Robert Gaden
GrammophonTeam, So Feb 16 2014, 19:07

Robert Gaden / Robert Gaedecke
* 23. August 1893 in Bordeaux, Frankreich
† 1. Oktober 1985 in Berlin-Zehlendorf

Mitte bis Ende 1920


Aus: Jazz und Shimmy. Brevier der neuesten Tänze (1921)


Robert Gaden trat zum ersten mal (1906) im Alter von 13 Jahren, als Solist öffentlich auf. Er wurde Meisterschüler von Lucien Capet am Pariser Conservatoire Nationale. Nach dem Ausbruch des I. Weltkrieges kehrte die Familie wieder nach Deutschland zurück. Nach Kriegsende wechselte Gaden zur Unterhaltungsmusik und leitete mehre Orchester. Im einzelnen waren das: eine Künstlerkapelle, Diamond King's Jazz Band und Roberts Jazz-Kapelle; mit allen Orchestern entstanden Schallplattenaufnahmen für verschiedene Firmen.

Er erregte Aufsehen mit der Welturaufführung von Ferde Grofés "Mississippi Suite" im Berliner Deutschlandsender. Ab 1930 hatte er einen Exklusivvertrag mit der (Electrola).
Hier spielte er bevorzugt argentinische Tangos, aber auch alle Arten von moderner Tanzmusik, Filmmusik, langsame Walzer sowie konzertante Titel.



Re: Robert Gaden
Barnabás, So Feb 16 2014, 22:20

Hier noch eine Ergänzung zur Kurz-Biographie von Gaden:

Am 10. Januar 1944 spielte das Orchester Robert Gaden vor dem
//- Personal im Lager Auschwitz.
Das Konzert wurde im großen Mannschaftsspeisesaal des Lagers abgehalten.
Dazu wurde am 07.Januar 1944 der Sonderbefehl Nr. 2, der Truppenbetreuung ausgestellt.
(Kein Ruhmesblatt für Herrn Gaden. Leider)

Re: Robert Gaden
gramofan, Fr Jun 27 2014, 19:23

Entgegen den Angaben oben kann Gaden nicht ab 1930 einen Exklusivvertrag mit Electrola gehabt haben, denn Lotz verzeichnet auch danach noch Aufnahmen für andere Plattenfirmen. Von 1933 bis zum Ende seiner Aufnahmetätigkeit 1939 entstanden dann in der Tat ausschließlich Aufnahmen für Electrola.

In einem Widergutmachungsantrag aus den 50er Jahren (Durchschlag liegt mir vor) behauptete Gaden auf Grund seiner antinationalsozialistischen Haltung (er unterstützte z.B. einen jüdischen Verwandten) denunziert worden zu sein und deshalb 1939 die Stellung als Kapellmeister im Rundfunk und bei der Electrola verloren zu haben. Zwar liegen mir keine Beweise für die Richtigkeit dieser Behauptung vor, doch würde dies immerhin erklären, wieso die Aufnahmeserie bei der Electrola 1939 abrupt abbricht (natürlich könnte eine viel banalere Ursache, der kurz vorher begonnene Krieg sein. Allerdings haben viele andere Orchesterleiter die ersten Kriegsjahre noch überstanden.). In dem Antrag wird auch vorgetragen, Gaden sei damals nur knapp einer Einlieferung in ein KZ entkommen und für Wehrmachtskonzerte gesperrt worden. Dass er am 10. Januar 1944 vor dem Personal des Lagers Auschwitz gespielt haben soll, will dazu schlecht passen, mag aber auch nicht undenkbar sein. Vielleicht musste hier auf Grund der Vorbelastung ein besonderer Loyalitätsbeweis erbracht werden. Das würde die Sache immerin in einem anderen Licht erscheinen lassen.

Re: Robert Gaden
gramofan, Fr Jun 27 2014, 19:41

Hier noch ein paar Bilder zu Robert Gaden


Anfang 20er Jahre


30er Jahre mit Ehefrau am Flügel





Als Dirigent seines Tanz-Symphonie-Orchesters 30er Jahre




Im Urlaub in Bad Pyrmont mit Ehefrau 50er Jahre





Im Urlaub mit Ehefrau an der Côte d'Azur 50er Jahre



Re: Robert Gaden
Musikmeister, Mi Aug 27 2014, 19:04

Robert Gaden und die Diamond King´s Jazz-Band im Hiller Restaurant sowie dazugehörigem Mercedes-Palast Unter den Linden Berlin, August 1922


Re: Robert Gaden
shellackotto, Mi Jun 22 2022, 21:55

Noch ein paar Angaben zu Robert Gadens Orchester:

16. September 1933:
Das Orchester Robert Gaden spielt "deutsche Tanzmusik" in der "Stunde der Nation" des Deutschlandsenders (Sendung geleitet von Willi Stech). Das Programm umfasste einen Paso doble, mehrere langsame Walzer, Tangos, schnelle und langsame Foxtrotts und einen Marschfox.

Erwin C. Seeger, "Neue deutsche Tanzmusik," in: Der Artist Nr. 2494 vom 6.10.1933, deutete den Auftritt des Gaden-Orchesters in der Sendung "Stunde der Nation," die er "hochpolitisch" nennt, als ein Signal, dass eine bestimmte Art von "künstlerischer," "deutscher" Tanzmusik, "keine Niggermusik," den Beifall der neuen Regierung finde (zitiert in Axel Jockwer, Unterhaltungsmusik im Dritten Reich, Diss. Konstanz 2004, S. 294-295)(Link - Hier klicken!).

14. Januar 1936:
Zusammen mit den Orchestern von Otto Dobrindt, Barnabas von Géczy, Otto Kermbach und Carl Woltschach darf das Orchester Robert Gaden im vierstündigen ersten "Wunschkonzert" des Deutschlandsenders zugunsten des NS Winterhilfswerks auftreten, vgl. Jockwer 2004, S. 444 (Link - Hier klicken!).

12. September 1941:
Konzert der Kapelle Robert Gaden im Konzertsaal in der Laisve Allee in Kauen / Kauno (Kaunas in Litauen) im Rahmen der Truppenbetreuung. Besprochen im deutschsprachingen Teil der Zeitung Į laisvę, 13. Sept. 1941, Seite 4 (Link - Hier klicken!).

15. Januar 1942:
Konzert mit dem Geiger Robert Gaden und seinem gleichnamigen Tango-Orchester im Saalbau in Frankfurt am Main, veranstaltet von der Deutschen Arbeitsfront (DAF) und der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“, Kreis Groß-Frankfurt.
(Link - Hier klicken!)

27. März 1942:
Die "Deutsche Zeitung in den Niederlanden" widmet der Kapelle Robert Gaden, die "seit Kriegsausbruch im Sondereinsatz des Reichspropagandaministeriums" in der Truppenbetreuung arbeitet, einen Artikel, für den der Orchesterleiter interviewt wurde: "Ein Tanzorchester im Einsatz: Die künstlerische Arbeit der Kapelle Robert Gaden - Der Dirigent erzählt: für den Tango, wider die Jazzmusik."Link - Hier klicken.

Ein Auszug: "Trotz seiner modernen Orchestrierung tänzerischer Musik, die eine Besonderheit der Kapelle ist, hat Gaden eine Form beibehalten, die sich von der Verjazzung fernhielt. Er steht auf dem Standpunkt, dass die Negermusik, die als solche ein Idiom ist, in ihrem Ausdruck für uns interessant sein kann, wenngleich sie unserem Ohr nicht schmeichelt, aber durch Umarbeitung mit modernen Harmonien eine Verzerrung bekommt, der jeder gesunde europäische Instinkt widerstrebt. Er hat also alle Auswüchse auf diesem Gebiet vermieden und mit seiner Instrumentierung, in der der Streicherklang vorherrscht (durch Besetzung von 8 Geigen, 2 Celli, 2 Bässen) seiner Kapelle das typische Merkmal gegeben."

18. September 1942:
Gastspiel des Tanz- und Unterhaltungsorchesters Robert Gaden in der "Glocke" in Bremen.(Link - Hier klicken!)

5. Mai 1943:
Gastkonzert der Tanz- und Unterhaltungskapelle Robert Gaden im Festsaal der Hans-Schemm-Schule in Rybnik, Schlesien, veranstaltet von der Deutschen Arbeitsfront (DAF) und der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“, Kreisdienststelle Rybnik. Angekündigt in "Der Oberschlesische Wanderer," 1. Mai 1943, Seite 4 (Link - Hier klicken!).

19. & 20. Mai 1943:
Robert Gaden mit seinem Tanz-Sinfonieorchester bietet klassische und moderne Tanzmusik in der Sporthalle am Hitler-Jugend-Park in Litzmannstadt (Lodz), veranstaltet vom Kreiskulturring Litzmannstadt und der NS Gemeinschaft "Kraft durch Freude" (Link - Hier klicken!).
Eine Besprechung des Konzerts findet sich in der Litzmannstädter Zeitung vom 22. Mai 1943, Seite 4 (Link - Hier klicken!).

10. Januar 1944 (wie oben erwähnt):
Robert Gaden und sein Orchester spielen im Großen Saal für die Wachmannschaften des KZ Auschwitz.
Der gesamte Standortbefehl 2/44 kann hier nachgelesen werden: Link - Hier klicken!

13. März 1944:
Die Unterhaltungskapelle Robert Gaden spielt auf Einladung des Kreiskulturrings in Dietfurt (Wartheland) (d.h., Żnin) (Link - Hier klicken!).

Das sieht nicht so aus, als sei Gaden jemals von Wehrmachtskonzerten ausgeschlossen worden, und die KdF war offensichtlich auch ein Fan. Ich glaube, Gadens selbstgestrickte Legende von seiner "antinationalsozialistischen Haltung" kann getrost begraben werden.

Re: Robert Gaden
berauscht, Do Jun 23 2022, 11:38

KdF-Konzerte des Orchesters im Dezember 1943 in Westdeutschland

12. Dezember 1943, Bochum
14. Dezember 1943, Arnsberg
14. Dezember 1943, Brilon
15. Dezember 1943, Neheim-Hüsten
16. Dezember 1943, Iserlohn
17. Dezember 1943, Aachen