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Deutsche Grammophon, Label "Künstler-Schallplatte Grammophon"
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somberrecords
So Apr 26 2026, 19:58 Druck Ansicht
⇒ Mitglied seit ⇐: Fr Mai 01 2020, 14:40
Wohnort: Emden
Beiträge: 69
Hallo zusammen!
Letztens habe ich von einem Nachbarn (!) zwei Mappen mit 30-cm-Schellacks bekommen, die er bei der Auflösung seines Elternhauses auf dem Dachboden gefunden hat. Darunter waren einige Platten mit dem Label "Künstler-Schallplatte Grammophon".
Bei Discogs und in anderen Quellen wird vermutet, dass diese Serie mit akustischen Aufnahmen erst 1926/27 startete, um sie neben den elektrischen Neuaufnahmen mit einem hübschen Label noch einmal zu vermarkten. Dagegen spricht, dass es sich um eine hochpreisige Luxusserie mit Vorkriegsaufnahmen handelte, mit der die Deutsche Grammophon zum Ärgernis der Grammophon Co. aus England auf den deutschen und mit der Marke "Polydor" auch auf den internationalen Markt drängte.
Die Platten, die sich in diesen Mappen befanden, finden sich jedenfalls schon ausnahmslos in dem Nachtrags-Katalog von 1924, den ich gerade hochgeladen habe.








Die übrigen Platten in den Mappen waren übrigens allesamt akustische Aufnahmen auf Parlophon, Odeon und Vox, die ebenfalls aus der Zeit um 1923/24 stammten.
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shellackotto
Di Apr 28 2026, 13:38
⇒ Mitglied seit ⇐: Di Feb 15 2022, 21:53
Wohnort: USA
Beiträge: 126
Frage mich, wieviel Reichsmark (RM) die 30 cm Künstlerschallplatte Grammophon mit der Preisklasse 11 m gekostet hat. Ich habe mal eine Detail-Verkauspreisliste für "Grammophon"-Schallplatten heruntergeladen, aber 11 m war nicht dabei.
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Polyfar41
Di Apr 28 2026, 18:00
⇒ Mitglied seit ⇐: Fr Feb 24 2017, 11:27
Wohnort: Frankfurt am Main
Beiträge: 151
Also die Aufnahmen aus den Jahren 1913 (Troubadour) bzw. 1908 (Aida) der beiden abgebildeten Platten tragen die Preisschlüssel "11M" und "20M".
Ist das eventuell denkbar, dass das einen Verkaufspreis von 11 bzw. 20 Reichsmark bedeutete?
Ich habe hierzu noch nie Angaben gefunden.

Alle Aufnahmen mit Caruso, die zwischen 1904 und 1920 entstanden, stammten ja von der amerikanischen Victor Talking Machine Company in Camden, New Jersey.
Sie wurden in USA auf dem Victor Red Seal Label (eingeführt 1903) vermarktet, das einen der Grammophon Künstler-Schallplatte ähnlichen Zweck verfolgte, nämlich die hochrangigen Künstler auf besonderem Etikett möglichst hochpreisig zu vermarkten. Und das ab Erstveröffentlichung der Aufnahmen. Auch das rote Victrola Label (ab 1908) für 3 $ (einseitige Platten bis 1923) war den teureren Interpreten vorbehalten und war schon "hochpreisig".
Die Red Seal Platten kosteten zwischen 1$ und 7$, wobei man den Superstar Caruso wahrscheinlich eher am oberen Ende der Skala sehen kann. Das war deutlich mehr als der Normalpreis für Schellacs betrug. Ein Plattenpreis von 7$ entsprach damals fast dem 10-fachen Preis einer Standardplatte mit populärer Musik.
So gesehen kann ich mir einen Preis von 10 Reichsmark oder mehr in Deutschland für die DG-Künstler-
Schallkplatte durchaus vorstellen.
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berauscht
Di Apr 28 2026, 18:19
"Urgestein" Autor

⇒ Mitglied seit ⇐: Mi Jan 06 2010, 21:59
Beiträge: 2085
Polyfar41 schrieb ...

Also die Aufnahmen aus den Jahren 1913 (Troubadour) bzw. 1908 (Aida) der beiden abgebildeten Platten tragen die Preisschlüssel "11M" und "20M".
Ist das eventuell denkbar, dass das einen Verkaufspreis von 11 bzw. 20 Reichsmark bedeutete?

Das "M" steht für eine 30 cm Platte
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shellackotto
Di Apr 28 2026, 18:28
⇒ Mitglied seit ⇐: Di Feb 15 2022, 21:53
Wohnort: USA
Beiträge: 126
Wäre schon schön, wenn 11 m für RM 11 stände. Das hätte es aber schwerer gemacht, die Preise nach Belieben zu erhöhen. Daher die Preisklassen. Ich habe mal ein Bild der oben erwähnten "Grammophon" Preisliste angehängt, die die meisten Preisklassen aufzählt, aber eben nicht 11 m.
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shellackotto
Di Apr 28 2026, 20:55
⇒ Mitglied seit ⇐: Di Feb 15 2022, 21:53
Wohnort: USA
Beiträge: 126
Jetzt kann ich meine eigene Frage dank dieses Forums selbst beantworten. Grammo-Klaus hat netterweise die Grammophon Platten-Preisliste Nr. 7 hochgeladen. Sie zeigt, dass 11 m für 30 cm Platten steht, die RM 12.- kosteten.
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somberrecords
Sa Mai 02 2026, 15:45
⇒ Mitglied seit ⇐: Fr Mai 01 2020, 14:40
Wohnort: Emden
Beiträge: 69
Ich halte es durchaus möglich, dass die Preisklassen vor dem ersten Weltkrieg tatsächlich den Preis in Goldmark darstellten! Das Fehlen einer Preisklasse "1" deutet darauf hin und der Preis für Schallplatten ging bei 2 Mark los. Andererseits gab es wohl auch Platten, die tatsächlich 20 Mark gekostet haben, heute grob umgerechnet fantastische 200 Euro! Der Zusatz "m" für 30-cm-Platten stammt noch von der alten Bezeichnung "Monarch Record" für dieses Format.
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Musikmeister
Mo Mai 04 2026, 18:29
Autor
⇒ Mitglied seit ⇐: So Aug 21 2011, 21:23
Wohnort: Hamburg
Beiträge: 1128
somberrecords schrieb ...




Die Bestellnummer 78518 für diese Platte wurde erst ab September 1924 vergeben, davor lief sie vom Kriegsende bis zum Hauptkatalog 1924 vom Mai 1924 noch unter 78532 (vor Kriegsende ohne Bestellnummer nur mit Angabe der Katalognummer). In diesem Hauptkatalog werden auch diverse Künstler mit Bildern beworben und mit Künstler-Schallplatten bezeichnet. Einen früheren Hinweis auf diese Künstler-Schallplatten habe ich noch nicht gefunden. Auch keine Infos, ob alle Platten der 78xxx und 80/85xxx-Serien als Künstler-Schallplatten erschienen sind.

Zu den Preisklassen:
Eine "11m"-Platte kostete ab Juni 1919 33 Mark (eine "normale" 4m kostete 13,75 M), ab Januar 1920 dann 63 Mark (eine "normale" 4m kostete jetzt 42 M) . Die noch teuere Preisklasse "20m" wurde erst später eingeführt (spätestens im Mai 1924 mit Einführung der 85xxx-Serie). Für Ende 1924 liegen mir nur Preise in stark inflationären österreichischen Kronen vor, kurz vor Einführung des Schilling in Österreich. Eine "11m"-Platte sowie auch eine "20m"-Platte kosteten da 130.000 ö.Kr. (eine "normale" 4m kostete 90.000 ö.Kr.).
Zum Vergleich: eine 25cm-Polyphon kostete 45.000 ö.Kr., eine 30cm-Polyphon 70.000 ö.Kr.
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shellackotto
So Mai 10 2026, 07:19
⇒ Mitglied seit ⇐: Di Feb 15 2022, 21:53
Wohnort: USA
Beiträge: 126
Herzlichen Dank für diese früheren Aufschlüsselungen der Preisklassen 11 m, 4m usw. Wie die Preise so hochziehen zwischen 1919 und 1920 veranschaulicht wunderbar, wie schlimm die Inflation in der Nachkriegszeit war. Mit der Einführung der Rentenmark am 12. November 1923 war der Spuk dann zum Glück vorbei. Das heisst, keiner dieser Preise wurde je für die Künstler-Schallplatte "Grammophon"-Serie mit dem speziell für diese Serie gestalteten Label verlangt, da diese Serie ja erst im Herbst 1924 eingeführt wurde.
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