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HMV 102 blockiert nach Versand
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ChaplinCGN
Mo Mär 16 2026, 22:54 Druck Ansicht
⇒ Mitglied seit ⇐: So Mär 15 2026, 07:43
Wohnort: Köln
Beiträge: 5
Hallo Forum,

Ich bin liebe Musik auf Vinyl und habe mir über die Jahre auch einig Schellack-Platten aus den Bereichen Jazz, Blues zugelegt. Derzeit höre ich meine Schätze auf dem Plattenspieler mit Schellack Nadel.

Jetzt habe ich mir ein HMV 102 über Ebay zugelegt, weil ich den Original-Sound erleben möchte. Leider dreht der Teller nicht dem ersten aufziehen. Der private Verkäufer hatte mir ein Video geschickt, das zeigt, dass es vor dem Versand funktionierte.

Irgendwie scheint etwas blockiert zu sein seit dem Transport.

Habt Ihr da eine Empfehlung was ich da tun kann. Oder eventuell jemanden in der Region Köln, Bergisch Gladbach, der sich das anschauen kann? Oder kann ich mein Glück einfach beim Uhrmacher probieren?

Beste Grüße
ChaplinCGN

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Orthophonix
Mo Mär 16 2026, 23:58
⇒ Mitglied seit ⇐: Mi Jun 04 2025, 13:02
Wohnort: Altstätten SG, Schweiz
Beiträge: 22
Hallo Chaplin,

ein schönes Gerät hast Du da gefunden, soweit sichtbar, und im eher seltenen Farbton Braun!

Da die automatische Bremse und der Teller bereits abgebaut sind, kann es damit nicht zu tun haben.

Was ich öfter erlebt habe bei Motoren, die nicht oder nur kurz laufen, sind im Gerät beim Transport herumfliegende alte Nadeln, die sich im alten Fett an den Zahnrädern festgeklebt haben und dort den Fortgang hemmen.
Ich würde also den Motor mal ausbauen und einer kritischen Inspektion unterziehen, vermutlich wirst Du da fündig und danach läuft es wieder. Wenn es weiter streikt, würde ich nach einer zweiten Nadel im Motor suchen, habe ich auch schon gesehen...

Vorsicht: den Motor auf keinen Fall auseinanderbauen, wenn die Feder noch unter Spannung steht! Die unkontrollierte Federkraft kann einiges zerstören und ist gefährlich!

Beste Grüsse
Alex
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ChaplinCGN
Di Mär 17 2026, 06:30
⇒ Mitglied seit ⇐: So Mär 15 2026, 07:43
Wohnort: Köln
Beiträge: 5
Hallo Alex,
vielen Dank für die schnelle Antwort.

Das Gerät ist tatsächlich eine Schönheit, wie ich finde. ;-)

Tatsächlich steht der Motor unter Spannung, also habe ich da ein Problem. Ich werde es mal mit schütteln versuchen, um die evtl. Nadel zu bewegen. Sonst muss ich wohl zu einem Uhrmacher gehen mit dem unter Spannung stehenden Gerät.

Beste Grüße
Kai (ChaplinCGN)

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Orthophonix
Di Mär 17 2026, 18:43
⇒ Mitglied seit ⇐: Mi Jun 04 2025, 13:02
Wohnort: Altstätten SG, Schweiz
Beiträge: 22
Hallo Kai
schütteln wird vermutlich nicht viel bringen, denn wenn die Nadel am verharzten Fett klebt und dann noch eingeklemmt ist, wird sie sich so kaum lösen lassen. Motor aus dem Gerät ausbauen (sonst sieht man mit dem darumgeschlungenen Trichter nicht viel) und in Ruhe anschauen, die Nadeln ggfs. mit einer Pinzette, Spitzzange o.ä. herausnehmen. Das kann man auch machen, wenn der Antrieb unter Spannung steht, den Erfolg sieht man daran, dass der Motor plötzlich läuft (wenn er nicht allzu schlimm verharzt ist...).
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ChaplinCGN
Do Mär 19 2026, 06:34
⇒ Mitglied seit ⇐: So Mär 15 2026, 07:43
Wohnort: Köln
Beiträge: 5
Yep, meine Schüttelvesuche haben mal tatsächlich gar nix gebracht und ich war unsicher ob mir die Kiste um die Ohren fliegt, wenn ich den Motor ausbaue. Aber wenn Du sagst das ist möglich werde ich das mal probieren.

Falls es nichts bringt, kennt jemand einen Betrieb im Raum Köln, der sich mit Grammophonen auskennt?
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Rundfunkonkel
Do Mär 19 2026, 15:22
⇒ Mitglied seit ⇐: So Jul 03 2011, 16:48
Wohnort: Umkreis Köln
Beiträge: 1168
ChaplinCGN schrieb ...

Yep, meine Schüttelvesuche haben mal tatsächlich gar nix gebracht und ich war unsicher ob mir die Kiste um die Ohren fliegt, wenn ich den Motor ausbaue. Aber wenn Du sagst das ist möglich werde ich das mal probieren.

Falls es nichts bringt, kennt jemand einen Betrieb im Raum Köln, der sich mit Grammophonen auskennt?


Frage: lässt sich denn der Teller/Motor ein gewisses Stück rückwärts drehen, oder ist der da genauso blockiert? Idee dahinter: wenn eine Nadel in einem Zahnrad festhängt, könnte es vielleicht rückwärts herausfallen (wenn es das Fett nicht festhält), oder man erkennt zumindest, ob der Motor sich überhaupt noch bewegt. Natürlich nur sanft drehen, nicht mit Gewalt. Is' ja kein Trecker.
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gramofan
Do Mär 19 2026, 16:27
⇒ Mitglied seit ⇐: Sa Okt 01 2011, 20:32
Wohnort: bei Berlin
Beiträge: 1211
Hast Du mal die Geschwindigkeitseinstellung (Hebel vorn links) in beide Richtungen bis zum Anschlag verstellt (besonders nach rechts)?
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ChaplinCGN
Sa Mär 21 2026, 17:28
⇒ Mitglied seit ⇐: So Mär 15 2026, 07:43
Wohnort: Köln
Beiträge: 5
Leute, es läuft!!!!

Vielen Dank für die Einschätzungen und Tipps.

Als ich den Innenteil ausgebaut hatte war schnell klar das zwei der Halbkugeln nicht befestigt waren. Zum Glück waren die Schrauben noch im Gehäuse.

Jetzt werde ich noch die Dichtung der Soundbox ersetzten und dann mal probieren.
Noch Tipps zur Wartung, wo das Teil schon mal offen ist? Der Motor scheint mir nicht gerade rund zu laufen, keine Ahnung ob das noch verbessert werden kann.



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ChaplinCGN
Sa Mär 21 2026, 17:31
⇒ Mitglied seit ⇐: So Mär 15 2026, 07:43
Wohnort: Köln
Beiträge: 5
Das wollte ich Euch noch zeigen, wie cool, die Schmieranleitung von damals!

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Orthophonix
Mi Mär 25 2026, 00:31
⇒ Mitglied seit ⇐: Mi Jun 04 2025, 13:02
Wohnort: Altstätten SG, Schweiz
Beiträge: 22
Hallo Kai
Ja, das kann es auch sein. Jedenfalls das Gerät öffnen und mal nachschauen hilft meistens, die Probleme einzukreisen.

Weshalb ich schon vor einigen Tagen eine Antwort schreiben wollte und hoffe, dass es nicht zu spät ist: wenn die Schalldose gut klingt, würde ich sie von aussen reinigen und sonst komplett in Ruhe lassen. Ich habe bei diesen auch schon "Lehrgeld zahlen" müssen weil ich dachte, ich könnte sie durch Restauration und Innenreinigung verbessern. Wenn das gelingt, kann es schon besser werden, aber das geht dann meist bei den neueren 5B Modellen, bei denen die Rückwand noch o.k. ist.
Bei den älteren HMV 5A Schalldosen hat meist schon die "Zinkpest" zugeschlagen, eine innere Korrosion dieses Zinkgusses, aus dem der hintere Teil der Schalldose besteht, die hier schon in mehreren Threads behandelt wurde. Jedenfalls quillt dann bei diesen Schalldosen die Rückwand auf, wenn fortgeschritten daran zu erkennen, dass die Rückwand sich wölbt und im Verlauf Haarrisse bekommt, im fortgeschrittenen Stadium kann das den äusseren Messingring der Dose sprengen. Ich habe unten ein paar Bilder davon angefügt...

Wenn man nun versucht, diese Schalldosen zu sanieren, brechen oftmals als erstes die Messingschräubchen der Rückwand ab beim Versuch, diese herauszudrehen. An der vorderen Blende kann einem das auch passieren, wenn diese nach Bruch des Messingrings unter Spannung steht. Vorheriges einwirken von "Kriechöl" kann dem entgegenwirken, aber wenn alles so verzogen ist, kann es sein, dass sie schon vorher angebrochen sind, die Köpfe fallen dann ab. Ersatz ist schwer zu beschaffen, und die Rückwand dann noch nicht ab... Ausserdem muss man später den Rest der Schraube ausbohren etc., keine erfreuliche Arbeit.
Die Rückwand geht bei entfernten Schrauben dann meistens auch mit Gewalt nicht ab, da sie unter dem Messingring (Corpus) der Schalldose festklemmt. Man kann aber beim Versuch, sie zu entfernen, Teile des Randes derselben herausbrechen, was es auch nicht besser macht. Ein Trick ist, sie über Nacht in den Kühlschrank zu legen, damit sich das Zinkgussmaterial zusammenzieht. Von Hitzeanwendung wird abgeraten. In vielen Fällen ist jedenfalls die Rückwand nicht zerstörungsfrei abzubringen, und man muss noch aufpassen, dass man nicht die empfindliche Membran beschädigt bei der notwendigen Gewalt.
Wenn der Messingring (Corpus der Schalldose) gesprengt ist, kann es gehen, aber es kann auch sein, dass man bei mehreren Rissen später mehrere Teile hat und Mühe beim wieder zusammenbringen.

Sollte man es geschafft haben, die Rückwand zu entfernen, kann man innen nicht viel machen: bei dieser Schalldose sind die Dichtungen aus Filz, den man nicht ersetzen muss, soweit ich weiss bietet auch niemand Ersatz an. Sie ist beim hineinblasen nie dicht, auch wenn sie in Ordnung ist.
Was aber sein kann ist, dass mit den Jahren der Filz wie verdichtet ist, ich habe gute Erfahrungen gemacht mit herausnehmen und vorsichtigem durchwalken der Dichtungen, dass sie wieder flauschiger sind.
Es kann auch sein, dass die Membran im Dichtungsbereich Korrosionslöcher hat, vermutlich weil der Filz Feuchtigkeit gebunden hat. In dem Fall kann man alles Aluminiumoxyd davon vorsichtig entfernen, wenn die Löcher nicht über das Filzniveau herausgehen habe ich gute Erfahrungen damit gemacht, sonst nichts daran zu machen und sie mit den wieder flauschigen Dichtungen so wieder einzubauen. Der Klang kann anschliessend tatsächlich deutlich besser und auch lauter sein.

Deine Schalldose sieht auf den Bildern jedenfalls auch so aus, als ob sich die Rückwand bereits wölbt, also Vorsicht.

Anbei noch ein paar Bilder einer Schalldose, die ich mit einem HMV aus den frühen 30er Jahren erworben habe. Das Grammophon funktioniert voll und hat mich wenig gekostet, sonst hätte ich es so nicht gekauft. Aber diese Schalldose hat immer noch einen sehr guten Klang, und ich werde nicht versuchen, ausser der bereits erfolgten äusserlichen Reinigung etwas zu verändern.















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