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Hans Busch Biographie

Die Geige singt in Moll
Die Hans Busch-Geschichte
Klaus Krüger

Im Original erschien dieser Artikel in "Fox auf 78", Heft 18 vom Frühjahr 1999, Seite 22 ff.






Busch wurde oft ein wenig der Stempel „Antwort der Grammophon AG auf Geczy“ aufgedrückt - zu Unrecht, denn zwar mußte er auf Platten in der Tat stilistisch und im Repertoire eine Geczy ähnliche Salon-Tanzmusik spielen, leitete aber ansonsten ein Allround-Tanzorchester, daß nach Aussagen von Zeitzeugen wesentlich flotter und vielseitiger als auf Platten klang. Auch die Schallplatten Hans Buschs stehen indes heute recht gut im Kurs, denn gepflegte Salon-Tanzmusik hat wieder Hochkonjunktur!

Hans Busch wird am 4.April 1909 in Gelsenkirchen geboren, er wächst auch nicht weit entfernt davon, in Recklinghausen, mit zwei Geschwistern auf. Sein Vater, Bandoneonist, leitet eine im Ruhrgebiet sehr erfolgreiche und bekannte Schrammelkapelle, kein Wunder, daß Sohn Hans frühzeitig aktiv in das Musikgeschehen eingreift und bereits mit zehn Jahren Geigenunterricht erhält. Er muß hierfür sehr begabt gewesen sein, denn schon im Alter von 15 Jahren finden wir ihn als Konzertmeister im Stadttheater Herne. Bald darauf beginnt er sein Musikstudium in Essen und Köln, gelangt aber dabei nicht weit: 1927 stirb plötzlich sein Vater, Hans Busch kommt nun die Aufgabe zu, die Familie zu ernähren, das bringt ihn - musikalisch gesehen - auf die „schiefe Bahn“. Er tritt als Geigenvirtuose in ganz Deutschland in Kabaretts und Bars auf: „Von hier ab war mein Lebenslauf nur ‘Lieb und Lust’, viel Erfolg, viel Geld, sündhaftes Leben ‘and so on“ schildert er selbst diese frühe Zeit der Selbständigkeit. 1931 schließlich gründet Busch seine erste Formation, ein „Wiener Kammermusik-Ensemble“, damit gewissermaßen in die Fußstapfen des Vaters tretend, und findet Engagements vorwiegend in Hamburg - wo das Ensemble in der Libelle sein Debut gab - und Berlin.





Bald darauf wechselt Busch jedoch das musikalische Genre und stellt ein kleines Tanzorchester zusammen, das in Hamburg im Alster-Pavillon startet und 1933 mit Engagements in der Königin-Bar am Kudamm und im Café am Zoo den Sprung nach Berlin schafft. Der für seine guten Verbindungen bekannte Musikmanager „Paule“ Hirson, mit dem Busch sich anfreundet, verschafft ihm nicht nur diese ersten Engagements, sondern führt ihn auch beim Rundfunk ein. Noch im gleichen Jahr wird Busch beim Deutschlandsender als „jüngster Rundfunkkapellmeister Deutschlands“ vorgestellt. Die hieraus resultierende landesweite Popularität führt bald dazu, daß Hans Busch mit seiner nun schon auf 10 - 13 Mann angewachsenen Tanzkapelle regelmäßige Gastspiele in den besten Tanzlokalen des Landes, so in München im Café Luitpold und im Regina Palast Hotel, in Hannover im Georgspalast oder in Hamburg im Alster Pavillon, Tanzcasino Heinze und im Trocadero geben kann.






Mehrfach werden seine Gastspiele vom Rundfunk übertragen, im Oktober 1937 beispielsweise kann man landesweit vom Reichssender Hamburg eine Übertragung aus dem „Heinze“ hören. In Berlin gastiert Busch in der zweiten Hälfte der 30er u.a. im Resi, im Café Wien am Kurfürstendamm und in den Hotels Excelsior und Esplanade. im Sommer unternimmt das Orchester regelmäßig eine Bädertournee. Kein Zweifel - Hans Busch hat sich mit seinen Mannen ganz nach vorne gespielt in der Hierarchie der in Berlin tätigen Tanzorchester. Finanziell gut situiert kann er sich eine herrschaftliche Wohnung in der Marburger Straße im Bayerischen Viertel leisten.

Daß die Plattenindustrie auf ihn aufmerksam wird, erscheint Mitte der 30er Jahre überfällig. Ende 1936 schließt Hans Busch mit der Deutschen Grammophon AG, für die er im Januar 1935 als Test schon einige Aufnahmen mit Salonmusik gemacht hatte, einen Exklusivvertrag ab. Vom Januar 1937 ab entstehen bis Anfang 1943 mehr als 250 Aufnahmen mit Tanzmusik und Salonmusik. In der Tat sieht die Plattenfirma mit dieser Verpflichtung wohl eine Chance, sich eine dicke Scheibe abzuschneiden vom Erfolgskuchen, an dem die Electrola mit ihrem Zugpferd Barnabas von Geczy sich so üppig nährt. Vertraglich wird Busch eine fixe Besetzung „aufoktroyiert“, wie er sich später ausdrückt. Sie besteht - im Gegensatz zu seinem sonstigen Orchester - aus 4 Violinen, 1 Cello, 3 Klarinetten, Gitarre, Klavier, Bass und Schlagzeug, dazu je nach Titel 1 Akkordeon (Tangos) oder 1 Tenorsaxophon (flottere Tanzmusik). Vor allem der Zusammenklang von Violinen und Klarinetten sorgte dafür, daß dieses Ensemble trotz eines den anderen Salon-Tanzorchestern ähnlichen Repertoires sehr wohl klanglich eine eigenständige und charakteristische Note entwickelt. Merkwürdigerweise sind die Namen der mitwirkenden Musiker mit wenigen Ausnahmen nicht bekannt geworden, obwohl Hans Busch mehrfach in Rundfunksendungen interviewt und zu seiner damaligen Tanzmusik befragt wurde. Namentlich bekannt sind aus der Grammophon-Zeit nur Horst Kudritzki, der Piano spielte und die meisten der Originalarrangements für Busch schrieb, Horst Hoffmann, der ebenfalls arrangierte und Akkordeon spielte, und Helmut Ritter.





Mit dem Absatz der Busch-Platten ist die Deutsche Grammophon ganz offensichtlich zufrieden, wie nicht nur die Menge der produzierten Platten, sondern das Erscheinen eigener Werbeprospekte für dieses Orchester belegen, nicht zuletzt aber auch die Häufigkeit, mit der Busch-Schellacks selbst heute noch zu finden sind. Auch als Komponist macht sich Hans Busch im übrigen ab der zweiten Hälfte der 30er einen Namen. Neben Salon-Klassikern wie „Baby´s Geburtstag“ oder der „Finnischen Polka“ entstehen auch einige Schlager-“Treffer“, insbesondere der Evergreen „Dideldideldum“ sowie die seinerzeit vielgespielten Titel „Nächte von Hawaii“ und „Heut fühl ich mich so wohl“.

Im Unterschied zu vielen Kollegen ist Busch im Krieg in der relativ glücklichen Lage, sein Tanzorchester halten zu können, allerdings mit vielen Umbesetzungen. Ab 1942 sind eine Reihe ausländischer Musiker in der Kapelle, so u.a. der später als Entertainer populäre holländische Orchesterleiter Boyd Bachmann. In den ersten Kriegsjahren stehen vor allem Tourneen auf dem Plan, oft in Begleitung von bekannten Gesangsstars wie Rudi Schuricke, Lale Andersen und Maria von Schmedes. Ende 1942 wird das Orchester nach Danzig beordert, am dortigen Sender ist Busch bis in die letzten Kriegsmonate tätig.




Nach dem Krieg stellt er bereits im September 1945 wieder ein Orchester zusammen, welches auch auf einer Radiophon-Platte mit dem von Gardens komponierten und arrangierten „Mein Herz ist voll Musik“ zu hören ist. 1946 spielt die Kapelle Busch in der ersten Live-Sendung des neu gegründeten RIAS. Dann allerdings ergibt sich ein unerfreulicher Einschnitt: Busch erhält von den Amerikanern Spielverbot, weil er NSDAP-Mitglied und angeblich ein Begünstigter des Regimes gewesen sei. Zwangsläufig verlegt Hans Busch seine Tätigkeit in die - wie es damals heißt - „Ostzone“. Er baut in Dresden das Orchester des Senders Dresden – ausschließlich mit Musikern aus dem Dresdner Raum - auf und gastiert auf Tourneen mit Solisten der Dresdner Oper. Zu dieser Zeit besitzt sein Orchester eine stattliche Größe: 8 Violinen, 1 Cello, 1 Bass, 1 Flöte, 1 Oboe, 2 Klarinetten, 4 Saxophone, 3 Trompeten, 2 Posaunen, 1 Akkordeon, 1 Piano, 1 Schlagzeug. 1948 verläßt er Dresden, ist aber zunächst noch weiter mit einer etwas kleineren Orchester im Osten tätig, macht 1949 auch noch eine Reihe von Schallplattenaufnahmen für Amiga.

1950 kann er wieder in den westlichen Zonen auftreten, seine letzten deutschen Plattenaufnahmen entstehen bei Metrophon. Einige Musiker aus Dresden folgen ihm. Seine Besetzung um 1950 ist durch einen Artikel im „Artist“ überliefert: Busch (dir, v), Helmut Stübner (p), Walter Joachim (cello), Willi Sander (v), Heinz Panter (sax, v), Jürgen Hillmann (g), Günther Neugebauer (acc), Peter Gehlen (dr), Herbert Burchardt (b). In Berlin finden sich allerdings in dieser Zeit kaum noch genügend Betätigungsmöglichkeiten. Busch ist mit seinem Orchester in ganz Deutschland unterwegs, zeitweise wirkt Gerti Schönefelder als Gesangssolistin mit. „Ein zahlreiches, das große Etablissement füllendes, applausfreudiges Publikum erbrachte wiederum den Beweis, daß gute Unterhaltungsmusik, in wirklich künstlerischer Form geboten, heute, wie ehedem, wieder stark gefragt ist“, schreibt der „Artist“ anläßlich eines Gastspiels der Kapelle Busch in Düsseldorf. Leider offensichtlich nicht so gefragt, daß Orchester dieser Art sich Anfang der 50er Jahre in Deutschland halten können, wenn sie nicht Verträge mit einer Plattenfirma oder einem Sender in der Hinterhand haben. Busch resigniert 1951, er arbeitet zeitweise als Kurkapellmeister in Borkum, geht dann sogar als Violinensolist mit Peter Kreuder auf Tournee. Da erreicht ihn, der sich in Deutschland „beiseitegeschoben“ fühlt, ein Angebot aus Schweden, das er sofort akzeptiert.

Hans Busch erhält die Leitung eines 12-Mann-Ensembles in einem der berühmtesten Stockholmer Restaurants, „Berns Salonger“. Der Vertrag lautet zunächst auf acht Monate, keiner, am wenigsten wohl er selbst, ahnt, daß Stockholm für den Rest seines Lebens Wahlheimat werden wird. Busch beginnt wieder mit vielfältigen Aktivitäten, arbeitet im Radio-Sinfonie-Orchester, nimmt Schallplatten auf (so 1955 die allererste in Schweden entstandene LP!) und gründet einen eigenen Musikverlag. Sein Vertrag mit „Berns Salonger“ wird bis 1958 immer wieder verlängert, dann arbeitet er noch einige Jahre im „Stallmästgården“, einem weiteren bekannten Stockholmer Lokal, gibt schließlich um 1961 aber sein eigenes Ensemble auf. Im Radio-Sinfonie-Orchester wirkt er bis 1979 mit und macht noch eine Reihe von Langspielplatten, die teilweise auch außerhalb Schwedens Verbreitung finden. So erscheint 1973 bei der Teldec die LP „Musik zu Kaffee und Kuchen“ mit „Hans Buschs Trio“. Ab 1980 widmet er sich dann nur noch seinem Musikverlag. Späte Ehre wird ihm einige Jahre darauf mit der Ehrenmitgliedschaft im Frankfurter Club der Schellackfreunde zuteil, hier ist er er auch noch ein letztes Mal in einer vom Hessischen Rundfunk übertragenen Sendung „live“ zu hören. Nach einem von Musik erfüllten Leben stirbt Hans Busch in seiner Wahlheimat am 16.2.1996.







Für die wertvolle Hilfen bei der Erstellung des Artikels danke ich Frau Gerti Molkenbur sowie Alexander Loulakis, Per Forsman, Rainer Lotz, Heinz Wegner und Walter Weist.


Quellenangabe: Im Original erschien dieser Artikel in "Fox auf 78", Heft 18 vom Frühjahr 1999, Seite 22 ff. Vielen Dank an Herrn Krüger für die Bereitstellung dieses Artikels!


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