Kosmograph-Schallplatte
, Fr Jul 19 2013, 20:00

KOSMOGRAPH SCHALLPLATTE 17, 5 cm Nr. und Titel handschriftlich
1529 a-ORCHESTER (wohl KAISER FRANZ GARDE-GRENADIER-REGIMENT.)-König Carl-Marsch/einseitig. Rückseitig 3 x das Költzow-Markenzeichen

Am 21. 10. 1903 erschien in der "Phonographischen Zeitschrift" folgender Artikel:
"Albert Költzow-Vielen unserer Leser ist die Person Albert Költzow's genau bekann, vielen auch nicht. In den letzten Jahren war er von der Bildfläche der Phongraphen-Industrie verschwunden. Albert Költzow ist einer der wenigen, welche den Beginn der Phonographen-Industrie durchgemacht haben, Damals war es Költzow neben Wilhelm Bahre, welcher nach dem Vorbild der ersten amerikanischen Phonographen diese Apparate nebst den dazu gehörigen Walzen für Schausteller fabrizierte. Phonographen-Händler gab es damals nicht. Die Fabrikation war natürlich damals keine kleine Aufgabe und nicht zu vergleichen mit den Aufgaben der heutigen Phonographentechniker, welche alle Unterlagen für ihr Geschäft vorfinden. Es gab keine Massen zu fabrizieren, sondern nur einzelne Apparate und einzelne Walzen, dafür wurde aber für einen guten phonographischen Apparat 1000 Mk. gezahlt, eine zerbrochene Glasmembrane legte seinen Besitzer eine Busse von 50 Mk. auf, Walzen kosteten 20-30 M. das Stück und das Abhören wurde mit 1 Mk. berechnet. Albert Költzow hat sich inzwischen in Gross-Lichterfelde eine Villa gekauft, und man vermutete, dass er sich einer beschaulichen Ruhe hingebe; jetzt stellt sich heraus, dass er 1 1/2 Jahre lang angestrengt gearbeitet hat und zwar an den Versuchen zur Fabrikation von Schalllatten für Plattenapparate. Wir hatten vor einigen Tagen Gelegenheit, die ersten Erzeugnisse dieser Art zu sehen und müssen bekennen, dass wir über die bereits erreichten Erfolge erstaunt waren. Die uns vorgeführten Platten zeigen eine Vollkommenheit, welche völlig auf der Höhe steht. Was Material und Ausführung betrifft, so ähneln die Platten vollständig den bekannten Grammophon- und Zonophonplatten und sehen von der Verwendung von Celluloid ab. Wir erfahren, dass die Fabrikationseinrichtungen bereits so weit gediehen sind, dass von 1. November ab täglich etwa 150 Platten fertig werden können."
Am 21. 10. 1903 annoncierte Albert Költzow das erste Mal für seine KOSMOGRAPH-Schallplatten, "passend für alle Plattensprechmaschinen". Am Ende der Anzeige gab es eine Warnung: "Es ist verschiedentlich vorgekommen, dass Sprechmaschinen und deren Bestandeile unter der Bezeichnung "Kosmograph" oder "Kosmophon" angeboten worden sind. Die Bezeichnung "Kosmograph" ist mir seit 1897 als Warenzeichen für Sprechmaschinen etc. geschützt und hat das Kaiserliche Patentamt bereits zweimal entschieden , dass die Bezeichnung "Kosmophon" sowie alle Bezeichnungen, welche die Silbe "Kosmo" enthalten, in meine Schutzrechte eingreift. Ich warne daher jedermann, die Bezeichnungen "Kosmograph", "Kosmophon" und deren Abarten ohne meine Erlaubnis für Sprechmaschinen anzuwenden, da ich sonst leider gezwungen bin, meine Rechte gerichtlich geltend zu machen - A. Költzow, Gross-Lichterfelde III."
Daraufhin erschien am 04. 11. 1903 folgende Antwort:
Sprechsaal - "Wir finden in Ihrer Zeitschrift, 4. Jahrgang No. 42 vom 21. Oktober, ein Inserat von Albert Költzow in Gross-Lichterfelde bei Berlin, in welchem derselbe warnt, Sprechmaschinen und deren Bestandteile unter der Bezeichnung "Kosmophon" anzubieten. Nach einer staatsanwaltlichen Entscheidung ist eine Klage, welche Herr Költzow dieserhalb angestrengt hatte, zurückgewiesen und hat Herr Költzow durchaus nicht das Recht vor dem Gebrauch des Namen "Kosmophon" zu warnen.
Es wäre Herrn Költzow sehr anzuraten, diese Warnung zu widerrufen, da er sich andernfalls grösseren Unannehmlichkeiten aussetzen könnte, da diese Warnung als geschäftsschädigend aufgefasst werden muss.
Wir ersuchen die geehrte Redaktion eine Bemerkung über diesen Fall Költzow in nächster Nummer erscheinen zu lassen.
Hochachtungsvoll Schallplatten-Fabrik "Kosmophon" G. m. b. H. (gez.) E. Wunderlich"
Dazu dann die "Anmerkung der Redaktion":
"Es hat uns eine Entscheidung des Kaiserlichen Patentamtes vorgelegen, nach welcher eine Anmeldung zur Eintragung der Wortmarke "Kosmophon" zurückgewiesen wurde, unter der Begründung, dass diese Bezeichnung zur Verwechslung mit der bereits (für A. Költzow) eingetragenen Wortmarke "Kosmograph" führen könnte. Durch diese Entscheidung des Patentamtes, welche das Wort "Kosmophon" zur Eintragung nicht zulässt, ist die Frage, ob die Benutzung des Wortes "Kosmophon" strafbar sei, nicht entschieden. Diese zu entscheiden ist evtl. Sache der ordentlichen Gerichte, und wie weit für diese die Ansicht des Patentamtes massgebend sein würde, ist keinenfalls im Voraus zu bestimmen."
Daraufhin erschien am 18. 11. 1903 wieder eine Einsendung:
Die Marke "Kosmophon" - "Sehr geehrte Redaktion ! Wir danken Ihnen für die freundliche Aufnahme unserer Zuschrift in Ihrem Sprechsaal, erlauben uns jedoch zu bemerken, dass aus der Anmerkung der Redaktion, in welcher dieselbe sagt, ob die Benutzung des Wortes "Kosmophon" strafbar wäre, sei von Gerichten zu entscheiden, nicht deutlich hervorgeht, dass das Gericht in unserer Sache bereits entschieden hat, indem es die Straflosigkeit des Wortes "Kosmophon" konstatierte. Sollten Sie die Liebenswürdigkeit haben, Ihrer Anmerkung hinzuzufügen, dass sich das Gericht in fraglicher Sache bereits entschieden hat, so wären wir Ihnen sehr dankbar. Hochachtungsvoll Schallplatten-Fabrik "Kosmophon" G. m. b. H. (gez.) O. Herrmann"
Dann hatte die "Phonographische Zeitschrift" die Faxen wohl dicke und veröffentlichte am 25. 11. 1903 unter Notizen- "Kosmograph"-"Kosmophon" folgende Meldung:
"In dieser Angelegenheit sendet uns Herr Költzow ein Schreiben, in welchem er mitteilt, dass die Angaben der "Kosmophon" Gesellschaft-Hannover, welche wir in unserer letzten Nummer abdruckten, falsch seien.. Diese Firma habe keine Gerichtsentscheidung, nach welcher ihr die Führung der Marke "Kosmophon" erlaubt sei. - Wir können den Parteien nur dringend zu einem Vergleich in dieser unerquicklichen Angelegenheit raten, jedenfalls werden wir im redaktionellen Teil nichts mehr darüber veröffentlichen.
Albert Költzow annoncierte nochmals am 25. 11. 1903 für seine "Kosmograph-Schallplatten, mit dem Zusatz: "Die beiden Zuschriften der "Kosmophon"-Gesellschaft in Hannover, welche in No. 44 und 46 dieser Zeitschrift veröffentlicht sind, erkläre ich hiermit als eine .............. Kein Gericht hat bisher in meiner Sache entschieden, dass die Bezeichnung "Kosmophon" nicht strafbar ist, denn meine Klage gegen die Kosmophon"-Gesellschaft ist erst jetzt angestrengt worden.
Und wiederum eine Anzeige am 09. 12. 1903 mit einer Liste der neuen November-Aufnahmen.
Nach dieser Anzeige annonciert Albert Költzow nie wieder für seine Kosmograph-Platten, weder 1903, noch 1904, sie war dann wohl sehr schnell vollständig von der Bildfläche verschwunden ! Erst am 13.07.1904 erschien wieder eine Anzeige Anzeige von Albert Költzow in der Phonographischen Zeitschrift:
„Für 6800 Mark liefere ich eine vollständig complette Einrichtung zur Aufnahme und Herstellung von Schallplatten. incl Rezept zur Herstellung der Platten-Masse und Anlernen der Arbeiter. Obige Einrichtung ist für eine Tages-Produktion von 150 Platten (und das zu einer Zeit, als die grossen Pressereien täglich tausende und abertausende Platten pressten !). Für jede weitere 150 Platten pro Tag erhöht sich der Preis der Einrichtung um 25,- Mark. Selbstkostenpreis einer kleinen 7 Zoll-Platte nach meinem Verfahren ca. 38 Pfennig. Rein Netto-Verdienst an jeder Platte ca. 50-60 Pg. also pro Tag ca. 75 Mark. Beim Detail-Verkauf ca. das Doppelte. Ich garantiere, dass die nach meinem Verfahren und mit den von mir gelieferten Apparaten hergestellten Platten bei Verwendung gleicher Aufnahme-Künstler den bis jetzt bekannten besten Platten-Marken genau ebenbürtig sind, andernfalls zahle ich das Geld retour. Probe-Platten jederzeit zu Diensten. Jeder Käufer wird gratis angelernt, bis er tadellose Platten machen kann. - Keine Dampfkraft und keine Dampf erforderlich. - Einfaches Verfahren - Keine grossen Fabrikräume. - Ernstliche Reflektanten, welche über obiges Kapital verfügen, wollen sich gefl. mit mir in Verbindung setzen.“
Und am 23.08.1905 gab es wieder eine Anzeige von Költzow in der "Phonographischen Zeitschrift":
„A. Költzow Gross-Lichterfelde bei Berlin liefert seit längerer Zeit mit bestem Erfolge vollständige Einrichtungen zur Schallplattenfabrikation, als Aufnahme-Apparate, Galvanische Einrichtungen, Hydr. Pressen, Pumpwerke, Accumulatoren, Heizplatten, Pressformen u. s. w. - Specialität: Einrichtungen von Fabriken zur Plattenfabrikation vom kleinsten bis zum grössten Umfang unter weitgehendsten Garantieen. - Ich liefere nicht bloss die Apparate und Maschinen, sondern jeder Käufer meiner Einrichtungen wird von mir persönlich angelernt, bis derselbe Schallplatten 1 a Qualität von a - z selbst herstellen kann.
Anfangsschwierigkeiten und sog. Kinderkrankheiten, welche sonst bei der Plattenfabrikation zu Anfang auftreten und viel unnützes Geld kosten , sind bei meinen Einrichtungen ausgeschlossen, da ich mit allen Finessen der Plattenfabrikation vertraut bin und jeden Käufer eingehend anlerne - Prospecte und Kosten-Anschläge gratis.“
Das lief wohl auch nicht so, wie es sich Herr Költzow vorgestellt hatte, denn am 08.11.1905 annoncierte Költzow wiederum in der "Phonographischen Zeitschrift":
„Schallplatten-Aufnahmen - Um mehrfach geäusserten Wünschen nachzukommen, übernehme ich neuerdings die Ausführung von Schallplatten-Aufnahmen mit meinen Aufnahme-Apparaten für fremde Rechnung an allen Orten Europa unter weitgehendsten Garantieen zu mässigen Preisen...........“
Und nochmals am 23. 08. 1906 für "Lebend sprechende Photographie":
„Auf Grund jahrelanger Erfahrung (bereits 1896 baute ich Kinematographen) und vieler Versuche, habe ich die heute allgemein übliche Sprechmaschine mit einem Kinematographen kombiniert. wodurch die lebend sprechende Photographie bedeutend verbilligt demnächst auch Privatkreisen und zwar jedem Besitzer einer Sprechmaschine für wenig Geld zugänglich sein wird..............“
dann hatte er wohl keine Lust mehr auf die Sprechmaschine, Plattenherstellung und allem was dazu gehörte. und man hörte nie wieder von ihm !
Die Kosmograph Schallplatten hatten einen Durchmesser von 17,5 cm, waren einseitig, mit handgeschriebener Nummer und Titel und hatten auf der Rückseite 3 mal Albert Költzows Fabrikmarke am Rand. Und dies zu einer Zeit, als es schon seit zwei Jahren 25 cm Platten gab und seit einigen Monaten sogar 30 cm Platten von der Deutschen Grammophon AG. Man kann wohl sagen, dass diese Marke weitaus seltener als die Gutenberg-Bibel ist, von der um 1455 200 Stück gedruckt wurden, von denen weltweit noch 48 erhalten sind, davon 21 komplett !
Das weltweit wohl einzig bekannte Exemplar dieser Marke befindet sich in der Sammlung Gunrem-Schulze !







Re: Kosmograph-Schallplatte
Starkton, Fr Jul 19 2013, 20:24

Dazu muss man anmerken, dass Oskar Messter am 25.11. 1897 das Wortzeichen "Kosmograph" angemeldet hat, und die Schallplatten-Fabrik „Kosmophon“ G.m.b.H. am 17. Juni 1902 ins Handelsregister eingetragen wurde.
Offensichtlich hat Költzow das Wortzeichen von Messter gekauft.

Die Kosmograph Schallplatte von Költzow kostete, laut Anzeige vom 1. Februar 1904 in der Zeitschrift für Instrumentenbau, Leipzig, 24. Jahrgang, No. 13, S. 372, pro Stück 1,80 Mark, das Dutzend 20 Mark.

michelmegu schrieb ...

Das weltweit wohl einzig bekannte Exemplar dieser Marke befindet sich in der Sammlung Gunrem-Schulze !

Wenn sie bei Euch nicht so teuer wäre, hätte ich sie schon längst in meiner Sammlung ;]

Re: Kosmograph-Schallplatte
Aristodemo, Fr Jul 19 2013, 22:47

KOSMOPHON-Sprechapparate
Das Musikhaus Horst Ullrich, Dresden A 1 (Altstadt, Zentrum)
zunächst Christianstraße 13, dann Mosczinskystraße 5, beides nächst der Pragersraße, wirbt in den 20´er Jahren mit dem-Alleinverkauf der Kosmophon-Sprechapparate.