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Foren > Schellackplatten > Diskussionskreis Schellackplatten > Aufnahmejahr/Herkunft
DEPOSITATO - was bedeutet das, ab wann wurde es auf den Spiegel "gedruckt"?
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Moderatoren: SchellackFreak, berauscht, Grammophonteam, Formiggini, krammofoon, Limania, Der_Designer
Autor Eintrag
Abstellhebel
So Jan 06 2019, 11:53
Gast
Hallo Stephan, danke und ich muß mich korrigieren. Bei den "Caprifischern" steht nicht fest, auf was sich das Datum "21.12.1943" in der Grammophonliste bezieht. Viel wahrscheinlicher als Aufnahmedatum scheint es das Datum zu sein, an welchem die Tonbandaufnahme auf Matr gebracht wurde.
Dezember 1943 kann es übrigens auch kaum sein, da Schuricke zwar spät, aber zu diesem Zeitpunkt doch noch eingezogen war, wie zu lesen ist (und auch in russische Gefangenschaft geriet).

Im Dezember war aber die Auslagerungsaktion abgeschlossen. Ob die Matrize Caprifischer noch mit Depositato ausgelagert wurde steht nicht fest, da muß ich meine Aussage korrigieren.

Zu deinem Etikett kann ich nur sagen, daß die frühen Pressungen der Nachkriegszeit bis in den Herbst 1946 optisch praktisch nicht von denen der Kriegszeit zu unterscheiden sind.
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Odeon89
So Jan 06 2019, 12:08
Dabei seit: Di Mär 22 2011, 12:19
Einträge: 318
jitterbug schrieb ...

Capri-Fischer ohne Depositato, "A" im Spiegel.




Vielen Dank fürs Zeigen dieses sehr seltenen Etikettes! Dieser Typus wurde nachweislich 1944 verwendet, Du hast ja ein entsprechendes Exemplar (T.O. Stech) mit dem Vermerk "Wehrmachts-Eigentum" hier vorgestellt. Allerdings scheint es auch in der frühen Nachkriegszeit verwendet worden zu sein. So erhielt ich die folgende Platte aus einem größeren Konvolut, das vermutlich im Jahresverlauf 1946/47 von den britischen Truppen erworben worden war. Es ist nicht ganz klar, ob es sich bei dieser Platte um eine eingelagerte Platte (Restbestände) handelt, oder um eine Resteverwendung von Etiketten (wovon ich bei der Knappheit an Pressmaterial 1944/45 deutlich eher ausgehe als von Lagerbeständen in großen Mengen).





Die Matrize der "Capri-Fischer" zeigt meines Wissens nie das "Depositato" im Spiegel, da sie vermutlich nicht eingelagert worden war, wie Abstellhebel oben andeutete.

[ Bearbeitet So Jan 06 2019, 12:15 ]
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Odeon89
So Jan 06 2019, 12:30
Dabei seit: Di Mär 22 2011, 12:19
Einträge: 318
Dies ist, neben dem oben von Jitterbug gezeigten Etikett, der Etikett-Typus, auf dem die "Capri-Fischer" zwar nicht gerade sehr häufig, aber ab und zu noch auftauchen - auch hier ist ein "DEPOSITATO" nicht vorhanden.





Er unterscheidet sich lediglich durch das Fehlen der Zeile "Hergestellt unter der Nachrichtenkontrolle der Militärregierung" von den späteren Nachkriegspressungen (Ende 1946/ Anfang 1947). Man merkt es vor allem an der Beschaffenheit des Papieres, das bei diesen Nachkriegspressungen völlig glatt und strahlend weiß bedruckt ist, während die alten Kriegsetiketten aus grobfaserigem Papier bestehen und in weniger kräftigen Farben bedruckt sind (v.a. sind sie nicht weiß bedruckt, sondern zeigen den unbehandelten Papiergrund).

[ Bearbeitet So Jan 06 2019, 12:32 ]
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berauscht
Fr Jan 25 2019, 11:05
"Urgestein" Autor/Moderator

Dabei seit: Mi Jan 06 2010, 21:59
Einträge: 1458
Odeon89 schrieb ...

Interessant ist in diesem Zusammenhang vielleicht auch diese Victor Cornelius-Platte auf 'Kriegsetikett'-Polydor. Im Auftrag der DGG in Kopenhagen für Exportzwecke im Sommer 1943 aufgenommen, kam eine Veröffentlichung in Deutschland vor Kriegsende aufgrund der 'feindstaatlichen' Komponisten von vornherein nicht in Frage.

Im Wachs: "Depostitato 19.8.43" - also vermutlich gepresst 1945-46 von eingelagerten Matrizen und dann nach Sommer 1946 in Deutschland in den Verkauf gegangen:



Hat jemand Unterlagen bzw. Monatsnachträge, aus denen hervorgeht, ob diese Platte noch vor 1945 erschienen ist und in den Export ging, oder ob es sich um eine frühe Nachkriegsveröffentlichung für den deutschen Markt handelt? (Siehe die späte Nachkriegspressug derselben Depositato-Matrizen auf "Sternchen-Polydor" von schellackfreak am Anfang des Threads!) Dieses Etikett (oben deutsch beschriftet mit "Rechte der Radiosendung...") ist mir von eindeutigen Exportplatten (z.B. Ernst van t'Hoff auf Polydor 1942) nicht bekannt; bei diesen sind mir diese Angaben in Englisch gedruckt begegnet. Ebenso tragen diese Export-Polydor i.d.R. die Preisklasse "G" auf dem Etikett, während hier die Preisklasse "H" erscheint.


Siehe mein Posting vom Di Jan 29 2013, 10:59. Dort ist eine Exportplatte mit ebenfalls deutscher Beschriftung "Rechte der Radiosendung..."

Auf im "Altreich" für die "Ostmark" gepressen Polydor-Platten findet sich übrigens auch die englische Beschriftung "Broadcasting Rights ...". Sie wurde also auch im Inland verwendet.

[ Bearbeitet Fr Jan 25 2019, 11:10 ]
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Odeon89
Fr Jan 25 2019, 17:45
Dabei seit: Di Mär 22 2011, 12:19
Einträge: 318
berauscht schrieb ...

Siehe mein Posting vom Di Jan 29 2013, 10:59. Dort ist eine Exportplatte mit ebenfalls deutscher Beschriftung "Rechte der Radiosendung..."

Auf im "Altreich" für die "Ostmark" gepressen Polydor-Platten findet sich übrigens auch die englische Beschriftung "Broadcasting Rights ...". Sie wurde also auch im Inland verwendet.


Danke für den Hinweis und die Abbildung der Platte, die ich schon gesehen hatte.

Die englisch- und französischsprachige Angabe der Rundfunkrestriktionen endet bei Polydor wie bei Brunswick nach meiner Beobachtung etwa Anfang 1943, was möglicherweise mit dem Kriegseintritt der USA zusammenhängen mag. Ausnahmen (alte Druckklischees, die 'versehentlich' weiterverwendet wurden etc.) bestätigen hier freilich auch die Regel...
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Musikmeister
So Jan 27 2019, 22:20
Autor
Dabei seit: So Aug 21 2011, 21:23
Wohnort: Hamburg
Einträge: 944
Vielleicht hilft uns ja folgendes Beispiel bei der Klärung von "DEPOSITATO".
1938 nahm Franz Völker u.a. die Matrize 7901 GR 8 auf. Diese wurde vorerst auf Grammophon 62803 veröffentlicht. Das 1.Bild zeigt die Platte in der Ausführung ab Januar 1941 bis spätestens Dezember 1942 mit dem Stamper H (der 7. oder 8.).
Im letzten Kriegskatalog vom Dezember 1942 ist die Platte noch vertreten.
Am 15.09.1943 wurde dann auch diese Matrize mit "DEPOSITATO" gekennzeichnet.
Wie kommt aber dieser Vermerk auf die Platte, die es nur bis Ende 1942 hätte geben dürfen. Müsste sie nicht 1943 als Siemens-Polydor oder nur als Polydor erschienen sein?
Frühestens 1949 wurde dann die gleiche Platte mit den selben Aufnahmen mit einer neuen Bestellnummer versehen und als Polydor 48498 verkauft. Immer noch kann man im Spiegel den "DEPOSITATO"-Vermerk erkennen nach dem "Mech.Copt. 1938". Jetzt wirds interessant: Der auf dieser Platte angegeben Stamper ist mit R ein deutlich früherer (der 2. oder 3.) als auf der Ausgabe von 1941/42, die Rückseite ist sogar komplett blank (also der Stamper vor dem G). Wahrscheinlich wurde diese Platte auf mindestens 3 Pressen gleichzeitig gepresst. Wie kann man sich das erklären? Meine Erklärung behalte ich noch für mich.

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Odeon89
So Jan 27 2019, 22:45
Dabei seit: Di Mär 22 2011, 12:19
Einträge: 318
Musikmeister schrieb ...

Das 1.Bild zeigt die Platte in der Ausführung ab Januar 1941 bis spätestens Dezember 1942 mit dem Stamper H (der 7. oder 8.). [...] Müsste sie nicht 1943 als Siemens-Polydor oder nur als Polydor erschienen sein?


Ganz sicher kann man das vermutlich gar nicht sagen - meiner Beobachtung nach wurde das alte "Grammophon"-Etikett durchaus ab und an sogar noch bei frühen Nachpressungen verwendet (Restbestände an Druckbögen). Als "Siemens-Polydor" bzw. "Siemens-Spezial" wurde wohl auch wirklich nur das etikettiert, was entsprechend den auf den Etiketten genannten technischen Vorzügen aufgenommen worden war; mir sind jedenfalls keine Aufnahem aus der Zeit vor 1941 bekannt, die später als Siemens-Polydor bzw. Siemens-Spezial gelabelt wurden. Das "Polydor"-Etikett mit oben deutsch abgedruckten Rundfunk-Restriktionen wurde offenbar ab ca. 1944 auch für den Vertrieb im deutschen Binnenmarkt verwendet (so konnte man es in Zeiten von Papiernot und Kontingentierungen wohl vermeiden, zwei unterschiedliche Etikett-Typen drucken zu müssen). Hier gibt es wohl auch Unterschiede zwischen den einzelnen Presswerken.

Musikmeister schrieb ...

Der auf dieser Platte angegeben Stamper ist mit R ein deutlich früherer (der 2. oder 3.) als auf der Ausgabe von 1941/42, die Rückseite ist sogar komplett blank (also der Stamper vor dem G). Wahrscheinlich wurde diese Platte auf mindestens 3 Pressen gleichzeitig gepresst. Wie kann man sich das erklären?


Wenn man von einer ehedem eingelagerten Mutter, die dann natürlich keine Stamper-Nummer trug, neue Stamper abnahm und mit der Zählung quasi wieder bei "eins" von vorne begonnen hat, ist das im Moment für mich nur schwerlich zu erklären... Es sei denn, man hätte mehr als nur eine Mutter dieser extrem populären Aufnahme eingelagert, von der wiederum nach separater Zählung Stamper hergestellt wurden. Damit ließe sich die abweichende Zählung vielleicht noch am einfachsten erklären. Wäre es evtl. auch möglich, dass man von noch vorhandenen Stampern (oder sogar Platten) aus Not heraus wiederum eine Mutter produziert hat?
Restbestände an Etiketten würden zumindest eine Weiterverwendung des alten Etikett-Typs bei der Grammophon-Ausgabe 1945/46 erklären können. Bei Interesse kann ich "Grammophon"-Etiketten mit Lizenzaufkleber bzw. -Stempel hier abbilden. Eine Einlagerung dieser "Grammophon"-Platten über vier Jahre hinweg bis Ende 1946 halte ich aufgrund der Materialknappheit für sehr unwahrscheinlich.

[ Bearbeitet So Jan 27 2019, 23:44 ]
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Odeon89
So Jan 27 2019, 23:06
Dabei seit: Di Mär 22 2011, 12:19
Einträge: 318
Sehr vertrackt wird es auch bei dieser POLYDOR mit Wilhelm Furtwänglers 1930er Aufnahmen aus "Tristan und Isolde":

Auf der A-Seite fehlt das "Mech.Copt. 1930", dafür prangt "Depositato 5.6.30" im Wachs, während auf der B-Seite die Angaben vollständig sind und das "Depositato 5.6." nach dem "Mech.Copt. 1930" folgt. Das lässt sich zumindest auf den ersten Blick nur schwerlich mit der These einer kriegsbedingten Einlagerung der Mütter 1943 und der entsprechenden Angabe des Einlagerungsdatums vereinbaren. Es fällt außerdem die seltsame Stamper-Nummerierung mit einer Tilde ~ auf: "A ~ GL" bzw. auf der anderen Seite "A ~ GD"
Sind dies vielleicht "Dubbings", bei der von einem vorliegenden Stamper (GL/ GD) eine neue Mutter (A) gezogen wurde?

Wurden diese für die DGG sicher sehr teuren Aufnahmen mit den Berliner Philharmonikern unter W. Furtwängler möglicherweise von Beginn an gesondert ausgelagert? Ein Zusammenhang zwischen DEPOSITATO und der Lizenz der "Reichsprüfstelle" ist hier aber ebenso auszuschließen, da ja eindeutige Kriegspressungen i.d.R. kein Depositato tragen, während Nachkriegspressungen wiederum fast immer damit versehen sind... Mir ist es ein Rätsel...







[ Bearbeitet So Jan 27 2019, 23:32 ]
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Musikmeister
Di Jan 29 2019, 21:26
Autor
Dabei seit: So Aug 21 2011, 21:23
Wohnort: Hamburg
Einträge: 944
Odeon89 schrieb ...

Es fällt außerdem die seltsame Stamper-Nummerierung mit einer Tilde ~ auf: "A ~ GL" bzw. auf der anderen Seite "A ~ GD"

... Mir ist es ein Rätsel...


Das würde ich gerne mal genauer sehen, leider auf den Scans nicht erkennbar.
Normalerweise ist der erste Buchstabe jeweils die Seitenangabe A und B.

Für mich hat DEPOSITATO nichts mit evtl. Auslagerungen zu tun. (Falls doch: Was wurde denn ausgelagert: Vater / Mutter / Beides?)
Für mich ist das eine italienische Bezeichnung der SIAE siehe weiter vorne in diesem Thread für eine eigentlich legale "Raubkopie", wo der SOHN irgendwann zum VATER wurde um den eigentlichen VATER und MUTTER als neuen Rohstoff zu nutzen.
Die wenigen angegebenen Tage 1943 bzgl. Depositato geben meiner Meinung nach den Tag an, wo im Archiv die jeweiligen Väter und Mütter von vielen Aufnahmen zur Rohstoffreserve wurde. Von den "neuen" Vätern kann dann immer noch vieles ausgelagert worden sein, aber dann hat das nichts mehr mit DEPOSITATO zu tun.
Ab 1944 wurde dann Italien (SIAE) selbst zum Feind.
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Abstellhebel
Mi Jan 30 2019, 13:29
Gast
Die Auslagerung einiger tausend Matrizen ist aber zweifelsfrei belegt - mögen es nun Vater, Mutter oder sonstwas sein.

"Depositato" hat die sprachliche Wurzel in Italien, ist aber seit Urzeiten im deutschen Bank- und Geschäftswesen eine gängige Bezeichnung. Bekanntlich stammen im Finanzbereich sehr viele Ausdrücke aus Italien und gehen auf die Blüte Venedigs zurück. ( Cassa, Banca, oder Depositenkasse) Und im Geschäftslexikon ist "Depositato" zwar als veraltet, aber mit der Bedeutung "Einlagerung, Hinterlegung" genannt.

Hier nun aus "Depositato" einen generellen, geschäftlichen Bezug zu Italien zu konstruieren, ist falsch.
Der Wort stammt aus Italien, ist aber ein internationaler Begriff im Banken und Geschäftswesen gewesen.

Gruß, Max

[ Bearbeitet Mi Jan 30 2019, 16:15 ]
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snookerbee
Mi Jan 30 2019, 13:34
"Urgestein"

Dabei seit: Fr Apr 15 2011, 20:12
Einträge: 1737
Musikmeister schrieb ...

... wo der SOHN irgendwann zum VATER wurde um den eigentlichen VATER und MUTTER als neuen Rohstoff zu nutzen. ...


Wenn es rein um Rohstoffe geht, verstehe ich die Verfahrensweise nicht. Es würde ja heißen, dass die Kopie einer späteren Generation zur Quelle für weitere Pressungen genutzt wird. Also, um im Bild der Vererbung zu bleiben, eine u. U. mit Mutationen behaftete Quelle, sprich technisch schlechter. Man könnte genausogut den VATER behalten und die SÖHNE der Wiederverwertung zuführen. Dann hätte man zahlenmäßig mehr Rohstoffreserven und könnte bei Bedarf neue Abzüge machen.

Sollte alledings VATER und MUTTER beschädigt sein, dann macht das, was Du schreibst wieder Sinn.

VG Claus
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berauscht
Mi Jan 30 2019, 16:50
"Urgestein" Autor/Moderator

Dabei seit: Mi Jan 06 2010, 21:59
Einträge: 1458
snookerbee schrieb ...

Wenn es rein um Rohstoffe geht, verstehe ich die Verfahrensweise nicht. Es würde ja heißen, dass die Kopie einer späteren Generation zur Quelle für weitere Pressungen genutzt wird. Also, um im Bild der Vererbung zu bleiben, eine u. U. mit Mutationen behaftete Quelle, sprich technisch schlechter. Man könnte genausogut den VATER behalten und die SÖHNE der Wiederverwertung zuführen. Dann hätte man zahlenmäßig mehr Rohstoffreserven und könnte bei Bedarf neue Abzüge machen.

Sollte alledings VATER und MUTTER beschädigt sein, dann macht das, was Du schreibst wieder Sinn.

VG Claus


Es könnte aber auch sein, dass die "Genetik" der alten Mütter und Väter nicht mehr so gut ist. Metall oxydiert mit der Zeit. Bei Matrizen genügen schon mikroskopisch feine Oxyidationsspuren. Sie lassen die Plattenoberfläche rauh werden, wodurch die gepresste Platte dann rauscht.
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Odeon89
Mi Jan 30 2019, 20:07
Dabei seit: Di Mär 22 2011, 12:19
Einträge: 318
Musikmeister schrieb ...

Für mich hat DEPOSITATO nichts mit evtl. Auslagerungen zu tun. (Falls doch: Was wurde denn ausgelagert: Vater / Mutter / Beides?)


Meine Vermutung ist, dass jeweils eine (oder mehrere - die DGG nutzte mehrere bombensichere Stollen in Thüringen) Mütter eingelagert worden. Von diesen ließen sich im Bedarfsfalle dann wieder Söhne abziehen, sodass die Produktion in jedem Falle gesichert war.

Musikmeister schrieb ...

Für mich ist das eine italienische Bezeichnung der SIAE siehe weiter vorne in diesem Thread für eine eigentlich legale "Raubkopie", wo der SOHN irgendwann zum VATER wurde um den eigentlichen VATER und MUTTER als neuen Rohstoff zu nutzen. Die wenigen angegebenen Tage 1943 bzgl. Depositato geben meiner Meinung nach den Tag an, wo im Archiv die jeweiligen Väter und Mütter von vielen Aufnahmen zur Rohstoffreserve wurde. Von den "neuen" Vätern kann dann immer noch vieles ausgelagert worden sein, aber dann hat das nichts mehr mit DEPOSITATO zu tun.
Ab 1944 wurde dann Italien (SIAE) selbst zum Feind.

Die These ist in der Tat sehr spannend, doch birgt sie m.E. einige schwierig zu erklärende Probleme:

1.) Warum sollte dieses durchaus aufwendige Verfahren, bei dem durch Wiederverwendung des Metalles keinerlei Rohstoffe eingespart worden wären, auch bei quasi tagesaktuellen Aufnahmen durchgeführt worden sein? So etwa bei dieser BRUNSWICK mit zwei 1943er Aufnahmen des Brucksieper Solisten-Orchesters, die für den deutschen Markt ausdrücklich nicht zur Veröffentlichung (Brief DGG an Brocksieper, 15.9.43) vorgesehen waren? Wie könnte man hier die vorgeschlagene Vernichtung der originalen Matrizen im Juni 1943 rechtfertigen, um unmittelbar danach qualitativ minderwertige Ersatzmatrizen herzustellen?





2.) Wieso findet sich das "Depositato" nicht mehr nach 1944 bzw. in der frühen Nachkriegszeit (1945ff.)? Hier war der Rohstoffmangel noch eklatanter als in den späten Kriegsjahren. Auch wenn Italien ab Herbst 1943 "feindstaatlich" war, hätte man lediglich einen anderen (deutschsprachigen) Begriff zur Markierung der Matrizen einprägen können.

3.) Wieso wurden BRUNSWICK-Matrizen mit amerikanischen und britischen Aufnahmen nie mit "Depositato" gekennzeichnet, obwohl bis mindestens 1944 für den Export weitergepresst wurde? Gerade bei ausländischen Matrizen hätte sich eine Wiederverwertung zur Rohstoffgewinnung angeboten, da ja nachweislich Ende 1942 Razzien der Gestapo bei der DGG durchgeführt worden waren, die insbesondere Matrizen mit Aufnahmen jüdischer Künstler bzw. von Stücken jüdischer Komponisten betrafen.

4.) Wieso hätte man hochwertvolles Firmenkapital in Form von Originalmatrizen finanzieller Mammutaufnahmen (Berliner Philharmoniker unter W. Furtwängler, Heinrich Schlusnus, Franz Völker...) dem "Recycling" zuführen sollen, um damit minderwertige Neuabzüge von Pressmatrizen herzustellen? Dafür hätten sich doch ausschließlich im damaligen Verständnis lapidare Tanzmusik-Matrizen angeboten, die mitunter nach kurzer Zeit eh veraltet sein würden und vergleichsweise kostengünstig entstanden waren.

5.) Wenn "Depositato" ein Datum der Registrierung der Urheberrechte etc. angibt, wieso dann nicht auf allen Pressungen mit Kriegsetikett? Wieso taucht das "Depositato" dann meist auf Pressungen mit Etiketten auf, die gewissen Anlass zum Zweifeln geben,ob es sich nicht doch um frühe Nachkriegspressungen von 1945/46 handeln könnte, zu denen Restbestände an Etiketten weiterverwendet wurden? Wieso tragen Pressungen mit Aufnahmen, die nach Mitte 1943 entstanden, durchwegs kein "Depositato" mehr im Wachs? Das Argument des Kriegsverlaufs mit Italien scheint mir da nicht überzeugend genug - hier hätte sich sicherlich ein andere Prägung etc. im Spiegel angeboten. Eigentlich decken doch auch die Angaben auf den Etiketten ("BIEM" usw.) diese Urheberrechtsaspekte ab...

Beide (bzw. alle drei) Theorien ("Depositato" = Registrierung, "Depositato" = Vernichtung und Einschmelzen der originalen Väter- und Mütter-Matrizen; "Depositato" = Vermerk der Einlagerung aus Luftschutzgründen) haken noch an gewissen Punkten, wie ich finde...

[ Bearbeitet Mi Jan 30 2019, 20:15 ]
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Musikmeister
Mi Jan 30 2019, 20:56
Autor
Dabei seit: So Aug 21 2011, 21:23
Wohnort: Hamburg
Einträge: 944
Abstellhebel schrieb ...

Hier nun aus "Depositato" einen generellen, geschäftlichen Bezug zu Italien zu konstruieren, ist falsch.


Wo kamen denn die Matrizen für die Cetra- und Fonit-Serie her?
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Abstellhebel
Mi Jan 30 2019, 21:36
Gast
Musikmeister schrieb ...

Abstellhebel schrieb ...

Hier nun aus "Depositato" einen generellen, geschäftlichen Bezug zu Italien zu konstruieren, ist falsch.


Wo kamen denn die Matrizen für die Cetra- und Fonit-Serie her?



Ward denn jemals eine von den vielen Depositato-"Raubkopien" auf Cetra/Fonit gesehen ?
Und nochmal, "Depositato" ist ausdrücklich kein nur in Italien verwendeter Terminus.

Gruß, Max
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snookerbee
Mi Jan 30 2019, 22:30
"Urgestein"

Dabei seit: Fr Apr 15 2011, 20:12
Einträge: 1737
berauscht schrieb ...

snookerbee schrieb ...

Wenn es rein um Rohstoffe geht, verstehe ich die Verfahrensweise nicht. Es würde ja heißen, dass die Kopie einer späteren Generation zur Quelle für weitere Pressungen genutzt wird. Also, um im Bild der Vererbung zu bleiben, eine u. U. mit Mutationen behaftete Quelle, sprich technisch schlechter. Man könnte genausogut den VATER behalten und die SÖHNE der Wiederverwertung zuführen. Dann hätte man zahlenmäßig mehr Rohstoffreserven und könnte bei Bedarf neue Abzüge machen.

Sollte alledings VATER und MUTTER beschädigt sein, dann macht das, was Du schreibst wieder Sinn.

VG Claus


Es könnte aber auch sein, dass die "Genetik" der alten Mütter und Väter nicht mehr so gut ist. Metall oxydiert mit der Zeit. Bei Matrizen genügen schon mikroskopisch feine Oxyidationsspuren. Sie lassen die Plattenoberfläche rauh werden, wodurch die gepresste Platte dann rauscht.



Das stimmt. Danke für den Hinweis.
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Musikmeister
Mi Jan 30 2019, 23:16
Autor
Dabei seit: So Aug 21 2011, 21:23
Wohnort: Hamburg
Einträge: 944
Musikmeister schrieb ...

In Deutschland gab es hierfür seit 1908 die AMMRE mit Sitz in Berlin, ab 1929 wurde die neugegründete BIEM in Paris hierfür zuständig. Beides kann man als Faksimile auf Grammophon-Platten lesen.
Nach Kriegsausbruch im Jahre 1942 bemühte sich die deutsche STAGMA (Vorgänger der heutigen GEMA) in Zusammenarbeit mit der italienischen SIAE um europäische Fragen des Urheberrechts (1940 endete bereits ein 10-jähriger Vertrag mit der BIEM), konnte aber ohne Beteiligung der Feindstaaten keine Einigungen erzielen. Daraufhin wurde Ende 1942 in Berlin eine Vereinigung der europäischen Urheberrechtsgesellschaften (ohne Feindataaten) gegründet. Der italienische Staatsrat Giorgio Maria Sangiori (Präsident der SIAE) wurde zum Präsidenten der Vereinigung für das Geschäftsjahr 1943 gewählt. Daher kommt der Begriff Depositato wohl aus Italien, wie bereits von italienischen Kriegsetiketten bekannt.


Quelle: Leo Ritter: Stagma im Kriege aus "Jahrbuch der deutschen Musik 1943"

Bei der DG gab es eine Fonit und Cetra-Serie mit italienischen Matrizen, bei der italienischen Fonit gab es eine Polydor-Serie mit deutschen Matrizen. Eine Verbindung bestand also. Die Depositato-Vermerke auf deutschen Grammophon-Platten stammen wohl aus dem Jahre 1943, also müsste der Präsident der SIAE dies auch mit veranlasst haben, wo die SIAE auf italienischen Platten diesen Vermerk schon früher aufs Etikett druckte. Gibt es Belege über Platteneinlagerungen in Italien?
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berauscht
Do Jan 31 2019, 00:14
"Urgestein" Autor/Moderator

Dabei seit: Mi Jan 06 2010, 21:59
Einträge: 1458
Die Ausführungen von Musikmeister sind sind für mich nachvollziehbar.

Das "Depositato" der SIAE scheint tatsächlich der Ersatz für das "MC" der MCPS zu sein.

Bei dem Beispiel von Odeon89 mit Depositato 5. 6. 30 gibt dieses Datum die "Priorität" (das zeitlich frühere vorhandensein des Schutzrechts) an.
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Odeon89
Do Jan 31 2019, 19:08
Dabei seit: Di Mär 22 2011, 12:19
Einträge: 318
Vielen Dank, Musikmeister! Diese Erklärung ist recht plausibel!

Könnte man daraus schlussfolgern, dass die mit "Depositato" gestempelten Matrizen zumindest potentiell auch für den Export nach Italien gedacht gewesen waren? Fehlen die "Depositato"-Vermerke im Spiegel auf Siemens-Polydor-Pressungen der Serie FONIT / CETRA möglicherweise deshalb, weil sie natürlich nicht von Deutschland aus nach Italien 'zurückgeschickt' wurden (denn dort lagen ja die Originale)?

Wenn es zutrifft, dass uns das "Depositato" auf Pressungen der DGG einen Urheberrechtsvermerk zeigt, dann kann anhand dieses Wörtchens also keine Unterscheidung zwischen Kriegs- und früher Nachkriegspressung (mit 'Kriegsetikett' mindestens bis Sommer 1946) vorgenommen werden, lediglich nach Frühjahr 1943 stünde damit fest.

Allerdings wundere ich mich darüber, dass auf diesen beiden 1943er Hans-Georg Schütz-Platten kein Depositato im Wachs auftaucht. Weiß jemand, wann diese genau veröffentlicht wurden? Die Best.Nrn. müssten ungefähr in den Sommer oder Herbst 1943 gehören, hier fehlen mir aber die vollständigen Neuerscheinungslisten.

Den gezeigten Etikett-Typ POLYDOR würde ich mit dem Presswerk in Prag bzw. in Tetschen/ Decin in Verbindung bringen wollen, wo die DGG etwa ab Anfang 1944 bis Frühjahr 1945 pressen ließ.






[ Bearbeitet Do Jan 31 2019, 19:14 ]
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