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Caprifischer - Die Geschichte der "Capri Fischer "

Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt,
Und vom Himmel die bleiche Sichel des Mondes blinkt,
Ziehn die Fischer mit ihren Booten aufs Meer hinaus,
Und sie legen in weitem Bogen die Netze aus.


...es gibt hier wohl niemand, der diesen Ohrwurm nicht kennt... aber über die Geschichte dieses Riesenhits ist im Internet sehr viel Falsches zu lesen.

Darum möchte ich Euch bei Interesse hier einmal die Fakten zu dem "Hit" näherbringen.

Die Melodie stammt von Gerhard Winkler, der Text von Ralph Maria Siegel ( Vater des heutigen Siegel jun.)
Die allererste Aufnahme wurde im März 1943 bei Odeon mit Magda Hain unter Leitung von Gerhard Winkler gemacht.




(Sammlung Stephan Wuthe)


Magda Hain war eine Angestellte bei Siemens in Berlin, sie wurde von Winkler entdeckt und in den Jahren 1942-45 in Berlin sehr beliebt wegen ihres völlig schnirkellosen Auftretens und natürlich wegen ihrer netten Stimme. Eigentlich eine typische Berlinerin, die mit all den Nöten der Zeit eine ideale Reflektionsfigur abgab. Schnell erhielt sie von den Berlinern auch den Zusatz "die singende Hausfrau".
Hier bei einer Veranstaltung in den 50er Jahren für die Berliner Trümmerfrauen:




Ihre Karriere endete schon in den Nachkriegsjahren und sie starb in den 90er Jahren verarmt in einem Altenheim in Regensburg.

Nun zurück zu den Caprifischern.

Das Lied wurde in der ersten Zeit auch noch im Rundfunk gespielt und wurde schnell beliebt.
Die Surrealistik des Textes zur Berliner Wirklichkeit 1943 störte nicht, nein, sie war eine Art minutenbegrenzte Fluchtmöglichkeit für die Seele.

Nun kommt langsam die Politik ins Spiel... es zeichnen sich schon im Sommer größerwerdende Probleme mit Italien ab.


Ab Spätsommer 1943 singt Rudi Schuricke das Lied in dem "Volks-Varieté" PLAZA , welches 1929 in der Halle des nicht mehr benötigten Ostbahnhof am Küstriner Platz (Friedrichshain) eingerichtet wurde.
Das Haus hatte 3000 Plätze und war neben der Scala eines "der" Unterhaltungsvarietés in Berlin. Endgültig zerstört bei den Kämpfen in Berlin 1945 und abgerissen 1952. Es stand genau an der Stelle, wo sich heute das Verlagshaus des "Neuen Deutschland" befindet.




Schuricke sang die Caprifischer in Form einer Zwischennummer, er gab dabei den "singenden Dirigent" des Plaza-Orchesters.
Hier ein recht seltenes Foto einer dieser Auftritte:





Der Rundfunk spielte das Lied nicht mehr, weil bekanntlich die Amerikaner 1943 Neapel und Capri besetzten.

Die Schallplatte mit Schuricke erreichte jedoch noch den Markt, wie das Originaletikett der Aufnahme von 1943 beweist:







Es ist oft zu lesen, daß die Aufnahme im Krieg gänzlich "verboten" war. Das stimmt so nicht. Es wurde lediglich im Rundfunk nicht mehr gespielt. Das wirkte sich natürlich extrem verkaufsmindernd auf die Schallplatte aus.

Die wirklich große Stunde kam dann ab 1946/47 , wo die Caprifischer scheinbar den gleichen Reflex bei den Hörern auslöste, wie schon in der kurzen Episode des Schlagers 1943.

Es war geradezu ein "Volkslied" bis in die 50er Jahre hinein.
Die Amiga presste als erste Eigenaufnahme die Caprifischer mit Kurt Reimann. Daran allein sieht man, welche Popularität das Lied schon im Frühjahr 1947 hatte.

Unschlagbar allerdings blieb die Version mit Rudi Schuricke!
Es wurde die Matritze (10167 1/2) von 1943 auf allen Schellackplatten der Deutschen Grammophon/Polydor bis in die 50er Jahre verwendet.

Um Euch die enorme Bekanntheit der Caprifischer zu verdeutlichen, hier noch zum Abschluß ein paar zeitgenössische Bilderwitze aus der frühen Nachkriegszeit










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