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Louise Gordan alias Louise Jordan
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humoresk
So Aug 02 2015, 12:14 Druck Ansicht
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⇒ Mitglied seit ⇐: So Jun 10 2012, 16:06
Beiträge: 352
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

gerne würde ich Näheres über die grandiose Scat-Vokalistin Louise Gordan bzw. Jordan erfahren, die u.a. im Oktober 1932 mit den Kardosch-Sänger "Dir möcht' ich mich gerne anvertrau'n" eingespielt hat.

Bislang scheint nur eine Andeutung von Eric Helgar die Zeiten überdauert zu haben, dass sie englische Staatsbürgerin gewesen sei. Helgar gab an, "sie wäre wohl ebenso wie er selbst in Berlin von der damaligen Botschaft betreut" worden. Er gesteht auch, dass nach so vielen Jahren seine Erinnerung ihn trügen und sie vielleicht auch US-Amerikanerin gewesen sein könnte.

Meines Wissens hat sie für Telefunken nur an vier Aufnahmen mitgewirkt: Neben der Kardosch-Sänger-Platte auch am "Good bye blues" mit Lajos Kiss, "Jo-jo" mit Hans Schindler sowie dem Kleinkunsttitel "Und so was findet man schön".

Das ist alles, was ich an Nebulösem beitragen kann. Gibt es von Eurer Seite weitere Hinweise? Jedes noch so kleine Detail herzlich ersehnt...

Liebe Grüße

Josef
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Formiggini
So Aug 02 2015, 13:10

⇒ Mitglied seit ⇐: Di Dez 28 2010, 19:20
Beiträge: 1578
An Frau Jordan zerbricht man sich schon seit Jahrzehnten den Kopf...

Rainer Lotz schreibt dazu in in der CD-Reihe "Der Jazz in Deutschland Vol. 1":

...die amerikanische Sängerin Louise Jordan. Sie war wiederholt im Berliner "Kabarett der Komiker" aufgetreten. 1933 gastierte "Hot Louise" Jordan in Kopenhagen, wo sie mit dem Orchester von Erik Tuxen an dem Film "7 - 9 - 13" mitwirkte.


Weder englische, noch amerikanische Zeitungen oder Fachmagazine wie die Variety erwähnen eine Sängerin dieses Namens auch nur ein einziges mal. Möglicherweise nur ein Pseudonym? Auch die amerikanischen Unterlagen zu Ein- und Ausreise helfen nicht weiter. Zum einen gab es tausende Frauen dieses Namens die in den 1930er Jahren in Volkszählungen, Schiffspassagen usw. erwähnt werden, zum anderen ist bei amerikanischen Staatsbürgern (so Frau Jordan denn Amerikanerin war...) fast nie der Beruf angegeben. Aussichtslos in diese Richtung weiter zu suchen...

Grüße
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berauscht
So Aug 02 2015, 18:16
"Urgestein" Autor

⇒ Mitglied seit ⇐: Mi Jan 06 2010, 21:59
Beiträge: 2082
Hier ist ein Bild der Dame aus besagtem Film:
Inhalt, Bild oder Datei nur fuer angemeldete Mitglieder
"Hot Louise" singt den Schlager: What about me.


Am Schlagwerk: Erik Kragh; Klavier: Leo Mathisen

[ Bearbeitet So Aug 02 2015, 19:06 ]
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humoresk
Mo Aug 03 2015, 09:05
Autor

⇒ Mitglied seit ⇐: So Jun 10 2012, 16:06
Beiträge: 352
Vielen Dank, Uli und Hendrik,

für die Ergänzungen. Erstaunlich, dass es zumindest ein Bild der Dame gibt. Existiert der Film noch als solches und ist er zugänglich? Und wie wahrscheinlich ist es, dass Louise Jordan wirklich zu sehen ist und nicht gedoubelt wurde?

Herzliche Grüße

Josef
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78erhortig
Do Aug 06 2015, 20:02
⇒ Mitglied seit ⇐: Do Apr 04 2013, 12:53
Wohnort: Graz
Beiträge: 175
Nachdem zu dieser Zeit Frankreich die europäische Anlaufstelle Nr.1 für amerikanische Jazzer wahr, sollte man vielleicht dort mal nachsehen, bzw. Skandinavien.
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Dual55e
Mi Mär 11 2026, 05:27
⇒ Mitglied seit ⇐: Di Mär 10 2026, 09:22
Wohnort: 25779 Süderheistedt
Beiträge: 5
Ich vermute, zu wissen, wer sie war. Bin ich durch Zufall mal bei YouTube drauf gestoßen. Der Titel ist „1930 Ambrose - Shoo The Hoodoo Away“ (bei YouTube aufrufen).
Hier nennt sie sich Ella Logan, ihr Geburtsname ist Georgina Armour Allan. Zu Ella Logan gibt es einen guten Artikel im englischen Wiki (bei Google Ella Logan eingeben).
Wenn man hier jetzt alles zusammennimmt, stimmt alles. Sie war Engländerin, die später nach Amerika ausgewandert ist. Damit kommt die Aussage von Eric Helgar hin. Sie wird in keinen Botschaftsunterlagen zu finden sein, weil sie weder Miss Louise Gordan, noch Ella Logan hieß. Auch der zeitliche Ablauf stimmt. Sie macht 1930 Aufnahmen mit Jack Hylton (sehr schöner Vergleich „Can’t we be Friends“) und tourt dann durch Europa, bis sie 1934 in Amerika auftaucht. Das Foto von ihr (oben) ist sehr unscharf und man muß die ganzen „Verschönerungen“ rausnehmen, die Amerikas Filmindustrie seinen Stars angetan hat und dann könnte auch das Foto passen. Guckt und hört Euch das mal selber an!
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berauscht
Mi Mär 11 2026, 09:50
"Urgestein" Autor

⇒ Mitglied seit ⇐: Mi Jan 06 2010, 21:59
Beiträge: 2082
Im März 1931 trat Louise Jordan bei einem von Willi Schaeffer im Studio des Kabaretts der Komiker veranstalteten Nachmittag als "neuester Nachwuchs" mit "englischen Songs und Steps" auf. Diese Nachmittage fanden regelmäßig statt und sollten der Förderung von Nachwuchskräften dienen.


[ Bearbeitet Mi Mär 11 2026, 19:48 ]
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Dual55e
Mi Mär 11 2026, 18:43
⇒ Mitglied seit ⇐: Di Mär 10 2026, 09:22
Wohnort: 25779 Süderheistedt
Beiträge: 5
1931 würde in den zeitlichen Ablauf passen.
Sie dürfte es sein, denn ich habe bei FB noch etwas anderes interessantes gefunden. Da geht es um Ella Logan. Ich habe da mal Kontakt aufgenommen und warte auf Antwort.


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jitterbug
Mi Mär 11 2026, 19:26
⇒ Mitglied seit ⇐: Mi Mär 27 2013, 16:49
Wohnort: Berlin
Beiträge: 421
Das ist alles sehr spannend, was hier zur Diskussion gestllt wird. Allerdings wundere ich mich, dass eine Sängerin, die beroets 1930 mit ihrem Künstlernamen Ella Logan auf Schallplatte verewigt ist, 1932 unter Pseudonym singen sollte...

Eine Stimmenähnlichkeit lässt sich nicht bestreiten, wobei die unter dem Namen Ella Logan laufenden Aufnahmen etwas "jazziger" wirken in Ausdruck und Variation.

Dazu kommt, dass es noch mindestens eine weitere Aufnahme mit dem rchester Jack Presburg gibt, die ich auf Pallas besitze: Beim langsamen Walzer "Love is delightful" wird sie allerdings als "F. Gordon" bezeichnet. Die Platt ekaufte ich in Rotterdam - wo sie ja wohl auch aufgetreten ist, das Etikett ist auch auf niederländisch und englisch beschriftet.

Lasse uns bitte wissen, was die Engländer dazu meinen, liebe Claudia!

Herzliche Grüße, Stephan



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berauscht
Mi Mär 11 2026, 21:11
"Urgestein" Autor

⇒ Mitglied seit ⇐: Mi Jan 06 2010, 21:59
Beiträge: 2082
Über die "Hot Louise" aus Kopenhagen können wir von Wandy Tworek erfahren:
Dengang var begrebet refrainsangerinde herhjemme endnu ukendt, men i det store udland var man godt i gang, og ved et tilfælde kom jeg i forbindelse med en ung, sprælsk englænder-inde, der havde rytmen i kroppen og vidste, at det drejede sig om swing. Hun hed Louise, og hende præsenterede jeg som den første refrainsangerinde i Scalasalen under navnet »Hot Louise«.

Det var ikke så lidt af et eksperiment ... for så fast sad jeg heller ikke i sadlen endnu... men det blev en bragende succes. Problemet var, at hun faktisk var så god, at vi ikke kunne hol-de på hende. Hun skrev en mægtig kontrakt med en klub i London.


Übersetzung
Damals war der Begriff Refrainsängerin hierzulande noch unbekannt, aber im Ausland war man schon gut dabei, und durch einen Zufall kam ich in Kontakt mit einer jungen, lebhaften Engländerin, die den Rhythmus im Körper hatte und wusste, dass es sich um Swing drehte. Sie hieß Louise, und ich präsentierte sie als die erste Refrainsängerin im Scalasaal unter dem Namen »Hot Louise«.

Es war nicht so sehr ein Experiment ... da ich auch noch nicht so fest im Sattel saß ... aber es war ein voller Erfolg. Das Problem war, dass sie eigentlich so gut war, dass wir sie nicht behalten konnten. Sie hat einen beeindruckenden Vertrag mit einem Club in London unterschrieben



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Dual55e
Mi Mär 11 2026, 21:18
⇒ Mitglied seit ⇐: Di Mär 10 2026, 09:22
Wohnort: 25779 Süderheistedt
Beiträge: 5
Moin Stephan, laaaange nicht mehr gesehen…
Ja, ich bin auch gespannt. Dort wurde aber auch schon geschrieben, daß etwas Verwirrung wegen der ganzen Namen bestand. 1931 trug sie offiziell auch schon nicht mehr ihren Mädchennamen, weil sie bereits verheiratet war, sie hieß zu dem Zeitpunkt Georgina Allan Lepsch. Der Pseudonymname Logan stammt aus einem Zweig ihrer Familie, der den Nachnamen Logan trug. Das sie Ella Logan in Europa nicht verwendet hat, könnte daran liegen, daß evt mit irgendeiner Schallplattenfirma ein Vertrag bestand? Man denke an Schuricke und Rudolf Erhard. Klar sind die englischen Aufnahmen jazziger, das liegt sicherlich in der damaligen deutschen „Musiklandschaft“ begraben. Schindler ist eben nicht Ambrose. Das F bei Deiner Jack Presburg kann ein Tipfehler sein, ich hatte mal von Harry Roy die Nasty man, auf dem Etikett stand allerdings Masty man (Deutsche Odeon).
Ich muß sagen, ich bin inzwischen recht überzeugt davon, daß sie das ist, denn da stimmt eigentlich alles. Das Foto zeigt ziemliche Ähnlichkeit und wenn man die Platten ein paarmal nebeneinander hört, es stimmt auch die Intonation, obwohl es sich um zwei verschiedene Sprachen handelt. Ich hoffe, daß ich bei meiner PN bei FB auch ein paar Fotos aus der Zeit bekommen kann. Auf jeden Fall versuche ich jetzt erstmal den dänischen Film zu bekommen, im Film sieht man immer mehr.
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Brunswick1928
Do Mär 12 2026, 11:05
⇒ Mitglied seit ⇐: Mo Mär 03 2025, 15:02
Beiträge: 6
Hallo zusammen!
Ich habe leider nichts Produktives zur Diskussion beizutragen (außer, dass ich auch gewisse, stimmliche Ähnlichkeiten zwischen Frl. Gordan und Ella Logan erkenne) allerdings würde ich die beiden erwähnten, mir noch unbekannten Aufnahmen der jungen Dame („Und so was findet man schön“, „Life is delightful“) äußerst gerne hören – weiß jemand, ob diese wo zugänglich sind?
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Musikmeister
Do Mär 12 2026, 17:54
Autor
⇒ Mitglied seit ⇐: So Aug 21 2011, 21:23
Wohnort: Hamburg
Beiträge: 1123
Radio Prag am 15.04.1934:
Tanzmusik Prag-London, Mitwirkende: R.A.Dvorský und seine Melody Boys und Miss Louise Jordan



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berauscht
Do Mär 12 2026, 18:29
"Urgestein" Autor

⇒ Mitglied seit ⇐: Mi Jan 06 2010, 21:59
Beiträge: 2082
humoresk schrieb ...

Bislang scheint nur eine Andeutung von Eric Helgar die Zeiten überdauert zu haben, dass sie englische Staatsbürgerin gewesen sei. Helgar gab an, "sie wäre wohl ebenso wie er selbst in Berlin von der damaligen Botschaft betreut" worden. Er gesteht auch, dass nach so vielen Jahren seine Erinnerung ihn trügen und sie vielleicht auch US-Amerikanerin gewesen sein könnte.

Meines Wissens hat sie für Telefunken nur an vier Aufnahmen mitgewirkt: Neben der Kardosch-Sänger-Platte auch am "Good bye blues" mit Lajos Kiss, "Jo-jo" mit Hans Schindler sowie dem Kleinkunsttitel "Und so was findet man schön".

Auf Telefunken A 1285 singen Miss Louise Jordan und Eric Helgar mit Klavierbegleitung
mx. 18820 "Reizend" aus der Friedrich-Holländer-Revue: Höchste Eisenbahn
mx. 18821 Und sowas findet man schön (You try somebody else)

[ Bearbeitet Fr Mär 13 2026, 11:16 ]
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Dual55e
Fr Mär 13 2026, 01:48
⇒ Mitglied seit ⇐: Di Mär 10 2026, 09:22
Wohnort: 25779 Süderheistedt
Beiträge: 5
15.04.1934 mit Dvorsky paßt auch. Ihren Einwanderungsantrag in die USA hat sie am 14.05.1934 gestellt. Und „Höchste Eisenbahn“ ist vom Herbst 1932, paßt auch.
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Dual55e
Fr Mär 13 2026, 02:00
⇒ Mitglied seit ⇐: Di Mär 10 2026, 09:22
Wohnort: 25779 Süderheistedt
Beiträge: 5
Brunswick1928: man kann die Aufnahmen bei YouTube hören, allerdings muß man Eric Helgar eingeben, dann erscheinen beide Titel.
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