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Edith Lorand

Edith Lorand
(* 17. Dezember 1898 in Budapest; † 23. November 1960 in New York) war eine ungarische Violinvirtuosin und Orchesterleiterin.



Die Namen der großen Orchesterleiter der Weimarer Republik wie Marek Weber, Dajos Bela oder Paul Godwin sind auch heute noch vielen geläufig.
Wesentlich seltener erinnert man sich an einen damals mindestens ebenso großen Star auf Schellackplatte und Bühne: Edith Lorand.




Orchester Edith Lorand


Dies mag vielleicht daran liegen, dass sich Lorand vor allem auf Walzer, Salonmusik und leichte Klassik verlegte. Dieses Genre ist bei heutigen Sammlern nicht mehr so gesucht - zu ihrer Zeit war Edith Lorand ihren männlichen Kollegen auf Platte jedoch mindestens ebenbürtig.

Edith Lorand entstammte einer ungarisch-jüdischen Familie und wuchs in Budapest auf. Ihr Vater war Direktor einer Ölraffinerie, ihre Mutter eine aus Österreich stammende Pianistin mit italienischen Wurzeln. Zunächst erlernte sie von der Mutter das Klavierspiel, später wechselte Lorand zur Geige.



Edith Lorand im Kindesalter


Edith Lorands erster öffentlicher Auftritt fand als Kind im Rahmen eines Wohltätigkeitskonzertes statt.
Lorand studierte an der Königlichen Musikakademie Budapest bei Jenő Hubay und Carl Flesch, 1920 debütierte sie in Wien.

1921


Quelle: YT Kanal Exelsior/Schreibender Engel Link - Hier klicken

Bereits bei ihren frühesten Aufnahmen spielte Lorand aber auch immer wieder aktuelle Tanzmusik


Ab 1920 verlegte sie ihren Lebensmittelpunkt und auch Wohnsitz nach Berlin. Hier verbrachte sie die meiste Zeit, bis sie im Juli 1934 Berlin verließ.
1921 entstanden bei der Parlophon (Lindström) die ersten Aufnahmen. Auf den Etiketten erschien sie u.a. als Edith Lorand Trio, Edith Lorand Quartett oder stand als Stehgeigerin dem Edith Lorand Orchester vor. Ab 1923 nahm sie die Lindström unter Vertrag.

Bei den Lorand Trio-/Quartett-/Quintett-Aufnahmen war immer der Pianist Michael Raucheisen mit dabei während andere Musiker von Aufnahme zu Aufnahme wechselten.

Hinter dem Bohemé-Orchester mit flotter Tanzmusik auf Beka-Platten von ca. Mitte 1923 bis Anfang 1925 steckt auch fast ausschließlich Edith Lorand und ihr Orchester, meist mit anonymen Refraingesang von u.a. Max Kuttner und Robert Koppel.

Hier ein kleiner Querschnitt solcher Platten :



Ausserdem nahm Edith Lorand auch unter dem Pseudonym Salon-Orchester Martina auf.



Ihre Platten verkauften sich so gut, das die Parlophon ihr einen Exklusivvertrag anbot.
1927 fand die 1000. Aufnahme statt.

Sammlung Monokel


Lorand erhielt für diesen Verdienst von der Lindström einen neuen Mercedes:


Auf dem Hof der Lindström/Parlophon bei der Übergabe des Autos, September 1927


Edith Lorand trat in den folgenden Jahren in ganz Deutschland, der Schweiz, Italien, Russland, Polen, Frankreich, Amerika und England auf.


Sammlung Barnabas


Ihre Aufnahmen verkauften sich nicht nur in Europa, sondern auch in Übersee sehr gut.

Sammlung Barnabas


Sollte Johann Strauss, der Walzer-König, wieder zum Leben erwachen, er würde einen weiblichen Rivalen in Edith Lorand, der ungarischen Violinistin, finden. [...] Es ist ungewöhnlich für Deutschland, eine schöne, schlanke junge Frau in einem reich bestickten, weißen ungarischen Kleid das Dirigentenpult erklimmen und sich einem Orchester von Männern in gedeckter, schwarzer Abendkleidung gegenüberstellen zu sehen. Es hat vorher bereits gelegentlich weibliche Dirigenten hier gegeben – Ethel Leginska aus London vor fünf Jahren; Antonia Brico aus Berkeley, Cal., diesen Winter. Aber sie bestanden darauf, schwarze Anzüge zu tragen. Edith Lorand vertraut auf helle Farben. Keine weibliche Dirigentin hat außerdem bisher versucht, Leiter und Solist zu sein.
London, „The Evening Independent“, 23.4.1930




Ende der zwanziger Jahre war sie einer der größten Plattenstars. In Frankreich war sie bekannt als "Königin der Walzer", in England als "weiblicher Johann Strauss".


Sammlung Barnabas



Zum 1. April 1930 verlängerte die Parlophon/Lindström ihren Exklusivvertrag um weitere drei Jahre. Man garantierte ihr 144 Aufnahmen im Jahr zu je 250.-RM. Dies sicherte Edith Lorand im Jahr 36.000.-RM nur aus ihren Schallplatteneinspielungen.
Außerdem finanzierte der Schallplattenkonzern ihr den Unterhalt des Orchesters - einzigartig zu dieser Zeit. Laut Vertrag solle das Orchester aus mindestens elf Mitgliedern bestehen. Die Lindström legte auch großen Wert auf regelmäßige Konzerttourneen, die den Bekanntheitsgrad weiter steigerten.


Das Repertoire bei Auftritten reichte von Klassik wie Händel, Mozart oder Beethoven über Zigeunerweisen, ungarischen Czárdás, Polkas und Walzer bis hin zu Eigenkompositionen Edith Lorands aber auch bis hin zu gelegentlichen Foxtrotts oder Tages bzw. Filmschlagern.





Sammlung Humoresk


In den frühen dreißiger Jahren war Lorand oft in der Berliner Scala zu sehen.





Durch die nationalsozialistische Kulturpolitik wurden Edith Lorands Arbeits- und Auftrittsmöglichkeiten ab 1934 zunehmend eingeschränkt. Edith Lorand war zwar mit der vorläufigen Mitgliedsnummer 3339 in der Reichsmusikkammer registriert, dies schützte die jüdische Künstlerin jedoch nicht vor Anfeindungen. Am 19. März 1934 schriebt ihr die Leitung der Berliner Scala:

Sehr geehrtes Fräulein Lorand!
Wir teilen Ihnen hierdurch mit, dass wir auch für den Rest dieses Monats auf Ihre künstlerische Tätigkeit in unserem Hause verzichten müssen, da sich an der Konstellation, die uns am Sonnabend, den 10. diesen Monats zu Präventiv-Maßnahmen veranlasste, nichts geändert hat.
Hochachtungsvoll...


"Präventiv-Maßnahmen" lässt die Vermutung zu, dass die Direktion sie aus dem Programm genommen hat, um einer (möglicherweise angekündigten) antisemitisch motivierten Störung der Vorstellung zuvorzukommen. (1935, Lorand hatte Deutschland bereits verlassen, ist sie in dem Machwerk Die Juden in Deutschland, Seite 313 aufgeführt.)

Auch die Lindström ließ ihren Plattenvertrag bereits zum 31. März 1933 ohne Verlängerung auslaufen.

Nach dem geplatzten Scala Auftritt legt Lorand alles daran Deutschland so schnell wie möglich zu verlassen. Ihre beiden Geigen werden bei Lloyds versichert, eine Spedition bestellt. Ende Juni 1934 kam Edith Lorand in ihrer Heimatstadt Budapest in Ungarn an. Hier baute sie ein „All-Gipsy-Orchestra“ auf, mit dem sie 1935 u.a. in der New Yorker Carnegie-Hall gastierte.

Jedoch konnte auch ihre Heimat Edith Lorand nicht lange Sicherheit bieten. So wurde z.B. 1937 der "Anteil von Juden am öffentlichen Leben" durch Quoten beschränkt. Auch folgte hier die "Arisierung" jüdischen Eigentums. Für Lorand als Jüdin bedeutete dies erneut die Koffer zu packen. Im Dezember 1937 wanderte sie in die USA aus.

Sie ließ sich in Woodstock im Bundesstaat New York nieder. Hier heiratete sie den Illustrator Egon Hood. Mit ihrem „Hungarian“ oder „Viennese Orchestra“ trat sie weiterhin auf, u.a. im Tavern Room des Hotel Bismarck in Chicago. An ihre früheren Erfolge in der Weimarer Zeit konnte Edith Lorand jedoch nicht mehr anknüpfen.




Edith Lorand in Chicago


Es folgten bis in die vierziger Jahre Auftritte, u.a. auch in San Francisco. Nach Ende des Krieges trat Edith Lorand kurzfristig mit einem Orchester in Wien auf. Kurz danach kehrte sie aber wieder in die USA zurück.

Im Mai 1960 kehrte sie für einen Besuch nach Berlin zurück. Einem Vertrauten zufolge hatte sie sogar vor ihren Wohnsitz wieder nach Berlin zu verlegen sowie ihre Laufbahn als Musikerin hier wieder aufzunehmen. Dazu kam es jedoch nicht. Edith Lorand starb am 23. November 1960 im Alter von 61 Jahren in den USA.




Quellen: u.a. Fox auf 78, Nr. 21, S. 10-13


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