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Englisches "Loopingphone" von Tyrela
Moderatoren:SchellackFreak, berauscht, GrammophonTeam, Charleston1966, DGAG, Der_Designer, LoopingLoui
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Orthophonix
Sa Dez 27 2025, 00:08 Druck Ansicht
⇒ Mitglied seit ⇐: Mi Jun 04 2025, 13:02
Wohnort: Altstätten SG, Schweiz
Beiträge: 15
HERSTELLER: TYRELA
MODELL: ?
SERIENNUMMER: ?
JAHR: ca. 1930
DAMALIGER PREIS: ??
GEHÄUSE: sehr leichtes Holz, leichte Schlangenhaut-Maserung, Nadelbehälter an rechter vorderer Ecke wie bei Decca 10 (einfache Version der HMV/Electrola-Nadelbehälter), einfache Deckelhalter hinten wie bei günstigen Decca / Paillard / Thorens-Modellen, Plattenfach auf der Deckelinnenseite
PLATTENTELLER: Garrad
TRICHTER: grosser exponentieller Trichter, gesamtes Motorboard ist Metall und mit diesem verlötet (wie bei HMV 102 und diversen Thorens/Paillard Modellen aus dieser Zeit), innteressante Lackierung des Motorbords
MOTOR: Garrad No.20
SCHALLDOSE: war mit einer Meltrope 2 angeboten, die ist leider bei mir nicht angekommen...

INTERESSANTE DETAILS:
"Schlangentonarm" Made in England
voller Klang durch den grossen exponentiellen Trichter


Hallo,
Hier möchte ich ein Grammophon vorstellen, welches ich im Sommer diesen Jahres gefunden habe und eigentlich erst restauriert vorstellen wollte. Aber ich bin auch neugierig auf eure Anmerkungen und Einordnung, denn ich habe so etwas vorher noch nie gesehen oder davon gehört. Also stelle ich es hier in dem Zustand vor, in dem es bei mir angekommen ist...
(leider schaffe ich es nicht, alle Bilder aufrecht einzustellen, gibt es da einen Trick?)











Es ist ein recht grosses, aber sehr unauffällig und schlicht wirkendes Koffergrammophon, welches aussieht, als wäre es aus zugekauften Komponenten zusammengesetzt. Was dagegen spricht ist, dass die Komponenten auch nicht ganz die üblichen sind, aber eher einfacher (und leichter) als üblich wirken.
Es ist mit "Tyrela" gelabelt, ein englischer Hersteller, der in den 20er Jahren mit Grammophonen mit rundem Gehäuse aus Sperrholz eine gewisse Bekanntheit erlangte, sonst aber weitgehend unbekannt ist, auch auf englischen Seiten. Informationen oder wenigstens Abbildungen zu Koffergrammophonen der Marke habe ich nicht gefunden, schon gar nicht mit diesem Tonarm. Für einen so grossen Koffer ist es erstaunlich leicht.

Anbei der Grössenvergleich mit einem HMV/Electrola 101:






Das besondere dabei ist, dass es einen "Loopingphon"-Tonarm hat, der wiederum auf einem Sockel sitzt, der ihn als "Made in England" ausweist, mit Patentnummern. Wieweit der Rest des Tonarms englisch ist, weiss ich nicht, den Abbildungen von den originalen deutsch-schweizerischen Tonarmen nach ist er bezüglich Schrauben etc. etwas anders, soweit ich es vergleichen kann.
Der Sockel des Tonarms ist aus Zinkguss, der leider schon etwas buckelig und rissig ist. Es fehlt leider auch der Feststellmechanismus für den Tonarm im Sockel, hier werde ich mir etwas einfallen lassen müssen, falls nicht jemand so etwas als Ersatzteil haben sollte. So funktioniert es jedenfalls nicht wie gedacht.
Vor allem der federnde Teil bereitet mir etwas Sorgen, denn er muss ja so fest sein, dass es arretiert, aber auch nicht so hart, dass es mir die Schrauben aus dem Zinkguss reisst...


















Leider war genau dieses Grammophon für den Versand sehr schlecht verpackt worden, trotz meiner Bitte um ordentliche Verpackung mit entsprechenden Tipps, die ich immer sende, um so etwas zu vermeiden. Es kam mit vielen Platten im Plattenfach und fast gar keiner Polsterung innen, was dazu führte, dass beim Postfussball oder Paketweitwurf das Plattenfach innen herausgerissen ist und das Motorbord mit sämtlichen Schrauben ebenfalls aus dem Holz gerissen ist. Das Motorbord ist dadurch sogar verbeult und verzogen worden, hat viel abgeplatzte Farbe gehabt. Die Schalldose war wohl separat ausserhalb des Gerätes verpackt und ist durch die aufgerissene Ecke des Kartons herausgefallen. Sehr schade, denn die Meltrope 2 wäre wohl bei den besseren Schalldosen einzuordnen, hätte mich sehr interessiert. Es gab zwar eine entsprechende Entschädigung, das Gerät in besserem Zustand mit Schalldose wäre mir aber erheblich lieber gewesen.

Aber: ich werde dieses schlichte und doch interessante Gerät sicher im Rahmen des sinnvoll möglichen restaurieren und auch die Bilder nach Restauration einstellen!
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gramofan
Sa Dez 27 2025, 13:26
⇒ Mitglied seit ⇐: Sa Okt 01 2011, 20:32
Wohnort: bei Berlin
Beiträge: 1193
Orthophonix schrieb ...

(leider schaffe ich es nicht, alle Bilder aufrecht einzustellen, gibt es da einen Trick?)

Es ist ganz einfach die Bilder seitenrichtig einzustellen. Man muss sie nur vorher in einem Gafikprogramm entsprechend drehen. Dafür genügt das bei Windows standardmäßig mitgelieferte Programm "Windows-Fotoanzeige" (dort im Startbildschirm oben links das Symbol Dreiviertelkreis mit Pfeilspitze).
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Orthophonix
Sa Dez 27 2025, 13:40
⇒ Mitglied seit ⇐: Mi Jun 04 2025, 13:02
Wohnort: Altstätten SG, Schweiz
Beiträge: 15
Ja, das dachte ich auch, und genau so habe ich es gemacht. Im Thread erscheinen sie bei mir dann aber leider trotzdem wieder zurückgedreht.
Man kann sie im Thread anklicken, dann sieht man sie wieder aufrecht. Trotzdem wäre es schöner, wenn sie aufrecht übernommen würden.
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gramofan
Sa Dez 27 2025, 14:40
⇒ Mitglied seit ⇐: Sa Okt 01 2011, 20:32
Wohnort: bei Berlin
Beiträge: 1193
Hast Du die bearbeiteten Bilder auch gespeichert? (nicht bloß als Kopie - sonst musst Du natürlich die Kopie hochladen)
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Orthophonix
Sa Dez 27 2025, 19:20
⇒ Mitglied seit ⇐: Mi Jun 04 2025, 13:02
Wohnort: Altstätten SG, Schweiz
Beiträge: 15
Mein Arbeitsablauf mit den Bildern sieht wie folgt aus: ich nehme sie mit dem Handy (iPhone SE) auf, wo sie entsprechend drauf sind wie aufgenommen, und sende sie dann per Mail auf den Computer. Per Mail deswegen, weil ich so auf einfache Weise die Grösse ändern kann und sende sie mir mit mittlerer Grösse.
Dann kopiere ich sie aus dem Mail heraus in einen Ordner, und gehe sie mit dem Microsoft Bildbetrachtungsprogramm durch und drehe sie dann mit diesem Programm je nach Bedarf.
Von dem Ordner lade ich sie dann herunter in den Thread, wo sie dann eben wieder „entdreht“ ankommen.
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berauscht
So Dez 28 2025, 11:14
"Urgestein" Autor

⇒ Mitglied seit ⇐: Mi Jan 06 2010, 21:59
Beiträge: 2051
Wenn Du die Bilder mit "Windows-Fotoanzeige" betrachtest, klicke dort in das zu Drehenden Bild mit der rechten Maustaste und wähle "öffnen mit" und wähle dann "Paint" aus. Drehe dort die Bilder und speichere sie, dann sind die Bilder später auch zu 100 % in der Position wie du sie vorher gedreht hast.
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LoopingLoui
Mo Dez 29 2025, 00:52
"Moderator"

⇒ Mitglied seit ⇐: So Sep 26 2021, 19:14
Wohnort: Altkreis Bersenbrück
Beiträge: 886
Moin Alex und danke für die Vorstellung deines kuriosen britischen Koffers mit dem sogenannten "Balanstarm".
Nachdem unser verstorbenes Mitglied Uli seinerzeit diesen Beitrag aus dem Mai 1931 gezeigt hat, habe ich nach Spuren zu Loopingphon und Purophon in GB gesucht:
GrammophonTeam schrieb ...



Mai 1931


Vor ein paar Jahren fand ich dann bei Kleinanzeigen den folgenden Koffer, welcher einen demolierten Tonarm besaß und dennoch von mir zugeordnet werden konnte.




SuperRoyal ist genau wie bei deinem Koffer ein völlig unbedeutender britischer Hersteller gewesen, welcher mit Zukaufteilen arbeitete. Es bestehen eindeutig keine Verbindungen zur Firma Purophon! Auch hier war wieder der Zinkdruckguss ein unerfreuliches Problem - der Tonarm war in dieser Form nicht mehr funktionstüchtig und obwohl ich einen großen Bestand an Ersatzteilen hierfür besitze, kam man damit nicht weit, denn alle Bauteile haben kleine Abweichungen und andere Gewinde als die bekannten Tonarme der Firma Loopingphon. Diese Tonarme wurden also in Großbritannien in Lizenz nachgebaut. Ich habe den Tonarm also komplett ausgetauscht und dann den Koffer weiterverkauft, da ich mich ja nur auf Loopingphon spezialisiere.

Wenig später trat ich dann in Kontakt mit einem britischen Sammler, welcher einen solchen Tonarm einzeln besaß (auch wieder durch Druckguss bereits unbrauchbar geworden) und mir mit einem Scan einer Anzeige aus der Zeitschrift "The Gramophone" ausgeholfen hat:




Nun war klar: Statt das ein Hersteller allein Grammophone mit diesem Tonarm ausstatte, wurde er vielmehr öffentlich als einzelnes Bauteil für diverse Kofferhersteller oder auch Privatleute angeboten, um die eigenen Geräte damit auszurüsten. Davon machten ganz offensichtlich verschiedene Anbieter Gebrauch, auch wenn zwischen diesen keine Verbindung bestand.
Aktuell befindet sich im Lager auch noch ein weiterer britischer Koffer von mir mit diesem Tonarm und einem extra erhöhten Deckel mit vorderer Klappe für den Schallaustritt, wie er auch bei Loopingphon/Purophon als P220 vorkommt und geschlossen/getragen gespielt wird. Irgendwann werde ich mich gewiss auch darum mal kümmern...


Ein Rätsel gibt die gezeigte Anzeige aber noch weiterhin auf: Wer war Joseph Lecker?

Anhand der Patentnummer auf den britischen Tonarmen konnte ich das Patent für den bekannten Balance-Tonarm Herrn Ludwig Robert Hilgenberg aus Leipzig zuordnen, welcher das System erstmals in Deutschland am 5.08.1929 anmeldete und einen finalen Entwurf für die Massenanfertigung am 18.02.1931 nachreichte. Die Produktion und der Vertrieb des Tonarms (wieder ohne dazugehörigen restlichen Koffer!) erfolgte dann durch die Firma Magnet Company Sommer & Steiner, Leipzig und wurde auf der Leipziger Messe 1931 vorgestellt.
Die Magnet Company zeigte einen Patenttonarm, der, versehen mit einem Gegengewicht, es gestattet, die Platte in der Lage hängend, seitlich, auch ganz verkehrt, abzuspielen. Die Bedeutung dieser Erfindung liegt
vor allem darin, daß man künftighin Schallplatten im Auto, im fahrenden Zug und dergleichen spielen kann, ohne befürchten zu müssen, daß die Nadel durch die Erschütterungen aus der Rille herausspringt. Von authentischer Seite wissen wir, daß eine große englische Firma mehrere tausend Stück davon bestellt hat.
(Aus: Die Tonwiedergabe)
So schließt sich der Kreis...

Während es also in Großbritannien bei einem Zusatzbauteil blieb, wurde durch Purophon in der Schweiz und Loopingphon in Deutschland/Österreich bald der Alleinvertrieb von Geräten mit dem Balance-Tonarm übernommen.

Durch die Auswertung der "Phonographischen Zeitschrift" und der "Tonwiedergabe" vor ein paar Monaten bin ich inzwischen zu einigen neuen Erkenntnissen gekommen, welche es nötig machen den hier im Forum und auf meinem Blog bestehenden "Überblick über die Firma Loopingphon" zu aktualisieren.
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Orthophonix
Mo Dez 29 2025, 21:52
⇒ Mitglied seit ⇐: Mi Jun 04 2025, 13:02
Wohnort: Altstätten SG, Schweiz
Beiträge: 15
Hallo Melvin, ja, das ist das, was ich mir erhofft habe. Vielen Dank für Deine hervorragende Recherche über diese Tonarme! Dein englisches Grammophon mit dem "Balanstarm" sieht im Vergleich zu meinem luxuriös aus...
Vor ein paar Jahren hatte ich hier ein Grammophon mit solch einem Tonarm angeboten gesehen, unter dem Namen "Chanteclaire" verkauft. Es wäre sogar recht günstig gewesen und bei mir in der Nähe; da ich aber keine Ahnung davon hatte und nicht wusste, was es mit dem seltsam defekt wirkenden Tonarm auf sich hat, habe ich es nicht gekauft und ärgere mich im nachhinein bis heute darüber...

An sich ist es ja schade, dass diese Tonarme keine weitere Verbreitung fanden, es wäre doch für jede Firma vorteilhaft gewesen, so etwas zumindest auf Wunsch im Programm zu haben. Da hätte das Marketing der Magnet Company wohl einen besseren Job machen können...

Wegen des Druckgussproblems habe ich überlegt, einen Abguss von der Tonarmbasis zu machen und sie in Kunstharz neu zu giessen. Das müsste stabil genug für diesen Zweck sein, und man könnte die Tonarme weiter gebrauchen. Meine Basis wäre dafür sicher noch brauchbar, der Arm hat im Sockel kein grösseres Spiel. Leider habe ich aber auf diesem Gebiet gar keine Erfahrung und muss schauen, ob es realisierbar ist. Die Alternative wäre, den Sockel auf einer Drehbank neu anzufertigen. Ich kenne aber hier niemanden, der so etwas macht. Oder warten auf erschwinglichen 3D-Druck...

Nochmals vielen Dank, hat mich sehr gefreut und mir sehr geholfen.

@berauscht:
Vielen Dank, das werde ich beim nächsten mal so machen, hoffentlich klappt es dann.
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Orthophonix
Mi Dez 31 2025, 12:03
⇒ Mitglied seit ⇐: Mi Jun 04 2025, 13:02
Wohnort: Altstätten SG, Schweiz
Beiträge: 15
Ich hätte zu diesem Tonarm noch zwei Fragen, die alle interessieren dürften, die ein Interesse an diesem Tonarm haben:

In dem Englischen Artikel The Balanstarm oben steht sinngemäss, dass der Tonarm präzis auf den Tonarm und die Schalldose eingestellt (balanced) wäre. Wie wird das gemacht ?

Und: hat es bei diesem System einen erhöhten Plattenverschleiss ?
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