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Die Admirals

Ein deutscher Importschlager
Die Admirals
von Josef Westner (humoresk)


Die Admirals waren zweifellos eine einzigartige Gesangsgruppe! Knapp vier Jahre lang blieben die US-Amerikaner in Deutschland ansässig und tätig, waren mit Spitzenorchestern im Studio, beim Film engagiert und auf den Berliner Bühnen zu sehen. Mit der deutschen Sprache haben sie sich wohl nie wirklich angefreundet, sehr geschickt wurden sie daher für Aufnahmen ganz nach ihrem Talent eingesetzt – vorwiegend englisch oder im Hintergrund summend, Instrumente imitierend… Mitte 1932 scheinen sie aus Deutschland ähnlich schnell zu verschwinden, wie sie 1928 aufgetaucht waren. Was geblieben ist, gibt wenig Stoff für eine Biographie. Dennoch hat die Gruppe es verdient, dass man versucht, zumindest die wenigen erhalten Schnipsel ihrer Laufbahn wieder zusammenzuflicken. Nein, flicken kann man sie eigentlich nicht mehr, ich möchte mich dieser speziellen Ensemblehistorie lieber in kleinen Fetzen nähern.

I. Im Schallplattenstudio
Am meisten erfährt man über die Admirals wohl, wenn man sich ihre Diskographie – oder das, was von ihren Platten bislang bekannt ist – im Detail ansieht: Am 28. Januar 1927 stand eine Gruppe namens „The Four Admirals“ im US-amerikanischen Camden im Aufnahmestudio der Firma Victor und bannte dort „No foolin‘“ auf eine Platte. Gut ein Vierteljahr später, am 2. Mai 1927, ist ein identisch benanntes Ensemble zu Gast vor den Mikrophonen der Columbia in New York. Die Aufnahmeunterlagen geben an, dass das Gesangsensemble von Ray Brown am Klavier sowie – wohl von einem Gruppenmitglied – an der Ukulele begleitet wird. Die bei dieser Sitzung entstanden Aufnahmen von „Voom Voom“ und „I’ll always remember you“ bleiben ebenso unveröffentlicht wie die Victor-Einspielung.

Am 11. Oktober 1927 folgen die nächsten Tests von „Four Admirals with ukulele accompaniment“ – allerdings bei der His Master’s Voice in London! Man darf wohl davon ausgehen, dass es sich um das gleiche Ensemble handelt, auch weil neben dem identischen Gruppennamen und der Begleitung mit Ukulele ein weiteres Indiz darauf hindeutet: Zu den Titeln, die für HMV eingespielt wurden, gehört neben „Hello Swanee“ eben auch wieder „Voom Voom“. Die ersten veröffentlichen Aufnahmen entstehen allerdings neuerlich für eine andere Firma: Zwischen Herbst 1927 und Frühsommer 1928 erscheinen unter dem Label Electron sechs (heute wohl ultraseltene) Platten der Admirals u.a. mit den Stücken „Voom Voom“ (wer hätte es gedacht!), „Hello Swanee“ und „Gonna get a girl“.



Das einzige bislang bekannte Foto der Admirals aus ihrer Zeit in Deutschland,
rechts außen vermutlich Joe Lee, links unten wohl Norman Bartlett.


Genau diese drei Lieder erscheinen im Herbst auch in Deutschland, zusätzlich mit „I’m in love again“ verbunden auf zwei Platten der Tri-Ergon, die wenige Wochen vorher in Berlin aufgenommen wurden. Sie sind der erste Beleg für die zwischenzeitliche Übersiedlung der Gesangsgruppe nach Deutschland – über die Gründe kann man nur spekulieren. Zumindest scheint die Entscheidung gewinnbringend zu sein, in den Aufnahmestudios etablieren sich die Männer mit ihrem perfekten Englisch schnell. Sie nehmen mit dem Orchester Ben Berlin und Paul Godwin für die Deutsche Grammophon-Gesellschaft auf, singen mit dem Julian-Fuhs-Orchester auf Ultraphon, Dajos Béla und Paul Abraham und ihren Mannen auf Odeon und Parlophon, sie bereichern Sam Baskini bei Plattenaufnahmen ebenso wie Ilja Livschakoff und sein Orchester. Viele heute noch häufig zu hörende Platten entstehen dabei – etwa „Wenn die Elisabeth nicht so schöne Beine hätt‘“ in verschiedenen Fassungen mit Leo Monosson, „Ich bin ja heut‘ so glücklich“ mit Max Mensing oder „Im Traum hast du mir alles erlaubt“ mit Marcel Wittrisch.


Paul Abraham und sein Orchester mit Gesang: Max Mensing and the Four Admirals - "Ich bin ja heut so glücklich" - 38862 - Parlophon B. 12377-I
Aufnahme vom 8. Dezember 1930


Spannend bleibt, dass die zahlenmäßigen Angaben der Gruppenmitglieder auf Plattenlabels laufend variieren – von „Four Admirals“ ist die Rede, von „Three“, selbst auf „Two Admirals“ soll das Ensemble scheinbar geschrumpft sein. Zu zweit erlebt man diese Gruppe aber tatsächlich nie. Alle mir bislang bekannten Aufnahmen unter diesem Namen stammen ausnahmslos und unüberhörbar von den „Two Jazzers“, die sich bisweilen – um einen dritten Sänger erweitert – auch hinter den „Three Admirals“ verbergen. Ihre letzte Aufnahmesitzung in Deutschland absolvieren die originalen „Three Admirals“ im Mai 1932. Auch jetzt sind die Gründe für ihren neuerlichen Aufbruch unbekannt, sie tauchen aber schon Anfang September wieder mit ersten Plattenaufnahmen in Großbritannien auf, wo ihre Lieder nun vorwiegend auf Zonophone erscheinen. Da dabei nun durchgehend nur noch ein Terzett zu erleben ist, hat zu der Vermutung geführt, das vierte Mitglied könnte auch der begabte Instrumentalist gewesen sein, der bei frühen Aufnahmen die Begleitung übernahm und womöglich für ein Orchester in Deutschland verpflichtet war. Bis August 1933 entstehen Zonophone-Platten der Admirals, dann im Juli 1935 noch einmal eine Columbia-Platte mit Hits aus dem Musical „Anything goes“ (gemeinsam mit Jeanne Aubert und Jack Whiting aufgenommen) und im November 1938 eine letzte Radioplatte, bei der Charlie Kunz am Klavier begleitete.


The Admirals - "Love in the moonlight" - CAR 2052-1 - Regal Zonophone MR 976
Aufnahme vom 19. Juni 1933


II. Achtung, Kamera läuft!
„Gonna get a girl“ ist wohl der erste Titel, den die Four Admirals für den deutschen Tonfilm einspielten. Eine Lignose-Filmplatte aus dem Jahr 1928 belegt die Existenz dieses Kurzfilms. Der zur Platte gehörende Film ist bislang nicht aufgetaucht, sein genauer Titel unbekannt. Gleiches gilt für den Lignose-Streifen, der im Februar 1930 gemeinsam mit der Lewis-Ruth-Band entstanden sein dürfte, der vielversprechende Liedtitel darin: „Ihr reizenden Frauen, nach mir seid ihr verrückt“.


Four Admirals – “Gonna get a girl” – 3986 – Lignose-Filmplatte
Aufnahme von 1928


Im Sommer 1930 tritt das Ensemble vermutlich erstmals in einem Spielfilm in Erscheinung: In dem mit Stars gespickten Streifen „Die große Sehnsucht“ sind die Admirals in einer revueartigen Szene als vokale Begleitung von Camilla Horn bei dem Titel „Bleibe bei mir!“ aus der Feder von Friedrich Holländer zu hören und zu sehen. Auch beim finalen Lied „Ich wünsch‘ mir was“ stehen die vier Herren mit auf der Bühne. Bereits Ende 1930 folgt „Der Herr auf Bestellung“: Die „Vier Admirals“ – so die Zensurkarte – singen als Mitsträflinge von Carry Clips (Willi Forst) „Dein Hemdchen ist aus Crêpe de Chine“ im typischen Admirals-Sound und verführen so den Gefängniswärter (Franz Rott) zu einer albernen Tanzeinlage, die ihnen den Ausbruch ermöglicht.



Als Gefängnisinsassen in „Der Herr auf Bestellung“, 1930.




Willy Forst und "The 4 Admirals" mit Orchester - Dirigent: Robert Stolz - "Dein Hemdchen ist aus Crêpe de Chine" - 15919 - Ultraphon A 758
Aufnahme vom Dezember 1930


„Nie wieder Liebe!“ ist Titel eines Spielfilms von 1931 und zugleich Devise von Kapitän Sandercroft (Harry Liedtke) und seinem Diener Jean (Felix Bressart), die nach einer Wette an Bord der „Odysseus“ und damit vor der Damenwelt geflohen sind. Nach beinahe fünfjähriger Reise um die Welt stimmen vier Matrosen an Bord jammernd das Lied „Lang ist es her“ an. Karlheinz Wendtland vermutet in „Geliebter Kintopp“ zu Recht, dass es sich dabei ganz unverkennbar um die Admirals handelt, die im Film auch persönlich zu sehen sind (wie ein Vergleich mit dem Auftritt in „Der Herr auf Bestellung“ beweist). Sie sind in „Nie wieder Liebe!“ übrigens noch mehrfach als Matrosen zu sehen, so etwa in der Tanzeinlage von Gladys (Lilian Harvey) an Bord der „Odysseus“.

Nur zehn Tage nach „Nie wieder Liebe!“ hatte ein weiterer Spielfilm mit den Admirals Premiere: „Die große Attraktion“. Sie gehören darin zur Künstlertruppe von Riccardo (Richard Tauber), treten mit ihm auf und begleiten ihn bei den Liedern „Ich steh’ im Schnee“ und „Nur wer die Frau’n nie fragt“. Gegen Ende des Films sitzen sie würfelspielend im Künstlerlokal „Aida“ und improvisieren vokal über das Thema von „Du warst mir ein Roman“, auch Siegfried Arno als Tänzer Felix stimmt vom Nachbartisch aus kurz in ihren Gesang mit ein.



„Die große Attraktion“ (1931)


Bei der Uraufführung von „Liebeskommando“ rund drei Monate später waren aus den Four schließlich die „3 Admirals“ geworden, so der Vorspann, in dem die Sänger bereits zu hören sind. Mit den Titeln „Ich möcht’ einmal wieder verliebt sein“, „Im Traum hast du mir alles erlaubt“ und „Kamerad, wir sind die Jugend“ hört man sie im Laufe des Films noch mehrfach. Zweimal treten sie sogar in Erscheinung: Unter dem Fenster der Arrestzelle, in der Antonia Scanagatti (Dolly Haas) eingeschlossen ist und die Lieder mitsingt, sowie als Begleitung von Mary Losseff. Mit ihr singen sie auf einer Varieté-Bühne „Im Traum hast du mir alles erlaubt“, ausgeschmückt durch hörenswerte Scat-Einlagen der Admirals!



Mit Mary Losseff auf der Bühne – v.l.n.r. vermutlich: Joe Lee, Norman Bartlett und Eddie Lee.


Auch in England stehen die drei Sänger wieder vor Filmkameras, so etwa für den Spielfilm „Aunt Sally“ (1934). Auf der Internetseite der British Pathé sind zudem drei Kurzfilme mit ihnen einzusehen – „Love marches on“ (1937), „The riding academy“ und „Don’t send my daddy to Dartmoor“ (beide 1938). Hier überwiegt weniger der gepflegte Ensemblegesang als ein singendes Sketchtrio mit recht skurrilem Humor.

III. Der Vorhang hebt sich…
Nur sehr vereinzelt ist auch von Bühnenauftritten der Admirals etwas in Erfahrung zu bringen: Am 15. Mai 1928 hat die Revue „Es liegt in der Luft“ mit Text von Marcellus Schiffer und Musik von Mischa Spoliansky in der Komödie am Kurfürstendamm Premiere. Neben der illustren Besetzung – Marlene Dietrich, Otto Wallburg, Hubert von Meyerinck, Ida Wüst, Oskar Karlweis, Margo Lion, Louis Douglas u.v.a. – sind laut dem erhaltenen Programmblatt „The For [sic!] Admirals“ mit Einlagen zu hören.



Programmblatt zur Revue „Es liegt in der Luft“.
Aus Fox auf 78, Nr. 25, S. 87.


Ein weiterer Revue-Auftritt ist mit dem Stück „Ich tanze um die Welt mit dir!“ verbürgt, das am 1. Juni 1930 im Deutschen Künstlertheater startete. Die Admirals sind darin als Hofsänger zu erleben – neben Carola Neher, Margo Lion, Rosa Valetti, Ernst Busch und Paul Hörbiger, wiederum zu Texten von Schiffer mit Musik von Friedrich Hollaender. Die wohl bedeutendste bestätigte Theaterarbeit der Admirals bleibt die Beteiligung an der Uraufführung des Singspiels „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ von Bertolt Brecht und Kurt Weill. Noch vor der Premiere bannen sie am 24. Februar 1930 den „Alabama song“ in der Originalbesetzung mit Lotte Lenja auch auf Platte.


Lotte Lenja und "The three admirals" mit Theo Mackeben und seinem Jazz-Orchester - "Alabama-Song" - 10710-1 - Ultraphon A 371
Aufnahme vom 24. Februar 1930


Auch in Großbritannien feiern die Admirals Bühnenerfolge: Sie gehören zur Besetzung der Londoner Premiere des Musicals „Anything goes“ von Cole Porter, das nach seiner dortigen Erstaufführung Mitte Juni 1935 noch mehr als 250mal aufgeführt wird!

IV. Auf den Schirm damit!
Auch im britischen Fernsehen werden die Admirals eingesetzt: Ausschnitte mit ihnen aus der Erfolgsshow „Anything goes“ flimmern im August und September 1936 über den Bildschirm, zur Premiere des BBC-Televisionssenders. Auch an einem Fernsehspiel unter dem Titel „Pest Pilot“ waren sie noch am 24. Oktober 1938 beteiligt. Danach verliert sich ihre Spur endgültig…

Inhalt, Bild oder Datei nur fuer angemeldete Mitglieder


V. Fazit
Alle gesammelten Angaben deuten darauf hin, dass es Ende der 1920er Jahre ein amerikanisches Gesangsensemble gab, das seinen Weg über Großbritannien nach Deutschland fand, wo es einige Jahre arbeitete, ehe es sich wieder in England niederließ. Zu den langjährigsten Mitgliedern dürfen die Brüder Lee, Eddie und Joe, sowie Norman Bartlett zählen. Als weitere (mögliche) Mitstreiter werden bisweilen Edward Delbridge, Neil Evans, Chet Bree (vermutlich bis 1928 der Vorgänger Bartletts) sowie William Simon oder Stamm genannt. Mehr war bislang über die Gruppe nicht in Erfahrung zu bringen. Wer weitere Details hat, möge sie zur Verfügung stellen und damit dazu beitragen, dass dieses wunderbar-ungewöhnliche Ensemble nicht vergessen wird!



Für die Unterstützung im Vorfeld dieses Artikels möchte ich Dr. Gerd Ahlers, Prof. Dr. Klaus Krüger, Karsten Lehl und Uwe Steinle herzlich danken! Einige wesentliche Angaben stützen sich auf Veröffentlichungen in der Sammlerzeitschrift „Fox auf 78“, etwa auf den Artikel „…um die Gedächtniskirche ‘rum“ von Herausgeber Prof. Dr. Klaus Krüger („Fox auf 78“, Nr. 25, S. 86-91).


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