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Foren > Grammophone > Trichtergeräte
Gramophone Co. Ltd. De Luxe III von ca. 1910
Moderatoren: SchellackFreak, berauscht, Grammophonteam, Formiggini, krammofoon, Limania, Der_Designer
Autor Eintrag
Hedensö
Mi Jul 04 2018, 15:34 Druck Ansicht

Dabei seit: Fr Jan 06 2012, 11:09
Einträge: 903
HERSTELLER: Gramophone Company Ltd.
MODELL: De Luxe III
SERIENNUMMER: 508238
JAHR: 1910
DAMALIGER PREIS:
GEHÃUSE: Mahagoni mit vergoldeten Applikationen
PLATTENTELLER: 30 cm
TRICHTER: Speartip in Mahagoni oder Morning Glory in Messing, Mündung 60cm
MOTOR: 3-Feder
SCHALLDOSE: Gramophone Co. Exhibition 326899


INTERESSANTE DETAILS:
  • Das Modell De Luxe III ist reletaiv selten und gehört zu den Top-of-the-Line-Geräten jener Zeit. In GB war es offiziell nicht erhältlich, es handelt sich eher um eine Art Exportmodell bzw. war es in verschiedenen Landesniederlassungen der Gramophone Company erhältlich. HMG zufolge ist es in verschiedenen Überseekatalogen zu finden, darunter Deutschland, Ägypten und Indien. Hier https://grammophon-platten.de/e107_plugins/forum/forum_viewtopic.php?38731 wurde eine deutsche Variante des De Luxe III schonmal vorgestellt.
  • Das hier vorgestellte Modell hat anstatt eines G&T oder des rechtwinkligen Gramophone Co. Decals ein "Nipper on red base"-Decal mit dem Schriftzug His Master Voice. Es muss also aus der Übergangszeit stammen, als der Markenname "His Master Voice" Einzug hielt - also rd. 1909/1910
  • Das De Luxe III war HMG zufolge mit einem Messing- oder vernickelten Morning Glory-Trichter ausgestattet. In Deutschland und Ägypten war es mit einem mahagonifarben maseriertem Lotustrichter mit silbernen Zierstreifen erhätlich. Das hier abgebildete Gerät verfügt über einen originalen Speartip-Trichter in Mahagoni.
  • Die Seriennummer gibt nicht etwa ein Stempel oder einen Einschlag im Holz des Gehäuses aus, sondern ein kleines Schildchen auf der Innenseite des Gehäuses. Es finden sich sonst keine eingeschlagenen Buchstaben oder Nummern am Gehäuse wieder. Daher ist natürlich die Frage, aus welchem Land das Gerät originär stammt.
  • Der Verkäufer hat das Gerät in diesem Zustand (also exakt mit diesem Trichter und der Schalldose) vor gut 25 Jahren bei einem bekannten britischen Händler erworben. Er hat die Information erhalten, dass es sich um ein indisches Modell handeln würde, welches aber in GB für den Export produziert wurde. Sollte es sich um ein indisches Modell handeln, so wäre das Gehäuse mutmaßlich jedoch bereits in Indien hergestellt worden. Denn die Gramophone Company errichtete bereits 1908 in Sealdah/Calcutta Produktionsanlagen für die Produktion von Grammophonen und Schallplatten. Der Allgemeinzustand des Gerätes ist aber dermaßen gut, dass man sich einen Gebrauch in tropischen Regionen sowie einen Rücktransport nach England eigebtlich nicht vorstellen kann. Ich werde mal versuchen beim englischen Händler etwas herauszufinden, sofern dieser sich noch an den Deal und die Provenienz des Gerätes erinnert.

Ich selbst habe nach Erwerb des Gerätes sämtliche vernickelten Teile aufpolieren, die Schalldose Warten und das Trichterstutzen am Speartip neu verleimen müssen.

Was mir besonders gut gefällt aber bei den Fotos nicht so herauskommt, sind die wirklich gold leuchtenden Applikationen.



Seitenansicht: interessant ist das in die Girlanden integrierte Kurbelloch.



Gramophone Co.-Decal auf dem Speartip-Trichter



Die feuervergoldeten Säulen, Girlanden und Applikationen sind im Vergleich zum De Luxe II deutlich gelbgoldener bzw. leuchtender - jedenfalls an diesem Modell im Vergleich zu meinem DGAG De Luxe II.
Links unten auf dem Bild befindet sich die Drehzahleinstellung, und links oben die so genannte Kanonenbremse für den Plattenteller.


Das geöffnete Gehäuse mit dem kräftigen Dreifeder-Motor mit vernickeltem Federhaus. Der beste Grammophonmotor seiner Zeit. Auch das Gehäuseinnere besteht aus massivem Mahagoni.
Zu erkennen ist auf diesem Foto auch das Schild mit der Seriennummer


Da das Gerät auch häufig mit einem Monring Glory-Trichter in Messing ausgestattet wurde, habe ich damit auch mal zwei Fotos gemacht. Das wirkt m.E. auch gut, aber nicht so wertig, wie mit dem Holztrichter.




Ergänzungen, Katalogauszüge, sonstige Abbildungen und insbesondere Hinweise zum möglichen Ursprungsland sind herzlich willkommen!



[ Bearbeitet Mo Jul 09 2018, 07:30 ]
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alang
Mi Jul 04 2018, 17:06
Dabei seit: Di Jun 12 2012, 19:52
Wohnort: Delaware, USA
Einträge: 548
Wow, das ist ja ein wirklich tolles Luxusgeraet in ausgezeichnetem Zustand. Technisch vergleichbar mit dem amerikanischen Victor VI, aber wesentlich verspielter dekoriert. Herzlichen Glückwunsch und vielen Dank fürs Verstellen.

Andreas
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DGAG
Mi Jul 04 2018, 22:38
Dabei seit: So Dez 31 2017, 12:30
Wohnort: Berlin
Einträge: 155
Für mich eines der allerschönsten Trichtergrammophone! Gefällt mir mit beiden gezeigten Trichtern ausnehmend gut. Herzliche Gratulation zum Kauf.

schrieb ...

Die Seriennummer gibt nicht etwa ein Stempel oder einen Einschlag im Holz des Gehäuses aus, sondern ein kleines Schildchen auf der Innenseite des Gehäuses.

Die Nummer auf dem Schildchen gibt nicht die Seriennummer, sondern die Nummer des Geschmacksmusters im Musterregister des englischen Patentamtes an. Zeitlich passt das Schildchen sehr gut zum HMV-Decal.

schrieb ...

Er hat die Information erhalten, dass es sich um ein indisches Modell handeln würde, welches aber in GB für den Export produziert wurde.

Meiner Meinung nach weist nichts auf eine Fertigung in Indien hin. Sollte es tatsächlich dort gefunden worden sein hat es vielleicht ein Kolonialbeamter oder Offizier aus England mitgebracht. Es ist faszinierend sich dieses Modell auf der Terrasse einer prächtigen Villa der Kolonialzeit vorzustellen.

schrieb ...

Die feuervergoldeten Säulen, Girlanden und Applikationen sind im Vergleich zum De Luxe II deutlich gelbgoldener bzw. leuchtender - jedenfalls an diesem Modell im Vergleich zu meinem DGAG De Luxe II.

Dass die Vergoldung so ganz anders aussieht als bei Deinem De Luxe II hat gute Gründe. Sie ist mit Sicherheit in jüngerer Zeit erneuert worden. Vielleicht vom englischen Händler der das Grammophon vor 25 Jahren verkaufte. Es ist eine galvanische Vergoldung, deshalb ist sie von der Dicke her sehr gleichmäßig, ist stabil, glänzt stark (auch ohne Polierung) und erhält ihre gelbe Farbe durch den hohen Feingoldgehalt. Bei Deinem Grammophon ist das Gold zudem kaum abgerieben, jedenfalls sehe ich es nicht auf den Fotos. Nach über 100 Jahren Benutzung ist das ganz unmöglich.

Bei der Feuervergoldung, wie sie ursprünglich aufgebracht wurde, wird das Amalgam, bestehend aus Gold (das mit anderen Metallen legiert sein kann) und Quecksilber mit einer Bürste auf dem Trägermetall aufgestrichen. Ein Großteil des Quecksilbers raucht durch anschließendes Erhitzen ab, das Gold bleibt zurück. Charakteristisch ist, dass der Goldauftrag ungleichmäßig dick ist. Er ist zudem stumpf und durch die Legierungsbestandteile (u.a. Quecksilber) nicht ganz so goldgelb. Um Glanz und Plastizität zu erreichen wird das Gold abschließend an exponierten Stellen poliert.

Auf den Höhen ist die Feuervergoldung sehr dünn und wird deshalb schnell abgerieben, vor allem an beanspruchten Stellen. Bei Grammophonen zeigt vor allem die Gehäuseseite mit der Kurbel den meisten Abrieb. Die an diesen Stellen freiliegende Oberfläche des Trägermetalls oxidiert über die Jahrzehnte und bekommt eine dunkle, gleichmäßige Patina.

So sieht eine gut erhaltene, gealterte Feuervergoldung typischerweise aus (das Mahagoni ist durch Lichteinfall ausgeblichen)



Feuervergolden ist wegen der starken Gesundheitsgefährdung selten geworden. Man macht es eigentlich nur noch auf historischen Stücken, um die originale Technik anzuwenden und damit das Erscheinungsbild möglichst wenig zu verfälschen.

[ Bearbeitet Do Jul 05 2018, 10:37 ]
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Hedensö
Sa Jul 07 2018, 08:01

Dabei seit: Fr Jan 06 2012, 11:09
Einträge: 903

[quote]
Die Nummer auf dem Schildchen gibt nicht die Seriennummer, sondern die Nummer des Geschmacksmusters im Musterregister des englischen Patentamtes an. Zeitlich passt das Schildchen sehr gut zum HMV-Decal.

[/quote1530943190]

Danke dir für dein detaillierten Infos.
Lässt sich denn das Geschmacksmuter mittels der Nummer irgendwo im www ausfindig machen? Ich frage, weil ich ka auch Abbildungen zu diesem Modell suche...

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DGAG
Sa Jul 07 2018, 18:44
Dabei seit: So Dez 31 2017, 12:30
Wohnort: Berlin
Einträge: 155
Leider habe ich keine Möglichkeit gefunden, Geschmacksmuster, ob deutsche oder englische, im Internet zu finden. Vielleicht fragst Du einfach mal beim englischen Patentamt nach. Die Antwort würde mich ebenfalls sehr interessieren. Falls sie Dir Kopien bzw. Scans anbieten: Die Nummer hast Du ja, das Jahr müsste 1907 sein.

Die DGAG hat diesen Typ als "Fabriknummer 209", zusammen mit neun anderen Modellen, am 6. Juli 1907 ins Berliner Muster-Register eintragen lassen. Im für die Anmeldung eingereichten Paket waren auch Abbildungen.

Übrigens: Kannst Du bitte den Link auf das andere, bereits im Forum vorgestellte, De Luxe III korrigieren. Der Link funktioniert nicht.



Bezüglich des in die Dekoration integrierten Kurbellochs habe ich eine kleine Entdeckung gemacht. Im DGAG-Katalog von 1907, Bild oben, sieht man noch ganz deutlich den typischen Kurbelloch-Beschlag mit den Mickymaus-Öhrchen. Im Katalog von 1908, Bild unten, ist dieser hinter der Girlande verschwunden. Könntest Du bitte ein Detailbild dieses Bereichs von Deinem Grammophon einstellen.



Man beachte zudem die altertümliche Drehbremse ("pivot break") für den Plattenteller, deren Position auf der Deckplatte sich von 1907 bis 1908 ebenfalls veränderte. Gab es den Nachfolger, die Kanonenbremse, nicht bereits 1905?!
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Hedensö
Mo Jul 09 2018, 11:08

Dabei seit: Fr Jan 06 2012, 11:09
Einträge: 903
DGAG schrieb ...

Könntest Du bitte ein Detailbild dieses Bereichs von Deinem Grammophon einstellen.


Hier ist das Detailfoto des Kurbellochs:




Interessant ist, dass es von Innen keinerlei Verstärkung gibt. Üblicherweise ist die Blende aufgrund der Kurbelbewegungen unter Druck und die zwei Schräubchen der Mickey-Maus-Blende lockern sich sukzessive.
Bei späteren Geräten der Gramophone Co. hat man das auf der Gehäuseinnenseite "gegengeschraubt". Die Schrauben waren also durchgängig und auch auf der Gehäuseinnenseite befand sich dann eine weitere Blende, die verschraubt wurde.
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DGAG
Mo Jul 09 2018, 18:49
Dabei seit: So Dez 31 2017, 12:30
Wohnort: Berlin
Einträge: 155
Herzlichen Dank für die Detailaufnahme. Ist eine Stahlblechhülse eingesteckt oder reibt die Kurbel direkt an der Girlande?

Dass die Micky Maus-Kurbelblende sich durch das Taumeln der Kurbel beim Aufziehen lockert, konnte ich auch schon feststellen. Vor allem beim Monarch de Luxe No. 15b, Link - Hier klicken wo die Kurbel bauartbedingt nur ein kleines Stück im Gehäuse steckt.

Ich habe noch zwei Bilder aus der Phonographischen Zeitschrift vom 1. bzw. 15. August 1907, welche das De Luxe III zeigen.



Auf dem folgenden Bild sieht man den DGAG-Pavillon auf der Ausstellung für kleine Erfindungen in Berlin. Schräg hinter dem De Luxe III mit Lotustrichter, siehe Pfeil, welches auf einem Piedestal No. II de Luxe (ebonisierte Variante) steht, kann man ein Auxetophon mit Messingtrichter und dem damals ganz neu gestalteten Mahagonigehäuse schemenhaft erkennen.


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Hedensö
Mo Jul 09 2018, 20:18

Dabei seit: Fr Jan 06 2012, 11:09
Einträge: 903
Es ist eiine Hülse an der Girlande angebracht. Ob diese mit gegossen wurde oder angelötet ist, kann ich nicht sagen. dafür müsste man wohl die Girlange komplett demontieren.

Dadurch dass die Girlande mit der Harfe, also das komplette Teil mit 6 Nägeln am Gehäuse fixiert ist, bewegt sich dabei trotz Kurbelbewegungen überhaupt nichts.

Danke für die Bilder!
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