz“, „Damarow-Jazz“, „Old-Joe-Jazz“ oder „Oculi-Poculi-Jazz“. Sie sind angeblich alle „original amerikanisch“.

1919 - Zumindest das Wort JAZZ ist in Deutschland angekommen

.



Wie wenig man weiß, verrät ein Bericht des Kapellmeisters Henry Ernst, der sich 1920 mit seinem „Original Wiener Meistersalonorchester“, das aus lauter Westfalen besteht, ins Ausland wagt. „Mit unseren Ave Marias und Serenaden heimsten wir in St. Moritz viel Ehren und Whiskysodas ein. Nur bei den ‚Fuchstänzen’ machten die Leute ein verlegenes Gesicht.“ Das mondäne Publikum entdeckt in Ernsts „Fuchstänzen“ partout keine Foxtrots. Noch schlimmer: Für die nächste Saison macht der Hoteldirektor „Tschetzpend“ zur Bedingung. Ernst kann sich darunter rein gar nichts vorstellen und fragt zu Hause an. Der Kapellmeister-Verband Deutschland hält „Jazzband“ für einen neuen Tanz, ähnlich dem Cakewalk. Ganz genau Bescheid weiß man dagegen in der Hauptstadt: „Wir in Berlin tanzen schon seit Monaten Jazz“. Der neueste Jazz, so Berlin, ist der „Dolores-Jazz von Byjacco“, ein „Three-Step im Zweiviertel-Takt“. Mit dem „Dolores-Jazz“ ergeht es Ernsts Kapelle in St. Moritz aber ähnlich: Das Kur-Publikum sieht betreten drein. Es würde lieber einen „Shimmy“ hören, wie er in Paris jetzt groß in Mode ist. In einem Buchladen in St. Moritz sieht Ernst erstmals das Bild einer Jazzband: „Sieben Männeckens in Sportdress: Klavier, Geige, zwei Banjos, Saxophon, Posaune und Schlagwerk.“

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