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Die sprechende Schokolade - Stollwerck Phonograph 1903

Schokoladen-Schallplatte



STOLLWERCK
sprechende Schokolade
singt * musiziert * deklamiert


Ein physikalisches, unterhaltendes Spielzeug für den Weihnachtstisch

Bei dem Phonographen Modell A (1.- Mark) genügt gleichmässiges Drehen, um die Schokolade sprechen oder singen zu lassen. Mit eigener Hand, also ohne Uhrwerk, kann somit das Kind zu seiner grossen Überraschung einen toten Gegenstand sprechen lassen.




Bildquelle: Wikipedia


Schon zu Weihnachten 1903 waren technische Spielzeuge gern gesehene Geschenke unter dem Weihnachtsbaum. Sprechmaschinen waren vor nun gut 110 Jahren nicht mehr ganz neu - bis heute jedoch einzigartig der Tonträger dieses Platten-Phonographen: Schokolade!

Die Firma Stollwerck aus Köln war schon lange im "Schokoladen-Geschäft" als sie zur Weihnachtssaison 1903 diesen Phonographen auf den Markt brachte. Neben guter Schokolade war die Firma bekannt für ihre pfiffigen Werbe und Vermarktungsstrategien. Warum also nicht die Popularität der modernen Sprechmaschinen nutzen um seine Süßigkeiten noch bekannter zu machen?

Der Schokoladenproduzent Ludwig Stollwerck (1857 - 1922) lernte den Erfinder des Phonographen, Thomas Alva Edison bereits 1893 während der Weltausstellung World’s Columbian Exposition in Chicago kennen. Begeistert von diesem Technikum gründete sich in Köln die „Deutsche Edison Phonograph Compagnie“. Teilhaber war unter anderem Stollwerck. 1904 auch Ernst Loewe, welcher dann bei Bumb & Koenig (Beka) tätig war. Diese Firma importierte zunächst Phonographen aus den USA.

Bereits zum Weihnachtsgeschäft 1899 kam in den USA die Columbia (Graphophone) mit einem Spielzeug-Phonographen auf den Markt.

Dieses kleine Blechgerät hatte keinen Motor und musste per Hand angekurbelt werden. Die Platten (in Tiefenschrift) bestanden aus dem gleichen Material wie die Phonographenwalzen. Gewisse Ähnlichkeiten zu dem späteren Stollwerck-Phonographen sind unverkennbar.

Um 1901 sah Stollwerck eines dieser Geräte. Der Technik-begeisterte Firmenchef begann zusammen mit einem Freund, Emil Heimerdinger, an der Idee zu arbeiten das Plattenmaterial durch Schokolade zu ersetzen.

Anfang 1903 reiste Ludwig Stollwerck erneut nach Amerika. In seinen Laboratorien Orange, New Jersey traf er sich auch mit Edison. Er erhielt nicht nur die Vermarktungsrechte für dessen Phonographen in Deutschland - zusammen sollen sie auch die Idee entwickelt haben Schokolade als Plattenförmigen Tonträger für Phonographen zu verwenden. Faktisch wird Ludwig Stollwerck die Erlaubnis erhalten haben die Tiefenschrift von Edison zu verwenden - Stollwerck arbeitete ja bereits schon in Deutschland an dieser Idee.

Tatsächlich erwarb Stollwerck bereits 1902 die Nutzungsrechte an dem Gebrauchsmuster des Wiener Mechanikers Theodor Lotha auf eine Phonographenplatte „welche beidseitig mit einer dünnen Schicht eines zur Registrierung und Wiedergabe von Schallwellen geeigneten Material überzogen ist“ (eingereicht am 14. Oktober 1902). Quasi die ersten laminierten Schallplatten.Auch Lothas zweites Gebrauchsmuster findet sich mehr oder weniger in dem Stollwerck-Phonographen wieder: „Graphophon, dessen Schwungscheibe von einer mit abnehmbarer Decke versehen als Bonboniere oder Scheibenmagazin dienender Trommel gebildet wird".


Wer sich nun wirklich für diese Erfindung verantwortlich zeichnet ist fraglich. Am wenigsten wohl Edison. Zumindest rechtlich ist Ludwig Stollwerck nicht der Erfinder des Schokoladen-Phonograph. Sein Freund Emil Heimerdinger aus Hamburg reicht am 25. Juli 1903 in Großbritannien drei Patente ein. Diese werden ihm am 19. November 1903 zuerkannt. Zusammen ergeben diese Erfindungen/Patente genau den Stollwerckschen Phonographen mit Schokoladenplatten.

  • Patent 16.446: A PHONOGRAM PLATE
    • Ein billiger Kern (Pappe usw.) trägt die eigentliche, dünne Schicht mit den Schallrillen.

  • Patent 16.445: IMPROVEMENTS IN OR CONNECTED WITH THE PACKING OF CHOCOLATE
    • Schokolade so zu verpacken, dass sie auch als Tonträger geeignet ist.

  • Patent 16.444: IMPROVEMENTS IN PHONOGRAPHS MORE ESPECIALLY TOY PHONOGRAPHS
    • Ein von Hand betriebener Spielzeug - Phonograph dessen Plattenteller als runde Dose ausgebildet ist.




Die Patente im einzelnen:
Weitere Informationen:


Im Oktober 1903 kam Stollwerck dann mit seinen Schokoladen-Platten auf den Markt (eigentlich fast schon zu spät für eine effektive Vermarktung zu Weihnachten 1903). Anders als bei den bekannten Grammophonplatten waren diese Tonträger (wie die Walzen von Edison) in Tiefenschrift geschnitten. Entsprechend handelt es sich bei dem Abspielgerät auch nicht um ein Grammophon, sondern einen (Platten) Phonographen. Bei dem Modell B stammte das Federwerk von der noch heute existierenden Firma Junghans (Uhren). "Die "Nadel" des Tonabnehmers war aus zerbrechlichem Glas. Die Schokoladenplatten hatten einen Ø von 8cm. In der "Dose" des Plattentellers ließen sich bis zu sechs dieser Platten aufbewahren. Die Platten aus Schokolade konnten etwa 10 mal abgespielt werden. Daneben gab es aber auch Tonträger aus dem (nicht essbaren) Material "Karbin" welche länger genutzt werden konnten. Diese Platten aus einer Art Hartwachs wurden in Berlin von der Adler-Phonograph Co. hergestellt.

Bildquelle: Sammlung Johan van Oprooy




Saison - Neuheit
STOLLWERCK
Sprechende Chocolade = Tafel
(Qualität "Extra zart")


Wir bringen für den heurigen Weihnachtstisch eine interessante Neuheit. Es ist uns gelungen, die schöne Erfindung Edisons "Schallwellen in Wachs festzuhalten und wieder zu Gehör zu bringen" auch auf Schokolade zu übertragen.

Wir liefern nebenstehend abgebildeten Stollwerks Spielphonographen mit einer sprechenden oder singenden oder musizierenden Schokoladetafel in Qualität "Extra zart":

  • zum Handdrehen Modell "A" per Stück zu 2.- Kronen (1.- Mark)

  • mit Uhrwerk Modell "B" per Stück zu 4.- Kronen (6.- Mark)


Während mit dem Uhrwerk Modell "B" Sprache, Gesang und Musik zu Gehör gebracht werden können, wird mit Modell "A" zum Handdrehen blos Gesprochenes wiedergegeben, da Musik und Gesang nur bei absolut gleichmässiger Drehung gut ertönen. Der Spielphonograph ist in der Tat ein unterhaltendes, physikalisches Spielzeug für die Jugend, welches auf keinem Weihnachtstische fehlen sollte.

Stollwerks sprechende, singende und musizierende Schokoladetafeln werden in zwei verschiedenen Sorten angefertigt:

  • a) für Sprache 30 verschiedene Erzählungen, Gedichte etc
.
  • b) für Gesang und Musik 30 verschiedene Lieder und Musikstücke.


Preis per Stück 30 Heller (60 Pfennig)

Während diese sprechenden Schokoladetafeln nach ungefähr 5 - 10maligem Gebrauche abgenützt sind und dann ihrer richtigen Bestimmung dem "Verspeisen" verfallen, werden für Freunde des Phonographen-Spieles aus einer neuen nicht essbaren Masse "Karbin" auch dauerhafte Platten angefertigt.

Diese werden mit einer einfachen Tafel Schokolade (ohne Phonogramm) in einem Karton verpackt und kosten per Stück 50 Heller










Das lithographisch bedruckte Gehäuse stellte der Blechfabrikant Friedrich Anton Reiche aus Dresden her. Seine Blechwarenfabrik produzierte bereits schon die Schokoladenformen aus Weißblech für Stollwerck.



Schokoladenplatte




"Karbin" - Platten


Die beiden Modelle (in Frankreich als „Eureka“) verkauften sich 1903 in Deutschland und Belgien sehr gut - nur waren sie unter Kinderhänden nicht sehr stabil - nicht selten hielten sie nur einige Tage. Die Tonqualität war nicht befriedigend, der gesamte Aufbau des Phonographen aus dünnem Blech recht "wackelig". Zwar versuchte man noch die kurze Spieldauer durch größere Schokoladenplatten (Ø 11,5 cm) zu verbessern, sie blieb trotzdem weit unter einer Minute. Der Federmotor war recht schwach - dafür aber laut. Auch die Geschwindigkeit konnte nicht reguliert werden. So gut sich diese Geräte als Spielzeug verkauften - so schnell gingen sie aber auch kaputt. Heute sind diese Phonographen (so sie denn überhaupt auftauchen) meist unvollständig und in recht schlechtem Zustand.

.


Im folgenden Jahr brachte Stollwerck einen deutlich verbesserten Phonographen auf den Markt.


Bildquelle: Sammlung Johan van Oprooy

Fast alles war besser an dem Modell des Jahres 1904. Gediegenes Gehäuse (und Trichter) aus Holz mit Beschlägen aus Messing, ein stärkerer Motor (die Metallplakette auf dem Korpus trägt die Namen Stollwerck und Junghans, separate Regulierung der Geschwindigkeit, der Tonstift aus Saphir, der Plattenteller war mit Filz bezogen. Auch der den Trichter tragende Tonarm war nun deutlich stabiler. Die größeren Platten hatten nun einen Kern aus Holz und waren mit einer Hartwachschicht überzogen. Es sah fast so aus - Stollwerck wollte neben seinem Hauptgeschäft Schokolade nun auch ernsthaft in der jungen Sprechmaschinenindustrie Fuß fassen. Allerdings vergebens. Technisch waren die Platten immer noch nicht ausgereift. Der Holzkern quoll auf - die Oberfläche wurde rissig und zersplitterte schnell. Ludwig Stollwerck hatte mit dem Import von Phonographen bereits mehrere 100.000.- Mark Verlust gemacht. Die Verkaufszahlen des neuen Phonographen blieben weit hinter den Erwartungen - insgesamt sollen sich nur um die 5000 Geräte verkauft haben.

Ludwig Stollwerck stellte alle Geschäfte mit der Sprechmaschine ein. Heute stellt dieser "Ausflug" der Firma ein absolutes Kuriosum in der Geschichte der Tonaufzeichnung dar. Die Geräte sind rar - und gesucht. Der Firma Stollwerck hat der Flirt mit dem Phonographen jedoch nicht geschadet. Sie tut bis heute das, was eigentlich ihr Kerngeschäft ist - Schokolade herstellen. Leider kann diese heute nicht mehr singen, zu Weihnachten kann man ja aber auch mal träumen...


Bildquelle: Wikipedia



  • Vielen Dank an Herrn Johan van Oprooy mit seiner Webseite Coco Arte für die Bilder!

  • Rainer E. Lotz & Stephan Puille Phono-Karten - eine industrie-archäologische Entdeckungsreise 2006



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