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Das Haus des Rundfunk und seine Rolle während des Musikalischen Neuanfang nach 1945
Moderatoren: SchellackFreak, berauscht, Grammophonteam, Formiggini, krammofoon, Limania, Der_Designer
Autor Eintrag
Barnabás
Mo Sep 10 2012, 19:37 Druck Ansicht
Dabei seit: Mi Jul 04 2012, 20:37
Einträge: 656
Hallo Leute,

ich habe hier einen kleinen Aufsatz zum Thema musikalischer Neuanfang nach 1945 in Deutschland geschrieben und wollte ihn hier zur Diskussion stellen. Vielleicht könnte Ihr das Theam um weitere Infos ergänzen oder einen anderen Blickwinken einbringen.

Gruß Barnabás


"Das Haus des Rundfunk und seine Rolle während des Musikalische Neuanfang"


Bei der Wiederbelebung des musikalischen Schaffens in Deutschland nach 1945 nahm die Stadt Berlin und das „Haus des Rundfunk“ eine besondere, wenn nicht sogar die zentrale Stelle ein. Die Stadt wie auch das Rundfunkhaus wurden zum neuen musikalischen Sammelpunkt deutscher Nachkriegsmusik.
Das sogenannte „Haus des Rundfunk“ war ein großer Gebäudekomplex in der Masurenallee, das im Stadtteil Charlottenburg lag. Dort waren Sende;- Aufnahme;- Verwaltungs;- und Archivräume untergebracht. In dieser Sendeanstalt wurde ein großer Teil des deutschen Rundfunkprogramm während des Krieges produziert.
Am 26. April 1945 schlossen russische Truppen die Stadt Berlin vollkommen ein und stießen auf das Regirungsviertel vor. Während den letzen Tagen der Kämpfe, bis zu zur deutschen Kapitulation flohen viele Mitarbeiter des Hauses oder kamen nicht mehr zu Dienst. Andere Abteilungen wurden regulär aufgelöst. Eine von ihnen war beispielsweise die Rundfunk-Propaganda-Abteilung unter Hans Fritzsche.
Am 2. Mai 1945 besetzten russische Truppen das Gebäude und konnten einen kaum zerstörten Sendeapparat übernehmen. Die Sendeanlage und sogar die Stromversorgung waren in betriebsbereiten Zustand. Am 04. Mai meldete sich das Oberkommando der Wehrmacht zum letzen mal und verkündet das Ende der Kampfhandlungen in Berlin. Schon elf Tage nach der Einnahme des Rundfunkgebäudes, am 13. Mai sendeten die Russen ein einstündige Sendung über das Haus des Rundfunk. Im Verlauf von nur sieben Tagen konnte aus dieser erste Sendefolge ein Wochenprogramm ausgebaut werden.
Um diesen Erfolg umzusetzen brauchte der vom russischen Stadtkommandanten als neuer Hausherr eingesetzte sowjetische Major Popow geeignetes oder altes Funkhaus-Personal.
Wie schon beschrieben wurden die ersten Sendungen am 13. Mai ausgestrahlt. Zu diesen Zeitpunkt mußte Popow schon über einen Stab von Mitarbeitern verfügt haben, der ihm den Sendebetrieb wieder aufnehmen konnte. Bei einer der ersten Ausstrahlungen ordnete die russische Stadtverwaltung an, daß sich alte Techniker und Künstler des Rundfunks zwecks beruflicher Weiterverwendung melden sollten. Ende Mai 1945 trafen in Berlin die ersten russischen Kulturoffizier ein und traten ihren Dienst an. Im Haus des Rundfunks wurde ein deutschsprachiger Major Klein als Personalchef eingesetzt.
Mit dem langsamen Aufbau einer russischen Verwaltungsstruktur meldeten sich schon Mitte Mai die ersten Musiker und Techniker in der Marurenallee.
Einer der ersten war jüdische Violinist Max Michailow, er bot sich der Militärregierung an und sorgte für die ersten Aufräumarbeiten im Haus des Rundfunk. Michailow war in den 30er Jahren bis 1940 Konzertmeister im Orchester des jüdischen Kulturbundes in Berlin, wo er unter anderen Leiter eines Streichquartetts war.
Um die kulturelle Arbeit im Auftrag des Militärregierung annehmbar zu gestalten, boten die Russen den Künstlern neben einem Gehalt auch ein wöchentliches Verpflegungspacket an. Diesen Lebensmittelrationen, Pajock genannt, wurden an Künstler nur in der Berliner Ost-Zone ausgegeben. Diese ersten Maßnahmen zeigten Erfolg, viele Sänger, Schauspieler, Rundfunkansager und Musiker kamen ihr nach. Unter anderen meldete sich die Schauspielerin Marianne Hoppe und wurde als Nachrichtensprecherin verwendet. Andere bekannte und für die deutsche Vor;- und Kriegs-Musikindustrie wichtige Künstler wurden in Berlin durch die Sowjets und ihren Helfern gesucht. Eigens wurden dafür motorisierte Trupps aufgestellt, die die Stadtteile absuchten sollten. Einer der Namen, der auf den Suchlisten der sowjetischen Kulturoffizieren stand war der Komponist und Orchesterleiter Michael Jary.
Die Suchkommandos fanden ihn in einem Bunker am Berliner Gatower-See. Nach einer Unterredung mit den Verantwortlichen im Funkhaus und den Kulturoffizieren gewannen die Russen Michael Jary zur Zusammenarbeit. Im Jary und Michailow fanden die sowjetischen Kulturfunktionäre zwei geeignete Orchesterleiter für ihre Arbeit. In ihrer Vorstellung sollte die Musikunterhaltung möglichst schnell wieder aufgenommen werden. Nach ihren Ansichten sollten eigens dafür Orchester gegründet werden. Ein Orchester für die Klassik und ein Orchester für die Unterhaltungsmusik. Max Michailow baute gleich im Mai 1945 eine Grundform des von den Russen geforderten Berliner-Rundfunk-Sinfonie-Orchester (BRS-Orchester) auf. Im Jahr 1947 sollte er eine endgültige Klangkörper geformt haben. Das BRS-Orchester hatte 1947 eine Stärke von 107 Musikern. Darunter waren 16 Typ 1 Violinen, 14 Violinen Typ 2, 12 Bratschen, 10 Celli, 9 Kontrabässe, 5 Flöten, 5 Obonen, 5 Klarinetten, 5 Fagotte, 8 Hörner, 5 Trompeten, 6 Posaunen, 1 Tuba, 1 Harfe, 2 Pauken und 3 Schlagzeuge. Nach der endgültigen Entstehung des Klangkörpers BRS-Orchesters würde die Leitung an Prof. Arthur Rother übergeben. In der Zeit bis zur Gründung des BRD von 1945 bis 1949 hatte das Orchester einen großen Anteil am Wiederaufbau des Opern- und Konzertwesen.


[ Bearbeitet Mo Sep 10 2012, 19:50 ]
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Musikmeister
Mo Sep 10 2012, 20:00
Autor
Dabei seit: So Aug 21 2011, 21:23
Wohnort: Hamburg
Einträge: 913
sehr schöne Ausarbeitung.
Michailow und Rother müssten Plattensammlern ja ein Begriff sein (Aufnahmen erschienen ja bereits früher auf Grammophon/Polyphon bzw. Telefunken).
Jary mal komplett ausser Acht gelassen.
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joha
Mo Sep 10 2012, 23:35
Dabei seit: Mo Mär 26 2012, 15:45
Wohnort: Dresden/Sachsen
Einträge: 1004




Haus des Rundfunks Berlin - Eröffnet am 22.Januar 1931


Quelle:Buch Musik ABC von Erwin Schwarz-Reiflingen 1941

[ Bearbeitet Di Sep 11 2012, 11:49 ]
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Barnabás
Di Sep 11 2012, 10:37
Dabei seit: Mi Jul 04 2012, 20:37
Einträge: 656
Danke Musikmeister, Danke Joha
für Eure "Zugabe".

Hier sind noch die Quellen, die die für den Aufsatz verwendet habe.
Hatte ich vergessen.

Berlin Kampf um Freiheit uns Selbstverwaltung 1945-1946 S. 40 ff.
Rundfunk nach 1945 Band 3, Teil 1 S. 128
Discographie des RBT-Orchesters S. 11 ff.
Das Notenpult Nr. 1/1948 S. 6
Das Notenpult Nr. 1/1949 S. 8
Biographie Carl-Heinz Schroth S.187


Gruss Barnabás
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Grammophonteam
Di Okt 14 2014, 13:22
Seitenbetreiber

Dabei seit: So Sep 04 2011, 14:54
Wohnort: In den tiefen des Netzes ;)
Einträge: 2068
Michailow und Rother müssten Plattensammlern ja ein Begriff sein (Aufnahmen erschienen ja bereits früher auf Grammophon/Polyphon...)


Bei diesem handelt es sich um Michael Michailow (geb. Finkelstein, 1888 in Tschornobyl), den Vater von Max (geb. 1912 in Berlin). Michael Michailow starb im Dezember 1923.

Er nahm auch für die Lindström auf.




Um die Verwirrung noch etwas größer zu machen, in manchen Discographien sind 1922er Aufnahmen auf Parlophon mit Max Michailow gelistet - tatsächlich handelt es sich aber um den Vater Michael... Erste Aufnahmen von Max Michailow 1930 auf Telefunken. Er überlebte den Holocaust, von Freunden versteckt, in Berlin.



Grüße

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Barnabás
Do Okt 16 2014, 14:59
Dabei seit: Mi Jul 04 2012, 20:37
Einträge: 656
@ Grammophonteam:
Hallo Ihr Beiden.
Toller Zusatz und guter Überblick.
Macht die Sache etwas runder.

gruss
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Barnabás
Fr Okt 17 2014, 23:10
Dabei seit: Mi Jul 04 2012, 20:37
Einträge: 656
Hier ein Bild aus dem Jahr 1946.
Peter Rebhuhn und Ilse Werner im Haus des Rundfunk während einer Sendund oder Aufnahme.
Ein Blitzlicht in die Rundfunkarbeit nach dem Krieg.


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