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Paul Whiteman der Jazzkönig




Paul Whiteman und sein Orchester 1926 im Schauspielhaus Berlin

Da haben wochenlang die Plakate geschrien: Jazzkönig! Jazz-Sinfonie-Orchester!! Und ein Vollmondgesicht lächelte von allen Litfasäulen. So einladend, so zwingend, daß das Große Schauspielhaus bei den fünf Konzerten gerammelt voll war: Paul Whiteman.

Auf allen Höfen, an allen Straßenecken, in jeder Kneipe dröhnt, gröhlt Jazz. Das ist alt. Aber ein neues Schlagwort ist da. Vor zwei Jahren etwa fings an, in Musikerkreisen besprochen zu werden, heute ists Modewort: Jazz-Sinfonie. Da gabs dann einen Ernö Rappé. Aber es war nichts damit. Nun kommt der Jazzkönig aus Amerika. Im Stillen hatte man die Hoffnung: er bringt sie mit, die Sinfonie.

Aber es war auch nichts damit. Das erste Stück: Mississippi, das eine sinfonische Dichtung sein möchte, zeigt das gleich: unter rotem, blauem, violettem Scheinwerferlicht spielt ein virtuoses Orchester einen durch Jazz-Instrumente aufgepulverten sentimentalen Schwulst, worin ein paar Plantagenklänge sich mit den Mittelchen einer schon vergessenen Neuromantik morganatisch verbinden. Als Hauptnummer des Abends war eine Rhapsody in Blue angesagt. Das selbe wie bei der sinfonischen Dichtung. Dazu blaublauen Sternentheaterhimmel, der zum Schluß ins knalligste Rosa übergeht.
Berlin, April 1926






Auch in einer Republik muß es wohl Könige geben. Die amerikanischen Könige werden nicht vom Volk gewählt: der „Publicity man" ernennt sie, das Volk bestätigt sie nur, Alle Zweige des Geschäftslebens haben ihre eigenen Könige; Rockefeller ist König in Öl, Schwab in Stahl, Ford in Autos. Jeder ist ein „Selfmade-König". Für die amerikanische Demokratie ist nichts bezeichnender als die Tatsache, daß auch ein Künstler König werden kann. Paul Whiteman, der sich noch immer der „alte, dicke Geiger" nennt, ist der König des Jazz, „King of Jazz". Er ist zwar nicht alt, erst neun-unddreißig, dick dagegen ist er wohl.

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Januar 1929


Als er zeigte, wie klein er war, als er anfing, Geige zu spielen, konnte ich nicht umhin, ihn zu fragen, wie breit er damals war. Seine rundliche Figur ist heute die populärste von Amerika, sein kleiner spitzer Schnurrbart wurde die Schutzmarke des Jazz. Paul Whiteman hat keinen Mitschuldigen gehabt. Sein Vater war Hauptinspektor der Schulen von Denver, seine Mutter sang in Kirchenchören. Der junge Paul entschloss sich trotzdem, bei der musikalischen Laufbahn zu bleiben und die Musik zu revolutionieren. Sein Gewissen wurde durchaus nicht gepeinigt von der fast nebensächlichen Tatsache, daß er die großen Meister der Musik innig liebte. Das stärkte höchstens seine Leidenschaft für das Waffensammeln, er schoß nie auf die Meister der Musik, er zielte nur ab und zu darauf.



Neben seinen musikalischen Instrumenten besitzt er 122 Waffen. Außer diesen Waffen züchtet er noch siamesische Katzen und kleine Pinscher, allerdings nicht für musikalische Zwecke. Seine Waffen sind nicht geladen, die Musikinstrumente dagegen höchst explosiv. Er besitzt alle nur erdenklichen Instrumente — nach der Zirkusvorstellung kann man sie besichtigen. Er wußte sehr gut, daß Amerika etwas Neues brauchte. Die puritanischen Traditionen liebt man hier auch deswegen nicht, weil sie alt sind. So warf Paul Whiteman seine Augen auf den Jazz, der damals noch das Stiefkind der Künste war. Er nahm das Kind in Pflege, gab ihm Namen und Geschlecht und lehrte es Purzelbäume schlagen. Für die Erziehung des Kindes verlangte er von niemandem Geld. Er hätte auch nichts bekommen, da das Balg gar zuviel plärrte und raunzte.


Paul Whiteman und Emmerich Kàlman


Es drückte also, da er ja die Folgen für dies Tun auf seinen eigenen Kopf oder besser noch auf seinen eigenen Bart nahm, niemanden die Verantwortung dafür, daß Paul Whiteman eines Tages ein verwegenes revolutionäres Orchester anwarb und es auf der Varietibühne dem Publikum gegenüberstellte. Womit die lange verdrängten Veitstanz - Rhythmus - Gefühle besagten Publikums mit einem Schlage ausgelöst wurden. Über Nacht war die Karikatur Paul Whitemans allbekannt: Die Flappers fingen an, spitze Schnurrbärte ä la Whiteman zu tragen, die Männer nahmen Unterricht im Dickwerden, und jeder fing auf einmal an zu lärmen, er spielte dann mit seinem Orchester in dem Schönheitspflege-Varieté-Theater eines gewissen Ziegfeld.

Das Z i e g f e l d T he a t er ist kein Kulturinstitut zur Pflege der Schönheit der Musik, sondern ein Institut, um gepflegte junge Mädchen schön zu erhalten. Paul Whiteman durfte trotzdem hier musizieren, und nun begann seine große Karriere. Er fuhr nach Salt Lake-City im Lande der Mormonen, und in den Tabernakeln führte er die nackte Jazzmusik vor. Die Mormonen haben seitdem außer ihrer Polygamie die Gewohnheit angenommen, auf einmal mehrere Musikinstrumente zu halten. All dies reichte jedoch nicht hin, um viel Geld zu verdienen und demgemäß auch viel auszugeben.


Whiteman veranstaltete ein Jazzkonzert in der New-York er Aeolian-Hal l. Es kostete ihn zwölf-hundert Dollar. Die Karten verteilte er. Überhaupt machte er alles allein. Das Publikum applaudierte dank der Freikarten wie besessen und entschied damit das Schicksal der amerikanischen Musik. Whiteman ließ seine Karikatur als „Trademark" eintragen, die Zeitungen bejubelten ihn, und er wurde von Managern überrannt. Die Manager rennen nur, wenn man sie nicht braucht und wenn sie einfach die Hälfte des Geldes einstreichen können. Whiteman engagierte seinen alten Freund und Schulkameraden Herrn Gillespie als Manage r. Es schmeichelte ihm, jemanden zu haben, der bezeugen konnte, daß er in die Schule gegangen war. Herr Gillespie war früher Schauspieler, dann Redakteur, aber seine Vergangenheit bildete kein Hindernis. Er ist seit sieben Jahren Whitemans Manager, gerade so lange, wie dieser Gershwins Rhapsody in Blue spielt, — man kann sagen, ohne Unterbrechung. In dieser Angelegenheit lehnt Herr Gillespie jede Verantwortung ab. Die Rhapsody in Blue hat seit sieben Jahren nicht einmal ihre Farbe gewechselt. Mit dem Auftauchen des Herrn Gillespie wurde auch die Blechtrompete in Gold verwandelt, und heute bekommt Whiteman von der Zigarettenfabrik „Old Gold" 8000 Dollar, wenn er eine Stunde im Radio spielt.

Die „Old Gold"-Zigarette ist nicht besser geworden, trotzdem 43 Stationen die Whiteman-Musik übernehmen. Wo er nur auftaucht, meldet man Erdbeben. Für E u r o p a sollen nachfolgende Zahlen als Rekorde berichtet werden: Er ist stets begleitet von 35 Musikern in drei Extrawaggons, wozu noch ein Gepäckwagen kommt. In elf Riesenkisten sind die Musikinstrumente verpackt, jedes Instrument extra in Watte gewickelte Mit dem übrigen Gepäck zusammen sind 108 Kisten unterwegs. Der Klavierstimmer, der Theater-Manager, einige Hunde und Katzen fahren gleichfalls mit ihm. Die Musiker werden ständig von 20 Gattinnen und acht bis neun Kindern begleitet, deren Zahl unterwegs auch wachsen kann. Zu seiner persönlichen Bedienung braucht Whiteman nur drei Personen, den Diener, den Chauffeur und vor allem den Koch.

Er hält ganz bescheiden nur diesen einen Koch, da er fürchtet, daß er zu dick und seine alte Karikatur dann ungültig werden könnte. Vor kurzem wurde auch Whiteman von seinem Schicksal ereilt: Er kam zum Film und macht jetzt eine T o n r e v u e für die Universal. Vorläufig ist das nur für Universal eine Sorge. Bereits vor einigen Monaten war Whiteman hier in Hollywood; man konnte jedoch über den Stoff des Films nicht einig werden, und das kostete die Universal eine Million. Diesmal hat er 200 000 Dollar bekommen. Er verdient wöchentlich 14 500 Dollar und 40 Prozent vom Reingewinn. Glücklicherweise macht ihm das Spiel im Film viel Spaß, sonst könnte er sicher den Gedanken nicht ertragen, daß die Universal wahrscheinlich durch ihn noch pleite geht. Der Film wird, wenig gerechnet, zwei Millionen Dollar kosten. John Murray Anderson, der bekannte New-Yorker Revue-Meister, über den man sogar in Hollywood Gutes spricht, führt die Regie.








Von Whiteman ist noch zu sagen, daß er ein guter Junge ist, der von seinen ersten tausend Dollar seinen Eltern als Dank dafür, daß sie ihm verziehen haben, eine Farm kaufte. Er stiftet junge Musiker zum Jazz an und unterstützt diese Verschwörer der Zukunft sogar noch mit Geld. Er stiftet sehr viel Geld für wohltätige Zwecke und vergißt auch die Tauben nicht. Und zum Schluß: man sagt, er dirigiere stehend, um abzunehmen.


Lindström Magazin der Ton - Ausgabe Mai 1930




Electrola Skizzen Januar 1928






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