Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
, Di Mär 05 2013, 18:31

Liebe Leute

Da ich nicht wusste, wo ich es reintun sollte, habe ich einen neuen Eintrag gemacht.

Fotos von realen Aufnahmesituationen gibt es recht wenige, da das lange Zeit gut gehütete Geheimnisse der Aufnahmestudios waren. Filme gibt es noch weniger.

Heute bin ich ueber Umwege auf so einen gestolpert - ich moechte ihn euch nicht vorenthalten...

Auch hier wieder: EIN Mikrophon (vermutlich ein Westrex). Der Tonmeister machte die Balance allein mit dem Abstand zum Mikrophon, z.T. auch mit Aufstehen des Musikers, wenn zum Beispiel die etwas leisere Klarinette durchkommen sollte.
(Ich will nicht sagen, dass es keine Versuche mit mehreren Mikrofonen gab, aber bei meinem heutigen Kenntnisstand muessen wir davon ausgehen, dass bis zum Ende der Schellackzeit mit 1 (einem) Mikrofon aufgenommen wurde.)

Jack Hylton's Orchester nimmt 1931 "Choo choo" auf. Viel Vergnuegen mit dieser interessanten Aufnahme.

Link - Hier klicken

Michael

Was ich noch nachtragen wollte:

Wenn jemand Fotos hat von realen Aufnahmesituationen, bitte hier einstellen. (oder Privatmail an mich)

DANKE

Michael

Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
Grammophonteam, Di Mär 05 2013, 18:43

Aus diesem Eintrag: Link - Hier klicken

USA - c. 1928




Lindström Studio 1929




Telefunken, 30er Jahre





Hier ein Bild einer Tri-Ergon-Aufnahmesitzung mit Franz Léhar aus dem Jahr 1931.
Im Bild sind drei Mikrophone zu sehen.
1. Streicher
2. Vokalist (Karl Jöcken)
3. Restliches Orchester
möglicherweise noch ein viertes außerhalb des linken Bildrandes.



Das Orchester des Metropoltheaters spielt grade "Schön ist die Welt"

Bitte dort auch in den Texten lesen. Es stimmt einfach nicht, das bis zum Ende der Schellackzeit nur mit einem Mikrofon aufgenommen wurde. Obige Bilder beweisen dies auch...

Viele Grüße




Nachtrag: Dieses Thema wurde auch schon mal im amerikanischen Forum diskutiert: Link - Hier klicken

Daraus zwei Einträge:
In a May 21 1928 note to Charles Edison, Walter Miller listed 4 items "we should be working on" - #2 was "Mixing box transformers that will enable us to use more than one mike and arranged so that we can fade from one mike to another without being noticed on record. "


Der technische Leiter der Edison Company schrieb an Charles Edison das man an Mixern arbeiten müsse, so das man von einem Mikrophon auf das andere blenden kann ohne dies auf der Platte zu hören (Mai 1928).

By the later 30s many companies were using 2 or more mikes. There's a number of Fats Waller sessions where you can actually hear that the technician is sometimes too late in turning up the volume for a solo. In Germany many companies used 3 mikes, 1 for the horns, 1 for the rhythm (including violins) and 1 for the singer. The recordings Miller made in England with his AAF band were made using 4 RCA PBs-44 mikes on booms above the orchestra.


In den späten 30´er Jahren nutzten viele Firmen 2 Mikrofone. Es gibt einige Fats Waller Aufnahmen (RCA Victor), bei denen man hören kann, das der Tontechniker das Mikrofon für ein Solo zu spät hoch drehte.
In Deutschland nutzten viele Firmen 3 Mikrophone: eines für die Blechbläser, eines für die Streicher und Rhythmusgruppe und eines für die Sänger.
Die englischen (Glenn) Miller Aufnahmen mit seiner AAF Band wurden mit vier Mikrophonen über dem Orchester gemacht.

Interessant auch dieses Video:

1937

.


Es zeigt Duke Ellington während einer Aufnahmesitzung 1937 für das Variety Label (Dies war eine kurzlebige Marke seines Managers Irving Mills. Es wurde im Auftrag bei der Brunswick produziert. Wir sehen hier also das Brunswick Studio).

Betrachtet man das Video aufmerksam, so sieht man hier mehrere Mikrofone.

Eines vor dem Bass



(Ist im Video besser zu erkennen)


Eines über dem Klavier




Eines für die Solisten




Vermutlich gab es noch ein weiteres Mikro in der Nähe oder über dem Orchester.
Es sind also mindestens 3, wenn nicht 4 Mikrofone für diese Aufnahme verwendet worden.




Natürlich wurden Aufnahmen bis weit in die dreißiger Jahre hinein auch mit nur einem Mikrofon geschnitten. Bei kleineren Firmen kann man dies als üblich annehmen. Auch spielt es eine Rolle, ob es sich um Studio aufnahmen handelt, oder ob Plattensitzungen z.B. Hotelsälen o.ä. gemacht wurden.
Wenn die ganze Ausrüstung mit genommen werden mußte, wurde wohl häufig nur ein Mikrofon verwendet.

Man muss weiter bedenken, das Mikrofone teuer waren - je nach Größe des Orchesters (und Bedeutung) kam dann wohl nur ein Mikrofon zum Einsatz.

James Kok - Dt. Grammophon 1935


Allerdings darf man nicht in eine Falle tappen - wenn auf einem Bild nur ein Mikrofon zu sehen ist, heißt dies nicht das nicht noch ein weiteres verwendet wurde.
Wie man auf dem Bild aus den Lindström Studios zu sehen ist, arbeitete man bereits 1929 mit Mikrofon Galgen bei denen das Mikro über dem Orchester war.
Wenn der Bildausschnitt des Photographen so gewählt ist das man dieses nicht sieht....

Zusammenfassend belegen die Bilddokumente, wie auch zeitgenössische Texte das ab Ende der zwanziger Jahre teilweise bereits mit zwei Mikrophonen aufgenommen wurde.
Ab Mitte der dreißiger Jahre kann man dies als Standard ansehen soweit es sich um Studio aufnahmen handelt.

Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
Grammophonteam, Mi Mär 13 2013, 22:38

Michael Jary im (Lindström?) Studio, dreißiger Jahre





Ein Mikrophon am Galgen über dem Orchester. Jary greift an das Mikro für Solisten oder Sänger. Dieses ist mit Stoff überspannt um Zisch-Laute zu reduzieren.
Man sieht nur einen kleinen Ausschnitt, ob neben den zwei sichtbaren Mikrophonen noch mehr verwendet wurden ist nicht zu erkennen.

Grüße

Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
snookerbee, Mi Mär 13 2013, 22:50


Zum letzten Bild: Ich habe mal gelesen, daß das kein Mikrophon war, was Jary anfasst, sondern eine Uhr zur Kontrolle der Aufnahmezeit. Ich weiß leider nicht mehr, wo das stand.

Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
, Do Mär 14 2013, 00:39

Danke fuer die interessanten Beitraege und Bilder.
Mich haben vor allem die Bilder interessiert, die aus den Vortragsfolien von Claus Peter Gallenmiller "Das Entstehen einer "historischen Schallplatte" (Vortrag gehalten 2009) stammen. Mich haette vor allem interessiert, was er zum Bild vom Lindström-Aufnahme-Studio von 1929 gesagt hat.

Ich habe versucht, ihn per E-Mail zu kontaktieren, habe aber leider keine Antwort bekommen.

Es gibt ein dazugehoeriges Video, das auf YT anzusehen ist
Link - Hier klicken
(oder suchen nach: "Demostration der Aufnahme einer Schellackplatte")

Interessant ist, dass in dem dazugehoerigen Video auch wieder nur ein Mikrofon (eine "Neumann-Flasche" CMV3) zu sehen ist. (Es gab noch ein anderes Video, wo ein kleiner Chor eine Aufnahme machte, auch mit einem (1) hist. Neumann-Mikrofon.) Es waere fuer Gallenmiller sicher kein Problem gewesen, mehrere Mikrofone an ein heutiges Mischpult anzuschliessen und den gemixten Ton an die Mono-Schneidemaschine zu senden.

Wie gesagt, ich wollte ihn fragen, was seine Erkenntnisse sind in Sachen Mehrmikrofon-Aufnahmen in jener Zeit.
Vielleicht weiss jemand von euch eine gueltige Mail-Adresse von Herrn Gallenmiller?

"Ab Mitte der dreißiger Jahre kann man dies (die Aufnahme mit zwei oder mehr Mikrofonen) als Standard ansehen soweit es sich um Studio aufnahmen handelt." (Zitatende)
Ob anhand der Fotografien dieser Schluss wirklich zwingend ist?

Ich moechte es nicht von vornherein ausschliessen, dass es auch solche Aufnahmeverfahren und -experimente gegeben hat. Auch ich habe lange – ausgehend von heutiger Aufnahmetechnik mit mehreren Mikrofonen und Mischpult – angenommen, dass auch frueher mit mehr als einem Mikrofon und Mischpult aufgenommen wurde. Interessant ist, dass meine Kollegen und ich bis jetzt noch kein solches Mikrofonmischpult abgebildet gesehen haben.
Der zweite, vielleicht gewichtigere Grund ist der, dass die Aufnahmemeister, die zum Thema Schallplattenaufnahme (in der Schellack-Aera) befragt wurden, von einem (1) Aufnahmemikrofon sprachen.

Ich hoffe, ich kann noch Kontakt mit Herrn Gallenmiller aufnehmen. Ich bin sehr interessiert an seinen Erkenntnissen zu diesem Thema. Wenn ich mehr weiss, werde ich es natuerlich hier berichten.

Wie gesagt, danke für die Bilder und Beitraege. Jedes Fundstueck bringt ein bisschen mehr Licht in dieses Thema.

liebe Gruesse
Michael (der wieder viel laenger an diesem Beitrag gesessen ist und jetzt schlafen geht…)



Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
, Do Mär 14 2013, 05:16

Hallo Snookerbee,

ja, das ist eine Stopuhr ! Das Foto hatte ich mal eingestellt und erwähnt, daß es sich um eine Uhr handelt.

Eine solche Stopuhr habe ich auch noch. Es ist eine Junghans. Hier wurde sie nur auf einen Ständer montiert, damit der Orchesterleiter sie leichter im Überblick hatte.

Gruß, Nils

Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
, Do Mär 14 2013, 06:05

Hier als Nachtrag noch Fotos einer solchen Uhr:






Hier ist diese Stopuhr auf einem Tischsockel montiert, er ist abnehmbar, man kann die Uhr auch hängend verwenden. Bei der Studioaufnahme ist sie halt auf einem Ständer angebracht.

Es gibt außerdem noch ein anderes Foto, auf dem das Zifferblatt zu erkennen ist.

Gruß, Nils

Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
, Do Mär 14 2013, 07:56

Hallo Nils

Danke fuer deine Beitraege.

Uebrigens ich bin mir ziemlich sicher, dass auf dem Ellington-Bild das glockenfoermige Ding hinter Ellington kein Mikrofon ist.
Hingegen sind auf dem naechsten Bild allerdings zwei Mikrofone zu sehen. Es sind dieselben, die auch in den RCA-Studios verwendet wurden. Fuer RCA ist es ziemlich sicher, dass nur eins davon angeschlossen und zur Aufnahme verwendet wurde.
So ein Mik kostete uebrigens ein Vermoegen. Was mich erstaunt hat: die Dinger sollen so gut sein, dass sie immer noch gesucht werden!

Was ueber die Aufnahme von Fats Waller geschrieben wurde, interessiert mich sehr. Weiss jemand, um welche Aufnahme es sich handelt?
Die uebrigen Eintraege werde ich in Ruhe noch lesen. Danke an alle.

Michael


Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
berauscht, Do Mär 14 2013, 10:46

Allerdings habe ich einmal in einem Film über Bert Kaempfert gehört, daß er für die Aufnahmen bei der Polydor in der Hamburger Musikhalle nur ein Stereo-Mikrophon verwendete. Ehemalige Musiker erzählten, daß die Ausrichtung des Orchesters im Raum immer sehr viele Stunden gedauert hätte. Die eigentlichen Aufnahmen selber wurden dann in ein "paar" Minuten gemacht. Aber ein Weltstar wie Kaempfert konnte sich das wohl leisten.

Es ist wohl immer eine Frage der Produktionskosten wieviele Mirophone verwendet werden. Man kann wohl auch mit einem Mikrophon gute Aufnahmen machen, aber da Studio und Personal Geld kosten, verwedendet man lieber mehrere und "mischt".

Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
Grammophonteam, Do Mär 14 2013, 11:24

Fuer RCA ist es ziemlich sicher, dass nur eins davon angeschlossen und zur Aufnahme verwendet wurde.


Bitte diese Aussage mit Quellen belegen - bis dahin ist es sonst einfach nur eine persönliche Annahme

Gegenfrage: Warum sollten in einem Studio mehrere Mikrophone aufgebaut werden, wenn dann aber nur eines Verwendet wird bei der Aufnahme. Das ergibt wenig Sinn.

Auch aus einem anderen Eintrag:

Bericht aus den 30er Jahren:


Es war einmal ein Musikus


Inhalt, Bild oder Datei nur fuer angemeldete Mitglieder

Bei dieser Aufnahme Ende 1932 spricht Paul O´Montis nochmal kurz "zwischen" dem Xylophon Solo.
Wenn die Stimme einsetzt, wird das Xylophon im Hintergrund leiser, also vom Aufnahmetechniker herunter geregelt während der Sänger in gleicher Lautstärke bleibt.
Also quasi ein "akustischer Beweis" für zwei Mikrofone im Studio und Mischtechnik.

DGG, 1939


Hier ist von "den Mikrophonen" die Rede.

Inhalt, Bild oder Datei nur fuer angemeldete Mitglieder

Grüße
Yannick

Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
, Do Mär 14 2013, 12:00

Die Neumann-Flaschen kosteten schon ihr Geld, aber Telefunken hat sie auch unter eigenem Namen verkauft.

Ich glaube ganz fest, daß sich z.B. Telefunken und Lindström problemlos mehrere Mikrofone leisten konnten.

Eine übliche "Schwachstelle" ist zum Beispiel die Baßgeige. Die müßte dann schon sehr nah am Mikro stehen, gleichauf mit dem Sänger.
Wenn wir über den Zeitraum 30iger Jahre reden, kann man davon ausgehen, daß die großen Firmen immer mehrere Mikrofone verwendet haben.

Ein Aufnahmeleiter war ja immer nötig, ob ein oder drei Mikros.
Und stundenlanges Einrichten und womöglich Probeaufnahmen mit nur einem Mikro kosteten langfristig sicher mehr als ein zweites Mikro.

Hier mischt sich wohl viel Unrichtiges mit der Zeit der akustischen Aufnahmen, als die Musiker tatsächlich vor dem Aufnahmetrichter speziell plaziert wurden.

Gruß, Nils

Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
, Do Mär 14 2013, 12:15

Grammophonteam schrieb ...

Wenn die Stimme einsetzt, wird das Xylophon im Hintergrund leiser, also vom Aufnahmetechniker herunter geregelt während der Sänger in gleicher Lautstärke bleibt.
Also quasi ein "akustischer Beweis" für zwei Mikrofone im Studio und Mischtechnik.


Für genau diese Zwecke wurde auch die große Stopuhr benutzt. Der Sänger wußte, daß sein Einsatz z.B. ab Minute 1.32 kam und hatte neben der Musikwahrnehmung ein zeitliches "Achtung".
(Eine Probeaufnahme mit der Uhr gemessen, bei der Aufnahme Uhr wieder als Orientierung laufen lassen)

Aus welcher Quelle stammt denn die Aussage, die Stopuhr bei Jary wäre ein ümhülltes Mikro?

Gruß, Nils

Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
, Do Mär 14 2013, 12:30

Hallo
Es gibt hier einige interessante Meldungen, danke. Ich versuche, in der Mittagspause kurz auf verschiedene Meldungen Antwort zu geben.

@ berauscht (bzgl.) Bert Kaempfert

Ich beziehe mich auf die Aufnahmetechnik in der Schellackzeit, das von Dir Erwaehnte ist trotzdem interessant. Das war vermutlich ein Aufnahmemeister der alten Schule, die Aufnahme wird gut und natuerlich geklungen haben - nicht so wie spaeter die "Waldbauer-Stereofonie" (wie wir es genannt hatten): Jedes Instrument so gemischt, dass es aus einer anderen Ecke kam, so dass jeder Waldbauer merkte: "Aha, das ist jetzt Stereofonie!". Mit Raumklang hatte das nix mehr zu tun... Aber das waere ein anderes Thema, ueber das man sich trefflich streiten koennte...

@ Grammophonteam
(wer versteckt sich eigentlich dahinter - Yannick? Kenn mich da noch nicht so aus..)
Zuerst mal danke fuer deine interessanten Fotos.

Wegen Quellen zu RCA: Das wird ein Weilchen dauern, ich hoffe, ich kann es bald nachliefern. Es beruht auf persönlichen Gespraechen von einem Kollegen, der viel Zeit in die Erforschung dieser Frage gesteckt hat und noch mit Tonmeistern aus jener Zeit sprechen konnte.

Zu "mehrere Mikrofone standen in den Aufnahmestudios herum."
Das ist sicherlich korrekt, ich koennte auch mehrere Fotos dazu beisteuern (Widmann, Bauschke). Die Rundfunk- und Aufnahmestudios jener Zeit waren bestens dotiert und hatten alle Mittel zur Verfuegung - warum sollten sie nicht mehrere Mikrofone herum stehen haben? Mich interessiert, wieviel davon fuer eine Aufnahme eingesetzt wurden.

Zum Text "Ihren geübten Ohren..."

Wenn mehrere Wachsplatten geschnitten wurden (ich zitiere: .."wieviel Wachsplatten mit einem Mal bespielt werden, das richtet sich nach der Wichtigkeit der Aufnahme." Fuer mich heisst das, dass pro Schneidemaschine ein (1) Mikrofon im Einsatz war.
Ausserdem gab es auch deswegen verschiedene Mikrofone in den Studios, weil diese eine verschiedene Charakteristik hatten (vermutlich auch wegen den damaligen Toleranzen). Ausserdem musste man experimentieren, um das Bestmoegliche herauszuholen.

@ Grammophonteam - Aufnahme O'Montis 1932

Sehr interessant, danke. (ich finde toll, was man alles hier im Forum finden kann.)

Hingegen ist diese Aufnahme eher ein Beleg, dass diese Regeltechnik unzureichend war, d.h. unnatuerlich klang. Die Ein-Mikrofon-Technik hat sich vermutlich durchgesetzt, weil sie klanglich ueberlegen war.
(Ich weiss - ist kein 'Beweis', weder in die eine noch in die andere Richtung...)

Heute abend noch etwas mehr, muss jetzt los.

Michael

Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
, Do Mär 14 2013, 13:49

Mir fiel noch ein: in einem Interview erzählte Evelyn Künneke mal sinngemäß "..man stand in einer Kabine und wartete auf den Einsatz".
Es ging um ihre Aufnahmen bei Odeon/Lindström in den Jahren 1942/43.

Offenbar wurden in der Zeit schon ganz dünne, leise Stimmchen wie jene von Evelyn akustisch vom Orchester abgeschirmt und eben vom Techniker dosiert beigemischt.

Klar, daß dazu mindestens zwei Mikros nötig waren. Wohlgemerkt mindestens.

Gruß, Nils

Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
Grammophonteam, Do Mär 14 2013, 16:06

Inhalt, Bild oder Datei nur fuer angemeldete Mitglieder


Uebrigens ich bin mir ziemlich sicher, dass auf dem Ellington-Bild das glockenfoermige Ding hinter Ellington kein Mikrofon ist.


Was soll es denn sonst sein? Sieht für mich nach dem (dynamischen) Studio Mikrophon der Firma RCA aus ;)





Bei Rundfunk und Tonfilm war es seit den frühen dreisiger Jahren tatsächlich Standard mehrere Mikrofone zu verwenden. Interessant dazu
dieser amerikanische Artikel vom Juni 1930. Zwar ist auf der Zeichnung (!) nur ein Mikro zu sehen, wesentlich
interessanter ist aber der Text dazu.





Juni 1930
"Several microphones may be used to pick up the same orchestra and the tone censor at the mixing panel can control the relative volume from each and blend the result into a perfect whole."

"Mehrere Mikrophone können genutzt werden um ein Orchester aufzunehmen. Der Tontechniker am Mischpult (!) kann die Lautstärke kontrollieren und mischt (blendet) das ganze zu einem perfekten Ganzen."



Die meisten Bilder von Rundfunkstudios (bei Orchestern) und im Tonfilm zeigen mehrere Mikros. Auch in der Literatur dazu wird fast durchgängig von mehreren Mikrophonen gesprochen die dann am Mischpult überblendet wurden.

Im Tonfilmstudio, 1935


2 Mikrofongalgen nehmen das Orchester auf


Die Technik dazu stand ab den späten zwanziger Jahren und wurde (bei Rundfunk und Tonfilm) erfolgreich angewendet. Warum sollte die Schallplattenindustrie darauf verzichten?
Gerade sie lebt ja von qualitativ und technisch hochwertigen Produkten (Ergebnis Schallplatte).

Wenn mehrere Wachsplatten geschnitten wurden (ich zitiere: .."wieviel Wachsplatten mit einem Mal bespielt werden, das richtet sich nach der Wichtigkeit der Aufnahme." Fuer mich heisst das, dass pro Schneidemaschine ein (1) Mikrofon im Einsatz war.


Wie kommst du darauf? Dieser Satz bedeutet wie viele Aufnahmeapparaturen gleichzeitig liefen!

In dem gleichen Text ist aber von den Mikrophonen die Rede!

Die Ein-Mikrofon-Technik hat sich vermutlich durchgesetzt, weil sie klanglich ueberlegen war.


Genau umgekehrt ;)
Die Mehr-Mikrofon-Technik hat sich durchgesetzt da sie klanglich überlegen ist. Bis heute... :)

Sicherlich haben kleinere Firmen u.a. auch aus Kostengründen noch lange Zeit mit einem Mikrofon gearbeitet. Bei kleineren Orchesterbesetzungen macht dies auch Sinn.
Wenn du nun einen ehemaligen Tonmeister befragst der eben bei so einer Firma arbeitete hörst du natürlich das nur ein Mikrofon verwendet wurde...

Wie Nils aber schon schrieb, bei den großen Firmen war es in den dreißiger Jahren wohl absolut üblich mit mehreren Mikrofonen zu arbeiten, also z.B. Dt. Grammophon, Telefunken, Lindström mit Odeon
und später Electrola usw. Selbst kleinere Firmen wie Tri-Ergon verwendeten mehrere Mikros wie auf dem Bild oben zu sehen ist.
Das sollen über mehrere Jahre hinweg alles nur halb gelungene Experimente gewesen sein?

Fassen wir nochmal das bis jetzt zusammengetragene zusammen:
- Es gibt Aussagen sowie zeitgenössisches Schriftmaterial die sowohl von einem, wie auch von zwei Mikrophonen mit Mischpulten sprechen
- Bilddokumente zeigen den Einsatz von mehreren Mikrophonen. Dir frühesten datieren von 1928
- Filmdokumente belegen den Einsatz sowohl von einem, wie auch mehreren Mikrophonen
- Tondokumente ab den frühen dreißiger Jahren belegen ebenfalls mindestens zwei Mikrophone. Wenn dabei (Musikus) mal eine Aufnahme weniger gut gelang (man hört das Überblenden),
heißt dies noch lange nicht das weiterhin nur ein Mikro verwendet wurde. Lindströmstudios waren mindestens seit 1929 (Bild oben) mit zwei Mikrophonen ausgestattet. 1932 hört man diese Blendtecnik auch bei einer Aufnahme. Drei Jahre experimentieren in eine Technik die sich nicht durchgesetzt hat?


Die Vorstellung der "guten alten Zeit" in der rührige Tontechniker alles mit einem Mikrophon aufnahmen um aus der einfachen Technik trotzdem das beste zu machen entspringt eher heute nostalgischen, etwas verklärenden Vorstellungen.
In den dreißiger Jahren war Elektronik und Studiotechnik hoch ausgereift. Es war eine Millionenindustrie. Große Firmen konnten aus den vollen Schöpfen.

Bild, Schrift, Film und Tondokumente bestätigen den Einsatz von mehreren Mikrophonen. Wenn es noch Firmen oder Umstände gab unter denen mit nur einem Mikrophon aufgenommen wurde bedeutet dies doch nicht den Umkehrschluss!
Rundfunk und Filmstudios arbeiteten ab den frühen dreißiger Jahren mit modernster Mischtechnik und mehreren Mikrophonen. Nur die "rückständige" Schallplattenindustrie blieb bis zum Ende der Schellackzeit (50 er Jahre!) bei dem Verfahren nur ein
Mikrophon zu verwenden? Schwer vorstellbar, vor allem wenn Bilddokumente mehrere Mikrophone ab den späten zwanziger Jahren belegen...

Interessant wäre das Buch: Herbert Grenzebach, ein Leben für die Telefunken-Schallplatte
Grenzebach war erst bei der Ultraphon, dann bei Telefunken (Bilder oben mit mehreren Mikros) technischer Aufnahmeleiter. In seiner Biographie ging er wohl auch sehr genau auf die Studiotechnik ein. Leider liegt uns dieses Buch nicht vor. Auch antiquarisch ist es leider nur schwer erhältlich.

Grüße
Yannick

PS:

EMI, London


Studio Abbey Road, 1940er Jahre. Mischpult mit Eingängen für bis zu 5 Mikrophonen. Quelle: soundofthehound Link - Hier klicken


DECCA Studios, Paris 1938


Zwei Mikrophone...


1935


2 Studio, 1 Radio Mikrofon





1945



1946








Die Mehr-Mikrofon-Technik scheint sich gegen Ende der Schellackzeit durchgesetzt zu haben...

Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
Aristodemo, Do Mär 14 2013, 17:31








Quelle: TELEFUNKEN Schallplattenfibel, 1939
Es wird IMMER non MikrophonEN gesprochen, auch laufen IMMER zwei Schneidegeräte.

Zur Praxis bei ODEON schreibt H. Wahl : "Nach einigen gelegentlichen (von April 1927 mit Unterbrechungen bis 1929) zaghaften Versuchen, es ...... Firmen gleichzutun, setzte er es bald zu seiner Ehre darein, den großartigen neuen ODEON-Aufnahmesaal derart extrem "schalltot" zu machen, das es nun zwar viel einfacher war, Solisten und Orchester an vorher genau fixierten Stellen zu postieren und sich nicht von diesem "dummen, dummen Nachhall" stören zu lassen. ........ Als ich 1937 mit meinen ständigen Mahnungen endlich durchdrang, da war es für Lehmann, Tauber und Joseph Schmidt längst zu spät. "

Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
Rundfunkonkel, Fr Mär 15 2013, 20:47

Mischpulte, die Aufnahmen stammen aus 1938 bzw. 1940:







Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
Grammophonteam, Fr Mär 15 2013, 21:50

@Aristodemo & Rundfunkonkel - vielen Dank für diese zeitgenössischen Bild und Schriftdokumente!

Aus der TELEFUNKEN Schallplattenfibel, 1939 einige für uns unter dieser Fragestellung wichtigen Passagen:

...die nach den Erfordernissen der Aufnahme Umstellung und Umgruppierung der Instrumente und Mikrophone vornehmen... Jedes Instrument muß durch die Mikrophone richtig erfaßt werden...
Die Mikrophone verwandeln die vom Orchester erzeugten Schallwellen in elektrische Wellen.
...Hier sitzt zunächst der Tonmeister am Mischpult. Mit seinen exakten Steuer- und Verstärkergeräten sorgt er für gleichmäßige Aussteuerung.
...Hier gibt es zum Beispiel einen leuchtenden Pfeil, der im Rhythmus der Schwingungen über eine Skala zuckt.
...Der Sicherheit halber laufen gleichzeitig zwei Schneideapparaturen.


Was in der Telefunken Fibel 1939 schriftlich dokumentiert wurde, lässt sich mit einem Film vom März 1942 untermauern.

Rosita Serrano singt "Eine kleine Mondscheinfahrt" im März 1942 für die Telefunken ein. Die Aufnahme erschien auch auf dem Markt. Diese Aufnahmesitzung (Proben?) wurden filmisch festgehalten:



Hier sieht man nun 1942 im Film, was 1939 auf Papier (Telefunken Fibel) geschrieben wurde.








OK - nur ein Mikrophon für die Sängerin ist zu sehen, die gesamte Anordnung macht aber ein zweites Mikrophon für die Musiker klar. Im weiteren Verlauf wird dies auch untermauert.





Telefunken Fibel: ...Hier sitzt zunächst der Tonmeister am Mischpult. Mit seinen exakten Steuer- und Verstärkergeräten sorgt er für gleichmäßige Aussteuerung.

Man sieht kurz im Film wie der Tontechniker zwei Regler bedient. Er "mischt" das Verhältnis von Gesang zu Musik.
Fast noch interessanter: Vier Mischregler sind vorhanden! D.h. das Telefunkenstudio war auf max. vier Mikrophon Eingänge ausgelegt.


Die Aussteueranzeige



Telefunken Fibel:...Hier gibt es zum Beispiel einen leuchtenden Pfeil, der im Rhythmus der Schwingungen über eine Skala zuckt.





Telefunken Fibel:...Der Sicherheit halber laufen gleichzeitig zwei Schneideapparaturen.




1939 wurde diese ausgefeilte Studiotechnik bei Telefunken schriftlich dokumentiert, ein Filmdokument drei Jahre später bestätigt genau diese Aufnahmetechnik.

Hieraus geht ganz klar hervor das bereits in den dreißiger Jahren eine sehr ausgereifte, Mehr-Mikrofon Technik inkl. Mischtechniken zum Einsatz kam.
Es gibt eigentlich keinen Anlass zu denken ähnlich große Firmen wie die Dt. Grammophon oder Lindström (Odeon, Electrola usw.) hätten zu diesem Zeitpunkt anders gearbeitet.
Die Dt. Grammophon spricht in einer Firmenschrift von 1938 ja ebenfalls von "den Mikrophonen". Bilder bei der Lindström belegen mehrere Mikrophone ab mindestens 1929.

Die Theorie nach der bis zum Ende der Schellackzeit nur ein Mikrophon ohne elektronische Mischtechnik zum Einsatz kam ist so nicht zu halten.Schrift, Bild, Film und Tondokumente aus Europa und den USA belegen dies.

Viele Grüße
Yannick

Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
snookerbee, Fr Mär 15 2013, 22:03


Auf einem Bild einer Aufnahmesession der amerikanischen Decca im Jahre 1941 sieht man folgendes:

Der Sänger (Louis Armstrong) steht nahe an dem über den Musikern befestigten hängenden Raummikrophon. Der Bassist ist im Raum auf der Höhe der Bläser platziert, also auch nahe am Mikro. Der Pianist (nicht sichtbar hinter einem Gitarrenverstärker) oder das Schlagzeug erhält einen extra Mikro-Galgen. Die mir vorliegenden Aufnahmen der Decca mit dieser Gruppe und ähnlichen Besetzungen lassen eine deutliche Hervorhebung des Klaviers bei Solostellen erkennen. Ansonsten ist dieses Instrument eher schwach zu hören. Interessant ist, daß diese relativ billig produzierende Plattenfirma mit nur zwei Mikrophonen auszukommen scheint.

Inhalt, Bild oder Datei nur fuer angemeldete Mitglieder


Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
Rundfunkonkel, Sa Mär 16 2013, 07:47

Die Aussteuerungsanzeige in groß:





Findet sich als "Lichtzeigergerät" im www. Innen befindet sich ein Spiegel, der das Licht als Strich fast trägheitslos auf die Skala projiziert.

Danke für den Filmausschnitt mit dem Mischpult, ich bin schon länger auf der Suche nach Abbildungen aus genau dieser Zeit!

Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
, Mo Mär 18 2013, 09:15

Liebe Schellack-Freunde

Herzlichen Dank fuer alle Beitraege! Hoechst interessant, was ihr hier zusammen getragen habt - vor allem die Fotografien.

Uebrigens - wenn ich vor einem Jahr all das gesehen haette, waere ich "mit fliegenden Fahnen" ins Lager der "Mehr-Mikrofon-Technik" gekommen. Dennoch - nachdem, was ich im letzten Jahr alles gelesen habe, moechte ich doch noch ein paar Einwaende anbringen. Sicher nicht um des Widerspruchs willen, sondern weil noch einige Fragen offen bleiben und v.a. um ein bisschen mehr Licht in diese Angelegenheit zu bringen. Ich vermute, dass noch mehr Fakten auftauchen werden, so dass wir die Sache umfassender beantworten koennen.

Ich habe mehrere Fachleute zu diesem Thema angeschrieben, bis jetzt aber noch keine Antwort erhalten. Ich werde es nachreichen, wie es herein kommt.

Im Augenblick bin ich angeschlagen und und sehr absorbiert, deshalb kann ich erst jetzt wieder antworten. Ich werde noch einige Sachen heraussuchen, die von der Ein-Mikrophon-Technik sprechen. Aber das braucht Zeit. Also etwas Geduld.

Eine ganz GROSSE Bitte an Euch: Wenn ihr Bilder einstellt, bitte sie so genau wie möglich zu datieren.

Z.B. das interessante Bild aus den Abbey-Studios (danke an Yannick) "aus den 40er Jahren". Nach dem Krieg (ca. 1947-48) hat sich einiges geändert in den Studios! Z.B. in Deutschland der Einsatz von Tonbandgeräten (über das es ein YT-Filmchen gibt), die ganz neue Möglichkeiten eröffnet haben. (Dies nur am Rande, bitte nicht hier antworten).
Es ist also ganz wichtig zu wissen, ob das Bild anfangs der 40er Jahre entstand oder erst in der zweiten Haelfte.

Ebenso in bezug auf das wichtige Bild mit Benny Carter, vor allem weil hier eine reale Aufnahmesituation deutlich abgebildet wird.
Kannst Du sagen, wann und wo?



Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
, Di Mär 19 2013, 11:50

Hallo Yannick

Vielen Dank fuer den Nachtrag und vor allem den sehr interessanten Link zum amerikanischen Forum, den ich jetzt durchgelesen habe.

Z.B. das hier:
"Not quite the same thing, but multiple mikes/multiple cutting lathes were used to ensure back-up copies. There is a fascinating example on Naxos 8.111022 of Elgar conducting his own Cockaigne Overture in 1933: Mark Obert-Thorne noticed slight differences in two different examples of the last side, and concluded that two microphones/cutters had been used. He was able to combine the two for what he calls "Accidental Stereo" - and the results are amazing and startling. The seer quality of the sound seems, because of the stereo, to be far, far better than anything being done at the time - and yet the frequency response, etc. would have been exactly the same."
Hoechst interessant, dass man daraus (in den 90-er Jahren?) eine Art Stereo-Aufnahme produzierte mit "amazing and startling" Resultat. (Weiss jemand, ob diese irgendwo zu hoeren ist?)

Kurze Zusammenfassung: Man muss unterscheiden zwischen Mehr-Mikrofon-Aufnahmen und Parallel-Aufnahmen, die auf verschiedene Wachsplatten-Schneidemaschinen ging (1 Mik -> 1 Schneidemaschine, 2 Miks -> 2 Schneidemaschinen). ("..multiple mikes/multiple cutting lathes were used to ensure back-up copies."
Lathe ist der englische Begriff für Drehbank, Drehmaschine, bzw. hier für das Wachsplattenschneidegeraet.)

Dieser Text bestaetigt das, was auch in dem Text "Ihren geübten Ohren..." geschrieben wurde:
ich zitiere: .."wieviel Wachsplatten mit einem Mal bespielt werden, das richtet sich nach der Wichtigkeit der Aufnahme." Die zweite Wachsplatte war eine Art Back-Up, wenn die erste Fehler aufweisen sollte. Ist also auch kein Beweis fuer die Mehr-Mikrofon-Technik.

Hoechst interessant das Bild vom "Mid 1930s Western Electric microphone mixer" Das sehe ich zum ersten Mal und gibt einen Hinweis auf die Mehr-Mikrofon-Technik.





Die Tonfilm-Industrie hat schon ziemlich frueh mit Mixern gearbeitet.
Christian Tobler schrieb mir mal: "In Filmstudios war Mehrkanaltechnik in den 30ern üblich, je ein Kanal für Stimme, Geräusche und Musikuntermalung, die jeder einen eigenen, anders eingestellten Limiter hatten."
Die Limiter wurden auch in der Schallplattenaufnahmetechnik eingesetzt, waren High-Tech, kosteten ein Vermoegen und sind lt. C. Tobler auch heute noch sehr begehrt. Das nur am Rande.

Das, was ich damals gelesen hatte, habe ich nicht notiert. Aus dem Gedaechtnis (habe leider kein fotografisches G.): Die Filmindustrie musste das tun wegen den technischen Gegebenheiten fuer den Filmton, der schlechter war als der auf Schallplatte (schade, dass ich den Link nicht mehr habe), die Schallplattenindustrie hat ein anderes, besseres Aufnahmeverfahren verwendet mit der Wachsplattenschneidetechnik. (siehe auch mein naechster Beitrag)

Filmton — Schallplattenton

Ich habe fuer einen direkten Vergleich zwischen Filmton und Schallplattenton nach langem Suchen dies gefunden:
Jack Hyltons "Choo Choo" in der Filmversion
hier: Link - Hier klicken
(ab ca. 1.20 mit dem Filmton)

und hier mit dem Ton ab Schallplatte:
Link - Hier klicken

Begleittext: Jack Hylton band recording "Choo Choo" for His Master's Voice at the HMV studio in Small Queen's Hall on 3 February 1931. This soundtrack has the version of the tune which was issued on HMV B 5973 (visible at the beginning). Also uploaded is the same film with the original soundtrack - which had a much inferior sound quality.

Und ich kann mir nicht den Hinweis verkneifen, dass auch hier in dieser Aufnahmesituation nur ein Mikrofon zu sehen ist.

Leider weiss ich ueber die in der Filmindustrie verwendete Technik viel zu wenig, deshalb moechte ich nichts weiter sagen. Ich kann bei den hier im Forum gezeigten Apparaten nicht sagen, was zur Film- oder zur Schallplattentechnik gehoert.

Wir sollten einfach aufpassen, ob die hier angefuehrten Bilder z.B. von Limitern, Aussteuerungsgeraeten und Mixern
- aus der Filmindustrie oder
- aus der Schallplattenbranche stammen.

Einverstanden?

Zum Bild James Kok 1935

Auf dem Bild ist wahrscheinlich ein Reisz-Mikrofon. Auch das Reisz-Mikrofon ging auf Georg Neumann zurück, der damals dort angestellt war. Diese Konstruktion war allen bisherigen ueberlegen, kostete damals stolze 600 R-Mark und wurde für die Firma Reisz zu einem betraechtlichen Erfolg.

Was mich verwundert ist, dass 1935 bei Grammophone noch das veraltete Mikrofon eingesetzt wurde und nicht das ueberlegene CMV 3 (Neumann-Flasche). Es war das erste Kondensatormikrofon, das in grossen Stückzahlen (ab 1928) produziert wurde. Man konnte hören, dass das kapazitive oder Kondensator-Mikrofon anders klang und vor allem in den Höhen der Konkurrenz deutlich überlegen war. Es wurde schnell zum Standard für den deutschen Rundfunk und erreichte auch weltweit beeindruckende Verkaufszahlen. Ausserhalb Deutschlands schmückte es ein Telefunken-Symbol, da Neumann Telefunken den Export überliess. Im Gegenzug verzichtete Telefunken auf die Lizenzen, die für die in den Neumann-Flaschen verbauten Röhren fällig geworden wären.

Uebrigens -Bis nach 1934 wurde die Qualität von Mikrofonen allein nach Gehör beurteilt !
Georg Neumann sah vor allem in der Messtechnik dringenden Handlungsbedarf. Mit seinem Streben nach Perfektion war es schlicht nicht vereinbar, Mikrofone nur nach Gehör zu beurteilen. Der 1934 vorgestellte "Neumann-Pegel-Schreiber" war zu seiner Zeit das einzige Gerät, das einen Frequenzgang grafisch darstellen konnte.

Quelle: hifi-tunes.de/ ?id=441

Zu Yannick 14.3. 16.06

Danke fuer das Bild (beim Beitrag Ellington), sehe ich so zum ersten Mal.
Koennte auch ein Lautsprecher sein?

Jedenfalls macht es, wenn es wirklich ein Mikrofon ist, an dem Ort hinter dem Rücken bzw. seitlich von Ellington aufnahmetechnisch einfach keinen Sinn (bei min 0.40). Wie man in dem YT-Video "78rpm-record production in the U.S.A. (1937)" sieht, richten sich die Musiker (bei 2.05) auf das eine Mikrofon aus. Wäre es eine Mehr-Mikrofon-Aufnahmetechnik, könnten die Musiker dort stehen bleiben, wo sie sind.
Uebrigens, beim Bass-Spieler (Bildausschnitt von dir) erkenne ich beim besten Willen kein Mikrofon.


Hingegen sind die weiteren Bilder hoechst interessant und sind zweifellos starke Belege fuer die Mehr-Mikrofon-Annahme (dazu spaeter mehr).

Zum Bild "Im Tonfilmstudio, 1935":
Dort sehe ich noch ein weiteres UO (unidentifiziertes Objekt) zwischen den beiden Galgen (weisses senkrechte Ding), das auch ein Mikrofon sein könnte.


Zum Bild DECCA Studios, Paris 1938 (vermutlich Django Reinhardt): auch hier sind die Musiker auf das eine (Aufnahme-) Mikrofon ausgerichtet, das zweite steht einfach rum (der Standort macht fuer eine Aufnahme auch wenig Sinn).

Ich gebe Dir recht, wenn du schreibst: "Allerdings darf man nicht in eine Falle tappen - wenn auf einem Bild nur ein Mikrofon zu sehen ist, heisst dies nicht das nicht noch ein weiteres verwendet wurde." (Zitatende)
Was aber auch nicht heisst, dass man automatisch annehmen muss, dass mehrere Mikrofone im Einsatz waren.

Hingegen: Wenn mehrere Mikrofone auf einem Bild zu sehen sind, heisst das auch nicht zwingend, dass mit mehreren Mikrofonen aufgenommen wurde.



Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
, Di Mär 19 2013, 12:25

Ich versuche hier ein paar Bilder hochzuladen (klappt leider nicht immer). Sie zeigen, dass in Studios es eher die Regel war, dass mehrere Miks rumstanden – aber das ist kein Beweis, dass deshalb automatisch eine Mehr-Mikrofon-Technik im Einsatz war.

1) Willy Berking im Aufnahmestudio (aus den Tiefen des Internets gefischt, habe leider keine bessere Quellenangabe. Vielleicht kann jemand helfen?)




Deutlich zu erkennen zwei Neumann-Flaschen, eine hinter Berking, eine hinter dem Orchester. Das UO links beim Saxofonspieler, das ich zuerst als ein weiteres Mikrofon interpretieren wollte, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als gewöhnlicher Staender. Ich habe dieses Foto als Uebungssituation interpretiert, die Standorte der Mikrofone waeren fuer eine Aufnahme unstimmig bis bloedsinnig.

Vielleicht weiss jemand mehr ueber das Imperial-Aufnahmestudio oder kennt sogar noch einen Tontechniker von damals?


2) E. Bauschke im Aufnahmestudio (Grammophone?? - siehe meine Bemerkungen zum Bild von Kok. Quelle: wie bei Bild 1)





Hier sieht man gleich 4 Neumann-Mikrofone (das vierte ist ganz links knapp erkennbar). Auch hier offensichtlich keine Aufnahmesituation.

Christian schrieb mir mal per Mail: "Oft gab es vom selben Mikro mehrere Modelle mit unterschiedlicher Richtcharakteristik - immer wieder mal wurden Verbesserungen in eine Serie eingebaut - und die Dinger gingen auch mal kaputt - daher hatte jedes Studio eine ganze Reihe von Mikros, gleiche oder ähnliche. .. Es kann durchaus sein, dass man für manche Stimmen bestimmte Mikros bevorzugte oder zwei Mikros für eine Weile parallel laufen liess für eine Evaluation - in den Abbey Road Studios, z.B. lief um 1930 herum für rund 9 Monate die gesamte Aufnahmetechnik von WE/RCA mit der von Blumlein parallel, bis man sich entschied, mit welcher in Zukunft gearbeitet wurde - dabei ging es auch darum, der von Blumlein den letzten Schliff zu geben -  und manchmal wurden 2 Mikros eingesetzt, weil mit dem einen die PA-Technik im Raum versorgt wurde und mit dem anderen ein Radiodirektübertragung - in staatlichen Rundfunkanstalten in Deutschland stand stets beste Technik in Massen herum, die hatten Geld wie Heu." (Zitatende)



Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
, Di Mär 19 2013, 12:28

Die naechsten drei Fotos (vom Grammophonteam) sind starke Belege für die Mehr-Mikrofonaufnahmetechnik:

- Lady vor dem Stuhl mit den zwei CBS-Mikrofonen, dann noch beim Dirigent ein weiteres Mik erkennbar (1935 - wer koennte das uebrigens sein?)

- Glenn Miller 1944: ich meine noch ein weiteres Mik erkennen zu koennen am Ende des schraegen Seils.

- auch das naechste Foto ist ein starker Beleg. Ich erkenne zwei Mikrofon-Galgen. Dann noch das Mik bei der Lady hinter dem Paravent. Kannst Du mehr sagen ueber den Hintergrund dieses Fotos? Welches Studio? 1945?

Das Bild mit Benny Carter: auch das ein starker Beleg, weil erkennbar eine reale Aufnahmesituation. Auch hier macht die Anordnung der Miks Sinn (nicht wie bei den anderen Aufnahmen).
Weisst Du den Ort und das genaue Datum? Wuerde weiterhelfen.


Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
, Di Mär 19 2013, 13:08

Belege fuer die Ein-Mikrofon-Aufnahme-Technik

Ich weiss nicht, ob ich das schon mal gesagt habe: lange habe ich mich wenig fuer die Aufnahmetechnik jener Zeit interessiert (ich spreche hier immer von der Zeit der elektrischen Aufnahmen). Das Interesse ist erst nach und nach gekommen.

Ich komme von der Tango-Seite, und irgendwann war die Frage, wie denn die Aufnahmen zustande kamen. Die Idee, dass eine Aufnahme, wo man gut eine Harfe aus allen anderen Instrumenten heraushören konnte, mit nur einem Mikrofon aufgenommen sein könnte, konnte ich zuerst nicht so richtig glauben.

Ein paar Bilder aus den Aufnahme-Studios





Bild 1 – Orchester Francisco Lomuto (14 Musiker, 40er-Jahre) im Aufnahmestudio. Der kleine Flügel steht ganz weit hinten, ebenso der Bass, was aufnahmetechnisch Sinn macht. Der Mikrofon-Galgen wurde an den gewünschten Ort geschwenkt.





Bild 2 vom Orchester Enrique Rodriguez mit mind. 12 Mann im Aufnahme-Studio. Auch hier wieder ein kleiner Flügel und der Bass ganz hinten. (Die Sänger könnten Roberto Flores und Armando Moreno sein, somit ca. 1939/40)





Bild 3 vom Orchester Osvaldo Fresedo mit 15 Musikern (Fresedo nicht mitgezählt). Dies ist im Aufnahmestudio, aber erkennbar ein Bild für den Fotografen. Bei der aktuellen Aufnahme würde das Mikrofon mit den Sängern ca. beim zweiten Streicher stehen. Und ich versichere euch, man hört die Harfe gut auf der Aufnahme.

Ich habe mir die Mühe gemacht und eine gute Aufnahme bei YT rausgesucht
(schade, dass man im Forum keine mp3 hochladen kann).

Vida Querida
Osvaldo Fresedo y su Orquesta Tipica,
der Sänger ist Ricardo Ruiz, Aufnahmedatum 1940. Man beachte, wie gut man die Harfe hören kann bei dieser Ein-Mikrofon-Aufnahme.

Link - Hier klicken

Viel Vergnuegen beim Hoeren.


Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
, Di Mär 19 2013, 13:20

Hier eine weitere Aufnahme, diesmal von 1938, als ein Beweis fuer die hohe Tonqualitaet.

Anibal Troilo - Comme il faut 1938
(eine gesuchte Aufnahme bei den Tangofreunden, da auf den meisten CD-Compilations nur die RCA Victor-Aufnahmen sind).
Troilo, der später eine bedeutende Rolle in der Epoca d'Oro einnehmen sollte und zu einem der angesagtesten Orchester wurde, machte nur zwei Aufnahmen bei Odeon (die andere Seite ist Tinta verde). Odeon hatte in jenen Jahren die ueble Taktik, den Orchestern Verträge anzubieten, damit sie nicht bei der Konkurrenz unterschrieben. Troilo wurde danach "kaltgestellt", die nächste Platte erschien erst wieder 1941 – bei der Konkurrenz RCA Victor.

Link - Hier klicken

Achtung, die Aufnahme, die ich meine, beginnt erst bei 4.42 - die Qualität auf 480p stellen, zuhören und staunen! Ich war jedenfalls verbluefft ueber die ausgezeichnete Qualität dieser Ueberspielung. Die Platte erschien 1938 (!), also vor 75 Jahren bei Odeon.
Dies als Beleg, wie hochstehend die Ein-Mikrofon-Technik war (und was fuer eine Qualitaet aus einer guten Schellack-Platte herauszuholen ist).

Christian Tobler (ein guter Kollege von mir und auf den ich mich mehrmals beziehe) hat ausführliche Recherchen zu diesem Thema gemacht. Er konnte noch persönlich mit Tonmeistern aus jener Zeit sprechen. "Das war Knowhow-Transfer in letzter Minute, da er (der Tontechniker) bereits wenige Monate später gestorben ist."
Quelle: Link - Hier klicken

Damit ihr nicht lange im langen Text, wo es vorwiegend um Tango geht, rumsuchen muesst, kopiere ich hier den relevanten Teil ungekuerzt.

"Dieser Techniker, Robert Morrison, hat darüber sogar ein Buch veröffentlicht. Im Prelinger-Online-Archiv gibt es einen PR-Film über die Produktion und Herstellung von Schellacks/78er, von RCA-Victor 1942 anlässlich der Eröffnung des Werks in Camden NY gedreht: Link - Hier klicken
Dieser Mann hat viele meiner Lücken mir ganz viel Informationen aus erster Hand füllen können. Einige seiner Antworten haben mich überrascht und dazu gezwungen, Vorurteile abzulegen.
Üblich waren damals maximal fünf Takes, manchenorts sogar nur deren zwei und das auf Grund der technischen Gegebenheiten ohne jede Korrekturmöglichkeit. Im Klartext: Spielfehler von Musikern und Sängern waren Tabu. Die musikalische Balance wurde einzig und allein durch die Anordnung der Musiker um ein einziges Mikrophon herum gesteuert.
Zum Einsatz kam handverlesenes Equipment, Kleinstserien aus innovativen Thinktanks, die sich als Monopolisten gebärdeten. Eine zentrale Komponente z.B., den Schneidekopf von Western Electric, konnte man nur leasen. Also wurde nur beliefert, wer dem Hersteller in den Kram passte.
Diese Technik wurde in den 20ern vom Forschungslabor des Telefoniegiganten Bell, den Bell Labratories in den USA für die finanzstarke Filmindustrie Kaliforniens entwickelt und von Western Electric gefertigt. Das Ganze war ein in sich geschlossener Kreislauf, welcher auch die Wiedergabekette in den Kinos umfasste. Bereits drei Jahre nach der Einführung ist die Filmindustrie auf eine einfacher zu handhabende Technologie umgestiegen, den Lichtton. Die Schallplattenindustrie hat dagegen mit der ersten elektrischen Aufnahmetechnik fast 25 Jahre lang, also bis Ende der 40er Jahre gearbeitet, wobei ständig punktuell technische Verbesserung eingeflossen sind. Einige dieser Komponenten kosteten das Vielfache eines Mittelklasseautos. Zudem mussten die Aufnahmestudios pro Aufnahme Lizenzgebühren abführen. Darum hat EMI in England Anfang 30er ein eigenes System nach denselben Prinzipien auf den Markt gebracht. Dieser auf Patenten fussende Lizenzierungszwang war eine pausenlos sprudelnde Geldquelle.
Dafür war diese teure Technik puristisches Hi-Tech: oft ein Bändchenmikrophon von RCA (z.B. 44 BX), eine Konsole und ein Verstärker (viel habe ich bis heute darüber nicht erfahren können), ein Schneidekopf von Western Electric (z.B. D-85'264) und eine Lathe von Western Electric (z.B. D-85'249) oder Scully (z.B. #18). Resultat war ein analoges, monophones Direktschnittverfahren mit ausgesprochen kurzem Signalweg. Mischpult, Equalizer und anderen Kinkerlitzchen gab es damals noch nicht. Vielleicht wird jetzt klarer, warum die weitgehend zeitfehlerfreien Aufnahme der EdO enormes Klangpotential haben."
(C. Tobler Zitatende)


Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
Rundfunkonkel, Di Mär 19 2013, 13:22

Ich erlaube mir mal eine Textpassage hier hinein zu kopieren - darin wird der Bau eines neuen Mischpultes für die DGG-Aufnahmen beschrieben, da im Krieg so ziemlich alles zerstört worden war:

"1945

genehmigt die Englische Besatzungsbehörde die Einstellung von 50 Hilfskräften zu Aufräumungsarbeiten. Direktverkäufe an die Besatzungskräfte bringen die ersten notdürftigen Einnahmen. Der am 16.8.1945 zunächst gegen 50.- RM Taschengeld pro Monat dem „Elektroakustischen Labor“ zugewiesene neue Mitarbeiter P. K. Burkowitz beginnt, zusammen mit Ing. Thieme von der SIEMENS-Niederlassung Hannover, mit dem Bau eines ersten, behelfsmäßigen Mischpults, damit wieder Aufnahmen gemacht werden können. In der Formgebung angelehnt an den V35 der RRG (Reichsrundfunkgsellschaft), wird das Pult Anfang 1946 fertig, muss sich aber mit den zu der Zeit auffindbaren Bauteilen begnügen (die in einigen Fällen – wie z. B. geschirmte Kabel – nachts aus verlassenen Flak-Stellungen „ausgebaut“ werden mussten)."

Nachzulesen unter: Link - Hier klicken

Mir ist gestern noch eine Aufnahme aus den Enddreissigern (Bauschke) aufgefallen, in der das Schlagzeug als Interpretationsstil sanft aus- und auch wieder eingeblendet wird.

Vielleicht sollte man daran denken, dass beides möglich ist (ein Mikro, oder eben mehrere) - je nachdem, was an Aufnahmeergebnis stilistisch gerade gefordert war. Das gezeigte Photo von Erhard Bauschke wird vermutlich eine Werbeaufnahme sein, in der auch die hochwertige Aufnahmetechnik präsentiert werden sollte.

@Tangofriend: die Angabe "1929" für die Neumann-Flasche bezweifle ich, zumindes zu diesem Zeitpunkt war das heute bekannte Mikro der RRG nicht gut genug (Textpassage fehlt mir momentan), erst danach wurde das besagte Mikro dermaßen verbessert, so dass sie bis heute gebaut werden (Suchmaschine: Telefunken USA).

Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
Grammophonteam, Di Mär 19 2013, 14:27

Die Benny Carter Aufnahme:

Benny Carter and his Orchestra : Emmett Berry, Shorty Rodgers, Joe Newman, Neal Hefti, tp; Al Grey, Trummy Young, Alton Moore, Sandy Williams, tb; Tony Scott, cl, as; Benny Carter, Russell Procope, as; Willard Brown, as, bs; Dexter Gordon, Don Byas, as, ts; Sonny White, p; Freddy Green, g; John Simmons, b; J.C. Heard, d; Maxine Sullivan, voc (-1)

New York, January 8, 1946


172 LOOKING FOR A BOY (-1)
173 ROSE ROOM

Für die kleine Plattenfirma De-Lux Records. Hier hat übrigens das Klavier ebenfalls ein eigenes Mikro...

Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
, Di Mär 19 2013, 14:29

Zu dem Foto von Erhard Bauschke:

Ich kenne das Foto und es ist in der gezeigten Version etwas beschnitten.
Es zeigt Buaschke für den Fotograf posierend in eine Ecke des Studios, dort sind Notenpulte und Mikrofone abgestellt.
(siehe dazu auch die aufgerollten Kabel der Mikros)

Mit einer Aufnahmesituation hat es nichts zu tun, sehr wohl ist es aber ein Indiz dafür, daß sich die Grammophon etliche Neumann-Flaschen "leisten" konnte.


JETZT ABER NOCH WAS GRUNDSÄTZLICHES

Tangofriemd, wir haben jetzt wirklich ausführlich, mit etlichen Beweisen Deine Eingangsbehauptung " alle Aufnahmen der Schellackzeit entstanden in Ein-Mikrophon-Technik " - vorsichtig gesagt - relativieren können !

Für den Mitleser befürchte ich nun allmählich, durch weitere Beiträge, die zum Teil nur auf das Nichtzurkenntnisnehmen andere Beiweise basieren, hier entwickelt sich eine Konfusion, um nicht zu sagen ein kompletter "Gurkenbeitrag" !

Wir sollten das Thema hier als ausreichend geklärt abschließen.

Eine weitere Haarspalterei macht diesen Thread fast unlesbar.

Gruß, Nils


Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
Grammophonteam, Di Mär 19 2013, 15:19

Die ursprüngliche Frage lässt sich mit der bereits geschriebenen Zusammenfassung beantworten:

- Es gibt Aussagen sowie zeitgenössisches Schriftmaterial die sowohl von einem, wie auch von zwei Mikrophonen mit Mischpulten sprechen
- Bilddokumente zeigen den Einsatz von mehreren Mikrophonen. Die frühesten datieren von 1928
- Filmdokumente belegen den Einsatz sowohl von einem, wie auch mehreren Mikrophonen
- Tondokumente ab den frühen dreißiger Jahren belegen ebenfalls mindestens zwei Mikrophone. Wenn dabei (Musikus) mal eine Aufnahme weniger gut gelang (man hört das Überblenden),
heißt dies noch lange nicht das weiterhin nur ein Mikro verwendet wurde. Lindströmstudios waren mindestens seit 1929 (Bild oben) mit zwei Mikrophonen ausgestattet. 1932 hört man diese Blendtecnik auch bei einer Aufnahme. Drei Jahre experimentieren in eine Technik die sich nicht durchgesetzt hat?
- Die Telefunken Fibel vom Januar 1939 beschreibt sehr detailliert die Mehr-Mikrofon-Technik, ein Film von 1942 zeigt exakt das schon Jahre zuvor beschriebene.
usw., usw, usw..
.

Bis jetzt ist Stand der Dinge das BEIDE Verfahren ab den dreißiger Jahren zum Einsatz kamen und bei manchen großen Firmen üblicher Standard war!


Da es keinen Sinn macht jeden einzelnen Satz zu zerpflücken und die eigentliche Fragestellung beantwortet ist, wird dieser Eintrag hiermit geschlossen.




Nachtrag...

Zeitungsausschnitt Mai 1929 (!)




Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
Grammophonteam, Do Jul 04 2013, 21:39

Inhalt, Bild oder Datei nur fuer angemeldete Mitglieder


In einem YT-Video Link - Hier klicken fand sich eine sehr kurze Sequenz aus einem Aufnahmestudio in den USA. Dieses entstammt wohl einem Werbefilm, der "Uploader" konnte jedoch auch keine weiteren Angaben zu dem kleinen Filmschnippel machen.
Zeitlich dürfte sich der Film auf Ende der zwanziger, frühe dreißiger Jahre datieren lassen:
- Im Orchester spielt ein Kontrabass anstelle einer Tuba. Viele Orchester stiegen erst um 1928/29 auf Kontrabass um.
- Die Hutmode der Damen im Vordergrund war um 1932/33 veraltet.

Setzen wir mal ein ungefähres Datum 1931/32 an.







Dieser Film/Bilder bestätigen einen Verdacht: In Aufnahmestudios wurde auch mit Mikrophonen gearbeitet, die oberhalb des Orchesters angebracht waren (Vergl. Bild Dajos Bela im Lindström Studio 1929). Je nach Perspektive des Photographen bei Studiobildern sieht man diese jedoch nicht.



Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
Rundfunkonkel, Fr Jul 05 2013, 19:49





Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
jitterbug, Fr Jul 05 2013, 20:50

sehr ähnliche Grafik, Sutaner "Schallplatte und Tonband", fv 1954





Grüße, jitterbug

Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
Grammophonteam, Mi Mär 05 2014, 17:36

Zitat von der ersten Seite:

Interessant ist, dass meine Kollegen und ich bis jetzt noch kein solches Mikrofonmischpult abgebildet gesehen haben.


Zwar haben wir im Verlauf nun schon welche gesehen, hier noch ein sehr frühes.

Zeitschrift: Das Radio, Wien April 1933




...sitzt der Tonmeister am Mischpult im Abhörraum, überwacht die Aufnahme und reguliert die Mikrophone.


Aufgenommen bei der Telefunken, wohl Ende 1932 oder Anfang 1933.
Das Mischpult lässt auf bis zu 5 verwendete Mikrophone während einer Aufnahme schließen.




Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
Arto, Mi Mär 05 2014, 19:26

-- der eine Regler war wohl ein "Gesamtregler" (Summensignal), also 4 Mikrophone.

MfG, Arto

Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
Grammophonteam, Mi Mai 07 2014, 17:41

Auch in England mehrere Mikrophone...

Sir Henry Wood dirigiert am 15. Oktober 1938 THE B.B.C. SYMPHONY ORCHESTRA in einer Einspielung für die Columbia von "SERENADE TO MUSIC". Die British Pathe hielt das ganze auf Film fest Link - Hier klicken
Die Einspielung erschien auf Columbia LX 757-8

Deutlich zu erkennen: mindestens zwei Mikrophone wurden bei dieser Aufnahme verwendet.







Techniker bei der Aussteuerung (Mischpult)




Schneidekopf




Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
snookerbee, Mi Mai 21 2014, 01:57


Was wir schon in den vorherigen Einträgen hier im Thread belegen konnten, wird in folgendem Interview von einem offiziellen Vertreter der EMI für die Aufnahmepraxis in London bestätigt. Er spricht davon, dass kommerzielle Aufnahmen bei den meisten großen Sessions mit 4 Mikrophonen angefertigt wurden, deren Mix zur Schnittmaschine gelangte. Er bestätigt, dass oft 2, manchmal auch 3 Schneidemaschinen mit dem selben Mikrophonmix parallel gespeist wurden, um Zeit zu sparen und eventuell nötige Wiederholungsaufnahmen wegen fehlerhaftem Aufnahmematerial zu vermeiden. Außerdem macht er klar, dass die Informationen autorisiert sind von einem Toningenieur, der tatsächlich die ersten Aufnahmen in den Abbey Road Studios gemacht hat. Wikipedia zufolge war das 1931.

Zum Interview: Link - Hier klicken

Hintergrund dieses Interviews war die Entdeckung sogenannter "accidental stereo"-Mitschnitte von historischem Material aus der Zeit ab 1929 am Anfang der 1980er Jahre. Es handelt sich dabei um zwei nachträglich im Stereoformat kombinierte Mono-Aufnahmen der selben Aufführung, die durch 2 Maschinen mit seperaten Mikrophonen aufgezeichnet wurden. Hier einige Beispiele.

Duke Ellington 1932: Link - Hier klicken

Massenet's 'Le Cid' 1929: Link - Hier klicken

Tchaikovsky's 'Pathetique' 1930: Link - Hier klicken

Der RCA-Vertreter spricht im Interview davon, dass die Techniker bei dieser Methode der Aufzeichnung verschiedene Mikrophonpositionen ausprobierten und dabei sozusagen nebenbei eine Stereo-Aufzeichnung anfertigten.

Zur Entdeckung dieser Mitschnitte gibt es hier den ausschlaggebenden Artikel von 1985:

Link - Hier klicken

Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
Formiggini, Mi Mai 21 2014, 21:31

Sehr interessantes Interview!
Hier wird ja tatsächlich von einem offiziellen Vertreter der EMI (HMV) bestätigt was wir hier schon anhand vieler Dokumente zeigen konnten:
Bis zu vier Mikrophone, über ein Mischpult geregelt speisten mehrere Schneideapparaturen. Und dies Anfang der dreißiger Jahre...



Aus dem Interview:







Aus dem Artikel Tilophan:

Bei Aufnahmen räumlich ausgedehnter Klangkörper ergibt sich bei Verwendung eines einzigen Mikrophons oft der Übelstand, daß Soloinstrumente und Sänger, die nahe zu dem Mikrophon gestellt werden müssen, einander behindern.
Für solche Fälle werden beide Mikrophone verwendet, und zwar derart, daß die Kristalldose hochgestellt den Gesamtklang aufnimmt und die Solisten im Halbkreis vor das dynamische Mikrophon gestellt werden...
Dezember 1936





Selbst bei dieser eher kleinen Firma aus Österreich kamen Mitte der dreißiger Jahre zwei Mikrofone und ein Mischpult zum Einsatz.




Insgesamt sehr beeindruckend wie erstaunlich modern die Aufnahmetechnik schon ab den frühen 30er Jahren war - leider ist anscheinend vieles davon heute in Vergessenheit geraten.
Umso schöner hier die ganzen Dokumente und Belege für eine erstaunlich fortgeschrittene Studiotechnik aus der "Vorgeschichte" der modernen Tonaufzeichnung zu sammeln und zu sehen!

Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
snookerbee, Mi Mai 21 2014, 22:55

Insgesamt sehr beeindruckend wie erstaunlich modern die Aufnahmetechnik schon ab den frühen 30er Jahren war - leider ist anscheinend vieles davon heute in Vergessenheit geraten.


Das kann man nur ganz dick unterstreichen, vor allem den letzten Teil.

Noch zu erwähnen wäre der Name des EMI-Offiziellen: Keith Hardwick.

Danke für die Einbindung des Audiozitats.

Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
Arto, Do Mai 22 2014, 01:39

Ich war dabei, in 1986, und kann weiteres berichten. Keith Hardwick (ohne "e", Michael J. Biel hat sich geirrt) war der Verantwortliche für historische Umschnitte auf LP und Kassette bei EMI, und meistens war ich mit ihm über den Frequenzgang gar nicht einig. Aber hier hat er völlig Recht gehabt. Damals wollte er den alten Tonmeister und später für Klassik verantwortliche nicht benennen, aber es war Edward Fowler, und er hat die Sache in 1985 zurückgewiesen.

Wie Gerald Peter Plano sagte, könnte es sehr wohl sein, dass die Aufnahmemaschinen bei RCA Victor, die dasselbe aufnahmen, etwas unterschiedlich gelaufen haben. Obwohl sie elektrisch synchron getrieben wurden, hatten sie eine flexible Kupplung als teil eines mechanischen Filter, und die Geschwindigkeit konnte immernoch 0,3% pendeln. Das is ausreichend um allerlei Phasenunterschiede zwischen zwei Monoaufnahmen hervorzurufen, und voilà, man hat Pseudostereo.

Übrigens, ganz herzlichen Dank für den Tilophan-Artikel. Prima!

Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
Grammophonteam, Mo Jan 26 2015, 12:54

Durch Verwendung mehrerer parallel geschalteter Mikrophone... (1932)



Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
Grammophonteam, Mo Feb 09 2015, 19:32

Im November 1931 eröffnet in London das neue Studio der EMI / HMV, heute besser bekannt unter dem Namen Abbey Road Studios. Quasi als Einweihung dirigiert Sir Edward Elgar in der ersten Aufnahmesitzung am 12.November 1931 das London Philharmonic Orchestra. Dieses Ereignis wird von der British Pathe im (Ton) Film festgehalten.





Deutlich zu erkennen - drei Mikrophone nehmen das Orchester auf:












Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
Grammophonteam, Sa Feb 21 2015, 20:51

Schon 1927...

Das bei Saalübertragungen so hervortretende, raumakustische Charakerteristikum wirkt namentlich bei einer Musik mit Großbesetzung sehr gut und läßt sich durch Platzierung mehrerer Mikrophone noch verstärken.

Die Deutsche Grammophongesellschaft veröffentlicht unter dem Firmenzeichen "Polyfar" einige Großraumaufnahmen, die schon als brauchbare Resultate gelten können.




...hat man neuerdings bekanntlich ein elektrisches Verfahren gewählt, bei welchem die Aufnahmen von einer Anzahl im Raume verteilter Mikrophone aufgenommen und durch eine besondere elektrisch-akustische Schreibvorrichtung auf die Platte eingeritzt werden.




Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
Grammophonteam, Fr Mär 27 2015, 09:39

Schallplatten - Aufnahme der Grammola - Gesellschaft von den Wiener Philharmonikern unter der Leitung des Dirigenten Franz Schalk. Im Vordergrund links: Dir. Conrad, der Leiter der Grammola - Aufnahmen.


Wien, 4. oder 11. April 1928, Grammola / HMV


Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
Grammophonteam, Sa Jun 27 2015, 13:06

Aus einer technischen Schrift der Tri-Ergon, 1928:

...so daß der sog. Nachhall kontrolliert werden kann, der bei Sprache 0,7 - 0,8 sek., bei Musik 1 Sek. betragen darf. Mehrere Mikrophone zugleich vermitteln den sog. "plastischen Ton", wie ihn beide Ohren des Menschen auch auffangen.

Überhaupt ist die Wahl der Aufstellung für die Mikrophone von wesentlicher Bedeutung. Ein Orchester mit einem Sänger wird man also stets mit zwei getrennten Mikrophonen aufnehmen, damit der Sänger nicht übertönt wird.


Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
Grammophonteam, Sa Okt 17 2015, 22:03




HMV, Small Queen's Hall, London - 1931


Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
, So Okt 18 2015, 22:13

Eine orginale Mikrofonkapsel von Telefunken, wie sie im Video mit Rosita Serrano zu sehen ist.








Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
Formiggini, So Dez 20 2015, 09:50

Schon 1926 ist die Rede von (teilweise) "...mehrere Mikrophone, die in bestimmter Entfernung angebracht sind...". Vermutlich bezieht sich dies auf große Orchester-Aufnahmen und/oder Chöre.



Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
Grammophonteam, Di Mär 07 2017, 21:08

Eigentlich wurde ja die Frage wie viele Mikrophone verwenden wurden, schon ausreichend geklärt. Hier aber noch eine interessante Aussage dazu aus dem Jahr 1926 (!) vom „Marktführer“ Western Electric (dessen System u.a. Lindström mit Odeon usw., Columbia, HMV und Victor nutzen). Der Artikel stammt aus der Zeitschrift „Phonograph Monthly Review.


How the Sounds Get Into Your Record by the Electrical Process
(By Experts of the Western Electric Company)




Der Ton wird von zwei, oder mehr, (high quality) Mikrophonen aufgenommen...


Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
RF-Musiker, Sa Mai 13 2017, 12:32

Irgendein "Experte" meinte, auf YouTube zu erzählen, dass es vor den 1960er Jahren normal war, alles mit einem Mikro aufzunehmen.
Dank unserem Forum konnte ich ihm erklären, dass mehrere Mikrofone zum Einsatz kamen, meist mindestens ein Zusatzmikro für Solisten und beim Polyfar-Verfahren noch zusätzliche Ambience-Mikrofone.

Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
berauscht, Sa Mai 13 2017, 12:46

Es ist auch möglich nur mit einem Mikrophon aufzunehmen. Bert Kaempfert hat das bei seinen Orchesteraufnahmen gemacht. Es ist aber es ist eine Kostenfrage. Einer seiner Musiker erzählte, dass es oftmals einen ganzen Tag gedauert hat bis alle Musiker perfekt um das Mikrophon platziert waren, um dann eine Aufnahme von vier Minuten zu machen.

Re: Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
berauscht, Di Mai 16 2017, 17:27



"Im Tonmischraum der alten Berliner Singakademie. Jedes Mikrophon hat seinen besonderen Regler, der durch den Tonmeister bedient wird."