Versuche mit Dynamikexpandertechnik
Rundfunkonkel, Mi Jul 09 2014, 23:39

Hallo,

in einem Buch aus etwa Mitte der 30er Jahre wird eine kleine, einfache Schaltung beschrieben, die den Dynamikbereich der wiedergegebenen Tonkonserven (oder des Radioprogrammes) wieder etwas expandiert (also aufweitet - leises wird leiser, und lautes wird wieder lauter). Den Grund für die Zusammenpressung hier genau zu erklären führt meines Erachtens etwas zu weit, nur soviel dazu: man stelle sich ein Klassikkonzert (oder Heavy-Metal) in originaler Lautstärke mal im Wohnzimmer wiedergegeben vor. Oder im Auto... allein von der Seite muss man einen Kompromiss finden. Auch aufnahmetechnisch wären die leisen Passagen auf unseren Platten unterhalb der Rauschgrenze, und das lauteste würde das Maximum des Rillenabstandes überschreiten. So weit, so gut.

Da der Mensch auch damals nicht mit diesem Umstand zufrieden war, wurden eifrig Schaltungen entworfen, die diesen Effekt zumindest teilweise wieder umkehren sollten. Die einfachste besteht aus ein paar Bauteilen (u.a. Glühlämpchen als Kaltleiter), die gehobeneren Ideen aus einer Anzahl von Röhrenstufen. Es gab auch schon Geräte mit integrierter Expanderfunktion (siehe auch die Nennung hier, RCA Victor D-22-1 und U-109: Link - Hier klicken - hat jemand Bilder bzw. Schaltpläne und Details davon? - EDIT: einen Schaltplan gibt's davon hier: Link - Hier klicken ).

Vor ein paar Jahren habe ich selber mit den Schellackplatten und einem modernen Expandersystem Versuche unternommen. Das Ergebnis war sehr gemischt. Störungen werden schließlich mit expandiert, und der gewünschte Effekt an sich fällt leider auch zum Teil aus. Es klingt komisch. Was auch der Grund sein dürfte, warum sich das ganze bis heute nicht durchgesetzt hat.

Falls jemand basteln möchte, könnte ich besagte kleine Schaltung gern nachreichen.

Re: Versuche mit Dynamikexpandertechnik
veritas, Do Jul 10 2014, 08:59

Das ist wirklich interessant. Bislang hatte ich nichts davon gehört, daß man absichtlich schon zu dieser Zeit bei Dynamik reduziert hat. Gut, wenn man darüber nachdenkt, dann macht das schon aus den ausgeführten Gründen Sinn, die Schallplattenmaterial war eben noch in vielerlei Hinsicht unzulänglich.

Aber es entbehrt sich nicht einer gewissen Ironie, daß es heute genau andersherum ist. Kürzlich hatte ich eine interessante Datenbank zum sog. Loudness War entdeckt: Link - Hier klicken
Mittlerweile ist die Dynamikreduktion sogar schon bei Klassik und Jazz angekommen.

Bei akustischen Aufnahmen wurde noch deutlich mehr von den Interpreten abverlangt, um mit gleichbleibender Präsenz aufgenommen zu werden. Da hatten sie es dann in der elektrischen Aufnahme-Ära schon wesentlich bequemer.