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Ludwig Manfred Lommel

Ludwig Manfred Lommel
(* 10. Januar 1891 in Jauer (heute Jawor); † 19. September 1962 in Bad Nauheim)


Aus einem Homocord-Nachtrag von 1929.

„Die Tatsache, einen Abend lang dem bekanntesten und beliebtesten deutschen Humoristen zugehört und sich von ihm Stunden der Heiterkeit beschert haben zu lassen, führt auf die Frage, wodurch Lommel seinen beispiellosen Erfolg erringt. Eine Art Heiterkeitstechnik muss hier vorliegen. Es ist wohl die scharfe Beobachtung des alltäglichen Lebens, dem er seine Stoffe entnimmt und das er bis in eine an und für sich tragische Tiefe verfolgt, um es dann blitzartig bis ins Tragikomische zu wenden. – Die Beherrschung dieser haarscharfen Klippe ist seine Kunst. Ausgezeichnete Beherrschung der Wortspielkomik sorgt dabei für nie abreißende Spannung. Ja, man kann sagen, man erholt sich bei Lommel, weil er in steter Spannung, die den Spannungen des Alltags keinen Raum mehr lassen.“
Chemnitzer Tageblatt, 23. November 1938

Dem hier so hochgelobten Ludwig Manfred Lommel war die Komik keineswegs in die Wiege gelegt: Geboren am 10. Januar 1891 im schlesischen Jauer, wuchs er in Neukirch an der Katzbach (heute Nowy Kosciol) auf, wo sein Vater eine Tuchfabrik betrieb. Für künstlerische Ambitionen war in dieser Welt kaum Raum, doch während seiner kaufmännischen Ausbildung in Bremen nahm Lommel heimlich Schauspielunterricht. Sehr zum Missfallen des Vaters, der ihn prompt nach Manchester verbannte, wo er in der gestrengen Obhut von väterlichen Geschäftsfreunden weiter lernen und arbeiten sollte. Aber auch hier ließ er sich nicht davon abhalten, nebenher Theater zu spielen, was zum völligen Zerwürfnis mit seinen Eltern führte.

Mittellos reiste er in seine Heimat zurück, wo er sich unter sehr bescheidenen Umständen mit ersten solistischen Auftritten verdingte, wie er später selbst schilderte: „Ganz einfach, ich nahm ein Fahrrad und fuhr damit von Dorf zu Dorf. Ich war mein eigener Plakatankleber, mein eigener Billettverkäufer und Kontrolleur, mein eigener Vorhangzieher und natürlich auch mein eigener Vortragskünstler mit eigenem Repertoire. Zwei Stunden lang musste ich allein das Programm in dem jeweiligen Dorfgasthaus oder Gerichtskretscham bestreiten, bis meine lieben Bauern eingeschlafen waren, sofern das nicht schon beim Hochziehen des Vorhangs der Fall war.“
Nach dem ersten Weltkrieg, den Lommel als Offizier der Reserve überstand, versuchte er noch einmal, einem Beruf fernab des Künstlertums nachzugehen und als Weinhändler Fuß zu fassen. Er blieb wohl der bessere Humorist, begann von Neuem zu tingeln und wurde für die Schlesische Funkstunde verpflichtet. Für dieses Engagement erfand er „Runxendorf auf Welle 0,5“, betrieben vom Ehepaar Pauline und Paul Neugebauer und vom Kutscher „Herrmoann“, der auch – wenn nötig – am Klavier begleitete: „Wenn Rom auch nicht an einem Tag erbaut worden ist, so ist Runxendorf doch in einer Nacht entstanden. […] Es ging mir damals nicht gerade gut, als der Breslauer Sender mir eines Abends auftrug, eine ganz neue Sache zu bringen. Das war eine große Chance. Also setzt ich mich noch in derselben Nacht hin, und da fiel mir das alles ein, was Sie als 50. Stiftungsfest der Freiwilligen Feuerwehr zu Runxendorf kennen. Die Funkleute wollten zuerst gar nicht an das Zeug heran. Aber dann konnte ich auf einmal nicht genug Neuigkeiten aus Runxendorf fabrizieren.“


Dieser Fantasieort Runxendorf mit seinen teils autobiographisch beeinflussten Geschichten und Gesichtern – wie dem Kantor Stockschnupfen oder dem Baron Rülps von Kullrich – wurde zu Lommels Dauerbrenner. In den Hörspielen, die als Mehrpersonensketche angelegt waren, lieh Lommel bis zu zwölf verschiedenen Figuren seine wandlungsfähige Stimme. Seine Fähigkeiten ließen ihn nach dem Funkdebüt 1924 zu einem der beliebtesten Humoristen des Radios aufsteigen.


Siegfried Klupsch (links) und Ludwig Manfred Lommel
in dem Sketch „Pauline im Wohlfahrtsamt“ in der Berliner Scala 1937.

1927 folgten die ersten von zahlreichen Schallplattenaufnahmen, hier wie auf Live-Tourneen gab bis zu seinem frühen Tod Siegfried Klupsch den Klavierbegleiter und Herrmoann.

Lommels Karriere führte ihn auf Gastspielreisen durch zahlreiche Städte Deutschlands bis nach Berlin, wo er an verschiedenen Theatern tätig war. Auch die Filmbranche wurde vorstellig und engagierte ihn allein bis zum Kriegsende für zwölf Streifen, darunter vier Spielfilme. Er betätigte sich als Autor, ab September 1938 auch als Theaterleiter am Großen Lustspielhaus in der Friedrichstraße.


In der Nachkriegszeit engagierte sich Lommel in besonderer Weise für seine heimatvertriebenen schlesischen Landsleute. Er war stolz, als ihm Bundespräsident Theoder Heuss Mitte 1956 für seine „Lommel-Hilfe“ das Bundesverdienstkreuz erster Klasse verlieh. Sein Name zog nachwievor, seine Auftritte waren bestens besucht: Er gastierte als „Hauptmann von Köpenick“ an mehreren deutschen Bühnen, trat im Zirkus auf, kam mit der „Christel von der Post“ (1956) noch einmal auf die Leinwand und arbeitete für viele deutsche Rundfunksender.


Während einer seiner Gastspielreisen starb Ludwig Manfred Lommel am 19. September 1962 in Bad Nauheim. Lommel war zweimal verheiratet und hatte fünf Kinder, die teils in künstlerischen Berufen die Familientradition eines großen Humoristen fortführten, der schon Otto Reutter einige Zeilen wert war:
„Ihr saht den Lommel oft am Mikrophone stehen.
Der Hörer hört ihn, ohne ihn zu sehen.
Doch seine Neider verfolgen ihn mit Flüchen,
sie könn’n ihn – weder seh’n noch hör’n, sie könn’n ihn nicht ‘mal riechen.
Eins möcht‘ gern Prosa, das andre schätzt ein Liedchen.
Es ist unmöglich, alle zu befried’gen,
drum freut er sich, wenn jetzt Applaus ausbricht, –
bei uns am Rundfunk hört man’s leider nicht.“





Aus dem Nachlass von Berthold Leimbach
Josef Westner (humoresk)


Grundlegend für den Beitrag waren Joachim Schüttes „Ludwig-Manfred-Lommel-Diskographie“ (Selbstverlag, 1990) und Christoph Heidrichs Artikel „Ludwig Manfred Lommel und ich“ (Schalltrichter, Nr. 24, 2004). Letztgenannter Autor informiert auch auf einer privaten Internetseite umfassend über den Humoristen: Link - Hier klicken


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