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100 Jahre Jazz auf Schallplatte – Original Dixieland Jazz Band



Am 26. Februar 1917, betraten fünf Musiker aus New Orleans in New York ein Schallplatten Studio, um die erste Jazz Platte der Welt aufzunehmen. Doch bis dahin hatten diese „Pioniere des Jazz“ schon einen längeren Weg hinter sich. Ob die Mitglieder der ODJB (Original Dixieland Jazz Band) auch den Jazz „erfunden“ haben, wie schon damals teils zu lesen war, dürfte sehr fraglich sein. Ihr Verdienst mit dem „Livery Stable Blues“ und dem „Dixie Jass Band One-Step“ vor nun 100 Jahren die erste Jazzplatte aufgenommen zu haben steht jedoch außer Frage.




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Quelle: Sammlung Alang

Dominic „Nick“ LaRocca (Kornett und nomineller Leiter); Edwin „Eddie“ Edwards (Posaune); Larry Shields (Klarinette); Henry Ragas (Klavier); Anthony „Tony“ Sbarbaro (Schlagzeug)


Eine Brass Band dreht durch…


„A Brass Band (sin.: Blechblas-Kapelle) went cracy“... Die Werbeabteilung der Plattenfirma Victor war sich wohl selber nicht ganz sicher, wie sie diese „neuartige“ Musik dem Käufer erklären sollte. Zum tanzen sei diese „verrückte“ Musik geeignet, jedenfalls solle der geneigte Hörer sich zunächst selber ein Bild machen.

Anfang Mai 1917 wurde die erste Jazz-Schallplatte dann veröffentlicht.



"Die Jass Band ist die neueste Entwicklung in der Musik. Sie hat genug Kraft und Energie, um selbst Mumien wieder Leben einzuhauchen. Menschliche Tänzer werden (zu dieser Musik) bis zum Frühstück auf den Füßen bleiben…"




Einzigartig war diese Einspielung 1917 allemal. Zwar gab es schon einige Zeit synkopierte Musik, Ragtime, Foxtrotts und One-Steps auf Platte zu kaufen - dieser neue Jazz dürfte für viele Hörer aber zunächst „schockierend“ gewesen sein. Entsprechend wurde noch viele Jahre kontrovers diskutiert, ob Jazz denn nun wirklich „Musik“ sei, oder einfach nur „musikalische Müll“…. Den Erfolg der ODJB schmälerte dies jedoch in keinster Weise.

New Orleans – Chicago – New York


Die Ursprünge der ODJB um 1915/16 liegen in einer kleinen Kneipe namens „Pup Cafe“ in New Orleans. Hier leitete der Schlagzeuger Johnny Stein eine kleine Band in ähnlicher Besetzung. Ein Musikagent namens Harry James (nicht DER Trompeter Harry James der Swing-Ära…) wurde auf das kleine Orchester aufmerksam, und buchte sie nach Chicago. Neben Stein am Schlagzeug waren die Mitglieder LaRocca, Edwards, Ragas sowie der Klarinettist Alcide "Yellow" Nunez.

"Stein´s Dixie Jass Band", März 1916 in Chicago.

Links nach rechts: Nunez, Edwards, Ragas, LaRocca, Stein


Als „Stein's Dixie Land Jass Band“ war die Kapelle ab dem 3. März 1916 in Chicagos South Side in “Schillers Cafe“ (318 East 31st Street) zu hören. Noch als “Jass” geschrieben, stellte sich schnell Erfolg ein. “Jass Bands” kamen 1916 in Chicago schnell in Mode und waren in aller Munde.



Chicago, die Heimat des "Walkin´the Dog" und "Ballin´the Jack" und allerlei anderen Kabarett-Neuigkeiten, hat nun eine weitere Erfindung in ihrer Liste der Entdeckungen: die sogenannten "Jazz Bands". Die Jazz Band besteht aus drei oder mehr Instrumenten und spielt selten "normale" Musik.

Das "College Inn" und quasi alle anderen, führenden Unterhaltungsplätze haben nun eine Jazz Band. Die niederigen Kosten eines solchen Orchesters ermöglicht es auch den kleineren Lokalen ein eigenes Jazz Orchester zu haben. Verschiedene Organisationen erwägen die Möglichkeit auch nach New York zu kommen - und es erstaunt nicht, dass die "klassischen Orchester" den synkopierten Gruppen weichen mussten.


Bereits im Mai 1916 kam es jedoch zu Streitigkeiten zwischen den Musikern, Stein und Nunez verließen die Band und wurden durch Larry Shields und Tony Sbarbaro (ebenfalls aus New Orleans) ersetzt. Ein weiterer Musikagent, Max Hart, wurde auf die Band aufmerksam, und fragte im Oktober 1916 per Telegramm an, ob die Jass Band nach New York kommen würde.

Am 27. Januar 1917 war es dann soweit - die Original Dixieland Jazz Band debütierte im "Reisenwebers" in New York. Und der Erfolg war durchschlagend...








Die "Jazz Band", die neueste musikalische Verrücktheit aus Chicago und dem mittleren Westen hat nun auch New York erreicht - und die originalen Interpreten treten nun im Reisenwebers auf. Die Band/Orchester besteht aus Posaune, Klarinette, Schlagzeug, Kornett und Klavier.

Die Band bringt auch einen neuen Song mit: "Everybody Loves a Jazz Band", welcher bereits im ganzen Westen populär ist.
31. Januar 1917



DIE JAZZ BAND hat nun auch New York erreicht, wie erfolgreich sie hier werden wird, liegt aber wohl in den Händen gewisser Autoritäten, die um das Allgemeinwohl besorgt sind. Eines ist jedoch sicher, die gespielten Melodien der Jazz-Organisation im Reisenwebers sind sehr geeignet die Füße der Tänzer zu lockern und mit ihren Tanzschritten ans Äußerste zu gehen.... Wie Fausthiebe wirkt in der Band die Posaune und die Piccolo (sic - Klarinette), letztere "schlägt den Blues"....
2. Februar 1917


Sehr schnell wurde auch die Schallplatten-Industrie in New York auf diese "verrückte Band" aufmerksam. Um eine Legende vorweg zu nehmen - es war nicht die Columbia, welche erste (unveröffentlichte) Stücke der ODJB aufnahm, sondern eben die Victor am 26. Februar 1917.

1937 erlebte die ODJB ein kleines "Comeback". Für die wöchentliche Kino-Serie "March of Time" entstand ein kurzer Film, welche den Weg der Band nachzeichnete. Auch wenn es hier mit den "Fakten" nicht so ganz genau genommen wird, ist der historische Film alleine schon wegen der nachgestellten, ersten Plattenaufnahme 1917 sehr sehenswert.





Die erste Jazz-Platte wurde in den gerade neu eingerichteten Victor-Aufnahmeräumen in der 46 West 38th Street im zwölften Stockwerk aufgenommen.


Für die Einspielungen betraute die Victor den Tontechniker Charles Souey, welcher bereits viel Erfahrungen mit Aufnahmen von Marsch- und Blechblaskapellen hatte. Entsprechend gut gelungen sind die beiden Titel - betrachtet vom akustischen Standpunkt der Zeit. Sogar die Basstrommel des Schlagzeugers ist zu hören, was damals bei der Aufnahmetechnik nicht ganz einfach war.


Der Dixieland Jass Band One-Step und Livery Stable Blues wurden am 2. März 1917 von der technischen Prüfung frei gegeben - In den Handel kam die Platten-Kopplung am 17. Mai 1917. Sie blieb bis 1926 im Katalog der Victor.


Einige Mythen....


Entgegen manchen Literaturstellen, hatte es die Plattenfirma Victor nicht sonderlich eilig, diesen neuen "Jazz" auf den Markt zu bringen. Von der Aufnahme Ende Februar, bis zur Veröffentlichung Mitte Mai, war damals für populäre Musik ein üblicher Zeitraum.

Auch handelte es sich nicht um eine "Millionen-Platte". Zwar verkaufte sie sich recht gut - aber keineswegs an die Grenze zu einer Million Exemplaren innerhalb einiger Monate. Möglicherweise erreichte sie nach Jahren, und weltweit, diese Auflage - aber nicht bei der Veröffentlichung. In den USA findet sich die erste Jazzplatte jedoch noch häufiger.

Die ODJB hat doch zuvor schon bei der Columbia aufgenommen!? Einer alten „Legende“ nach, spielte die ODJB bereits am 29. Januar 1917 für den Konkurrenten Columbia zwei Titel ein. Unzufrieden mit dem Ergebnis veröffentlichte die Columbia die Platte aber nicht. Weiter in der Legende: Erst nach dem großen Erfolg der Victor-Aufnahmen, brachte die Columbia die beiden Probeaufnahmen auf den Markt. Teilweise wurde die Columbia-Einspielung sogar auf Dezember 1916 datiert! Diese Legende ist schlicht falsch…

Darktown Strutters Ball

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Mx: 77086=3
Aufnahme: 30.05.1917


Indiana

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Mx: 77087
Aufnahme: 30.05.1917


Wie kam diese Legende zustande? Richtig ist: Am 29. Januar 1917, schrieb E. A. Donovan (Leiter bei der Columbia für deren „Personal Recording Department“) ein Telegramm an Eddie Edwards, welcher für die „Geschäfte“ der ODJB zuständig war. Darin bat er Edwards ihn in einer „Sache von Interesse und geschäftlichen Vorteilen“ zu kontaktieren. Am 31. Januar traf man sich dann möglicherweise in den Büros der Columbia.

Das „Personal Recording Department“ der Columbia war zuständig für „Auftrags-Aufnahmen“, also Aufnahmen für die die Künstler (Band) selber zahlten – auch die Pressungen – um diese dann auf eigene Verantwortung zu verkaufen. Solche „Personal Records“ kamen nie in den gewöhnlichen Katalog. Damals eine übliche Praxis und ein „Nebengeschäft“ der Plattenfirmen. Möglicherweise wurde der ODJB solch eine Aufnahmemöglichkeit angeboten – und vielleicht kam es am 31. Januar auch zu einem vorspielen…. Aber – es entstanden keine Aufnahmen! Die inzwischen wieder gefundenen Aufnahmebücher der Columbia belegen, dass die beiden Titel am 30. Mai 1917 aufgenommen wurden – also erst nachdem die Victor ihre Platte der ODJB bereits auf den Markt gebracht hatte!

Gab es vor der ODJB schon Jazz auf Schallplatte?

Nein – zumindest nicht nach der heute üblichen Definition. Zwar gab es recht „schwungvolle“ Ragtime-Aufnahmen, manche könnte man als „Vorläufer des Jazz“ ansehen, aber – etwas vergleichbares wie die Original Dixieland Jazz Band gab es bis dato nicht auf Platte zu kaufen.

Aber….. Die ODJB war Ende 1916 bereits so bekannt, das die Komponisten Marshall & Kahn ihr einen Song widmeten. Dieser wurde im November 1916 urheberrechtlich angemeldet. Am 21. Dezember 1916 nahm das Komiker-Duo Collins & Harlan das Stück für Edison Record auf.


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Dezember 1916


Ab c. 0:25 versucht sich das Studio-Orchester in dieser neuen "Jas-Musik". Dies macht die Aufnahme natürlich nicht zur (ersten) Jazzplatte - vielmehr hören wir hier eine Parodie auf den gerade in Mode kommenden Jazz. Als "Historische Randnotiz" jedoch recht interessant...


Die Original Dixieland Jazz Band stand jedoch (noch) nicht bei einer bestimmten Plattenfirma unter Vertrag. Dies sicherte sich die junge Firma Aeolian-Vocalion. Für ein halbes Jahr nahm die ODJB nun bei Aeolian auf. Eine Aufnahmesitzung vom 29. Juli 1917 blieb unveröffentlicht. Bei der nächsten Sitzung am 7. August 1917 wurde dann auch erstmals DER Klassiker des frühen Jazz aufgenommen: Der…

Tiger Rag

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Zu diesem Zeitpunkt war die ODJB jedoch nicht mehr die einzige „Jazz Band“ auf Schallplatte. Es folgten noch weitere Aufnahmen für die Victor, 1919/20 eine sehr erfolgreiche Tournee durch England, welche den „jungen Jazz“ auch in Europa bekannt und populär machte.Dies ist jedoch eine andere Geschichte...

Heute feiern wir aber einfach 100 Jahre Jazz auf Schallplatte…






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