Foren
Foren > Elektrisches Grammophon und anderes > Was sonst noch so tönte
Liebenröhre - Robert von Lieben
Moderatoren:SchellackFreak, berauscht, GrammophonTeam, Charleston1966, DGAG, Der_Designer, LoopingLoui
Autor Eintrag
Formiggini
Fr Mai 30 2014, 23:22 Druck Ansicht

⇒ Mitglied seit ⇐: Di Dez 28 2010, 19:20
Beiträge: 1578
Robert von Lieben



Eigentlich ist die frühe Verstärker, bzw. Röhrentechnik hier ja schon fast am Thema vorbei...
Aber - ohne elektronische Verstärkung wäre die moderne Schallplattentechnik nicht möglich gewesen.
Ausschlaggebend war für mich der unten stehende Artikel von 1933 zur Liebenröhre - ich fand diesen (aus historischer Sicht) einfach sehr interessant!

Ob Robert von Lieben Link - Hier klicken nun die Verstärkerröhre erfunden hat, oder es der Amerikaner Lee DeForest war oder jemand ganz anderes - darüber streiten sich die Geister seit gut 100 Jahren. In diese Diskussion will ich mich erst gar nicht einmischen...

Heute quasi in Vergessenheit geraten: Robert von Lieben beschäftigte sich zunächst mit dem Phonographen!
Die Verbesserung eben diesen brachte ihn weiter zu der Idee elektrische Signale zu Verstärken - quasi ein fast vergessener "Pionier" der Schallaufzeichnung.

Ab dem Wintersemester 1899/1900 besuchte von Lieben das Göttinger Institut für physikalische Chemie von Walther Nernst. Zusammen mit Professor Nernst arbeitete er an einem elektrochemischen Phonographen.
Diesen electrochemical Phonograph meldete Robert von Lieben jedoch nie zum Patent an. Ein technisches Magazin aus den USA überliefert jedoch die Idee hinter diesem "Phonographen":



Elektrochemischer Phonograph
Robert von Lieben
1904


Tonträger ist hier ein Band aus Platin (!). Das Mikrophon ist mit einem Draht an einen kleine Holzklotz angeschlossen; mit dem anderen an eine Elektrode. Beide befinden sich in einer elektrolytischen Flüssigkeit. Unter Einfluss der Sprechströme aus dem Mikrofon findet in dem kleinen Holzkeil ein elektrolytischer Vorgang (Oxidation?) statt.
Dieser Vorgang (laut Artikel) "polarisiert das Platinband... ähnlich dem (Magnet) Phonographen von Poulsen".

Bei der Wiedergabe induzierte das Platinband an den beiden Elektroden im Elektrolyse-Bad einen chemischen Vorgang welcher im Hörer elektrische Ströme bewirkte. Die Aufnahme wurde wieder hörbar. Silberelektroden und Säuren sollten die Wirkung (Lautstärke?) verbessern.

Die erzielte Lautstärke dürfte jedoch sehr gering gewesenen sein. Die vermutlich nicht ganz "perfekten" Abläufe dürften ein Grund gewesen sein warum Robert von Lieben diese Erfindung nicht anmeldete. Eine andere Idee aus dieser Zeit (eine Kupplung für Automobile) wurde zum Patent angemeldet.

Bald nach diesen Experimenten kaufte von Lieben eine Telefonfabrik und beschäftigte sich den Rest seines Lebens mit einer Idee: Mikrophon und Telefonströme elektronisch zu verstärken. Bereits in seinem ersten Patent auf Kathodenstrahlrelais von 1906 weist von Lieben auf einen möglichen Einsatz hin: Die Sprechströme im Magnet-Phonographen (Telegraphon) von Poulsen zu verstärken...




Doch etwas beeindruckt hat mich dieser Lautsprecher-Verstärker mit Liebenröhren von c. 1914. Deutlich zu erkennen: ein Grammophontrichter ist wichtiger Bestandteil des Lautsprechers.




Verstärkungsapparat mit Lieben-Röhren und Lautsprecher


1933











Liebenröhre 1910 mit Vakuumpumpe und Mikrophon











Nach oben
Webseite
Starkton
Mo Jun 02 2014, 09:45
⇒ Mitglied seit ⇐: Mi Okt 05 2011, 21:47
Wohnort: Berlin
Beiträge: 1879
Formiggini schrieb ...

Doch etwas beeindruckt hat mich dieser Lautsprecher-Verstärker mit Liebenröhren von c. 1914. Deutlich zu erkennen: ein Grammophontrichter ist wichtiger Bestandteil des Lautsprechers.




Verstärkungsapparat mit Lieben-Röhren und Lautsprecher


Das ist der "No. 1" Eichenholztrichter der DGAG den ich an meinem "De Luxe II" angebaut habe: Link - Hier klicken

Man muss den Beitrag im Scientific American etwas ergänzen. Der Göttinger Physiker Walther Nernst hatte die Idee zum "Elektrochemischen Phonographen." Mitte 1900 bat er den Wiener Physiker Robert von Lieben brieflich, diese Idee auszuarbeiten und mit ihm zusammen zu publizieren.

Von Lieben hatte bereits nach wenigen Tagen erste Erfolge und plante ursprünglich, das Prinzip des neuen Phonographen auf der Versammlung der Deutschen Elektrochemischen Gesellschaft in Zürich Anfang August 1900 vorzustellen. Mir liegt der Tagungsbericht nicht vor, deshalb weiß ich nicht ob er sein Vorhaben in die Tat umsetzte. Jedenfalls publizierten Nernst und von Lieben wenig später zwei Beiträge in der Zeitschrift für Elektrochemie, Vol. 7, Heft 40, 4. April 1901, Seite 533-538: Nernst, v. Lieben: Über ein neues phonographisches Prinzip; v. Lieben: Einige Beobachtungen am "Elektrochemischen Phonographen."

[ Bearbeitet Mo Jun 02 2014, 09:47 ]
Nach oben
Formiggini
Mo Jun 02 2014, 10:43

⇒ Mitglied seit ⇐: Di Dez 28 2010, 19:20
Beiträge: 1578
Vielen Dank für den Hinweis auf die beiden Artikel! Diese sind über archive.org verfügbar und erklären das Funktionsprinzip des "Elektrochemischen Phonographen":

Über ein neues phonographisches Prinzip
Walther Nernst und Robert von Lieben


Platin erleidet durch Polarisation eine dauernde Änderung, die auf Gasaufnahme zurückzuführen ist. Die Verfasser führten ein Platinband ohne Ende mittels eines Motors über einen Holzkeil, der mit Elektrolyt getränkt war und in einem mit Elektrode versehenen Glastrog stand.

Polarisiert man nun mit schwankendem Strom und führt das Platinband schnell über den Holzkeil hinweg, so prägen sich die Schwankungen dem Platinbande in Form mehr oder weniger starker Polarisation ein.
Benutzt man zur Polarisation die Stromschwankungen eines Mikrophons, so muß man, wenn man das Platinband später wieder über den Holzkeil führt und den durch die Polarisation erregten Strom durch ein Telephon schickt, die in das Mikrophon hineingesprochenen Worte wiederbekommen, unerwarteterweise genügt aber nicht der Polarisationsstrom allein, sondern man muß noch einen Strom von außen durch den Telephonkreis senden.

Je stärker dieser Strom ist, desto lauter ist die Wiedergabe der Worte. Wäre nur die dauernde Polarisation die alleinige Ursache, so müßte die fremde Stromquelle entbehrlich sein. Das Verhalten wäre erklärlich, wenn die durch die Polarisation erzeugten Widerstandsänderungen die Ursache wären, aber dann dürften sich Siberstreifen in Silbercyankalium-Lösung nicht als Phonograph verwerten lassen, da an ihnen Widerstandsänderungen durch die Polarisation unwahrscheinlich sind; Ag- Streifen sind aber geeignet.

Wahrscheinlich liegt die Ursache in einer oberflächlichen Auflockerung des Metalls durch die Polarisation und in der dadurch verursachten Änderung der Polarisationskapazität. Eine technische Verwendbarkeit des Phonographen halten die Verfasser für nicht wahrscheinlich.

Jahresbericht über die Fortschritte der Chemie; S. 182 f. Link - Hier klicken




Jahrbuch der Elektrochemie (1902); S.33 ff Link - Hier klicken
Nach oben
Webseite
 

Forum:     Nach oben

Über Uns

Wir sind mehr als ein Forum! Als eingetragener Verein arbeiten wir an der Beständigkeit unserer Leidenschaft.

Über uns

Wir suchen Dich!

Du schreibst Artikel, möchtest im Forum als Moderator aktiv werden? Dir liegt Social Media. Bewahre Wissen! Wir warten auf dich.

Schreib uns

Tipps

Einsteiger-Ratschläge für optimale Nutzung und wichtige Aspekte beim Grammophon und Schellackplatten-Kauf.

Zu den Informationen