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ABPLATZER am Rand
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Nicoletta
Sa Mär 21 2026, 14:29 Druck Ansicht
⇒ Mitglied seit ⇐: Do Jan 29 2026, 08:13
Wohnort: Baden-Württemberg - Ehingen (Donau)
Beiträge: 80
Ich war ja die letzten Wochen fleißig in England bestellen. Von fast neuen Platten waren aber auch 7 Platten mit Abplatzern am Rand dabei. Manche sind nur oberflächlich am Rand abgeplatzt, bei anderen ganze Stücke rausgebrochen. Nun schwanke ich zwischen wegwerfen und reparieren. Ist es überhaupt möglich Abplatzer Zuhause zu reparieren oder müsste man sie einen Fachmann übergeben?

Gebrochene Platten habe ich zerkleinert in einer Box. Vielleicht wird es mal Bastelmaterial verwendet oder entsorgt. Lassen sich Plattenstücke eventuell einschmelzen, um die Platten mit Abplatzern zu retten?

[ Bearbeitet Sa Mär 21 2026, 18:26 ]
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Grammo
Sa Mär 21 2026, 15:59
⇒ Mitglied seit ⇐: Mo Nov 23 2015, 21:53
Wohnort: Hannover
Beiträge: 77
Schellackplatten mit Ausbrüchen, tiefen Kratzern oder Sprüngen sind ideal um sie auf dem Grammophon oder auf PickUps mit Stahlnadeln und schwergewichtigem Tonarm abzuspielen.
Bei wirklich guterhaltenen Platten habe ich dabei immer ein schlechtes Gewissen und traue mich nicht wirklich, da der Rillenabrieb schon spürbar ist. Für die Guten lieber einen Plattenspieler mit Leichttonabnehmer und N-Saphir ab Baujahr 50er Jahre aufwärts. Da kommt dann auch gleich ein ganz anderer Klang raus.

Theoretisch müsste man das Schellackmaterial schmelzen können, die Platten sind thermoplastisch, habe ich aber noch nie ausprobiert.

Was sich aber schon mehrfach hervorragend bewährt hat, meine Methode um stark verwellte und auf dem Plattenspieler deshalb nicht mehr spielbare Schellackplatten wieder 100% glatt zu bekommen.

Einfach zwei glatte und saubere Glasplatten bzw. Glaseinlegeböden nehmen und mit der Platte dazwischen im Sommer 45 Minuten in die pralle Sonne legen. Dann vorsichtig in den Schatten bringen und über Nacht abkühlen lassen. Der Bereich des Papierlabels muß allerdings von außen abgedeckt werden, sonst bleicht es aus.

Die Schellackplatte wird dabei knallheiß. Ich hatte erst bedenken, daß die Rillen schmelzen oder sich klanglich verändern könnten. Das ist aber noch nie passiert und das Ergebnis war jedesmal perfekt :-)

(Mit Vinylplatten oder Schallfolien funktioniert das in praller Sonne leider nicht)
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Nicoletta
Sa Mär 21 2026, 17:02
⇒ Mitglied seit ⇐: Do Jan 29 2026, 08:13
Wohnort: Baden-Württemberg - Ehingen (Donau)
Beiträge: 80
Verstehe ich lege die Platten zwischen Glasplatten in die Sonne und die Abplatzer verschwinden. ;-)

Deinen Therad mit den welligen Platten habe ich bereits gelesen und finde ihn sehr gut. Mir ging es aber hier um Abplatzer also ausgerechnet Stücken.
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gramofan
Sa Mär 21 2026, 18:25
⇒ Mitglied seit ⇐: Sa Okt 01 2011, 20:32
Wohnort: bei Berlin
Beiträge: 1211
Wenn Dich die Abplatzer optisch stören, kann man sie gut mit Hartwachs, wie es z.B. beim Schuhmacher zum Färben von Absätzen verwendet wird, auffüllen. Sind Bereiche betroffen, die eigentlich Rillen mit Musikinformation enthalten müssten, ist eine Reparatur nicht praktikabel. Hier müssten ja nicht nur die Rillenfragmente ergänzt und zum richtigen Anschluss weitergeführt, sondern auch die Musikinformation rekonstruiert werden. Ich will nicht ausschließen, dass das mit großem maschinellem Aufwand (z.B. einem computergetseuerten Laser) denkbar wäre, für einen Heimanwender gibt es aber wohl keine Möglichkeit.
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Nicoletta
Sa Mär 21 2026, 18:28
⇒ Mitglied seit ⇐: Do Jan 29 2026, 08:13
Wohnort: Baden-Württemberg - Ehingen (Donau)
Beiträge: 80
Danke. Sie gehen nicht bis in die Rillen hinein. Dann probiere ich es mal mit Hartwachs.
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hotandmono
So Mär 22 2026, 07:09
⇒ Mitglied seit ⇐: So Feb 18 2024, 12:22
Wohnort: rechts vom Alpenrhein
Beiträge: 4
Na ja, wir sammeln Platten, die schon öfter gespielt und teilweise auch misshandelt wurden, Ein reiner Abplatzer, der nicht in die Einlaufrille reicht, ist halt. Und dann gibt es auch Scheiben, wo 2-3 Rillen (obwohls nur eine Rille gibt) beschädigt sind, dann leg ich halt den Saphir etwas weiter innen auf.
Und es spielen sich Platten mit el. Aufahme, ab ca 1925 eklatant besser mit einem modernen Leichttonabnehmer und einem Verstärker der 60er (Harman Kardon, Kenwood Grundig etc), Musik tönt überraschend gut und die Platte dankts mit Lebensdauer.
Werte Nicoletta, sie wohnen ja im Epizentrum der ehem. Plattenspielerproduktion, da findet sich sicher was.
Bei mir auf dem Grammophon spielt ab und zu ein Caruso, oder div. ländliche Musik als Vorführbeispiel.
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Grammo
So Mär 22 2026, 10:04
⇒ Mitglied seit ⇐: Mo Nov 23 2015, 21:53
Wohnort: Hannover
Beiträge: 77
Hartwachs ist nicht wirklich stabil und wäre nur eine rein optische Korrektur, der eignet sich gut um Macken in Holz auszubessern.
Könnte mir eher vorstellen von Schellackscherben Pulver abzuraspeln und das mit Klarlack oder schwarzer Farbe zu mischen.
Aber wie gesagt, ich habe es noch nie gemacht. Platten mit durchgehendem Sprung fixiere ich am Rand immer mit Tesafilm um sie mit der Stahlnadel abspielen zu können.
Falls was Hörenswertes drauf ist.
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Rundfunkonkel
Di Mär 24 2026, 02:35
⇒ Mitglied seit ⇐: So Jul 03 2011, 16:48
Wohnort: Umkreis Köln
Beiträge: 1168
Das Thema Randabplatzer hatten wir seinerzeit auch schon mal. Ich habe damals mit einfachem Kerzenwachs versucht, diese Stellen aufzufüllen. Rand mit Klebeband abgeklebt, Wachs erhitzt, reingetropft. Am Ende plan mit der Rasierklinge auf eine Ebene gehohnt. Mit elektrischem Plattenspieler taugte das sogar zum abspielen, wenn man im Rillenbereich fehlende Rille nachgeschnitten hatte. Problem ist halt, dass Wachs zu weich ist, und auch wieder rausfallen kann.

Eine noch nicht getestete Idee wäre UV-Kleber. Gibt es in so kleinen Fläschchen, oft mit UV-LED-Lampe dabei. Flüssig ausfüllen, dann aushärten - sollte stabil genug sein.

Gebrochene Platten lassen sich, mit Okular und Kunststoffklebstoff von der Marke mit dem Vogel, zum Teil wieder hervorragend kleben. Dieser Kunststoffkleber löst die Klebefläche an, statt etwas in den Riss einzufüllen. Ergibt nahtlose Reparaturen, wenn die Platte nicht verzogen war. Manchmal passt es deswegen nämlich auch nie, aber das sieht man ja schon vor der Klebearbeit beim Zusammenschieben der Teile. Angebrochene Platten fixiere ich damit auch. Arbeit auf einer Glasplatte ist wegen planem Fügen hilfreich.

Schellackplatten bügeln: Ja, Glasplatten in der Sonne funktionieren recht gut. Aber: man sollte mit einem Thermometer die Oberflächentemperatur genau beobachten. 51 Grad Celsius haben sich bei mir mit einem alten, digitalen Innen-Außenthermometer als am zweckmäßigsten erwiesen. Darüber kann es zu weichen Rillen kommen, also später plattgedrückte Bereiche. Das hört man und sieht man auch. Darunter ist die Platte nicht wirklich weich, und legt sich nicht sauber. Geschätzt waren es letztes Jahr über 50 wellige Platten an denen ich das optimieren konnte. Clangor scheinen ziemlich früh weich zu werden (Kunststoffanteil?), da ist besondere Vorsicht geboten. Langsames Abkühlen lassen im Schatten. Ich hatte zum Schluss drei Zweiersets Glasplatten, für durchgehendes Bügeln im Dauerbetrieb. Hatte mal einen Schwung 30 cm Klassik Platten bekommen, die zwar wie neu waren, aber auf dem Dachboden mal warm wurden.

Jedenfalls war es definitiv zu heiß, wenn man eine 25 cm Platte in die Sonne legt, und nachher eine 30 cm Platte reinholt...
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