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Carl Woitschach - Wer kommt denn da marschiert...

Carl Woitschach
* 29. Februar 1864, † 24. Mai 1939
Musikdirektor, Komponist



Woitschach wurde vor allem durch seine vielen Marschplatten bekannt. Jedoch war das Spektrum seiner Aufnahmen wesentlich vielfältiger. Im Laufe seiner Karriere dürfte er tausende von Aufnahmesitzungen geleitet haben. Er dirigierte quasi alles, was ihm aufs Dirigentenpult kam: Vom Charakterstück über Charleston (mit zackigem Einschlag...) bis hin zum Badenweiler Marsch.

Geboren in Posen (heute Poznań, Polen), verbrachte Carl Woitschach den größten Teil seiner Karriere in Berlin. In den Adressbüchern ist er erst ab 1898 geführt (zunächst mit Beruf Musiker, schon bald aber als Musikalischer Direktor), vermutlich wirkte Woitschach aber schon eher in der Stadt.


Bereits seine ersten Kompositionen ab 1889 wurden in Berlin verlegt. Über seine frühe Karriere ist kaum etwas bekannt. Woitschach sprach fließend französisch und war auch mit einer Französin verheiratet. Möglicherweise bereiste er schon vor der Jahrhundertwende Europa. Zumindest veröffentlichte 1892 das Londoner Verlagshaus Lafleur & Son den "Victorina March" eines gewissen Carl. Woitschach...


Nach Wikipedia war Woitschach unter anderem Dirigent des „Berliner Tonkünstler-Orchester“. Hierfür fanden sich aber keine zeitgenössischen Quellen. Dieses beliebte Orchester (ab c. 1900) stand unter Leitung verschiedener Kapellmeister - um 1902/03 auch von Richard Strauß. Möglicherweise spielte Woitschach aber in diesem Orchester.

Ab c. 1910 findet sich sein Name häufiger auf Platten-Etiketten. Mal als Dirigent, mal als Komponist. Vor allem das Proto-Orchester dürfte zu dieser Zeit, bei Schallplattenaufnahmen, häufig unter seiner Leitung gestanden haben.


Ein weiteres Detail, bis Jahresanfang 1911 nahm das Berliner Johann Strauss Orchester nicht weniger als vier Kompositionen Woitschachs auf. Möglicherweise spielte er "live" mit dem Strauss-Orchester, oder lieferte zumindest regelmäßig Arrangements.





Detailaufnahme während einer Platteneinspielung 1910 unter Bruno Seidler-Winkler. Mit etwas Fantasie lässt sich in dem Herrn an der Strohgeige ein jüngerer Woitschach erkennen.

.



Seine genauen musikalischen Aktivitäten sind zu dieser Zeit ungeklärt. In einem (holländischen) Bericht zu seinem Tod 1939 findet sich jedoch ein interessanter Hinweis.


Sinngemäß: Während der Stummfilmzeit war Woitschach Dirigent in Berliner Kinos.

Dies würde auch erklären, warum sich bis Anfang der 1920er Jahre keine Hinweise in der Berliner Tagespresse auf ein "Orchester Woitschach", "Kapellmeister Woitschach" oder ähnliches findet. Kinos inserierten damals normalerweise sehr selten ihre Hausmusiker mit Namen...

Erst Anfang 1920 wird die Karriere des Musikdirektors Woitschach wieder greifbar: Er findet Anstellung beim Lindström-Konzern. Fast bis zum Ende seines Lebens leitet er bei Lindström mit den Marken Odeon, Gloria, Rusi, Beka usw. unzählige Einspielungen - oft abwechselnd mit Otto Dobrindt. Zusammen mit letzterem hatte er, mehr oder weniger, den Status eines musikalischen Direktors bei Lindström.

Carl Woitschach dirigiert eine Aufnahmesitzung für Odeon, um 1927


Nur selten findet man seinen Namen direkt auf den Etiketten. Ob nun als "Blasorchester", "Militärorchester" oder auch als "Odeon Tanzorchester" - auch Einspielungen von "Dobbris Saxophonorchester" werden nicht selten von ihm geleitet. Ab und an, wenn der Kollege im Studio verhindert ist, dirigiert Woitschach das Dajos Bela Orchester bei Aufnahmen.

(Alle Einspielungen unter Leitung von Carl Woitschach)



1927 Sammlung Snookerbee
.




1928
.




1929 Sammlung Charleston1966
.


Da er aber wohl bei der Lindström nicht fest unter Vertrag stand, leitete Woitschach auch für viele andere Marken Einspielungen und Studiobesetzungen. Nicht nur bei VOX, Tri-Ergon oder Kristall und Ultraphon, auch auf günstigen Etiketten wie Grand Gala findet sich eine "Kapelle Woitschach" mit dem ganzen Spektrum der damaligen Unterhaltungsmusik (inkl. Märschen...). Jedoch kann es sich dabei auch um das Orchester seines Sohnes Paul Woitschach (geboren 1908) handeln, der ab Mitte der 1920er Jahre ebenfalls Unterhaltungskapellen in Berlin leitete.

Wirklich bekannt wird Woitschach jedoch erst durch den Rundfunk. Nach einem nicht ganz einfachen Start des jungen Radio im Oktober 1923, nutzte Carl Woitschach ab c. Juni 1924 das junge Medium auch für sich.

Quasi bis zu seinem Tod war "Carlchen" oder "Papa Woitschach" wöchentlich über den Äther zu hören. Erst durch die regelmäßigen Radiosendungen wurde auch der Name Woitschach populär - und fast schon Synonym für flotte Marschmusik... Auch hier dirigierte der Herr Musikdirektor fast alles auf den Notenlinien. Egal ob es nun der "Sozialisten-Marsch" war, oder "Kampflieder" der Nationalsozialisten.



Carl Woitschach im Berliner Rundfunk, c. 1931


Ab Anfang der 1930er Jahre nahm Woitschach weniger für die Lindström auf. Zumindest auf Platte, wurde Telefunken nun seine neue Heimat. Entsprechend der neuen Machthaber dominierten nun Märsche des "neuen Zeitgeistes".


Aufnahmen bei Telefunken





Telefunken-Katalog - Mai 1939


In den letzten Monaten seines Lebens stand das "Carl Woitschach Blasorchester" bei den häufigen Rundfunksendungen gelegentlich unter der Leitung seines Sohnes Paul Woitschach.




Carl Woitschach †

Der durch den Rundfunk überall in Stadt und Land bekannte Musikdirektor Carl Woitschach, dessen Blasorchester uns manche fröhliche Stunden bereitete, ist im Alter von 76 Jahren gestorben.

Carl Woitschach war geborener Posener, aber seine künstlerische Laufbahn begann in Berlin, wo er sich als Leiter von Konzert- und Tanzkapellen schnell einen Namen machte. Schon vor dem Kriege (Anm.: Erster Weltkrieg) stand Woitschach in bekannten Berliner Theatern am Dirigentenpult. Sein großer Siegeszug, der seinen Namen in alle deutschen Gaue trug, begann aber erst mit der immer größeren Verbreitung des Rundfunks.

Auch als Komponist hat er sich mit Erfolg bestätigt. Wenn "Carlchen", wie ihn die Berliner wohl manchmal nannten, mit seiner Kapelle im Programm stand, dann durfte er immer einer großen Hörergemeinde sicher sein, die aufrichtig sein Ableben bedauert.
26. Mai 1939


Nach dem Tod des Vaters führte Paul Woitschach zunächst das beliebte Rundfunkorchester weiter, im Kriegsverlauf wurde es jedoch aufgelöst. Ein eigener Musikverlag (ab den 1950er Jahren) des Sohnes verlegte nicht nur eigene Kompositionen, sondern auch bis dahin unveröffentlichte Werke des Vaters. Auch das musikalische Vermächtnis von zwei Generationen finanziert heute die Paul Woitschach-Stiftung zur Förderung und Unterstützung von hilfsbedürftigen Komponisten.

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