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Großdt. Rundfunk-Platten - angeblich aus dem Besitz von Mussolini
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Autor Eintrag
Hedensö
Mo Feb 22 2016, 19:07 Druck Ansicht
⇒ Mitglied seit ⇐: Fr Jan 06 2012, 11:09
Beiträge: 881
Hallo zusammen,

ich bin in den Besitz zweier 30cm Platten gekommen, die angeblich aus der Villa Mussolini in Rimini stammen sollen.

Inhalt, Bild oder Datei nur fuer angemeldete Mitglieder


Hier die Fotos










Die Platten spielen von innen nach außen. Teilweise sind große Abstände der Rillen da - die Platten spielen aber durch. Habe ich so noch nicht gesehen. Auf der Rückseite sind sie unbenutzt (nicht plan, sondern große Rillen - kein Logo, unbedrucktes weißes Cover)
Auf der einen Platte sind zwei Märsche drauf, auf der zweiten ein recht schöner Walzer.

Nun meine Fragen:
  • Warum befindet sich solche Musik auf Platten des großdeutschen Rundfunks mit solchen Etiketten?

  • Kann man die Platten/Aufnahmen anhand der Matritzennummern zuordnen?

  • Für was wurden diese Platten verwendet? Oder wurden lediglich die Rohlinge für andere Zwecke verwendet

  • Kann an der Mussolini-Story etwas dran sein? Die Plattenbefanden sich in italienisch beschrifteten Hüllen.


Bis dato konnte ich hierzu im www nichts finden.
Danke für eure Hilfe!
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gramofan
Mo Feb 22 2016, 19:36
⇒ Mitglied seit ⇐: Sa Okt 01 2011, 20:32
Wohnort: bei Berlin
Beiträge: 1095
Ich fange mal an mit den Antworten an (Andere mögen ergänzen):
- zur Mussolini Story von mir NICHTS.
- Bei den Platten handelt es sich um welche, die für Zwecke des Rundfunks gepresst wurden. Sie dienten im Prinzip dazu, Musikkonserven für den Sendebetrieb parat zu haben. Es handelt sich dabei aber eben nicht um kommerzielle Aufnahmen der Industrie, sondern um Eigenaufnahmen des Rundfunks, die nicht für den Verkauf ans Publikum gedacht waren. Die Pressung erfolgte deshalb auch in relativ kleinen Stückzahlen, wurde aber von der Industrie vorgenommen.
- Im Prinzip sind die Platten an Hand der Matritzennummern datierbar. Mir ist allerdings jetzt so kein entspr. Verzeichnis bekannt. Sofern die Interpreten bekannt sind, kann man die Platten i.d.R. in der Deutschen National-Discographie von Lotz u.a. nachschlagen, da sie dort regelmäßig berücksichtigt wurden. Ein grober Hinweis ist die Bezeichnung Groß-Deutscher Rundfunk. Von Großdeutschland wurde im Dritten Reich m.W. erst nach dem Anschluss Österreichs (1938) geredet. Datum ante quem ist jedenfalls der 8. Mai 1945.

[ Bearbeitet Mo Feb 22 2016, 19:36 ]
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berauscht
Mo Feb 22 2016, 19:40
"Urgestein" Autor

⇒ Mitglied seit ⇐: Mi Jan 06 2010, 21:59
Beiträge: 1761
Warum befindet sich solche Musik auf Platten des großdeutschen Rundfunks mit solchen Etiketten?


Warum denn nicht? Es sind ganz normale Rundfunkplatten mit Aufnahmen für den normalen Sendebetrieb.

Kann man die Platten/Aufnahmen anhand der Matritzennummern zuordnen?


Matr. Hmb. 2099 ist eine Aufnahme des Reichssenders Hamburg

Für was wurden diese Platten verwendet? Oder wurden lediglich die Rohlinge für andere Zwecke verwendet


Es sind ganz normale Rundfunkplatten mit Aufnahmen für den normalen Sendebetrieb.
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Hedensö
Mo Feb 22 2016, 21:37
⇒ Mitglied seit ⇐: Fr Jan 06 2012, 11:09
Beiträge: 881
Danke für die Antworten.

Ich versuche die Aufnahmen mal zu identifizieren und melde mich dann nochmal...
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Telefunken
Mo Feb 22 2016, 21:42
⇒ Mitglied seit ⇐: Fr Sep 05 2014, 13:31
Wohnort: Coburg
Beiträge: 18
Hallo,

waren das nicht die Platten, die auf eb** Kleinanzeigen inseriert waren?

Jonas
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Hedensö
Mo Feb 22 2016, 22:12
⇒ Mitglied seit ⇐: Fr Jan 06 2012, 11:09
Beiträge: 881
Telefunken schrieb ...

Hallo,

waren das nicht die Platten, die auf eb** Kleinanzeigen inseriert waren?

Jonas


Ja, genau. War heute beruflich in der Gegend und wollte mir die Platten eigentlich nur mal ansehen. Da die Dame zu überzeugend war, habe ich sie mitgenommen - die Platten, nicht die Dame *kicher
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Fonostalgie
Mi Feb 24 2016, 22:22
⇒ Mitglied seit ⇐: Di Feb 09 2016, 21:50
Wohnort: München
Beiträge: 8
Hallo Jan,

Ja, wenn ich immer all die fantastischen Geschichten von Plattenanbietern geglaubt hätte...

Bleiben wir lieber bei den Tatsachen. Laut Katalog der "Schallaufnahmen der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft" von 1939 sind die abgebildeten Platten:

Hübeners Musikkapelle aus Fiddichow an der Oder, rec: 29.11.1936 in Pyritz/Pommern
(Katalog-Nr. 9078, Sender Hamburg):

36876
a) Kreuzpolka (Siehst du woll, da kimmt er)
b) Kreuzpolka Nr. 2
c) O Tannengrund

36877 wäre die Fortsetzung:
a) Böhmische Polka
b) Zimmermannswalzer
c) Besentanz
d) Wirre, wirre, witt, mein Mann ist Schneider

und:

Unterhaltungsorchester des Deutschlandsenders unter Otto Dobrindt,
rec: 23.7.1937 Senderaum Deutschlandsender (Katalog-Nr. 7903, Deutschlandsender):

37910 Märchen aus dem Orient, Walzer von Johann Strauß, Teil 1

Die Fortsetzung wäre: 37911 Märchen aus dem Orient, Walzer von Johann Strauß, Teil 2

Übrigens: Die Matrizennummer Hmb 2099 stammt noch von der alten Nummernserie vor der
einheitlichen Nummernvergabe (vermutlich ab 1937)

(Sind leider alles keine Heimatlieder aus dem Erzgebirge/Vogtland, sonst hätte ich sofort
Interesse bekundet!)

Gruß Dirk
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Hedensö
Mi Feb 24 2016, 22:37
⇒ Mitglied seit ⇐: Fr Jan 06 2012, 11:09
Beiträge: 881
Danke für die detaillierten Infos!
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gramofan
Do Feb 25 2016, 12:35
⇒ Mitglied seit ⇐: Sa Okt 01 2011, 20:32
Wohnort: bei Berlin
Beiträge: 1095
Fonostalgie schrieb ...

Laut Katalog der "Schallaufnahmen der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft" von 1939 sind...


Bescheidene Frage: ist dieser Katalog irgendwo öffentlich einsehbar (vorzugsweise vom Sessel aus, sprich: Internet)?
Besten Dank schon mal im Voraus.

[ Bearbeitet Do Feb 25 2016, 12:36 ]
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Fonostalgie
Do Feb 25 2016, 19:49
⇒ Mitglied seit ⇐: Di Feb 09 2016, 21:50
Wohnort: München
Beiträge: 8
Online gibt es die beiden Verzeichnisse 1929/36 und 1936/39 bislang leider nicht, aber dafür in den großen Staatsbibliotheken, wie in Berlin oder hier in München oder in der Deutschen Bücherei in Leipzig. Gemessen an der Verfügbarkeit anderer Schellackplatten-Verzeichnisse also doch relativ häufig.
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