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Auflagegewicht bei modernen Plattenspielern
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Formiggini
Do Jun 30 2011, 20:29 Druck Ansicht

⇒ Mitglied seit ⇐: Di Dez 28 2010, 19:20
Beiträge: 1578
Calle
Anläßlich "Verschleiß": Wohl bemerke ich daß manche Platten aus "weicherem" Material hergestellt worden sind, wie z.B. Odeon und Parlophon. Obwohl ich die Platten fast nur elektrisch abspiele mittels einen Plattenspieler (derzeit Lenco) bemerke ich daß die Platten manchmal doch (leichter) Verschleiß zeigen... Vor allem bei lauteren Passagen...
Wie sind da euere Erfahrungen ?
P.s. Ich verwende einen Shure-Element mit 78er Nadeln.

odeon62
@ Calle......in puncto Verschleiß würde mich einmal interessieren, mit welchem Auflagegewicht Ihr Eure Platten auf einem modernen elektrischen Plattenspieler abspielt...und vor allen Dingen, we Ihr das messt, oder darf man davon ausgehen das die Zahlenskala auf den drehbaren Tonarmgewichten immer Gramm anzeigt? ...und noch eins...Platten ohne Einlaufrille....Aufsetzen des Tonarms wie beim Grammophon, also bereits auf die Rille oder einfach bequem "reinschubsen"...Gewicht ist ja gering, aber so ein Diamant ist ja sehr hart und richtet doch sicher auch dann Schaden an.....

Gast
Hallo,

zwar bin ich nicht Calle, aber vielleicht kann ich da schon ein wenig helfen.

Mit meinem Shure-System am Dual habe ich zur Zeit 2 g eingestellt. Rein physikalisch ist die richtige Maßangabe zwar Pond, aber wer es so genau nehmen will, der stelle sich halt 2 pond anstelle der 2 gramm vor :-D

In der Mechanik ist ein Grundsatz:wo Reibung, da auch Verschleiß! Also verursacht im Prinzip auch der Diamant einen (minimalsten!) Verschleiß beim Abspielen.

Wichtig ist hier die Verrundung des kleinen Diamantsplitters an der Spitze des Nadelträgers.

Diese Verrundung darf an den Auflageflächen in der Rille nicht scharfkantig sein! Ansonsten verursacht die scharfe Kante tatsächlich kaum sichtbare Schäden. Die scharfe Kante würde praktisch einen leichten Span an der Rillenflanke abhobeln.
Das läßt sich nur vermeiden, wenn der Diamant makellos glatt geschliffen ist.

Mit dem Auge ist das alles nicht recht wahrnehmbar. Auch ob ein Diamant gut geschliffen ist, läßt sich eigentlich nur mit dem Mikroskop feststellen.

Nun noch zur Einstellung des Auflagegewichts. Auf 0,5 Gramm kommt es eigentlich nicht an. Und die Einstellung an Deinem Plattenspieler hat sicher schon viel weniger Toleranz.

Hier eine Methode, die viele nicht kennen, mit der man aber ohne Hilfsmittel das Auflagegewicht recht genau einstellen kann.

Zuerst einmal stellt man das Zahlenrädchen hinten am Tonarm auf Null.

Eigentlich sollte der vordere Teil des Tonarms nun praktisch "schweben". Wie bei einer Balkenwaage, die sich leer langsam in der Mitte einpendelt.

Ist der beschriebene Zustand aber nicht gegeben bei der Einstellung auf Null, dann muß das reguliert werden.

Das Einstellrädchen bleibt auf Null. Nun dreht man ganz hinten am Tonarm an dem großen,runden Abschlußgewicht. Dort wird jetzt dieser beschriebene schwebende Zustand eingestellt ! Das große Ausgleichsgewicht ganz hinten läßt sich zu diesem Zwecke drehen.
Einfach probieren ! :-)

Wenn man nun den Nullpunkt einigermaßen genau eingestellt hat ( es kommt hier wirklich nicht auf 0,1g an), dann dreht man das Einstellrädchen mit den Zahlen von Null nun auf 2 Gramm (oder eben das gewünschte Auflagegewicht) .

Nun kann man sich ziemlich sicher sein, daß die Zahl auf dem Rädchen auch das korrekte Gewicht anzeigt!

So funktioniert das im Prinzip bei allen Plattenspielern.

Die beschriebene Methode ist so anwendbar bei fast allen Duals und auch bei vielen Lencos.

Gruß, Nils


Odeon89
Hallo,

ganz unkompliziert kann man die Güte des Diamanten auch feststellen, indem man einen CD-Rohling auf den Plattenteller legt und die Nadel einige Runden auf der CD machen lässt. Es sollten danach auf der CD keine Schleifspuren sichtbar sein. Da das Material, aus dem die CD besteht, wesentlich weicher (und damit empfindlicher) ist als das der Schellackplatten, kann man sich mit dieser Methode davon überzeugen, ob der Diamant und die Auflagekraft des Tonarms in Ordnung sind.

Viele Grüße
Kai

[ Bearbeitet Do Jun 30 2011, 20:45 ]
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Mareko
Do Jun 30 2011, 20:54
⇒ Mitglied seit ⇐: So Jan 02 2011, 11:49
Beiträge: 109
Oje! Lieber Uli ;-)
Während Du munter am "thread" ändern warst, habe ich meine Antwort an "Gast" geschrieben, um Hüllen handelt sie nicht mehr ... aber wo gehört sie hin?
Besten Dank Nils :-) soeben habe ich etwas Wichtiges gelernt! Die Beschaffenheit der Diamantnadel kann unterschiedlich sein, geschliffen und damit die Platten schonend oder die Platte wird einen spitzigkantigen Diamanten abgehobelt. Klingt zwar logisch ;-) doch früher, zu Zeiten als es Plattenspielerarme für 33/45 und beim Umdrehen für 78 Umdrehungen gab, hat man lediglich vom unterschiedlichen Durchmesser des Diamenten gesprochen. Für's Klangergebnis spielt das zwar auch eine Rolle, doch dass die Beschaffenheit des Diamanten zusätzlich zu prüfen ist, darüber habe ich mir bislang keine Gedanken gemacht.
Leider habe ich eher wenige Platten, die durch ihren Vorbesitzer oder vorallem durch mich nicht stark abgenützt wurden. Als Junge hatte ich die Platten mit meinem heissgeliebten Koffergrammophon bespielt (dabei stets nach 2 Seiten die Nadel gewechselt!) ... und nachdem dieses buchstäblich auseinandergebrochen war (das Gehäuse hatte Wasserschäden, die Büchse löste sich allmählich auf und irgendwann war auch die Feder gebrochen) spielte ich meine Platten mit einem elektrischen "Thorens" von meinem Vater aus der Kriegszeit. Das Gehäuse hatte ich vor vielen Jahren 'mal ersetzt, der Tonabnehmer hat allerdings zuviel Gewicht ... damit hatte ich gelegentlich "vergnügliches Wunschkonzert" über die Stereoanlage gemacht. Ebenso war's damit möglich, die Platten auf CompactCassette aufzunehmen. Vor einiger Zeit bin ich an einen (zu!) preisgünstigen cumputerkompatiblen (mit UBS-Anschluss) Plattenspieler gekommen, der hat allerdings nur einen kleinen Diamanten ;-) der wird wohl nicht geeignet sein, um Schellackplatten zu überspielen, vielleicht wird er jedoch taugen, um 'mal meine LP-Sammlung abzuspeichern.
Liebe Grüsse
Mark
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Formiggini
Do Jun 30 2011, 21:00

⇒ Mitglied seit ⇐: Di Dez 28 2010, 19:20
Beiträge: 1578
Das Auflagegewicht hängt aber auch vom Durchmesser der Nadel, sowie dem Plattenzustand ab.

Nils Beschreibung wie man das Auflagegewicht auch ohne eine Tonarmwaage einstellt, funktioniert recht gut - zumindest auch bei meinem Dual *grins

Die 2gr Auflagegewicht sind ein guter Ausgangspunkt, kann aber etwas variieren.
Eine dickere Nadel als eine klassische "Schellacknadel" mit 68µm Spitzenverrundung braucht meistens ein etwas höheres Auflagegewicht.

Die Plattenrille, bzw. Flanke der Rille in der ja die eigentliche Toninformation steckt, ist meistens nicht gleichmäßig stark abgenutzt.
Für gewöhnlich ist bei mit ehemals Stahlnadeln gespielten Rillen der Boden, sowie das unterste drittel am meisten "abgehobelt" - leider auch nicht immer....

Wenn man mit unterschiedlich dicken Nadeln arbeitet (gilt bedingt aber auch für die "normale" 68µm Nadel), kann man mit dem Auflagegewicht versuchen aus dieser stark abgenutzten Zone der Rillenflanke "heraus" zu kommen.




Welche Nadeldicke sich für welche Platten eignet, wäre mal einen extra thread wert...

Bei dicken Nadeln, oder sehr stark abgenutzten Platten, hatte ich schon gute Erfahrungen mit einem Auflagegewicht von bis zu 5gr!

Umgekehrt, wenn die Nadel zu dick ist, können vorallem in lauten Bassstellen der Aufnahme Verzerrungen auftreten, das sich die Nadeln in dieser "Engstelle" verkeilt.
Dann muss das Auflagegewicht wieder etwas reduziert werden.

Experimentieren bei "Problemplatten" mit dem Auflagegewicht kann recht erstaunliche Ergebnisse bringen!


[ Bearbeitet Mi Jan 03 2018, 10:22 ]
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