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Semer
Moderatoren: SchellackFreak, berauscht, Grammophonteam, Formiggini, krammofoon, Limania, Der_Designer
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_-_-_
Mo Jan 06 2014, 10:18 Druck Ansicht
Dabei seit: Do Mai 12 2011, 09:46
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Lesenswert: Quelle: Vortrag: „Schwarzhörer – Klingende Vielfalt auf Schellacks“, Tagung der Gesellschaft für Historische Tonträger, Wien-Hietzing, 10.05.2003

Hirsch Lewin wurde in Wilna geboren. Während des Ersten Weltkriegs musste er in Deutschland Zwangsarbeit verrichten und zog 1919 endgültig nach Berlin. 1932 gründete er das Semer-Label. Anfangs standen im Repertoire jiddische Komiker und kantorale Gesänge (häufig übernommen von Artiphon, einer anderen jüdischen Plattenfirma, die während der wirtschaftlichen Depression in Schwierigkeiten kam).

1934 erweiterte er das Angebot um zionistische Aufnahmen, etwa “Hatikwa” (seit 1933 die offizielle zionistische Hymne, später die israelische Nationalhymne) oder „Ich fohr aheim“. Ab 1935 gab es dann eine Verordnung, dass nur noch jüdisches Repertoire angeboten werden durfte – was für Hirsch Lewin natürlich kein Problem war. Ende 1936 gab es zusätzlich ein Verbot für Neueinspielungen jüdischer Interpreten; Wiederveröffentlichungen waren allerdings noch gestattet. Ab März 1937 durften jüdische Buchläden nur noch Hebraika und Judaika verkaufen.

Das Jahr 1936 war für Lewin bedeutsam, weil er für Platten-Aufnahmen den talentierten polnischen Kantor Israel Bakon entdeckte. Hirsch Lewin machte mit ihm 28 Aufnahmen für das Semer-Label, hauptsächlich jiddische Folklore-Lieder wie „Bruderlach Ahejm“, ein Titel, tief verwurzelt in osteuropäischer Tradition.

Im Dezember 1937 wurde die verbliebene Schallplattenindustrie in Deutschland “arisiert”, und Hirsch Lewin musste sein Geschäft schließen. 1938 wurde sein Laden von der SA demoliert; rund 4500 Platten und 250 Metall-Matrizen wurden dabei zerstört. Im Jahr darauf folgte Lewins Ernennung zum Rabbi der Young Israel Synagoge in New Haven, Connecticut. Er konnte die Stelle jedoch nicht antreten, weil der Zweite Weltkrieg begonnen hatte. Noch 1939 wurde er ins Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt. Nach seiner Entlassung 1940 deportierte man ihn nach Wien, wo er sich einem illegalen Transport nach Palästina anschloss, aber als Schiffbrüchiger in Italien landete. Seine Frau entkam der Deportation, sie ging 1942 in den italienischen Untergrund. Die Familie fand in Italien wieder zusammen; ihr gelang es 1944, nach Palästina zu emigrieren.

Dort baute Lewin 1946 die neue Plattenfirma “Kol Zion” auf, bis ihm das Geld ausging. Lewin musste die Firma verlassen, noch bevor die erste Schallplatte gepresst worden war. Seine Partner führten das Unternehmen weiter. Davon unbeeindruckt, gründete Lewin im folgenden Jahr eine neue Firma, „Hed-Arzi“. Sie verwendete die Label-Namen „Samir“ und „Hed-Arzi“, und Lewin setzte auf Wiederveröffentlichungen des Semer-Materials aus Deutschland und Neueinspielungen. Er starb 1958. Später verkaufte sein Sohn Hed-Arzi, die Firma existiert allerdings noch heute.



[ Bearbeitet Mo Jan 06 2014, 10:26 ]
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