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Grammophone in BildernGrammophongalerie


Austin Egen - Schlager-Komponist, Sänger und Musikverleger



2.1.2.3. Austin Egen in Wien

Vom 20. Juni 1922 bis zum 16. April 1924 ist Austin Egen unter dem Namen „Austin Eigen“
in Wien VI, Girardigasse 3/10 mit dem Vermerk „vorher: Chicago“ gemeldet. 49 Austin Egen
gibt diese Adresse mit dem Vermerk „c/o Rochel / Girardigasse 3 / Wien VI“ und der
Telefonnummer „Phone: 2422/2“ an. 50 Auch in seinem Antrag auf Mitgliedschaft bei der
AKM ist diese Adresse angegeben. 51 Es ist dies die Adresse seines Onkels Augustin Rochel,
einem der Brüder seiner Mutter. 52 Vom 26. Mai 1924 bis zum 2. September 1924 ist er in
Wien VIII [sic!], Lerchenfelderstraße 13/53 gemeldet. Der Abmeldevermerk lautet auf
„unbekannt“. 53 Anlässlich eines Besuches bei seinen Verwandten mütterlicherseits in Unterfladnitz
in der Steiermark schreibt Austin Egen seinem Cousin Alfred Teischinger und dessen
Eltern einen launigen Vers ins Gästebuch:

„Herrn Ingenieur, Madame und Sohn
wünsch ich als junger Vetter
dass Ihnen [sic!] Lebensglück zum Lohn
und häufig schönes Wetter
Euer
Austin Egen
(mehr bekannt als ‚Gustl‘)
4.12.1922“ 54


Bereits am 10. Juli 1922 waren bei Familie Teischinger sowohl Augustin Rochel als auch
August Meyer-Eigen zu Gast, wie im Gästebuch mit je einer Eintragung ersichtlich ist:

„Gottes Segen walte über Euren Haushalt!
Liebe u. Geduld werden das Übrige tun!
10./7 1922 Euer alter Onkel
Augustin Rochel
FMLaD [Feldmarschall-Leutnant a. D.]


In der ‚Ehe‘ liegt nicht nur des Staates
Glück, auch das individuelle! Dem jungen
Paare des Himmels und des Lebens Segen!
10/7 1922 AMeyerEigen. –
der andere Onkel ‚August‘. –“ 55


Als wichtigen Schritt für seine Tätigkeit als Komponist beantragt Austin Egen im Dezember
1922 die Aufnahme in die Gesellschaft der Autoren, Komponisten und Musikverleger
(AKM), die Anfang 1923 bestätigt wird. 56 Er wird bis zu seinem Tod als Komponist und
Autor Mitglied dieser Verwertungsgesellschaft sein. Dem Antrag legt Austin Egen ein kurz
gefasstes 15-zeiliges maschinschriftliches Schreiben bei, in dem er neben einigen wenigen
biografischen Angaben auch Informationen zu seiner Schulbildung, seiner musikalischen
Ausbildung und seinen Erfolgen als Komponist mitteilt. Vermutlich um sein Image als junger
Komponist mit attraktivem persönlichen Hintergrund in den USA darzustellen und es als
Neuling in der Branche zu heben, sind seine Angaben überwiegend falsch.

„Austin Guy Monroe Egen geboren am 28./III. 1897 in Milwaukee W.S.
Vereinigte Staaten von Nord-Amerika. 57Vater Amerikaner aus Holland
stammend, 58 der eigentliche Familienname statt EGEN – EIGEN. Mutter
Oesterreicherin, bekannt auf der österreichischen Bühne vor etwa 30 Jahren, unter
dem Namen Marie ROCHELLE. 59 Ich habe folgende Schulbildung genossen:
Volksschule und Mittelschule und hatte vor, mich zum Diplomaten auszubilden.
Ich habe deshalb die Universität besucht in Dartemouth [sic!] U.S.A. 60 Musik
habe ich nie studiert, sondern spiele lediglich nach Gehör. Mein größter Erfolg
war Japanese Sandeman [sic!] 61 800.000 Auflage, ferner O my o may, 62 ca.
400.000 Auflage, sowie 10 weitere Lieder. Von den in Amerika erschienenen
Liedern, besitze ich keine hier. Da meine Mutter Oesterreicherin ist, wollte sie
nach Europa übersiedeln und da ich das einzige Kind bin, habe ich mich
entschlossen, mitzugehen und führe hier weiter meine Kompositorische Tätigkeit.
[e.h. Unterschrift] Austin Egen“ 63


Am 17. Jänner 1923 beantragt Austin Egen am Amerikanischen Konsulat in Wien eine
weitere Passverlängerung. Er gibt als Grund für seinen Aufenthalt eine exakte Beschreibung
seiner zukünftigen Tätigkeit an:

„I came to Vienna, Austria, to compose and to publish American Dance music
with European publishers since there is a demand for such music in Europe at the
present time. I desire to remain as long as it is profitable [...]“ 64


Im Oktober 1923 zeigt die Roehr AG Berlin die Errichtung einer Zweigniederlassung an der
Adresse der Edition Bristol, Mahlerstraße 6, Wien I. an. Von hier erfolgt die Gesamtauslieferung
für Österreich, Jugoslawien und die Balkanländer. 65

Im März 1924 ist Austin Egen vermutlich bereits Mitarbeiter des Musikverlages Roehr AG
in Wien I, Mahlerstraße 6. An der gleichen Adresse befindet sich der Musikverlag Edition
Bristol (s. Kap. 3.2. und 4.3.).

2.1.3. Erfolgsjahre in Berlin

Von Herbst 1924 bis Herbst 1932 lebt Austin Egen in Berlin. Es ist die in jeder Hinsicht
erfolgreichste und produktivste Zeit seines Lebens. Hier kann er seine Tätigkeiten als
Komponist, Sänger und Verlagsmitarbeiter bzw. Verleger gekonnt kombinieren. Die Querverbindungen
und Synergien dieser drei Tätigkeitsbereiche dürften die – laut eigener
Darstellung – mangelnde musikalische Ausbildung aufgewogen haben. Als Basis dient ihm
seine Position im Musikverlag Roehr, eines in den 1920er Jahren in Berlin sehr erfolgreichen
Musikverlages für Unterhaltungsmusik. Es entstehen die meisten seiner Kompositionen und
die meisten seiner Schallplattenaufnahmen, zum Teil mit den renommiertesten
Tanzorchestern Berlins. Er heiratet und ist damit mit dem Musikverleger Curt Max Roehr
verschwägert. Er bezieht mit seiner Frau 1930 eine Neubauwohnung im Bezirk Wilmersdorf.
Mit dem Konkurs des Musikverlages Roehr und der Übersiedlung nach Österreich im Jahr
1932 findet die „persönliche Erfolgsgeschichte“ ein Ende.

Am 16. Februar 1925 wird zwischen Austin Egen und der Roehr AG der erste in Berlin unterzeichnete
Verlagsvertrag zu Fayum – Du stolze Frau geschlossen.66 Zwischen November
1925 und Mai 1932 korrespondiert Austin Egen von der Adresse des Musikverlages Roehr in
Berlin mit der AKM in Wien bezüglich seiner eigenen Werke. 67

Als Bankverbindung für den Erhalt von Tantiemenzahlungen gibt Austin Egen im Mai 1926
sein „Conto bei der Commerz- und Privatbank, Depositenkasse AB, Berlin W.8, Krausenstr.
4/5“ an. 68

Am 11. August 1926 heiraten Austin Egen und Florence Herzog in Berlin. 69 Der Autor Fritz
Rotter widmet 1929 einen Schlagertext an „Florence Egen“. 70 Daher ist das im Totenbuch der
Pfarre Frohnleiten eingetragene Heiratsdatum (5. Jänner 1931) falsch. 71 Vom 12. Oktober
1926 bis zum 1. Oktober 1927 ist Austin Egen stellvertretender Vorstand der Roehr AG mit
der Wohnadresse Zähringerstraße 26 in Berlin-Wilmersdorf.72 Bei der am 26. Februar 1927
stattfindenden Heirat zwischen Ardie Alexander Otto Roehr, Vorstand der Roehr AG und
Adoptivsohn von Curt Max Roehr, und Hildegard Schwarz ist Austin Egen Trauzeuge. 73

Als Wohnadressen sind 1928 die Landhausstraße 36 74 und ab 1930 die Paulsbornerstraße 76
dokumentiert – an letzter Adresse mit Telefon75 – unweit der Wohnung von Robert Stolz in
der Paulsbornerstraße 85. Für den 19. oder 20. Dezember 1928 kündigt Austin Egen einen
Besuch in Wien an und vereinbart mit der AKM die Abholung eines Tantiemenvorschusses.76
Ab März 1929 ist Austin Egen ordentliches Mitglied der AKM.77

Ab 3. Mai 1929 ist Austin Egen für drei Wochen im Sanatorium Weidner in Dresden.78 Im
Juli 1929 beantragt er bei der AKM einen Vorschuss, weil er „eben eine eigene Wohnung
erstanden habe“ und „aus gesundheitlichen Gründen dringend einer Erholung“ bedürfe.79
Dieser Antrag wird abgelehnt.80

Im April, Oktober und Dezember 1930 erfolgen auf Anweisung Austin Egens Tantiemenzahlungen
der AKM an seinen Vater August Meyer-Eigen in Frohnleiten Nr. 147 auf dessen
Bankkonto bei der Österreichischen Creditanstalt für Handel und Gewerbe in Graz.81 Im
November 1931 weist Austin Egen die AKM an, die nächste Tantiemenzahlung an seine
Frau, Florence Egen, Paulsbornerstraße 76 in Berlin-Halensee zu senden.82 Dies erklärt sich
aus einem späteren Brief Austin Egens an die AKM, in dem er über die finanziellen
Schwierigkeiten des Musikverlages Roehr berichtet, für den er „über 8 Jahre tätig war“, und
von dem er seit Oktober 1931 kein Gehalt mehr erhalten habe.83 Im September 1932 weist
Austin Egen die AKM an, die nächste bereits angekündigte Zahlung zu seinen Handen
an seine Privatadresse in der Paulsbornerstraße 76 in Berlin-Halensee zu senden.84 Ab
11. November 1932 korrespondiert Austin Egen ausschließlich von Frohnleiten.85

2.1.4. Rückkehr nach Österreich mit Wohnsitz in Frohnleiten

Mit dem Umzug von Deutschland nach Österreich verändert sich die Situation für Austin
Egen erheblich. Seine Kontakte nach Berlin sind äußerst gering, seine neue Ausrichtung sind
die Musikverlage, Schallplattenfirmen und das Radio in Wien. Nur mit einigen wenigen
Musikern kann er eine neue Zusammenarbeit aufbauen. Die Anzahl der eigenen Schlagerkompositionen
geht rapide zurück zugunsten der Interpretenrolle. Nach der Machtergreifung Hitlers in Deutschland im Jänner 1933 kommen erste Exilanten nach Österreich und erhöhen
den Konkurrenzdruck.

Im Oktober 1932 übersiedelt Austin Egen mit seiner Frau Florence nach Frohnleiten in der
Steiermark, etwa 30 km nördlich von Graz.86 Es ist dies nunmehr sein „ständiger
Aufenthaltsort“.87 Im November 1932 legt Austin Egen der AKM als Bestätigung seiner
amerikanischen Staatsangehörigkeit einen Brief des Amerikanischen Konsulats in Wien vor.88

Im März 1933 erwähnt Austin Egen, dass er „einige Zeit auf Tournee“ war, wofür keine
exakten Quellen vorliegen, jedoch finden seine letzten Schallplattenaufnahmen in Berlin mit
dem Orchester Oscar Joost vermutlich im Februar 1933 statt. Es handelt sich dabei allerdings
um eine bei Künstlern gängige Floskel zur Bezeichnung von Zeiten ohne Engagement. Vom
19. bis 29. Juni 1933 ist Austin Egen „geschäftlich“ in Berlin und erreichbar „p. A. Dr.
Heydemann, Berlin Wilm.[ersdorf] Xantenerstr. 20“.89 Diese Adresse befindet sich wenige
hundert Meter entfernt von seiner früheren Wohnung in der Paulsbornerstraße 76.

Ab 1934 sendet Austin Egen an die AKM regelmäßig Ansuchen um Tantiemenvorschüsse,
die ihm jeweils in der Höhe von 200 bis 300 Schilling gewährt werden.90 Im Mai 1935
erwähnt er einen geplanten Kuraufenthalt, Quellen oder weitere Hinweise dafür liegen nicht
vor.91 Für den November 1935 plant Austin Egen eine Reise nach Berlin in Sachen des
Konkurses des Musikverlages Roehr und kündigt sich auf der Durchreise in Wien am
19. November 1935 vormittags bei der AKM zwecks Abholung eines Vorschusses an.92 Für
die Jahre 1936 und 1937 ist die Zusammenarbeit in Wien mit Heinz Sandauer und seinem
Orchester im Radio und bei Schallplattenaufnahmen nachweisbar (vgl. Anh. 2. u. Kap. 5.1.).

Mit grundbücherlichem Eintrag vom 18. März 1939 übernimmt Austin Egen das Eigentum
am Grundbesitz in Frohnleiten mit einem Belastungs- und Veräußerungsverbot, das nach dem
Tod der Mutter wieder gelöscht wird.93 Im September 1939 erhält er von seinem Onkel Max
Meyer in Düsseldorf, dem Bruder seines Vaters, ein Darlehen von 5.000 RM, das mit
Pfandrecht im Grundbuch besichert wird.94 Etwa ab 1940 betreibt Austin Egen ein kleines
Café am Griesplatz in Graz. Neben dem „Café Braun“ als alteingesessenes, renommiertes
Kaffeehaus befinden sich insgesamt sechs sogenannte „Kaffeeschenken“ am Griesplatz.95

Austin Egen stirbt am 18. August 1941 um 19.30 Uhr im Alter von 44 Jahren in seinem Haus
in Frohnleiten, Erzherzog-Johann-Straße 5.96 Als Todesursache wird Lebercorrhose (=Leberzirrhose)
festgestellt.97 Das Begräbnis findet am 20. August 1941 um 16 Uhr in Frohnleiten
statt.98 Die Bestattung erfolgt im Mauergrab Nr. 85.99 Das Grab ist inzwischen neu belegt.100






In einem maschinschriftlich verfassten und eigenhändig unterfertigten Testament (ohne
Unterschrift von Zeugen und ohne notarielle Beglaubigung), datiert mit 29. Juli 1941, verfügt
Austin Egen, dass seine Frau sein „sämtliches Hab und Gut“ sowie „sämtliche Rechte“ aus
seinen „Kompositionen und Texten“ erben solle mit dem Vorbehalt, Veräußerungen nur im
Einvernehmen mit seinem Cousin Ing. Alfred Teischinger, Gutsbesitzer in Unterfladnitz,
zu tätigen. Als Nacherbin nach seiner Ehefrau setzt er die Tochter seines Cousins Alfred
Teischinger, Helga Teischinger, ein, die auch Austin Egens Patenkind ist. Mehrere Ringe
vermacht Austin Egen an Personen seines Vertrauens: ein goldener Schlangenring, der an
den Komponisten und Autor Kurt Buzzi, nach dessen Ableben an Wolfgang Teischinger, dem
Sohn seines Cousins Alfred Teischinger, gehen soll, zwei Brillantringe an Frau Elee Claos in
Deutschland sowie zwei weitere Ringe an Frau Maria Hippacher in Frohnleiten.101

2.1.5. „Ariernachweis bereits erbracht.“ – Dokumente aus den Jahren 1938 bis 1941

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland Anfang 1933 werden jüdische
Komponisten und Autoren verfolgt und Jazz bzw. dessen Elemente in der Tanzmusik als
„entartet“ klassifiziert. Aus den Radioprogrammen wird offiziell „Negermusik“ oder „Niggerjazz“
verbannt und ein Prüfungsausschuss für deutsche Tanzmusik eingerichtet.102 Austin
Egen hat bis 1932 in Berlin mit vielen jüdischen Künstlern Kontakt und arbeitet mit ihnen zusammen,
wie z. B. mit den Autoren Fritz Löhner-Beda und Fritz Rotter, den Komponisten
Hans May, Walter Jurmann, Bert Reisfeld, Willy Rosen und Hermann Leopoldi, sowie dem
Orchesterleiter Marek Weber. Die Verfolgung von Juden im Bereich der Musik gipfelt in der
Herausgabe des „Lexikons der Juden in der Musik“ im Jahr 1940. Die Redaktion recherchiert
umfangreich bei verschiedensten Institutionen und bei Verlagen und erhält von eifrigen
Lesern der ersten Auflage auch Denunzierungen in Form von Ergänzungsvorschlägen. In
einem Leserbrief wird moniert, dass drei Namen in diesem Lexikon fehlten: „1. Edith Lorand,
Kapellmeisterin eines Unterhaltungsorchesters, bekannt durch Rundfunk und Schallplatte,
2. Paul Godwin, Kappellenleiter, [sic!] besonders Tanzmusik, 3. Austin Egen, der sogenannte
‚Flüsterbariton‘.“103

Kurz nach dem „Anschluss“ Österreichs im Jahr 1938 werden von der AKM Fragebögen an
die Mitglieder und Tantiemenbezugsberechtigten ausgeschickt, um detaillierte persönliche
Informationen zu erhalten. Zur Konfession gibt Austin Egen an: „Immer katholisch gewesen“.
In den Ergänzungen stellt er fest: „Ariernachweis bereits erbracht.“104 Einen Monat später verbindet
er die nach seiner Meinung restriktive Vorschusspraxis der AKM mit einer angeblichen
Benachteiligung seiner Person gegenüber jüdischen Urhebern: „Ich habe immer das
Gefühl gehabt, daß ich als arischer Komponist und Autor benachteiligt wurde. [...] [Es] wurde
mir fast nie und wenn nur mit größter Mühe ein kleiner Vorschuß gewährt, während mir
erzählt wurde, daß jüdische Kollegen sehr hoch im Vorschuß waren. [...] Ich habe die Bitte in
Zukunft gerecht behandelt zu werden“.105 Diese Aussagen entbehren jeder Grundlage und sind
einzig dazu verfasst, um weiterhin die für den Lebensunterhalt notwendigen Vorschüsse von
der AKM zu erhalten oder sogar höhere gewährt zu bekommen.

Im Dezember 1938 beschwert sich Austin Egen in ähnlicher Diktion gegenüber dem Wiener
Büro der STAGMA106 über angebliche Benachteiligungen:

„Es kommt mir immer wieder zu Ohren, daß meine Kompositionen sowohl an den
großdeutschen Sendern als auch sonst unterdrückt werden, weil man mich für
einen Juden hält.
Es ist selbstverständlich, daß mir dadurch in der heutigen Zeit ein Schaden
erwächst, welcher gänzlich unbegründet ist, nachdem ich meinen Ariernachweis
längst erbracht habe. Sonst könnte ich ja auch nicht Mitglied Ihrer Gesellschaft
sein. Es handelt sich also bei dieser Geschichte entweder um ein grobes
Mißverständnis oder eine böswillige Verleumdung.
Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir baldigst mitteilen würden, ob eine
Bekämpfung dieses unsinnigen Gerüchtes durch Sie möglich ist oder welche
Wege ich beschreiten soll.
Ich sehe wirklich nicht ein, warum ein arischer Schlagerkomponist und
Textdichter, der genügend durch das Judentum geschädigt worden ist, lediglich
aus Böswilligkeit oder Dummheit weiter geschädigt werden soll.

Mit deutschem Gruß und besten Wünschen für
das kommende Jahr
Austin Egen“107


Dieser Brief ist als höchst opportunistische Äußerung zu werten und eine Diffamierung all der
jüdischen Künstler, mit denen Austin Egen – teils sehr erfolgreich – bis 1938 zusammengearbeitet
hat. In einer kurzen Notiz erhält Austin Egen als Antwort die Empfehlung, sich an
die Zeitschrift „Das Podium“ in Berlin zu wenden.108




49 Meldeauskunft Wiener Stadt- und Landesarchiv „Austin Eigen“ vom 16.11.2009.
50 Brief Austin Egen an Musikverlag Doblinger vom 22. Oktober 1922, Archiv Doblinger Wien.
51 Brief Austin Egen an AKM vom 18.12.1922, In: AKM, Komponisten-Akte Austin Egen.
52 Eintrag „Rochel, Augustin, FML. a. D. [Feldmarschall-Leutnant außer Dienst], *K. (KD.) [Komtur des
Franz Joseph-Ordens (Kriegs-Dekoration)], *3. (KD.), V.K. 3. [Militär-Verdienstkreuz 3. Klasse], Off.Dst.Z. 2.
[Offiziersdienstzeichen 2. Klasse], + I. [Ehrenzeichen 1. Klasse vom Roten Kreuz], Bes. d. pr. eis. Krz. 2.
[Besitzer des preußischen eisernen Kreuzes 2. Klasse], VI. Girardig. 3 T [Telefon]“ in: Lehmann’s Adreßbuch,
63. Jg. 1921/22, 2. Band, VII., Einwohnerverzeichnis, S. 1148; Name und Adresse ebenso in: Wiener
Adreßbuch. Lehmanns Wohnungs-Anzeiger für Wien, 1923, 64. Jg., I. Teil, Einwohner Wiens, S. 1090; detto,
1924, 65. Jg., I. Teil, Einwohner Wiens, S. 1090.
53 Meldeauskunft Wiener Stadt- und Landesarchiv „Austin Eigen“ vom 16.11.2009.
54 Kopie der eh. Eintragung Austin Egens im Gästebuch der Familie Teischinger am 4.12.1922, zur Verfügung
gestellt von Dipl.-Ing. Wolfgang Teischinger, dem Sohn von Ing. Alfred Teischinger, am 15.2.2010.
55 Kopie der eh. Eintragungen Augustin Rochels und August Meyer-Eigens im Gästebuch der Familie
Teischinger am 10.7.1922, zur Verfügung gestellt von Dipl.-Ing. Wolfgang Teischinger, dem Sohn von Ing.
Alfred Teischinger, am 15.2.2010.
56 Brief Austin Egen an AKM vom 18.12.1922; Brief AKM an Austin Egen vom 2.1.1923, In: AKM,
Komponisten-Akte Austin Egen.
57 Zum tatsächlichen Geburtsort Graz s. Kap. 2.1.1.
58 Zu Austin Egens Vater, August Meyer-Eigen, tatsächlich geboren 1861 in Ratingen bei Düsseldorf (Preußen),
s. Kap. 2.2.
59 Die biografischen Angaben zu Austin Egens Mutter sind zutreffend, ihre Staatsbürgerschaft nach der Heirat
mit August Meyer-Eigen ist die des Ehemannes.
60 Die Angabe des Besuchs des Dartmouth College ist mangels Nachweis in folgenden zwei Nachschlagewerken
als Falsifikat zu werten: Dartmouth College and Associated Schools. General Catalogue. 1769–1940, Hanover
1940; Class of 1917. Dartmouth College. Hrsg. v. Ralph Sanborn, Hanover 1927.
61 Die Angabe als eigenes Lied ist ein Falsifikat: Japanese Sandman, Musik: Richard A. Whiting, Text:
Raymond B. Egan (1920). Der Komponist Richard A. Whiting (1891–1938) schrieb seit 1913 Songs, die im
Musikverlag von James H. Remick verlegt wurden. Whiting leitete auch das Verlagsbüro von Remick in Detroit
und hatte mit seinem Autor Raymond B. Egan 1918 einen fulminanten Erfolg mit dem Song Till We Meet Again,
von dem 11 Millionen Notenausgaben verkauft wurden. Der Erfolg des Autorenteams ging bis 1929 weiter,
darunter 1920 mit Japanese Sandman. Vgl. Bloom, Ken: The American Songbook. The Singers, the songwriters,
and the songs, New York, 2005, S. 304; GEMA Online-Datenbank – Musikalische Werke
(https://mgonline.gema.de/werke/).
62 Die Angabe als eigenes Lied ist ein Falsifikat: Oh Me! Oh My! Oh You! Musik: Vincent Youmans, Text:
Arthur Francis (Ps. f. Ira Gershwin) aus dem Broadway-Musical Two Little Girls In Blue (1921). Vincent
Youmans (1898–1946) schrieb seit seiner Zeit beim Militär Songs und hatte gemeinsam mit Ira Gershwin
als Autor den großen Durchbruch 1921 mit seinem Broadway-Debut Two Little Girls In Blue mit dem Lied
Oh Me! Oh My! Oh You! Mit verschiedenen Autoren schrieb Youmans bis in die 1930er Jahre Songs für
teilweise sehr erfolgreiche Broadway-Musicals, darunter auch 1925 Tea For Two aus No, No, Nanette. Vgl.
Bloom, Ken: The American Songbook. The Singers, the songwriters, and the songs, New York, 2005, S. 308f.;
GEMA Online-Datenbank – Musikalische Werke (https://mgonline.gema.de/werke/).
63 Beilage zum Brief Austin Egen an AKM vom 18.12.1922, In: AKM, Komponisten-Akte Austin Egen.
64 Passantrag vom 17.1.1923, ausgestellt am 9.2.1923. In: Year: 1922–1923 Roll: 2179 – Certificates: 248476–
248849, 8 Feb 1923–10 Feb 1923 Image: 295–297. U.S. Passport Applications, 1795–1925 [database on-line],
Provo 2007. Original data: Passport Applications, January 2, 1906–March 31, 1925 (National Archives
Microfilm Publication M1490, 2740 rolls). General Records of the Department of State, Record Group 59,
National Archives, Washington, D.C.
65 „Das Podium“. Fachblatt d. internationalen Artisten-Organisation in Wien, 5. Jg. (1923), Nr. 19, S. 18.
66 Abtretung des Urheberrechtes. Fayum – Du stolze Frau, Musik: Jim Cowler, dt. Text: Austin Egen, 16.2.1925,
Archiv Bosworth Berlin.
67 Werkeanmeldung Austin Egen an AKM, 20.11.1925; detto 27.9.1932. In: AKM, Werkeanmeldungs-Akte
Austin Egen.
68 Brief Austin Egen an AKM, 5.5.1926. In: AKM, Komponisten-Akte Austin Egen.
69 Formular Austin Egen an AKM, 2. Mai 1930; [AKM] „Fragebogen über die Personaldaten der Gattin, deren
Eltern und Großeltern“, eh. ausgefüllt und unterschrieben von Florence Eigen, Frohnleiten, 19.5.1938. In: AKM,
Komponisten-Akte Austin Egen. Das Originaldokument der Heirat ist bisher nicht nachweisbar.
70 Egen, Austin: Du bist ein Veilchen, das im Verborgnen blüht. Slow-Fox (Text: Fritz Rotter), Ausg. f. Gesang
u. Klavier, Roehr, Pl.Nr. R. 3210, Berlin 1929, Archiv Bosworth Wien. Widmung: „In herzlichster Freundschaft
Florence Egen gewidmet. Fritz Rotter“.
71 Eintrag des Todes Austin Egens im Totenbuch der Pfarre Frohnleiten vom 18.8.1941.
72 Handelsregisterakt Amtsgericht Charlottenburg, HRB 24981, Notariatsakt Nr. 218 vom 12.10.1926 u. Brief
Roehr AG an das Amtsgericht Berlin-Mitte vom 1.11.1927.
73 Eheregister Standesamt Charlottenburg [Berlin] Nr. 97/1927, Aufgebotsverzeichnis Nr. 32. Die Ehe zwischen
Ardie Roehr und Hildegard Schwarz wird mit Gerichtsurteil vom 29.6.1955 geschieden.
74 Notariatsakt (Vertrag), Berlin, 28.3.1928, Nr. 62 des Notariatsregisters für 1928, Archiv Bosworth Berlin.
75 „F: H2 Uhland 3339“ lt. Reichs-Kino Adressbuch 1933, 12. Ausg., Berlin 1933, zit. n. Magnusson, Tor:
Austin Egen: sångare, pianist, kompositör och textförfattare (Austin Egen: singer, pianist, composer, and
lyricist). In: „Skivsamlaren“. Liten tidskrift för discografiskt interessade skivsamlare [Plattensammeln. Kleine
Zeitschrift für diskografisch interessierte Plattensammler], hrsg. v. Tor Magnussen, Nr. 8, Jänner 1980,
S. 11-14, S. 13.
76 Brief Austin Egen an AKM, 12.12.1928. In: AKM, Komponisten-Akte Austin Egen.
77 Brief AKM an Austin Egen, 22.3.1929. In: AKM, Komponisten-Akte Austin Egen.
78 Brief Austin Egen an AKM, 29.4.1929. In: AKM, Komponisten-Akte Austin Egen. Das Sanatorium Weidner
in Wachwitz bei Dresden (heute: Dresden) wurde zwischen 1914 und 1916 von Dr. Eugen Weidner gegründet
und bot eine „klinisch geleitete, diätisch-physikalische Heilkur“. In der exklusiven Kurklinik waren neben
hochrangigen Adeligen und Militärs auch namhafte Künstler wie z. B. der Schauspieler Willy Fritsch, der
Komponist Paul Lincke und der Schriftsteller Gerhart Hauptmann zu Gast. (http://www.dresdnerstadtteile.
de/Nordost/Wachwitz/Strassen_Wachwitz/Weidners_Sanatorium/weidners_sanatorium.html,
20.1.2010).
79 Brief Austin Egen an AKM, 31.7.1929. In: AKM, Komponisten-Akte Austin Egen.
80 Brief AKM an Austin Egen, 5.8.1929. In: AKM, Komponisten-Akte Austin Egen.
81 Brief Austin Egen an AKM, 3.4.1930; Brief August Meyer-Eigen an AKM, 24.10.1930; Brief Austin Egen an
AKM, 26.11.1930. Alle in: AKM, Komponisten-Akte Austin Egen.
82 Brief Austin Egen an AKM, 25.11.1931. In: AKM, Komponisten-Akte Austin Egen.
83 Brief Austin Egen an AKM, 4.3.1932. In: AKM, Komponisten-Akte Austin Egen.
84 Brief Austin Egen an AKM, 18.9.1932. In: AKM, Komponisten-Akte Austin Egen.
85 Brief Austin Egen an AKM, 11.11.1932 und ff. In: AKM, Komponisten-Akte Austin Egen.
86 Letzte Korrespondenz von Berlin an die AKM in Wien am 18.9.1932. Ab 11.11.1932 erfolgt die
Korrespondenz mit der AKM von Frohnleiten. In: AKM, Komponisten-Akte Austin Egen.
87 Brief Austin Egen an AKM, 18.6.1933. In: AKM, Komponisten-Akte Austin Egen.
88 Brief Austin Egen an AKM, 11.11.1932. In: AKM, Komponisten-Akte Austin Egen.
89 Brief Austin Egen an AKM, 18.6.1933. In: AKM, Komponisten-Akte Austin Egen.
90 Brief Austin Egen an AKM, 23.7.1934 und ff. In: AKM, Komponisten-Akte Austin Egen.
91 Brief Austin Egen an AKM, 27.5.1935. In: AKM, Komponisten-Akte Austin Egen.
92 Brief Austin Egen an AKM, 3.11.1935 und 15.11.1935. In: AKM, Komponisten-Akte Austin Egen.
93 Grundbuch BG Frohnleiten EZ 195 KG Frohnleiten, GB Frohnleiten, Pos. 3 u. 4, Steiermärkisches
Landesarchi
94 Vermögensbekenntnis Florence Eigen vom 12.12.1941. In: BG Frohnleiten, Verlassenschaft A 176/41,
Steiermärkisches Landesarchiv.
95 Eintrag „Eigen Augustin, Griesplatz 36“ nur in: Adressenbuch der Landeshauptstadt Graz [...], 63. Jg. (1940),
V. Abteilung: Handel und Gewerbe, „Kaffeeschenken“, Graz 1940. In den Jahrgängen 56 (1933) bis 62 (1939)
sind zumeist wechselnde Betreiber in den bis zu sieben Kaffeeschenken am Griesplatz verzeichnet. Im 64. Jg.
(1941) fehlen Einträge zu dieser Gewerbeart.
96 Todesfallaufnahme „Austin Eigen“. In: BG Frohnleiten, Verlassenschaft A 176/41, Steiermärkisches
Landesarchiv; Todesanzeige „Austin Eigen“. In: AKM, Komponisten-Akte Austin Egen; Sterbeurkunde vom
24.9.1941. In: AKM, Komponisten-Akte Austin Egen.
97 Eintrag im Totenbuch der Pfarre Frohnleiten vom 18.8.1941: „Lebercorrhose lt. T.B.Sch. v. 19.8.1941
Dr. Habel“.
98 Todesanzeige „Austin Eigen“, „Grazer Tagespost“, Jg. 1941, Nr. 230 (20.8.1941), S. 4; Todesanzeige „Austin
Eigen“. In: AKM, Komponisten-Akte Austin Egen.
99 Eintrag im Grabbuch (Friedhofsbuch) der Pfarre Frohnleiten: Friedhof-Protokoll 1939 bis [1977], Jahr 1941,
„[Post. Nr.] 61, [August], 20, a [alter Friedhof], M [Mauergrab], Eigen Austin, Komponist, Frohnleiten
Erzh. Johannstr. 5, [Alter:] 44, [Todesart:] Lebercorrhose“.
100 Lt. Auskunft der Pfarre Frohnleiten.
101 Beglaubigte Abschrift des Testaments „Mein letzter Wille.“ vom 29.7.1941, dem Gericht vorgelegt am
4.10.1941. In: BG Frohnleiten, Verlassenschaft A 176/41, Steiermärkisches Landesarchiv.
102 „Keine Jazzmusik mehr im Programm der Berliner Funk-Stunde“. Pressemeldung der Funk-Stunde Berlin
vom 8.3.1933, und „Verbot des Nigger-Jazz“. Bericht in „Völkischer Beobachter“ von 1935. Beide in: Fackler,
Guido: Jonny spielte doch auf! Jazz im „Dritten Reich“. In: Das verdächtige Saxophon. „Entartete Musik“ im
NS-Staat, Dokumentation u. Kommentar, hrsg. v. Albrecht Dümling, 4. überarb. u. erw. Aufl. 2007, S. 29-51,
S. 34f.
103 Wenzel, Silke: Ausgrenzung und Denunziation. Das „Lexikon der Juden in der Musik“. In: „Entartete Musik“
1938 – Weimar und die Ambivalenz. Ein Projekt der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar zum
Kulturstadtjahr 1999, hrsg. v. Hanns-Werner Heister, Saarbrücken 2001, Teil 2, S. 740-757, S. 745f.
104 [AKM] „Fragebogen über die Personaldaten der Eltern und Großeltern“, maschinschr. ausgefüllt und datiert
mit Frohnleiten, 10.4.1938, eh. unterschrieben von Austin Egen. In: AKM, Komponisten-Akte Austin Egen.
105 [AKM] „Fragebogen an Mitglieder und Tantiemenbezugsberechtigte“, maschinschr. ausgefüllt und eh.
unterschrieben von Austin Egen, Frohnleiten, 19.5.1938. In: AKM, Komponisten-Akte Austin Egen.
106 Die AKM wird 1938 der STAGMA in Berlin „angeschlossen“ und besteht als Wiener Außenstelle weiterhin.
107 Brief Austin Egen an STAGMA, Wien, 27.12.1938. In: AKM, Komponisten-Akte Austin Egen.
108 Brief [STAGMA, Wien] an Austin Egen, 30.12.1938. In: AKM, Komponisten-Akte Austin Egen. Die
antisemitische Zeitschrift „Das deutsche Podium“ erscheint von 1933 bis 1941.


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