Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
berauscht, Di Jan 15 2019, 19:40

Weiterführung eines Diskusionsstranges aus dem Thread Die Geschichte der "Capri - Fischer"

Konezni schrieb:

Lieber Odeon89,
Deiner Argumentation kann ich beim besten Willen nicht folgen. Verstehe ich recht, das Du aus Ermangelung von Nachtrags/Neuerscheinungs-Zetteln/Annoncen schließt, es seien von Anfang 1944 bis Kriegsende keine Platten (abgesehen von solchen zu Propagandazwecken – wieso allerdings die beiden aus ROMEO UND JULIA und die Filmton-Polydors hierzu zählen sollen, ist mir ebensowenig erfindlich) der DGG erschienen? Dasselbe könnte ich aus dem Fehlen solcher Unterlagen des Zeitraums Sommer 45 bis Herbst 46 schlussfolgern (der früheste mir vorliegenden Katalog ist vom Mai 1948).

Das Verbot nicht kriegswichtiger Produktion bewirkte lediglich, dass Neuerscheinungen von der „Zentralstelle“ genehmigt werden mussten: Was diese für „kriegswichtig“ hielt, lag im Auge, bzw. Ohr des Betrachters, der möglicherweise bestechlich war. Im Fall von z. B. Tempo wurde sogar ausschließlich Unterhaltungsmusik durchgewunken. Hier waren noch nicht einmal (wie offenbar bei der DGG) begleitende Propaganda-Aufnahmen nötig, um noch bis mindestens Dezember 1944 Neues herauszubringen (die letzte mir bekannte Nummer 1953, Horst Winter mit „Aloha oe“ wurde im Dezember 44 aufgenommen, die 1951, derselbe mit „Ich weiß, dass ich dich lieben muss“, aufgenommen im November oder Dezember, existiert sogar in zwei Takes, wovon einer sehr häufig anzutreffen ist, jedoch beide nie in einer eindeutigen Nachkriegspressung, so dass hier von einem Kriegsverlust der Matrizen ausgegangen werden kann).

Wie kommst Du darauf, TFK, Electrola und Odeon hätten nach dem Verbot 1943 Neuerscheinungen für den einheimischen Zivilmarkt „offenbar praktisch vollkommen eingestellt“? Für die letzten beiden Marken gibt es (wenn auch wenige) Gegenbeweise. Von den großen Firmen war TFK wohl noch die aktivste, aber dies weiter auszuführen, würde diesen Thread ausufern lassen…

Was nun die Möglichkeit eines Umschnitts von Schurickes Capri-Fischern angeht, so gibt es in der Tat ein Reichsrundfunk-Band vom 07. 07. 1943, was als Vorlage durchaus denkbar wäre. In der Regel findet sich im Spiegel nach der Matrizennummer ein „D“ für Duplizierung – diese Sitte wurde jedoch nicht konsequent gehandhabt.


Odeon89 schrieb:

Danke für die Ausführungen! Ja, ich gehe in der Tat davon aus, dass die großen deutschen Plattenfirmen - mit der Ausnahme von Tempo - kurz nach dem Jahresbeginn 1944 die Neuerscheinungen für den Zivilmarkt eingestellt haben. Dies trifft freilich nicht auf den Bedarf des Militärs und den Export zu, wie ich bereits im Thread zu "Depositato" ausführlich dargelegt habe.

Meine Argumentation stütze ich dabei nicht nur - aber auch - auf das Fehlen jeglicher Neuerscheinungslisten nach Dezember 1943 (die späteste bekannte Kriegsliste dürfte wohl die "Liste 6" von ODEON sein, die offenbar die Neuerscheinungen der Monate November und Dezember 1943 listet). Hinzu kommt, und das ist vielleicht ein wenig zu kurz gekommen, dass die Etiketten dieser 'strittigen' Kriegsveröffentlichungen nicht von jenen früher Nachkriegsveröffentlichungen unterschieden werden können (Beispiel: Fritz Stamer, Polydor 47941, mit Pseudo-'Kriegsetiektt' vorliegend; ebenso die RBT-Aufnahmen der Serie Radiophon mit dem gleichen Etikett). Ich möchte nochmals betonen, dass eine Platte nicht automatisch als 'Kriegspressung' bzw. 'Kriegs-Neuerscheinung' angesehen werden darf, wenn sich auf dem Etikett der Passus "Hergestellt unter der Nachrichtenkontrolle der Militärregierung" nicht findet.

Die höchste Bestellnummer, die in dem offenbar letzten Siemens-Polydor-Nachtrag von Mai/ Juni 1943 gelistet ist, ist Nr. 47800 (Rolf Schanz Salonorchester: "Illusion"). Zu dieser Zeit sind monatlich nur noch ca. sechs bis acht Platten in der (deutschen) 47000er-Serie erschienen. Im schweizer Siemens-Polydor-Katalog von Oktober 1944 (!) ist hingegen als höchste Bestellnummer noch 47843 gelistet (Hans Busch Salonorchester: "Solveighs Lied"). Diese Platte liegt mir als deutsche Siemens-Polydor-Pressung vor, mit DEPOSITATO (April 1943), das m.E. eine Nachkriegspressung kennzeichnet (siehe entsprechenden Thread hier im Forum). Hier ist zentral wichtig, dass die schweizer Siemens-Polydor-Ausgaben nicht durch die DGG, sondern üblicherweise in der Schweiz selber gepresst wurden (sie unterschieden sich auch in der Schrifttype auf dem Etikett deutlich von deutschen Ausgaben).
Bezeichnenderweise sind in diesem 1944er-Katalog die "Capri-Fischer" auch nicht enthalten. Offenbar belieferte die DGG die schweizer Tochtergesellschaft noch 1944 mit einigen Matrizen, die vermutlich in Deutschland während des Krieges nicht mehr erschienen sind. Exakt das gleiche Bild ergibt sich auch bei Odeon (hier ist z.B. noch zeitgenössisch Zarah Leanders "Ich hab' Angst vor dir und der Liebe" erschienen, das in Deutschland erst nach dem Krieg auf den Markt kam).

Meine Gegenfrage lautet nun: Wenn bei der DGG 'munter' bis zum 8. Mai 1945 Neuerscheinungen auf den Markt gebracht worden wären, wo sind dann analog die ELECTROLA- oder ODEON-Neuerscheinungen von 1944/45? Hier stellt sich dieses Problem offenkundig nämlich gar nicht: Die höchste mir bekannte Neuerscheinung der Electrola mit Kriegsetikett ist Best.Nr. E.G. 7321 (Kirsten Heiberg); in der letzten Neuerscheinungsliste (Liste 5 1943 = Oktober) ist bei E.G. 7317 Schluss. E.G. 7332 ist nun aber bereits eine eindeutige Nachkriegsaufnahme (Vgl. K. Krüger: Trümmer-Takes. Die letzten Berliner Plattenaufnahmen im Krieg. In: Fox auf 78, Heft 25 (Winter 2009), 12-14). Diese 'Lücke' lässt sich hervorragend durch eine letzte Neuerscheinungsliste für Dez. 1943/ Jan. 1944 erklären. Das gleiche Bild zeigt sich auch bei Odeon: Hier ist die höchste mir mit Kriegsetikett vorliegende Neuerscheinung Best.Nr. O-31728 (Werner Schwarz T.O.), die entsprechend im Odeon-Monatsnachtrag 6 gelistet ist. Da diese Aufnahme jedoch erst im Dezember 1943 entstand, ist von einer Neuerscheinung frühestens im Januar 1944 auszugehen. Danach war ganz offenkundig sowohl bei Electrola als auch bei Odeon Schluss, obwohl Lindström nach den Kriegsschäden am Berliner Werk bis Mai 1945 Lohnpressungen bei Kybarth in Ehrenfriedersdorf machen ließ. (Quelle: E. Pigorsch: Schallplatten(kunst) aus dem Erzgebirge. Teil 2: August Kybarth (1878-1945) und Albert Vogt (1884-1954). (Online), S. 9.)


Konezni schrieb:

Unstrittig ist ja, dass bis zur alliierten Lizenzvergabe "munter" noch dieselben Polydor- und Siemens-Etiketten weitergepresst wurden, ebenso unstrittig sind jedoch auch – ich wiederhole ebenfalls gern – Ausgaben zwischen Anfang 1944 und Kriegsende (siehe ROMEO UND JULIA, frühestens 08.44, bzw. Filmton, frühestens 05.44, sollen die ausschließlich für Militär & Export gedacht sein?).
Warum der schweizer Siemens-Katalog vom Oktober 44 nicht eine einzige 1944er Aufnahme (und ebensowenig Schurickes Superschnulze) enthält, kann ich mir auch nicht erklären, das Hauptaugenmerk liegt hier wohl auf E-Musik.

Wiegesagt, ich möchte diesen Thread nicht ausufern lassen, nur soviel zu Electrola: der 03/04.44er Nachtrag enthält noch die EG 7329; die erste mir bekannte Nachkriegsveröffentlichung in diesem Nummernblock ist EG 7331.
Meiner Ansicht nach hat einzig das Columbia-Label Ende 1943 seine Neuerscheinungen eingestellt.

Die These über die Bedeutung des „depositato“ ist betörend, stößt jedoch spätestens mit den Bar-Trio-Seiten 10014 – 23 GD 9 an ihre Grenze, da diese mit „depositato 8.6.“ vorkommen, obwohl sie erst am 23. 06. 1943 aufgenommen wurden.

... und vermutlich gibt es auch Clangor 1944 nicht mehr...


Abstellhebel schrieb:

Hallo Konezni,
ihr redet etwas aneinander vorbei. Odeon89 schreibt ganz ausdrücklich, dass es um den zivilen Markt geht, deswegen fallen die Kinotonplatten und russische Gesänge oder "Charly" Platten natürlich raus.

Es ist unbestritten, dass bei Grammophon und Lindström in sehr reduziertem Ausmaß 1944 noch Aufnahmen stattfanden - die aber eben nicht mehr den ZIVILEN Binnenmarkt erreichten. Hat jemals ein Sammler hier zum Beispiel die 1944 Aufnahme mit Kary Barnet / Steimel "Zum Abschied reich' ich dir die Hände" auf altem Odeon Kriegsetikett gesehen ?

Es ist unstrittig, dass ab Sommer 1945 bis in den Herbst hinein in Hannover "Kriegsetiketten" neu oder aus Altbestand verwendet wurden, noch ohne Lizenzvermerk.

Mit Gruß, Max


Konezni schrieb:

Hallo Max,
die Export-Funktion der "russischen Gesänge" sehe ich durchaus, warum aber sollen die Filmton-Polydors dem zivilen Markt vorenthalten worden sein?
Was die "Charly-Platten" angeht, die ich nicht ins Feld geführt habe, so gibt es diese 1944 bei der DGG gar nicht mehr.

Schöne Grüße,
Raoul


Odeon89 schrieb:

Konezni schrieb ...

... warum aber sollen die Filmton-Polydors dem zivilen Markt vorenthalten worden sein?


Zu den (ausgesprochen raren) "Filmton-Polydors" ist der genaue Verwendungszweck meines Wissens bislang noch nicht mit letzter Gewissheit geklärt worden. Mir wäre jedenfalls neu, dass diese von Beginn an regulär im Plattenladen erhältlich waren.

Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, schrieb Stephan (Jitterbug) einmal, dass auch eine oder mehre Platten in einem eindeutig in die frühe Nachkriegszeit (1946?) zu datierenden Konvolut aufgetaucht sind. Davon wird nicht ausgeschlossen, dass diese Platten ursprünglich zur Kinobeschallung etc. genutzt worden sind, aber (in Ausnahmefällen) auch einmal regulär ins Ladengeschäft gelangten. Die Regel dürfte dies aber vor Kriegsende (leider) nicht gewesen sein, sonst wäre diese Platten nicht solch ausgesprochenen Raritäten.

Ich bitte weiterhin zu bedenken, dass auf den orangenen 30cm-57000er-Polydor zahlreiche Künstler zu hören waren, die zu dem Zeitpunkt bei der Konkurrenz einen Exklusivvertrag hatten, so Hans Albers, Ilse Werner, Hilde Hildebrand und Peter Igelhoff (allesamt bei der Lindström unter Exklusivvertrag stehend). Ferner war Peter Igelhoff nach 1942/43 politisch offensichtlich nicht mehr wohlgelitten, sodass Neuveröffentlichungen seiner Aufnahmen zu dem hier behandelten Zeitpunkt (1944 bis Mai 1945) für den Zivilmarkt wohl kaum noch infrage kamen.

Konezni schrieb ...

nur soviel zu Electrola: der 03/04.44er Nachtrag enthält noch die EG 7329; die erste mir bekannte Nachkriegsveröffentlichung in diesem Nummernblock ist EG 7331.
Meiner Ansicht nach hat einzig das Columbia-Label Ende 1943 seine Neuerscheinungen eingestellt.


Dürfte ich um eine Quelle für den Monatsnachtrag 3/4 1944 (oder vielleicht sogar einen Scan desselben) bitten? Um welchen Titel/ Interpret handelt es sich bei E.G. 7329?

In Analogie zu den 1943er-Nachträgen müsste sich der Nachtrag 3/4 1944 auf ca. Juni/August 1944 beziehen. H. Sieben, der mit großer Akribie über Jahrzehnte hinweg bei allen bekannten Sammlern, Musikern etc. deutschlandweit die Monatsnachträge aller größeren Plattenfirmen zusammengetragen hat, hört mit dem Monatsnachtrag 5 / 1943 bei Electrola auf. Ich vermute jedoch, dass es - in Analogie zu Odeon - noch einen Nachtrag 6 / 1943 (Dezember/ Januar) gegeben hat. Selbst in den 1970/80er-Jahren, als viele der Zeitgenossen (wie H. Lange u. D. Schulz-Köhn) noch lebten und ihn mit dem entsprechenden Material versorgten, war es augenscheinlich nicht möglich, auch nur eine Spur eines späteren Monatsnachtrages irgendeiner deutschen Plattenmarke nach dem Jahreswechsel 1943/44 zu finden.

Die Nummer E.G. 7329 halte ich als Neuerscheinung für Sommer 1944 doch für recht verwunderlich: Wie geschrieben, ist die höchste Nummer im letzten mir bekannten Monatsnachtrag (Liste 5 1943 = ca. Oktober) E.G. 7317. Auf Kriegsetikett vorliegend ist noch E.G. 7321 (Kirsten Heiberg), die ich als Neuerscheinung auf Dezember 1943 (Liste 6 1943) datieren möchte. K. Krüger listet im "Fox auf 78" (Heft Winter 2009) noch E.G. 7323 (Heinz Burzynski T.O.) als mit Kriegsetikett belegt auf; diese Ausgabe ist ungemein rar und mir ist nicht bekannt, ob sie einen Lizenzzettel von 1946 auf dem Etikett trägt, was auf eine Verwendung alter Druckbögen in der frühen Nachkriegszeiten schließen lassen könnte. Eine Neuerscheinung von E.G. 7323 halte ich in der Liste 6/43 auch für wahrscheinlich.

Es wären damit also innerhalb eines dreiviertel Jahres zischen Oktober 1943 und Sommer 1944 insgesamt nur zwölf Platten in der E.G.-Serie in Deutschland erschienen - vorausgesetzt, dass alle Nummern auch lückenlos belegt wurden -, was ich für sehr verwunderlich halte. In der Liste 5 1943 werden allein schon elf Platten in der E.G.-Serie als Neuerscheinungen gelistet.

Deswegen würde ich mich sehr über einen Beleg freuen, oder hat sogar jemand eine Electrola-Ausgabe zwischen E.G. 7324 und E.G. 7331 auf dem 'Kriegsetikett' vorliegen und kann sie hier exemplarisch zeigen? Den mir bekannten Sammlern und mir selbst ist eine solche jedenfalls niemals begegnet.

Konezni schrieb ...

Die These über die Bedeutung des „depositato“ ist betörend, stößt jedoch spätestens mit den Bar-Trio-Seiten 10014 – 23 GD 9 an ihre Grenze, da diese mit „depositato 8.6.“ vorkommen, obwohl sie erst am 23. 06. 1943 aufgenommen wurden.


Ich gehe davon aus, dass die 'Daten' eher größere Konvolute an Müttern bezeichnen, die gesammelt zur Auslagerung gelangten. Es fällt auf, dass es offenbar nur eine beschränkte Nummernvarianz gibt. So tauchen besonders häufig "3.4.", "19.8.", "8.6." im Wachs auf; diese Daten beziehe ich alle auf das Kalenderjahr 1943, auch wenn "Depositato" nach "Mech.Copt. 1938" etc. eingestempelt wurde. Diese Daten fallen auffallend mit den intensiven Luftangriffen auf norddeutsche Städte im Sommer 1943 zusammen. Möglicherweise waren die Matrizen so nach Konvolut-Datum (in Kisten oder Regalen) angeordnet, dass eine spätere Wiederauffindung schnell möglich war... Gut möglich also, dass auch mal nachträglich die ein oder andere Matrize als 'Nachzügler' mit einsortiert wurde, z.B. weil man erst wieder in einigen Monaten ein solches Konvolut nach Arnstadt sandte, aber trotzdem die bisher gezogenen Mütter in Sicherheit bringen wollte.

Möglicherweise führt dies aber tatsächlich in diesem Thread hier zu weit


berauscht schrieb:

Telefunken brachte 1944 auch noch Neuerscheinungen heraus, deren Aufnahme Ende März 1944 erfolgte. Bestellnummern A 10536 - A 10539.


Odeon89 schrieb:

berauscht schrieb ...

Telefunken brachte 1944 auch noch Neuerscheinungen heraus, deren Aufnahme Ende März 1944 erfolgte. Bestellnummern A 10536 - A 10539.


Dabei handelt es sich allerdings durchwegs um Wiener Aufnahmen (Gretl Rath, Ernst Landl, Jane Tilden, Herbert Mytteis). Insbesondere die Rath- und Tilden-Platten tauchen in Wien noch sehr häufig auf, während sie in Deutschland praktisch nie zu finden sind. Sie sind mir des öfteren in Konvoluten mit eindeutigen Nachkriegsplatten begegnet und steckten, sofern noch die Originalhülle vorhanden war, stets in "Telefunken Austria"-Hülle (Nachkrieg), was mich an einer Veröffentlichung noch 1944 zweifeln ließ. Nicht auszuschließen ist, dass für den Wiener Markt diese Platten noch zeitgenössisch erschienen sind - sie stellen aber eine große Ausnahme dar und sind meist in exzellenter Pressqualität.

Bei Telefunken wurde die Aufnahmetätigkeit mit dem November 1943 in Berlin weitgehend eingestellt. Das ganze Jahr 1944 hindurch entstanden (incl. der Wiener Aufnahmen!) gerade einmal ca. 25 Neuaufnahmen, die - mit Ausnahme der genannten Jane Tilden und Gretl Rath-Platten - auf 'Kriegsetikett' (das nicht automatisch eine Kriegspressung kennzeichnen muss!) praktisch unauffindbar sind.

Dies alles lässt mich an den Neuerscheinungen dieser Platten nach Jan. 1944 Zweifel hegen, solange kein eindeutiger Beleg in Papierform auftaucht, der die Neuerscheinung dieser Platten eindeutig für Deutschland vor Mai 1945 belegt.


berauscht schrieb:

Die Platten müssen noch vor Mai 1945 erschienen sein, da Telefunken in Österreich erst 1949 wieder ins Schallplattengeschäft einstieg. Alle nach dem Krieg erschienen Platten tragen das Telefunken Austria-Etikett. Auch gibt es nach dem Kriege die A-Bestellnummern in Österreich nicht mehr.


Konezni schrieb:

Nun ufert dieser Thread doch noch aus. Da ich weder über genug Geduld, noch die Zeit zu weiteren Ueberzeugungsversuchen verfüge, stelle ich wenigstens noch die beiden folgenden Labelabbildungen zur Diskussion. Zu Odeon suche ich bei Bedarf noch einen entsprechenden Beleg heraus. Was Phonoton und Tempo angeht, so besteht da doch wohl Einhelligkeit...






Abstellhebel schrieb:

Das ist jetzt natürlich sehr speziell, wenn du die (für Alle) sehr interessanten Electrola-Nachträge 3 und 4 von 1944 aus "Zeitmangel" und mangelnder Geduld weder zeigst, noch eine Quelle nennst.

Die Electrolaplatte ist 1943 aufgenommen und passt sehr gut in die Liste 6/43.

Ein Beleg für deine Behauptungen zu Electrola 1944 ist sie nicht.

Gruß, Max


berauscht schrieb:

Die Telefunken A 10561 ist eine deutsche Nachkriegspressung, denn Platten mit diesem Etikett findet man in Wien nicht.

Eine Telefunken-Aufnahmeapparatur befand sich bis Februar 1945 in Wien. Sie wurde dann gemeinsam mit der aus Prag nach Frastanz in Vorarlberg ausgelagert.


Odeon89 schrieb:

Konezni schrieb ...

Nun ufert dieser Thread doch noch aus. Da ich weder über genug Geduld, noch die Zeit zu weiteren Ueberzeugungsversuchen verfüge, stelle ich wenigstens noch die beiden folgenden Labelabbildungen zur Diskussion. Zu Odeon suche ich bei Bedarf noch einen entsprechenden Beleg heraus.


Erstmal herzlichen Dank für die Abbildungen der Etiketten. Ganz wie "Abstellhebel" schrieb, würde auch ich für die Lale Andersen-Platte eine Neuerscheinung in der Liste 6 / 1943 (= Dezember/Januar) ansetzen wollen. Wie herausgestellt wurde, sind die Telefunken über 10535 womöglich noch im Frühling 1944 erschienen - als gesichert kann dies allein aufgrund Etiketten meines Erachtens nicht gelten, dabei bleibe ich auch bis zum zeitgenössischen schriftlichen Gegenbeleg. Die mir vorliegenden TFK-Pressungen über 10532 mit 'Kriegsetikett' tragen bereits den Lizenzzettel der Allierten, mit der Ausnahme der erwähnten Wiener-Aufnahmen. Dies schließt eine Konzeption der Platten (Best.Nrn.-Vergabe etc.) vor Kriegsende freilich ebensowenig aus, wie Pressungen, die für den Bedarf der Truppen usw. vorgesehen waren und nicht unbedingt auch in den zivilen Verkauf gelangt sind.

berauscht schrieb ...

Die Telefunken A 10561 ist eine deutsche Nachkriegspressung, denn Platten mit diesem Etikett findet man in Wien nicht.


Diese Aussage ist mir nicht nachvollziehbar - das Etikett wurde vermutlich seit etwa Anfang 1944 wohl u.a. bei Kybarth in Ehrenfriedersdorf verwendet. Es gibt durchaus Belege (Händleraufkleber) aus der 'Ostmark' auf dem Hellgrau-Etikett.

@Admin - Vielleicht könnte man den Thread der Übersichtlichkeit halber jetzt doch aufteilen und einen neuen Thread (Themenvorschlag z.B.: "Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt" oder ähnliches) erstellen? Eine passende Stelle dafür scheinen mir die Beiträge ab dem 8. Jan. zu sein.


Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
berauscht, Di Jan 15 2019, 20:16

berauscht schrieb ...

Die Telefunken A 10561 ist eine deutsche Nachkriegspressung, denn Platten mit diesem Etikett findet man in Wien nicht.


Diese Aussage ist mir nicht nachvollziehbar - das Etikett wurde vermutlich seit etwa Anfang 1944 wohl u.a. bei Kybarth in Ehrenfriedersdorf verwendet. Es gibt durchaus Belege (Händleraufkleber) aus der 'Ostmark' auf dem Hellgrau-Etikett.


Ok, dann revediere ich meine Aussage.

Platten mit solchem Etikett findet man in Wien fast nicht.

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
, Mi Jan 16 2019, 12:45

Danke für die Auskopplung !

Da wir die Aussagen möglichst mit Bildern und Quellen belegen wollen, hier eine "Grau Etikett" Telefunken mit beidseitigem Decal des Händlers "Richard Richberger Wels"

Gruß, Max



Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
berauscht, Mi Jan 16 2019, 13:26

Danke fürs Zeigen!

Bis einschließlich Bestellnummer A 10539 liegen mir noch alle Platten mit "Gold Etikett" vor.

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Konezni, Mi Jan 16 2019, 16:00

Zu meinen beiden Scans:

Electrola EG 7326:
Ich gehe von einem Schnitt der Matrize 0RA 6024² etwa Anfang Dezember 1943 aus. Die anschließenden beiden (mit niedrigerer Bestellnummer EG 7323) enthalten Musik aus der Operette KOENIGIN EINER NACHT, die zwar am 23. 09. 1943 uraufgeführt wurde, Korrespondierendes auf Odeon entstand jedoch erst am 16. 12. 1943. Selbst, wenn man als Aufnahmedatum den November annimmt, kann die Platte kaum bereits im Dezember auf der Liste 06.43 erschienen sein. Erfahrungsgemäß dauerte die Fabrikation bei Electrola (zumal unter widrigen Kriegsumständen) länger als zwei Monate.
Woher ich vom Nachtrag 3/4.44 weiß, kann ich nicht mehr sagen, meine diesbezügliche Notiz ist viele Jahre alt (möglicherweise befand sich in der Sammlung Carthaser ein Exemplar).

Telefunken A 10561:
35076 wurde im Juli 1944 aufgenommen. Da von dieser Platte noch nirgends eine eindeutige Nachkriegspressung aufgetaucht ist, gehe ich (wie bei den erwähnten Horst Winter-Seiten auf Tempo) von einem Kriegsverlust der Matrize (bzw. des Magnetbands) aus.

Zu der aufgeworfenen Frage nach dem Zweck der Filmton-Polydors sehe ich keinen Grund einen Kino-Einsatz anzunehmen, da sie ja herkömmliche Bestellnummern haben. Für andere als Verkaufszwecke hatte die DGG eigene Nummernblöcke, teils mutierten die Matrizen- kurzerhand zu Katalognummern. Hatten Interpreten Exklusiverträge bei anderen Firmen, dann unterschlugen die Filmton-Polydors deren Namen (etwa Leander).

Was die EG 7329 angeht, so enthält diese Matrizen, die uns hier nicht weiterbringen, es sei denn, jemand zeigt uns ein Exemplar mit gelacktem Etikett:
0RA 5929² Will Glahé mit seinem Orchester Schmeichelkatze (J. Bulterman)

Die Nachzügler-Idee des „depositato“ wäre immerhin denkbar…


Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
, Mi Jan 16 2019, 16:33

Electrola 7023, Matr.6027, Heinz Burzynski, "ich möcht' so gern ein Kind von dir" aus der Operette "Der goldene Käfig" , Uraufführung 23.9.1943

Das wären drei Matrizennummern über der Lale-Andersen-Platte.
Etwas unwahrscheinlich, dass sie erst im Dezember aufgenommen wurde. September/Oktober 1943 scheint wahrscheinlicher.
Deswegen ist immer noch anzunehmen, das die Andersen-Platte im letzten Elctrola Nachtrag 6 /43 steht.

Generell ist von Lindström (Odeon, Electrola, Columbia) bisher noch kein Nachtag nach Ende 1943 - Kriegsende aufgetaucht.

Auf Hörensagen und Wahrscheinlichkeiten kann man die Gewißheit von Electrolanachträgen 3/4 1944 meiner Meinung nach nicht stützen.

Gruß, Max


Nachtrag. Die Unterschlagung der Interpretennamen auf den Filmtonplatten stimmt nicht generell. Auf der Filmtonplatte "La Paloma" wird Hans Albers genannt. Ebenso wie Ilse Werner auf " Pfeif Duett". Beide waren bei Odeon.

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
, Mi Jan 16 2019, 19:22

Noch ein Hinweis zu der Dauer zwischen Aufnahme und Erscheinen.
Werner Schwarz. "Mit Musik geht alles besser" ist aufgenommen am 15.12. 1943
Sie ist aber schon im letzten bekannten Odeon-Nachtrag 6/43.

Gruß, Max

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
berauscht, Do Jan 17 2019, 10:13

Hier einmal die Neuerscheinungen "Gloria" und "Odeon" von November - Dezember 1943.




Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Konezni, Fr Jan 18 2019, 12:11

Vielen Dank für die wunderschöne Nachtragsliste. Ist sie komplett? Ich finde darauf nicht die von Max erwähnte O-31728 (Schwarz). Abgesehen davon betraf meine Argumentation bezüglich der Zeit zwischen Aufnahme und Veröffentlichung nicht das Odeon-Label, wenn es auch, wie „Electrola“ von derselben Firma produziert wurde. Ebensowenig finde ich auf dem Nachtrag selbstverständlich die O-26622 (Be 13402, Willi Stefan Didi), welche in meiner Sammlung mit gelacktem Label vorliegt (gelegentlich suche ich sie heraus).

Lieber Max, wie kommst Du auf einen Abstand von drei Nummern zwischen Andersen (0RA 6025²) und Burzynski (0RA 6026²)? Vielmehr liegen deren Bestellnummern in diesem Abstand auseinander, und zwar in umgekehrter Richtung.
Was die Namensnennung auf den Filmton-Polydors angeht, so weiß ich nicht, ob Werner und Albers einen Exklusivvertrag bei Odeon hatten – von Leander ist dies verbürgt.

Gruß,
Raoul


Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
berauscht, Fr Jan 18 2019, 12:46

Diese Liste wurde (vermutlich entgeldlich) im Dezemberheft einer Zeitschrift für Radiohändler abgedruckt.

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
, Fr Jan 18 2019, 14:45

Die Matrize Burzinski ist um zwei Nummer "später" als die der Andersenplatte. Andersen = 6025, Burzynski = 6027 (6027 Matr findet sich auf dem Plattenetikett)

Also ist die Burzynski theoretisch noch etwas später im Krieg aufgenommen als die Andersen - aber die Burzynski ist offenbar in Spetember/Oktober 43 entstanden, was mich an der Angabe "Dez 43" für die Andersen zweifeln läßt.
Ich verstehe dein Nichtverstehen nicht :-D

Meine Angabe Nachtragliste 6 / 43 Werner Schwarz stützt sich auf die Angabe von "Musikmeister" hier im Forum. Er hat die Liste vorliegen, abgebildet und erwähnt, dass die Schwarz-Platte darin aufgeführt ist.

Die Liste von "berauscht" scheint eine Auswahl zu sein.

Electrola und Odeon hatten 1943 ganz weitgehend eine gemeinsame Quelle, bis hin zu gemeinschaftlichen Aufnahmeräumen. Es ist zu lesen, daß der Electrola-Gebäudeflügel schon früh im Krieg sehr stark getroffen wurde.

Deswegen ist es ist für mich schlüssig, dass Veröffentlichungszeiten zumindest ähnlich liegen. Odeon kaum vier Wochen, Electrola aber acht Wochen ?
Mag alles sein, aber ich habe mich an die Fakten gehalten. Aufnahme Schwarz 15.12.43, erwähnt in der letzten bekannten Odeonliste 6/ 43

Mit Gruß, Max


Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
berauscht, Fr Jan 18 2019, 15:29

Da das Erscheinen der Zeitschrift rund zwei Wochen vor der Schwarz-Aufnahme lag, kann die Platte vermutlich noch nicht auf der Liste sein.
Ich nehme an, dass dies die "Weihnachtsplatten" sind.
Möglicherweise sind Ende Dezember noch weiter Platten "Silvester - Fasching" erschienen, die dann in der "Odeonliste" 6/ 43 auftauchen.

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Odeon89, Fr Jan 18 2019, 15:33

Auch von mir herzlichen Dank für diese Liste, die sich wohl von dem Firmen-Nachtrag 6/43 etwas unterscheidet.

Meine Vermutung ist, dass einige der in der letzten bekannten Odeon-Liste (zur der ich ein Electrola-Äquivalent 6/1943 vermute) aufgeführten Platten zur Vorbestellung (!) gelistet wurden; diese Praxis ist ja aus den späten Kriegsjahren durchaus verbürgt. Dies trifft ganz augenscheinlich auf die genannte Werner Schwarz 31728 zu, die erst im Dez. 1943 aufgenommen, doch bereits im August (!) (Druckdatum Liste 6/43) beworben wurde; ähnlich könnte es daher auch mit der Lale Andersen-Platte sein. Diese Platten wären dann zwar erst 1944 ausgeliefert worden (so man Glück hatte...), aber 'offiziell' als Neuerscheinungen noch dem Jahr 1943 zuzuordnen.

Da es ja offenbar kein Firmen-Druckmaterial nach dem Jahreswechsel 1943/44 gibt, fallen mir als einzige potentielle Belegstellen noch die Platten-Rezensionen im Fachmagazin "Musik im Kriege" ein. Darin gibt es eine Rubrik "Die Schallplatte", in der - sofern ich es auf die Schnelle überblicken kann - jedoch vorwiegend deutlich ältere Neuerscheinungen aus dem Bereich der E-Musik von 1942/43 rezensiert wurden (Ausnahme: Brocksieper Solisten-Orchester, "Excentric-Fox", Brunswick 82282, Neuerscheinung Mai/Juni 1943).

Hat jemand den Jg. 1944 von "Musik im Kriege" vollständig vorliegen und kann dies überprüfen? Im Netz ist nach Heft März 44 nur das Inhaltsverzeichnis zu finden, beredterweise ist dort mit der Rubrik "Die Schallplatte" nämlich im Feb./März 44 Schluss...

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Musikmeister, Fr Jan 18 2019, 16:06

berauscht schrieb ...

Da das Erscheinen der Zeitschrift rund zwei Wochen vor der Schwarz-Aufnahme lag, kann die Platte vermutlich noch nicht auf der Liste sein.
Ich nehme an, dass dies die "Weihnachtsplatten" sind.
Möglicherweise sind Ende Dezember noch weiter Platten "Silvester - Fasching" erschienen, die dann in der "Odeonliste" 6/ 43 auftauchen.


Solche Platten sind weder in der Liste 5 noch 6 gelistet.

Odeon89 schrieb ...

Dies trifft ganz augenscheinlich auf die genannte Werner Schwarz 31728 zu, die erst im Dez. 1943 aufgenommen, doch bereits im August (!) (Druckdatum Liste 6/43) beworben wurde;


In der Liste 5 findet man auch das Datum "8.43".

In der Spalte "Bemerkungen" in den Aufnahmebüchern finden sich zumindest bei einigen Platten Hinweise für eine VÖ Anfang 1944. Hier Odeon 26613 sowie 26623.
Das eine Wort könnte "Neuerscheinungen" heissen.





Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Odeon89, Fr Jan 18 2019, 16:58

Musikmeister schrieb ...

In der Spalte "Bemerkungen" in den Aufnahmebüchern finden sich zumindest bei einigen Platten Hinweise für eine VÖ Anfang 1944. Hier Odeon 26613 sowie 26623.
Das eine Wort könnte "Neuerscheinungen" heissen.


Danke fürs Zeigen. Als alternative Lesart dieses schwer zu entziffernden Wortes möchte ich "Wiederholungen" in den Raum werfen. Auf O-26623 ist die Aufnahme "Rot ist die Liebe" von Hans Albers mit dem Orchester Otto Dobrindt erschienen, aufgenommen im Dezember 1935 (!) (Diskographie Chr. Zwarg). Wurde die Aufnahme 1944 wiederholt und entsprechend ins Aufnahmebuch eingetragen? Die Best.Nr. ist in der Diskographie rot hinterlegt; die Bedeutung dessen ist mir nicht klar, vielleicht weiß hier jemand Näheres.

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Rundfunkonkel, Sa Jan 19 2019, 00:41

Zwischenfrage: hat man bei der gemeinsamen Nutzung der Aufnahmeräume dann auch gleich die Techniker mit "verwendet"? Mich würde interessieren, ob es auch " HL" Aufnahmen unter dem Electrola Label gab.

Bei entsprechender Antwort könnte das beim Herrn Lampe im Beitrag eingepflegt werden.

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Konezni, Sa Jan 19 2019, 00:58

Wenn man die Burzynski-Platte EG 7323 umdreht, dann findet man die 0RA 6026², welche direkt auf die Andersen folgt. Es handelt sich dabei um den Titel "Ich muß erst sprechen mit Papa" aus derselben Operette, die ich - zugegebenermaßen - in der Eile fälschlich der Operette KOENIGIN EINER NACHT zuschrieb (es ist natürlich DER GOLDENE KAEFIG). Entprechende Aufnahmen entstanden jedoch gleichwohl bei Odeon erst am 16. 12. 1943, und dies mit Originalinterpreten. Erfahrungsgemäß wurden Coverversionen meist später aufgenommen.
Könntet Ihr wohl einen Link zur erwähnten "Odeonliste" 6/43 von Musikmeister setzen?

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Odeon89, Sa Jan 19 2019, 01:27

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Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
, Sa Jan 19 2019, 09:42

Hallo Konezni, nun gut, dann ist das Aufnahmedatum der Andersen und der Burzynski also doch eher geschätzt mit Dez 43.
Die Uraufführung des "Goldenen Käfig" war wie erwähnt bereits 24.9.1943.
Interessant wären hier wirklich die letzten Nachträge aus 1943 der Electrola.

Rundfunkonkel, die Electrola, im Ursprung eine englische Gründung, stand ja unter "deutscher Fremdverwaltung" spätestens im Krieg. Und sie war sehr eng mit der Lindström verknüpft, war auch in deren Gebäudekomplex untergebracht. Ob "Meister Lampe" allerdings an den Potis saß, vermag ich nicht zu sagen.

Gruß, Max

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
berauscht, Sa Jan 19 2019, 12:57

Konezni schrieb ...

Vielen Dank für die wunderschöne Nachtragsliste. Ist sie komplett?


Leider war sie nicht komplett!

Wie sich jetzt feststellte, befand sich unter den mit "Heft 02" beschrifteten Scans noch eine Seite aus dem Heft 12.
Dies ist also der Rest der Neuerscheinungen "Gloria" und "Odeon" von November - Dezember 1943.





Der Vollständigkeit halber, habe ich den Rest oben noch eingefügt.

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Odeon89, Sa Jan 19 2019, 14:58

Danke für die Ergänzung! Es handelt sich bei dieser Händlerliste um eine 'Mischung' der älteren (offiziellen) Odeon-Listen 4 und 5 von Juli/ August und September/ Oktober 1943.

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
berauscht, Sa Jan 19 2019, 16:36

Odeon89 schrieb ...

Danke für die Ergänzung! Es handelt sich bei dieser Händlerliste um eine 'Mischung' der älteren (offiziellen) Odeon-Listen 4 und 5 von Juli/ August und September/ Oktober 1943.

Das waren wohl die, zu dem Zeitpunkt, tatsächlich lieferbaren Platten.

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Barnabás, Sa Jan 19 2019, 16:58

Hallo,
hier einige Platten mit "Deposotato" Stempel.
Vielleicht hilfen diese weiter.

Gr 47842 Busch, Hans Zauber der Südsee /1943 08.04.1943 Depositato 9918
Gr 47842 Busch, Hans Marionka /1943 08.04.1943 Depositato 9944

Gr 11983 A Dömpke, Fred Bartoschek-Terzett
Mein bester Kamerad ist die Harmonika
05.06. 1943 Depositato Mat. Nr. 9967
Gr 11983 B Dömpke, Fred Bartoschek-Terzett O la la, was seh ich da
05.06. 1943 Depositato Mat. Nr. 9968

Gr 47899 B Müller- Endenthun Schuricke, Rudi So lieb bist du zu mir
05.06. 1943 Depositato Mat. Nr. 9977

Gr12004 B Chevtschenke, A Morfessi, juri Welch ein Chor
08.06.1943 Depositato Mat. Nr. 10012
Gr 12004 A Chevtschenke, A Morfessi, juri Ich erinnere mich
08.06.1943 Depositato Mat. Nr. 10013

Gr 47952 A Bar Trio Auf dem spiegelblanken Parkett
08.06.1943 Depositato Mat. Nr. 10022
Gr 47952 B Bar Trio Ja, ja dreimal ja
08.06.1943 Depositato 10023

Gr 47838 A Schanz, Rolf Mein Herz liegt gefangen in deiner Hand
1943 08.06.1943 Depositato Mat. Nr. 10034
Gr 47838 B Schanz, Rolf Ich bin heut frei meine Herrn
08.06.1943 Depositato Mat. Nr. 10035

Gr 47834 A Greiss, Wilhelm Mach Dir nichts draus
02.08. 1943 Depositato Mat. Nr. 10036
Gr 47834 B Greiss, Wilhelm Beim ersten mal
1943 Mat. Nr. 10037

Gr 47944 A Bordin, Gino Maria La O
16.09.1943 Depositato Mat. Nr. 10060
Gr 47944 B Bordin, Gino Violetta Klosche
16.09.1943 Depositato Mat. Nr. 10061


Gr 47726 A Meyer-Gergs, Friedrich Schmedes, Maria von
Mein Schatz muß ein Matrose sein
08.06.1943 Depositato Mat.Nr.9748

Gr 47726 B Meyer-Gergs, Friedrich Schmedes, Maria von
Mein Sonntagsvergnügen
08.09. 1943 Depositato Mat. Nr.9749


Gruss


Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Konezni, Sa Jan 19 2019, 17:06

Vielen Dank für die Komplettierung der Odeon-Auflistung, sowie für den Hinweis auf den alten Thread von 2013. "8.43" kann wohl keinesfalls August 43 bedeuten. Erstaunlich genug ist, dass bereits mit dem November/Dezember-Nachtrag (Liste 06/43) Aufnahmen aus der Monatsmitte Dezember beworben wurden. Im erwähnten Thread ist ja bereits Didis Hundelied abgebildet, so dass ich mir das Heraussuchen der Platte ersparen kann.

Um eine weitere Diskussion anzuregen, habe ich mir nicht erspart, die folgende Platte, von der mir drei Exemplare bekannt sind, herauszusuchen. Meines ist im Gegensatz zu den anderen beiden unorthodox gekoppelt (To 5384 / 5387). Jene unterscheiden sich jedoch in der Pressmasse - das eine ist aus Schellack, das andere aus dem Kunststoff, mit dem die Firma Phonoton warb.
Die vier veröffentlichten Seiten sind die höchsten mir bisher untergekommenen Nummern des Tono-Studios, sowie die spätesten Bestellnummern der Phonoton:

Orchester Eugen Jahn:
To 5384 "Cyklon" (A. Wolf), Bestellnr. 1042 A
To 5385 "Jap" (A. Wolf), Bestellnr. 1042 B
To 5386 MEINE NICHTE SUSANNE "Unter einem Regenschirm am Abend" mit Gesang (sofern man das so nennen kann) Christa Tordy, Bestellnr. 1043 A
To 5387 "Ganz leis’ erklingt Musik" (K. Dörflinger/E. Wallnau), Bestellnr. 1043 B

Der Titel "Cyclon" wurde unter der Mitwirkung des Komponisten am 13. 12. 1944 für Ultraphon aufgenommen; bei der Coverversion gehe ich von einem späteren Datum aus (dass Wolf, um im Orchester Jahn mitzuspielen, aus Prag ins bombengeschüttelte Berlin gekommen sein soll, halte ich für unwahrscheinlich).
"Unter einem Regenschirm am Abend" sehe ich im Zusammenhang mit der Verfilmung der Operette, die im Februar 1945 von der Terra in Prag begonnen (und nicht mehr fertig) wurde. Ob das Tono-Studio vielleicht zu diesem Zeitpunkt nach Prag verlegt worden war?




Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
berauscht, Sa Jan 19 2019, 17:22

Konezni schrieb ...

Jene unterscheiden sich jedoch in der Pressmasse - das eine ist aus Schellack, das andere aus dem Kunststoff, mit dem die Firma Phonoton warb.


Das ist Interessant! Es ist nämlich überliefert, dass kurz nach Kriegsende die noch lagernde Schellackpressmasse der Phonoton-Presserei gegen einen kleinen alten LKW getauscht wurde.

Konezni schrieb ...

Ob das Tono-Studio vielleicht zu diesem Zeitpunkt nach Prag verlegt worden war?

Es wäre auch möglich, dass in Prag gemachte Tonband-Aufnahmen in Berlin von Tono in Wachs geschnitten wurden und so Berliner Tono-Nummern bekamen.

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Odeon89, Sa Jan 19 2019, 17:35

Danke fürs Zeigen, Raoul, und für die interessanten Denkanstöße. Die Phonoton 1042 ist ja eine schöne Rarität - 1043 ist mir schon mehrfach begegnet, nur leider nie im Bestzustand...

Ich möchte zu bedenken geben, dass die Phonoton-Version von "Unter einem Regenschirm am Abend" durchaus auch in das Jahr 1943 datieren kann. So wurde der Titel bereits am 18. April 1942 mit Willi Forst aufgenommen (Mx. Be 13068, ODEON O-4643, NE Liste 2 / 1943) und wenig später (ca. Sommer 1942) für die DGG/ Siemens mit Maria von Schmedes (Mx. 9746 1/2 GR9, Siemens-Polydor 47764, ohne DEPOSITATO, Neuerscheinung Mai/ Juni 1943).

Die Phonoton-Aufnahme mit "Eugen Jahn" könnte möglicherweise ein Pseudonym für Willi Metschke sein; man vergleiche die fast identische Aufnahme auf Clangor-Schallplatten-Volksverband M1943 mit dem "Gesang" (leider auch nicht viel besser als der von Tordy...) von Erwin Hartung. Der Titel war also bereits 1942/43 ausgesprochen populär.
Die Tordy-Aufnahme möchte ich daher - als These - ebenfalls in das Jahr 1943 datieren wollen, Aufnahmeort vermutlich das reguläre Tono-Studio in der Kantstraße. Die bei K. Krüger im "Fox auf 78" geäußerte These, dass es sich bei der Jahn/ Tordy-Einspielung um eine Prager Aufnahme von 1944 handelt, die im Berliner Tono-Studio umgeschnitten worden seien, halte ich daher für recht unwahrscheinlich.

Mich beschleicht manchmal auch die Vermutung, dass PHONOTON in einer - wie auch immer gearteten - Verbindung mit dem Stahmann-Konzern gestanden haben könnte, was die 1944er-Tätigkeit erklären würde...





Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
berauscht, Sa Jan 19 2019, 17:44

Odeon89 schrieb ...

Mich beschleicht manchmal auch die Vermutung, dass PHONOTON in einer - wie auch immer gearteten - Verbindung mit dem Stahmann-Konzern gestanden haben könnte, was die 1944er-Tätigkeit erklären würde...


Welche Verbindungen sollte hier Zwischen den Firmen bestanden haben?


Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Odeon89, Sa Jan 19 2019, 17:44

Ist jemandem bekannt, ob es von Clangor/ Tono irgendwelche Unterlagen bzgl. der Aufnahmedaten gibt?
Offenbar entstand nämlich in derselben Aufnahmesitzung wie Metschkes/ Hartungs "Unter einem Regenschirm" (M 1943) auch die Aufnahme "Mein Fräulein, lernen Sie doch bitte Italienisch" (M 1941, ebenfalls T.O. Metschke/ Hartung), die ich mir beim besten Willen nicht nach dem Waffenstillstand Italiens mit den Allierten und dem damit einhergehenden 'Seitenwechsel' Anfang September 1943 vorstellen kann...

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
, Sa Jan 19 2019, 18:19

Die Verlegung des Tonostudios nach Prag hieße aber, dass auch die Musiker von Jahn/Metschke nach Prag reisen mussten um dort eine sehr drittklassige Orchesterleistung abzuliefern (Regenschirm).
Bitte bedenken, Clangor war eine sehr preisgünstige Marke und 1943 ganz sicher keine riesigen Verkaufszahlen mehr erreicht wurden.
Die Bezahlung der Musiker war bei Volksverband sicher auf Tempo-Niveau - und von Tempo ist glaubhaft die Einheitsbezahlung von 5 RM bekannt.
Völlig unmöglich, dass Clangor/Phonoton für diese Aufnahmen Reise und Hotel in Prag bezahlt hätte :-)

Gruß, Max

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Musikmeister, Sa Jan 19 2019, 19:13

Odeon89 schrieb ...

Auf O-26623 ist die Aufnahme "Rot ist die Liebe" von Hans Albers mit dem Orchester Otto Dobrindt erschienen, aufgenommen im Dezember 1935 (!) (Diskographie Chr. Zwarg). Wurde die Aufnahme 1944 wiederholt und entsprechend ins Aufnahmebuch eingetragen? Die Best.Nr. ist in der Diskographie rot hinterlegt; die Bedeutung dessen ist mir nicht klar, vielleicht weiß hier jemand Näheres.


Die O-26623 wurde am 12.03.1943 aufgenommen:
Werner Schonert, Bass, mit Orchester Ltg. Dobrindt
Be 13286 - Wir stehen im Osten!
Be 13287 - Nach dem Urlaub (ein zärtliches Soldatenlied)

Mir ist gerade aufgefallen, wie spät erst eine meiner Odeon-Platten der Schörg, die ursprünglich auch für die Liste 6/1943 vorgesehen war, adoptiert wurde: 27.04.1944 (!!)
Vorher kann die Platte also schlecht erschienen sein - und ich hab sie in dunkelblau mit einem P auf dem Label...




Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Odeon89, Sa Jan 19 2019, 19:34

Musikmeister schrieb ...

Mir ist gerade aufgefallen, wie spät erst eine meiner Odeon-Platten der Schörg, die ursprünglich auch für die Liste 6/1943 vorgesehen war, adoptiert wurde: 27.04.1944 (!!)
Vorher kann die Platte also schlecht erschienen sein - und ich hab sie in dunkelblau mit einem P auf dem Label...


Danke, das bestätigt meine Vermutung, dass einige der in der letzten Odeon-Liste Nr. 6 beworbenen Platten (wie Werner Schwarz u.s. Solisten: "Mit Musik geht alles besser", O-31728) nur nach Vorbestellung erhältlich gewesen sein dürften und erst nach Monaten ausgeliefert wurden, wenn denn überhaupt. Das dürfte auch die heutige Seltenheit dieser Platten erklären! Offensichtlich lief zu diesem Zeitpunkt Einiges nicht mehr so ab, wie es ursprünglich vorgesehen war und es kam zu erheblichen Verzögerungen im Produktionsablauf.

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Odeon89, Sa Jan 19 2019, 19:40

Beworben in Liste 6 /1943, aufgenommen erst am 15. Dezember 1943 (Diskographie Zwarg), Veröffentlichung also erst im Frühjahr 1944.



Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Konezni, Sa Jan 19 2019, 20:06

Auch die Didi-Platte (Be 13401 & 13402) vom 23. 12. 1943 ist erst am 22. 03. 1944 adoptiert worden.

Um nochmals auf "Unter einem Regenschirm am Abend" zurückzukommen:
Die Musikalische Burleske MEINE NICHT SUSANNE wurde am 13. 03. 1942 uraufgeführt; darin sang Christl Mardayn den besagten Titel, obwohl die Notenausgabe "für Jane" vermerkt, was vermutlich Jane Tilden meint. Möglicherweise war diese ursprünglich für die Rolle der Susanne vorgesehen. Wie dem sei, Mardayn nahm das Lied alsbald für "Columbia" auf, dann folgten etliche Versionen. Sämtliche datierbaren stammen aus dem Jahr 1942, bis auf die beiden englischen, welche Lale Andersen erst im Jahr darauf der DGG für Propagandazwecke einsang. Ergo war 1943/4 der Titel bereits ein alter Hut. Daher komme ich auf die Verbindung zur Verfilmung als Anlass zur abermaligen Aufnahme. Und wer sagt denn, dass Metschke/Hartung von 1942 sein muss?
Die M 1941 ("Mein Fräulein, lernen Sie doch bitte italienisch") weist im Spiegel "Bz" aus, ist dies beim Regenschirm M 1943 auch der Fall? Zugegeben - ein solch großer zeitlicher Abstand ist unwahrscheinlich, aber denkbar...

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Odeon89, So Jan 20 2019, 12:46

Konezni schrieb ...

Und wer sagt denn, dass Metschke/Hartung von 1942 sein muss?
Die M 1941 ("Mein Fräulein, lernen Sie doch bitte italienisch") weist im Spiegel "Bz" aus, ist dies beim Regenschirm M 1943 auch der Fall? Zugegeben - ein solch großer zeitlicher Abstand ist unwahrscheinlich, aber denkbar...


Die Platte M 1941 liegt mir nicht vor, ich kann dazu leider keine Angaben machen.
Ich würde diese Sitzung bei Tono auch eher auf etwa Frühjahr 1943 datieren wollen, denn auf 1942. Sehr kritisch sehe ich indes das Jahr 1944 für die Aufnahme von "Unter einem Regenschirm".

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Konezni, So Jan 20 2019, 14:12

In den Odeon-Aufnahmebüchern stieß ich noch bei folgenden Matrizen auf den Eintrag „Neuerscheinung 1944“:
xxB 9161 & 9162 (Hain & Groh, 11. 05. 1943, O-3660)
xxB 9169 & 9170 (Grüber, 22. 06. 1943, O-3652)
xxB 9181 - 9186 (Dalberg & Horand, 18. - 19. 08. 1943, O-3655, O-3656 & O-3654)
xxB 9218 - 9223 (Dobrindt, 02. - 08. 11. 1943, O-3645 - O-3647)
xxB 9226 - 9229 (Dobrindt, 18. - 19. 11. 1943, O-3648 & O-3649)
xxB 9246 - 9249 (Flipse, 08. 11. 1943, O-3650 & O-3651) (möglicherweise nur für Export, obwohl Bestellnummer unverdächtig ist)
xxB 9344 - 9349 (de Groot, Flipse, 18. 01. 1944, O-8812 - O-8814) (möglicherweise nur für Export, obwohl Bestellnummer unverdächtig ist)
xxB 9363 - 9368 (Ondřičec-Quartett, 13. 02. 1944, O-9166 - O-9168) (möglicherweise nur für Export, obwohl Bestellnummer unverdächtig ist)
xxB 9371 & 9372 (Dyk, 14. 02. 1944, O-3658) (möglicherweise nur für Export, obwohl Bestellnummer unverdächtig ist)
xxB 9379 - 9386 (Kawaciuk, 15. 02. 1944, O-9162 - 9165) (möglicherweise nur für Export, obwohl Bestellnummer unverdächtig ist)


Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Odeon89, So Jan 20 2019, 15:36

Danke sehr! Mir stehen die Aufnahmebücher leider nicht zur Verfügung - interessant, dass dort noch weitere Angaben zu Neuerscheinungen zu finden sind!

Kann jemand evtl. abgleichen, ob von diesen Bestellnummern bereits welche in Liste 6 /43 beworben wurden? Mir liegen die Odeon-Neuerscheinungen leider nur bis einschl. Liste 5 vor.

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Odeon89, So Jan 20 2019, 15:42

Kann evtl. jemand die Liste 6/ 1943 zeigen (Mitglieder-Bereich)? Das wäre ganz fabelhaft und würde viele Spekulationen vermeiden helfen.

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
, So Jan 20 2019, 15:49

Kommt es euch nicht etwas komisch vor, dass hier nur 30cm Platten aufgeführt sind ?

Das ist etwas seltsam und hat sicher einen noch nicht erwähnten Hintergrund.

Gruß, Max

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Konezni, So Jan 20 2019, 22:28

Das liegt nur daran, dass ich noch nicht alles durchgesehen habe; hier kommt der entsprechende Teil der Be-Matrizen:
Be 13286 & 13287 (Schonert, 12. 03. 1943, O-26623)
Be 13357 & 13358 (Künneke, 28. 06. 1943, O-26613)
Be 13472 & 13473 (Schier, 25. 02. 1944, O-26621)
Be 13476 & 13477 (Barnet, 28. 02. 1944, O-26618)
Be 13486 & 13487 (Werner, 04. 03. 1944, O-26624)
Be 13490 & 13491 (Busch, 06. - 07. 03. 1944, O-26617)

Ein gelacktes Exemplar der O-26621 (Franz Schier) könnte ich bei Bedarf abbilden...



Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Arto, Mo Jan 21 2019, 00:24

Es ist schwer nachzufolgen, was an Unterhaltungsmusik auf Platten in den letzten Kriegsjahren in Deutschland in der Praxis noch neu zugänglich gemacht wurde, jedoch gibt es kleine Pfeile.

'Musik im Kriege, Organ des Amtes Musik' war einen Kriegsersatz für vier musikwissenchaftliche Zeitschriften: 'Die Musik' (Max Hesse Verlag), 'Zeitschrift für Musik' (Gustav Bosse Verlag), Allgemeine Musikzeitung' (Breitkopf & Härtel Verlag) und "Neues Musikblatt" (B. Schotts Söhne Verlag). Die wurden alle verboten, und 'Musik im Kriege' under Leitung von Herbert Gerigk (Prieberg Seiten 1984-2050) wurde seit April 1943 stattdessen verbreitet. Es gab ausser Aufsätze, Berichte über Konzerte und ähnliches auch Schallplattenbesprechungen. Die meisten betreffen klassische Musik (in den Kriegsjahren neu aufgenommen), jedoch geben es gewisse Kommentare bezüglich Unterhaltungsmusik auf Platten, die wahrscheinlich auch vermarktet wurden. Ich gebe einige Auszüge bei. Juden- und Jazzhass in fast jedem Heft.


Ich habe mein Band vom 'Musik im Kriege', 1943-1944 in 2000 erworben, und ich habe viel später von Internet Archive ein Scan heruntergeladen. Keine der zwei Versionen ist komplett -- wenigstens erwähnt Prieberg, dass es bis Heft 7/8 in 1944 gibt -- die mir bekannten Versionen haben nur bis Heft 3/4.

Beste Grüsse,


Arto




Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Konezni, Mi Jan 23 2019, 23:33

Habe inzwischen die Odeon-Bestellnummern der Neuveröffentlichungen 1944 (laut Aufnahmebüchern xxB/Be) in ihre Reihenfolge gebracht, noch etwas vervollständigt und die Daten der jeweiligen Adoption (soweit entzifferbar) hinzugefügt.

O-3645 - O-3647 (xxB 9218 – 9223, Dobrindt, 02. – 08. 11. 1943)
O-3648 & O-3649 (xxB 9226 – 9229, Dobrindt, 18. – 19. 11. 1943)
O-3650 & O-3651 (xxB 9246 – 9249, Flipse, 08. 11. 1943)
O-3652 (xxB 9169 & 9170, Grüber, 22. 06. 1943)
O-3653 (xxB 8936 & 8937, Kölner Kammer-Trio, 31. 01. 1942)
O-3654 - O-3656 & (xxB 9181 – 9186, Dalberg & Horand, 18. – 19. 08. 1943)
O-3657 (xxB 9369 & 9370, Nikolaidi, 14. 02. 1944) keine Bemerkung zu Veröffentlichung oder unleserlich
O-3658 (xxB 9371 & 9372, Dyk, 14. 02. 1944)
O-3659 (xxB 9206 & 9207, Munteanu, 18. 10. 1943)
O-3660 (xxB 9161 & 9162, Hain & Groh, 11. 05. 1943)

O-8812 - O-8814 (xxB 9344 – 9349, de Groot, Flipse, 18. 01. 1944)

O-9162 – O-9165 (xxB 9379 – 9386, Kawaciuk, 15. 02. 1944)
O-9166 - O-9168 (xxB 9363 – 9368, Ondřičec-Quartett, 13. 02. 1944)

O-26613 (Be 13357 & 13358, Künneke, 28. 06. 1943)
O-26614 (Be 13141 & 13142, Groh, 02. 09. 1942)
O-26615 (Be 13134 & 13143, Groh, 17. 08. & 02. 09. 1942)
O-26616 (Be 13421 & 13422, Koch, 18. 01. 1944) adoptiert 24. 03. 44
O-26617 (Be 13490 & 13491, Busch, 06. - 07. 03. 1944) adoptiert 10. 06. 44
O-26618 (Be 13476 & 13477, Barnet, 28. 02. 1944) adoptiert 09. 05. 44
O-26619 ?
O-26620 (Be 13187& 13425, Saenger, 07. 02. 1944)
O-26621 (Be 13472 & 13473, Schier, 25. 02. 1944) adoptiert 01. 08. 44
O-26622 (Be 13401 & 13402, Didi, 23. 12. 1943) adoptiert 22. 03. 44
O-26623 (Be 13286 & 13287, Schonert, 12. 03. 1943)
O-26624 (Be 13486 & 13487, Werner, 03. 03. 1944) adoptiert 10. 09. /30. 08. 44

Hieraus geht wohl zweifellos hervor, dass Odeon bis mindestens September 1944 (Liste 5.44) noch Neues für den Inlandsmarkt herausgebracht hat.


Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Odeon89, Fr Jan 25 2019, 17:51

Recht herzlichen Dank für diese hochinteressante Zusammenstellung! Die Frage bleibt indes, ob diese Platten allesamt tatsächlich noch den zivilen Markt erreichten, oder ob sie rein für den Bedarf der Truppen beschränkt blieben oder ob gar nur einige wenige tatsächlich noch in geringsten Mengen vor Kriegsende gepresst wurden.

Hat jemand zufällig ein Exemplar von Ilse Werners "Wer pfeift was?" oder Evelyn Künnekes "Es hat keinen Zweck mit der Liebe" auf dem alten Etikett vorliegen?

Eine Odeon-Neuerscheinungsliste Liste "5.44" halte ich jedoch bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie hier jemand zeigt, für rein hypothetisch.

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
, Fr Jan 25 2019, 18:23

Danke, Konezni,

sind in der Liste alle behaupteten Veröffentlichungen von 1944 ?

Bei den 30cm sind einige sehr sicher nicht für den deutschen Markt. Also blieben kaum 20 Veröffentlichungen.

Wie soll die doch sehr geringe Anzahl die behaupteten Neuerscheinugslisten 1-5/ 44 füllen ?

Wenn man alles betrachtet und abwägt, bleibt bis zur Vorlage einer Neuerscheinungsliste 1944 diese ein unbelegtes Gespenst.

Gruß, Max

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Konezni, Sa Jan 26 2019, 12:59

Lieber Max,

diese Veröffentlichungen sind mitnichten "behauptet", sondern vielmehr in den Aufnahmebüchern als solche vermerkt. Ob dies alle sind, weiß ich nicht, da ich nur "Be" und "xxB" durchgesehen habe. Möglicherweise sind auch auf dem Gloria-Label noch Platten erschienen, welche ebenfalls in Odeon-Listen aufgeführt sein können. Denkbar wäre auch eine Zusammenlegung mit "Imperial", "Kristall" und "Electrola"...
Für die Möglichkeit einer Auslandsbestimmung einiger der 30-cm-Ausgaben sehe ich kein Indiz. Sie haben sämtlich, wie ich bereits erwähnte, unverdächtige Bestellnummern. Abgesehen davon stieß ich bisher in deutschen Lindström-Aufnahmebüchern nie auf Export-Nummern.

Beste Grüße,
Raoul

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Odeon89, Sa Jan 26 2019, 14:44

Der 'springende Punkt' ist hierbei m.E., ob die in den Aufnahmebüchern vermerkten "Neuerscheinungen 1944" (auffällig ist, weshalb sie so unspezifisch vermerkt sind und nicht explizit "NE Dez. 1944" etc. dort steht) wirklich auch noch in ihrer Gesamtheit auf dem deutschen Zivilmarkt erschienen sind, oder ob es sich um Testpressungen, Pressungen für den Heeresbedarf oder den Rundfunk, oder gar um Rezensionsexemplare etc. handelt. Einige wenige der obgenannten Platten sind auch mir mit dem alten Etikett bekannt, andere in Jahrzehnten nie begegnet. Diese extreme Seltenheit dieser Platten (wie oft taucht schon Didis "Hundelied" oder Ilse Werners "Wer pfeift was" auf dem alten Etikett auf?...) spricht für mich für eine extrem kleine Auflage, die wohl nicht mehr für den deutschlandweiten, regulären Verkauf vorgesehen gewesen sein kann. (Wenn enstprechende Händlerlisten, datierte Verkaufsbelege etc. auftauchen, lasse ich mich selbstverständlich gerne eines Besseren belehren.)

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Konezni, Sa Jan 26 2019, 15:13

Habe nochmals meine Augen angestrengt und ein paar weitere Notizen zu "Neuveröffentlichungen 1944" im Be-Aufnahmebuch entziffert:
O-31729 (Be 13386 - 13387, Zacharias, 27. 10. 1943) adoptiert 22. 03. 44
O-31730 (Be 13488 - 13489, Barnet) hier steht außer der Reihe "Nachtrag II.47"
O-31731 (Be 13057 & 13059, de Weille, 24. 03. 1942)
O-31732 (Be 13343 - 13344, Hoffmann, 17. 06. 1943)

Bei Pressungen ohne Aufdruck oder Einprägung "Wehrmacht" sehe ich keinen Grund, eine entsprechende Bestimmung anzunehmen.

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
, Sa Jan 26 2019, 15:57

Vielen Dank für die Mühe !

Ein ganz grundlegendes Problem ist doch, dass die Aufnahmeliste sich offensichtlich rein theoretisch planerisch zu den Veröffentlichungsterminen äußert. Die sehr wenigen Aufnahmen von 44 und der Rückgriff auf ein paar ältere Aufnahmen zeigt doch, auf welcher Sparflamme es nur noch lief. In Quantität kein Vergleich zu den Jahren 41/42.

Von den erwähnten Platten hingegen ist das letzte mit Foto belegte Exemplar Werner Schwarz "Wenn die Woche keinen Sonntag hätt". 31728

Welcher Sammler kann Benny de Weille " Tanz der Pinguine" auf altem Etikett zeigen ?
Ebenso Ilse Werner "Wer pfeift was" ? Oder Kary Barnet " Zum Abschied reich ich dir die Hände"?

Wirkliche Belege können nur entsprechende Platten oder schriftliche Nachträge bilden.

Horst H. Lange war zwar im Kriegseinsatz 1944, aber er hat ganz direkt nach dem Krieg mit den Forschungen begonnen und es lebten noch alle Zeitzeugen und alle Firmen waren noch am Ort. Lange sagt ausdrücklich, dass ab 1944 keine Neuerscheinugen von den grossen Firmen kamen. Eine sehr reduzierte Aufnahmetätigkeit hingegen ist belegt. Sie kann aber nicht das wirkliche Erscheinen im Laden belegen.

Gruß, Max

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Musikmeister, Sa Jan 26 2019, 16:43

Zu den bereits erwähnten 30cm-Odeon-Platten O-3648 und 3649 (adoptiert März 1944) kann man im Aufnahmebuch neben "Neuerscheinungen 1944" auch "für Kopenhagen" erkennen.



Also wenn die Platten 1944 überhaupt noch veröffentlicht wurden, dann wohl nur noch im Ausland (Dänemark,Belgien etc.).

In der Fachzeitschrift "Der Autor" kann man in der Januar/Februar 1944-Ausgabe lesen, dass die deutschen Theater keine Programmzettel mehr drucken können.
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In der März-April-Mai 1944-Ausgabe der selben Zeitschrift kann man dann lesen, dass nun auch für Musiknoten und andere Musikalien eine Papierzuteilung notwendig ist.
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Also Papier gab es 1944 nur noch auf Zuteilung durch das Reichspropagandaministerium, Abteilung Musik. Ein Indiz mehr gegen Neuerscheinungslisten von Industrieschallplatten ab Anfang 1944.

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
berauscht, Sa Jan 26 2019, 16:51

Abstellhebel schrieb ...

Welcher Sammler kann Benny de Weille " Tanz der Pinguine" auf altem Etikett zeigen ?
Ebenso Ilse Werner "Wer pfeift was" ? Oder Kary Barnet " Zum Abschied reich ich dir die Hände"?

Wirkliche Belege können nur entsprechende Platten oder schriftliche Nachträge bilden.


Da wären dann noch die schon erwähnten Platten Telefunken A 10536 - A 10539, die in Wien nicht gerade selten sind. Sie müssen noch 1944 auf dem "rot/gold" Etikett erschienen sein.


Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
SchellackFreak, Sa Jan 26 2019, 18:50

Hallo,

vielen Dank bisher für die vielen Denkanstöße. Im Verlauf des Jahres 1943, lässt sich relativ gut abzeichnen das Neuerscheinugslisten sowie Werbung in zeitgenössischen Zeitungen zwar limitiert, jedoch anzutreffen war. Der Carl Lindström Konzern und die Telefunken dürften dabei noch die meisten Schallplatten im Jahr 1943 (nach meiner Beobachtung) abgesetzt haben. Was nicht gleichermaßen bedeutet (?), dass ohne Neuerscheinugslisten keine Schallplatten mehr in die Läden 1944 eintrafen/verkauft wurden (TEMPO etc.).

Arto schrieb ...

Ich habe mein Band vom 'Musik im Kriege', 1943-1944 in 2000 erworben, und ich habe viel später von Internet Archive ein Scan heruntergeladen. Keine der zwei Versionen ist komplett -- wenigstens erwähnt Prieberg, dass es bis Heft 7/8 in 1944 gibt -- die mir bekannten Versionen haben nur bis Heft 3/4.

Beste Grüsse,
Arto

Vielen Dank Arto in die Einblicke der Zeitschrift "Musik im Kriege" und deren kritischen Rezensionen. Schriften daraus lagen mir meist nur durch einfache Zweitschriften vor.

Musikmeister schrieb ...
Also Papier gab es 1944 nur noch auf Zuteilung durch das Reichspropagandaministerium, Abteilung Musik. Ein Indiz mehr gegen Neuerscheinungslisten von Industrieschallplatten ab Anfang 1944.

Bezogen auf deutsche Neuerscheinugshefte nach 1943 kann ich dieser Ausführung zustimmen. Bei europäischen Schriftstücken, mit deutschen Interpreten sah dies wieder anders aus vergleiche beispielsweise „Polydor Siemens - Plattenkatalog Oktober 1944“ aus der Schweiz. Wobei dieser Katalog fast nur Aufnahmen der Jahre 1942/1943 umfasst. Hansfried Sieben, welcher viele Schriftmaterialien bezogen auf die Schallplatte dieser Jahre sammelte, diese dann erneut in Kleinstauflagen (Nachdrucke) wiederveröffentlichte, geht davon ebenfalls aus, dass nach 1943 keine Neuerscheinungslisten mehr Verfügbar waren.

Abschrift - Hansfried Sieben, Düsseldorf im Mai 1987 bzgl.
Neuerscheinungshefte im Krieg:

Es ist nicht bekannt, ob nach diesem Zeitpunkt weitere Nachträge herausgekommen sind; eher wird das nicht der Fall sein. Trotz der Kriegsereignisse, die sich auf allen Gebieten mehr und mehr bemerkbar machten, ging die Schallplatten-Produktion zunächst weiter.

Die beginnende Rohstoffverknappung, Zerstörung von Studios und Produktionsstätten bzw. die Umfunktionierung dieser für die Herstellung von kriegswichtigem Material, brachte dann zum Ende des Jahres 1943 das fast vollständige Aus für die Schallplatten-Produktion.

Es ist aber erstaunlich, welche Breite sowohl in künstlerischer als auch musikalischer Hinsicht die Telefunken-Schallplatte nach wie vor hatte. Von den Marschplatten, deren Texte dem damaligen Zeitgeist entsprachen, und den überaus beliebten Tanzplatten, die dann in den Kriegsjahren mehr und mehr im Ausland, wie Schweden, Belgien, Tschechoslowakai und Österreich entstanden, einmal abgesehen, waren überaus interessante und wertvolle Neuaufnahmen klassicher Musik mit beispielsweise Furtwaengler, Mengelberg, dem Ensemble der Mailänder Scala und vielen bekannten Opernstars in den monatlichen Nachträgen anzutreffen.

Da es nach 1942 keine Jahreskataloge mehr gegeben hat, dürften besonders die Nachträge 1942/43 für den Sammler interessant sein. Es finden sich hier nämlich verschiedene Aufnahmen, die nur ein kurzes Leben und entsprechend geringe Auflagen hatten und nach dem Krieg nicht wieder aufgelegt worden sind.


Letztes mir vorliegendes Neuerscheinungsheft:

Telefunken Neuerscheinungen September/Oktober 1943












Aus der letzten Telefunkenliste Sep/Okt 1943 sind einige Schallplatten erfasst, es dürften alle während diesen Zeitraumes zu bekommen/verfügbar gewesen sein. Es sollten nach meiner Ansicht die letzten Veröffentlichungen in Deutschland bleiben. Interessant wären somit Aufnahmen nach Oktober 1943 bei der Telefunken und deren erscheinen (in Deutschland).

Tanzorchester Franz Teddy Kleindin - Refraingesnag Evi Marlen
- So wie du vor mir stehst
- Morgen wird alles wieder gut

Telefunken A 10512
Aufnahmedatum: 29. April 1943

Schweizer Telefunken Ausgabe - ebenso mit typischen (blassen) Telefunken-Label
in Deutschland erschienen!





Jazz-Harmonika Albert Vossen mit seinen Solisten
- Entzückende Frau
- Ich will dein Schatten sein

Telefunken A 10511
Aufnahmedatum: 05. Mai 1943

Quelle: Mitglied "Austroton" - siehe Sender: Link - Hier klicken





Ully Engel mit Tanzorchester Adalbert Lutter
- Ich hab' einen Schwips
- Franzl, ich hab' einen Auftrag für dich

Telefunken A 10516
Aufnahmedatum: 10. Juni 1943





Tanzorchester Primo Angeli, Refraingesang Henriette Schäffler
- Hallo, Fräulein!
- Barcarole

Telefunken A 10519
Aufnahmedatum: 28. Juni 1943

Quelle: Mitglied "Austroton" - siehe Sender: Link - Hier klicken





Geschwister Valtonen mit Tanzorchester Willy Mattes
- An der Donau steht Marika
- Hein Mück

Telefunken A 10515
Aufnahmedatum: 28. Juni 1943






Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Odeon89, Sa Jan 26 2019, 19:35

Danke für die schönen Beispiele der Kriegspressungen und der Neuerscheinungsliste!

Hier noch TFK 10505, Neuerscheinung Liste 5 1943 (Oktober):



Den Wiener Aufnahmen geht nach den Best.Nrn. unmittelbar die Fud Candrix-Serie voraus, aufgenommen im Januar 1943 in Brüssel. Interessanterweise tragen die meisten der mir vorliegenden Platten auf einer Seite den aufgeklebten Lizenzzettel, der belegt, dass meine Exemplare erst 1946 oder später in den Verkauf gelangten. Eine Veröffentlichung muss aber vor 1945 zumindest noch geplant gewesen sein, sonst hätte man die Titel wie "Harlem Swing", also Titel in "feindstaatlicher" Sprache wohl nicht eingedeutscht. Wo diese Pressungen entstanden sind, ist mir nicht bekannt, da das Fehlen der "Deutschen Weltmarke" kein allgemeingültiges, sicheres Indiz für den Pressort Prag darstellt. Eine Neuerscheinung dieser Platten vor Mai 1945 ist meines Wissens aktuell nicht durch schriftliche Belege nachweisbar, aber zu vermuten.












Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Odeon89, Sa Jan 26 2019, 19:43

Hier noch späte (bzw. frühe Nachkriegs-?) Veröffentlichungen des DGG-Konzerns. Z.T. aufgenommen - oder eher umgeschnitten - am 21. Dezember 1943, ebenso wie die "Capri-Fischer". Ob diese Platten tatsächlich noch während des Krieges erschienen, ist zumindest fraglich!







Diese Stahmann-Übernahmen halte ich eindeutig für frühe Nachkriegsveröffentlichungen aus jener Zeit, zu der die DGG Lohnpressungen bei Stahmann anfertigen ließ (Ende 1945/ Anfang 1946).





Diese vier Aufnahmen entstanden am 26. Februar 1945 (!) in Berlin; eine Neuerscheinung während des Krieges halte ich für ausgeschlossen:







Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Odeon89, Sa Jan 26 2019, 20:14

Tempo ließ bekanntlich noch im August 1944 und Dezember 1944 Neuaufnahmen machen, die vermutlich auch noch im Winter 1944/45 auf den Mark kamen. Diese Etiketten sind leider sehr empfindlich gegenüber Feuchtigkeit...


Aufnahme: 16. August 1944.



Aufnahme: 3. Dezember 1944.

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Odeon89, Sa Jan 26 2019, 20:57

Rätselhaft bleiben indes auch diese beiden POLYDOR mit sehr hohen Bestellnummern. Bei der Platte mit ukrainischen Liedern lässt sich spekulieren, ob sie möglicherweise für die sogenannte "Wlassow-Armee" vorgesehen gewesen sein könnte. Oder eben, ob es sich um eine Platte für die sowjetischen Besatzungtruppen nach 1945/46 handelt...
Die Aufnahmen (Mx. 112~GX9 und 9923-2~GD9) entstanden am 22.1.1943 resp. am 1.3.1943 in Berlin.






Diese Horst Schimmelpfennig-Polydor 12059 wurde mit einiger Wahrscheinlichkeit in Wien (Rosenhügel-Studios) etwa Anfang 1944 aufgenommen. Die Verwendung dieser 25cm-Platte würde mich auch sehr interessieren - war es möglicherweise eine der 57000er-Serie ähnliche Platte zur Kinobeschallung? Der Film "Am Ende des Lebens" kam allerdings unter diesem Titel nicht durch die Kontrolle der Filmprüfstelle und hatte erst 1951 seine Uraufführung (unter dem Titel "Am Ende der Welt")...







Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Musikmeister, So Jan 27 2019, 13:16

Odeon89 schrieb ...

Rätselhaft bleiben indes auch diese beiden POLYDOR mit sehr hohen Bestellnummern. Bei der Platte mit ukrainischen Liedern lässt sich spekulieren, ob sie möglicherweise für die sogenannte "Wlassow-Armee" vorgesehen gewesen sein könnte. Oder eben, ob es sich um eine Platte für die sowjetischen Besatzungtruppen nach 1945/46 handelt...


Alexander Chevtschenko war ab 1944 ein Grammophon-Aufnahmeleiter in Prag (siehe Fetthauer - Deutsche Grammophon Seite 146).
Eine umfangreiche Liste mit Aufnahmen Chevtschenkos wurde von Herrn Lotz erstellt: Link - Hier klicken

Mich wundern hierbei die ukrainischen Aufnahmen in Prag bis spät ins Jahr 1944 hinein, wo die Achsenmächte aus der eigentlichen Ukraine bereits fast vertrieben wurden ( Link - Hier klicken ). Wer sollte also diese Aufnahmen kaufen? Wozu der Ressourceneinsatz? Zudem noch meist in Russland verbotenes Liedgut, aber dann auch wieder Tschaikowski, der in Deutschland eigentlich unter das Feindstaatverbot fallen müsste.


Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Konezni, So Jan 27 2019, 13:53

Diese russischen (wie die belorussischen, ukrainischen & aserbaidschanischen) Chorplatten enthalten meist antisowjetische Propaganda.

Die 12059 (Schimmelpfennig) wurde in Prag aufgenommen. Dies ist noch nicht einmal eine späte Nummer; die höchste im Matriz-Eingangsbuch verzeichnete ist die 12152, die dort am 05. 05. 1944 registriert wurde.

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Odeon89, So Jan 27 2019, 14:36

Konezni schrieb ...

Diese russischen (wie die belorussischen, ukrainischen & aserbaidschanischen) Chorplatten enthalten meist antisowjetische Propaganda.


Danke! Da ich des Russischen nicht mächtig bin, kann ich den Inhalt des Gesangs leider nicht verstehen. Zahlreiche Aufnahmen mit Boris Ledkowky wurden noch bis zur Ende der Schellackplatte auf "Maiglöckchen"-Polydor nachgepresst; die von mir gezeigte scheint wohl aber nicht sehr gängig zu sein, da auch Herr Dr. Lotz dazu "Keine Veröffentlichung nachweisbar" vermerkte.

Konezni schrieb ...

Die 12059 (Schimmelpfennig) wurde in Prag aufgenommen. Dies ist noch nicht einmal eine späte Nummer; die höchste im Matriz-Eingangsbuch verzeichnete ist die 12152, die dort am 05. 05. 1944 registriert wurde.


Ist es ganz sicher, dass diese Aufnahmen in Prag entstanden? Die Matriznummern lauten 10171-GR und 10174-GR. Die "Wien-Film-Orgel" (feststehender Begriff) wurde 1939 in den Wiener Rosenhügelstudios "nach den Vorstellungen des Cheforganisten der UFA, HORST SCHIMMELPFENNIG" (Quelle: Karl Schütz: Theater- und Kinoorgeln in Wien, online, S. 42) gebaut. Hier sehe ich also schon einen Zusammenhang, zumal auch in den 1950er-Jahren noch Aufnahmen auf dieser Orgel entstanden (auf "Viennola").

Es könnte sich bei POLYDOR 12059 um Magnetophon-Umschnitte handeln, aufgenommen in Wien, und dann in Wachsplatte geschnitten in Berlin (oder Prag).

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Odeon89, So Jan 27 2019, 14:37

Musikmeister schrieb ...

Zu den bereits erwähnten 30cm-Odeon-Platten O-3648 und 3649 (adoptiert März 1944) kann man im Aufnahmebuch neben "Neuerscheinungen 1944" auch "für Kopenhagen" erkennen.



Also wenn die Platten 1944 überhaupt noch veröffentlicht wurden, dann wohl nur noch im Ausland (Dänemark,Belgien etc.).


Danke für diese spannenden Einblicke in die Aufnahmebücher! Unten meine ich sogar eher "1945" lesen zu können (?)

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Konezni, So Jan 27 2019, 15:19

Ledkowskys Blümchen-Polydors umfassen selbstverstädnlich nur die Nachkriegsaufnahmen. Dass die Lotz-Diskografien oft keine Bestellnummern enthalten, liegt daran, dass hierfür die Kartei-Karten der DGG zur Grundlage genommen wurden, die, ähnlich wie die Aufnahmebücher der Lindström, nur Bestellnummern für den regulären Inlandsmarkt enthalten. Der dortige Eintrag "für Kopenhagen" wird vermutlich bedeuten, dass für den dänischen Markt eine eigene Ausgabe mit einer gesonderten Bestellnummer gepresst wurde. Im faksimilierten Ausschnitt halte ich eine Lesart "1945" für unwahrscheinlich, da die beiden letzten Zahlen identisch sind, es sei denn, es hieße "1955".

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Konezni, So Jan 27 2019, 15:20

... Der Umschnitt einer Wiener Aufnahme (Schimmelpfennig) in Prag ist natürlich denkbar...

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
, So Jan 27 2019, 16:18

Frage zwischendurch, Liegen die Odeonbücher wirklich nur in dieser furchtbaren 70er Jahre Fotokopier Qualität vor ?

Gruß, Max

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
berauscht, So Jan 27 2019, 16:51

Abstellhebel schrieb ...

Frage zwischendurch, Liegen die Odeonbücher wirklich nur in dieser furchtbaren 70er Jahre Fotokopier Qualität vor ?

Gruß, Max

Es sind Fotokopien aus der Sammlung Rainer Lotz, die von Claus Peter Gallenmiller gescant wurden, und jetzt von der GHT als CD (Preis: 29.90 Euro + Porto) angeboten werden.

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
jitterbug, Mi Jan 30 2019, 14:02

Mit großem Interesse habe ich die spannenden Beiträge verfolgt.

Hier ergänzend ein paar Infos und Etikettenabbildungen (TEIL 1 TELEFUNKEN):

Diverse Musiker, wie auch der Telefunken Techniker Ewald Mahr und Televox-Techniker Hajo Lichtenfels beschrieben, dass ab 1942 von den großen Plattenfirmen Aufnahmen quasi "auf Halde" produziert wurden. Dafür gab es verschiedene Gründe. Zum einen wurden etliche Musiker eingezogen und stnaden somit nicht mehr für Neuaufnahmen zur Verfügung, zum anderen "hing in Luft" eine extreme Rationierung, die Neuaufnahmen auf ein Minimum herunterzufahren drohte.

Bei TELEFUNKEN und GRAMMOPHON konnte so eine kleiner Katalog an Neuerscheinungen aufrecht erhalten werden, auch wenn die Aufnahmen bereits etwas älter waren. Sie sind schließlich zuvor nicht in den Handel gekommen (KURT HOHENBERGER, FUD CANDRIX, STAN BRENDERS, JEAN OMER, TEDDY KLEINDIN, LISA LESCO). Leider sind einige Aufnahmen im Laufe des Krieges verlorengegangen (LISA LESCO beispielweise, es erhielten sich wohl nur zwei Tonbänder vom 21.10.1943, die nach dem Krieg umgeschnitten wurden und auf A 10695 erschienen "Schade, daß wir auseinander gehn"/"Ich laß meinen Peter nie allein")


Nachkriegs-Erstveröffentlichung auf Papieretikett mit "Censure"-Vermerk
A10695, Aufnahme Berlin, 21.10.1943




Da sowohl TELEFUNKEN als auch die DEUTSCHE GRAMMOPHON/POLYDOR/BRUNSWICK über verschiedene Presswerke an unterschiedlichen internationalen Standorten verfügten, konnte die Produktion der beiden Firmen ziemlich nahtlos durch den Krieg erfolgen, auch wenn wenig an Neuaufnahmen produziert werden konnte, da Studios beschädigt/zerstört waren und bekanntermaßen Rohstoffknappheit herrschte.


Hier Etiketten der TELEFUNKEN aus der späten Kriegszeit:

Zu Beginn wie SchellackFreak am 26.01. vorstellte, hier ein Exemplar aus der Neuerscheinungsliste September/Oktober 1943

blaues Etikett mit Schriftzug "Die deutsche Weltmarke"
A 10413, Aufnahme Berlin, 08.05.1943




blaues Etikett bereits OHNE "Weltmarke" (offenbar Pressung der ULTRAPHON)
A 10523, Aufnahme Berlin, 15.07.1943 (Neuerschinung NACH Oktober 1943)




rotes Etikett OHNE "Weltmarke"
(ähnlich wie die CANDRIX-Platten mit Aufnahmen "auf Halde" vom 05.01.1943, die Odeon89 am 26.01. zeigte)
A 10537, Aufnahme Wien, 30.03.1944




graues Papieretikett OHNE Lizenznummer, späte Kriegspressung, Aufnahme "auf Halde".
Die Bestellnummer liegt weit höher als bei der Wiener Aufnahme vom 30.03.1944. So ist zu schließen, dass diese Platte erst im Sommer 1944 hergestellt wurde, also zwei Jahre nach der Einspielung.
A 10552, Aufnahme Berlin, 15.07.1943




Beleg für eindeutige Kriegspressung auf Papieretikett: Diese italienische Aufnahme von 1942, die 1943 von TELEFUNKEN Deutschland aus Anlass des Gastspiels von Zuccheri erfolgte, trägt beidseitig die EInstanzung "Wehrmachts-Eigentum"
A 10480, Aufnahme Mailand, Oktober 1942




Testplatte (einseitig)
Test, Aufnahme Wien 28.03.1944




Export für Skandinavien in ULTRAPHON-Typographie, schwedischer Aufdruck "Världs Märket"
A 5316, Aufnahme Stockholm 21.10.1942, Neuerscheinung Juni 1943
(Englund&Elfström: Svenska Diskografier 9, Gotab Stockholm 1994)




Skandinavische Pressung (TELEFUNKEN OSLO) "Världs Märket"
A 5388, Aufnahme Stockholm 14.03.1944, Neuerscheinung: Oktober 1944
(Englund&Elfström: Svenska Diskografier 9, Gotab Stockholm 1994)




Um diesen Beitrag nicht zu sehr ausufern zu lassen, folgen in nächster Zeit weitere Teile zu POLYDOR/BRUNSWICK, ODEON (auch Export), IMPERIAL (auch Export), Illustrationen zu ELECTROLA/COLUMBIA (auch Export).

Viele Grüße, Stephan


Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Odeon89, Mi Jan 30 2019, 20:14

Vielen Dank, Stephan, für diese sehr schönen Beispiele!

Zu Telefunken hätte ich hier noch eine Ergänzung, die ich ganz kurios fand. Es ist zwar keine Neuveröffentlichung von 1943/44, aber recht eindeutig eine Pressung aus diesen Jahren... Eigentlich "feindstaatliche" Musik par excellence, konnte ich diese Platte tatsächlich in Wien finden - mir unerklärlich, zumal sie auch nicht mehr in der 1942er "Ernte" unter den lieferbaren Platten aufgeführt wird...




Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
berauscht, Mi Jan 30 2019, 22:28

Telefunkenwerbung aus dem Jahr 1943.



Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
berauscht, Do Jan 31 2019, 11:11

Was die Telefunkenplatte oben direkt aussprach, sagte die Grammophon durch die Blume: "Wer seine Schallplatten pfleglich behandelt, hat länger Freude an ihnen!". Was wohl ebenfalls heißen soll: neue Platten gibt es nicht.



Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
jitterbug, Do Jan 31 2019, 19:25

Es folgen weitere Ergänzungen (und Fragestellungen!)
(Teil 2 : POLYDOR/BRUNSWICK)

Im Laufe des Frühjahres 1943 erfolgte die endgültig Umstellung auf das POLYDOR, bzw. SIEMENS-POLYDOR-Etikett, wie an anderer Stelle bereits ausgeführt.

So zeige ich hier eine unbekanntere Ausführung des SIEMENS-POLYDOR-Etiketts für die Wehrmacht: Es ist in hellbraun gehalten (wie viele der 30cm-POLYDOR-Soundtracks oder einige BRUNSWICK-Pressungen) mit Goldschrift.


SIEMENS POLYDOR "Eigentum der Wehrmacht" (Gold auf Hellbraun)
47733 H, Aufnahme Berlin, 02.01.1943, Neuerscheinung: März/April 1943





SIEMENS POLYDOR Export-Serie Schweden (Gold auf Weinrot)
49963, Aufnahme Kopenhagen, 13.06.1943, Depositato: 8.6.43 (!)



Als Nummernblock wurde die 49500-Serie nach Schweden vergeben, so wie 49200-Serie nach Ungarn, die 49700-Serie in die Niederlande.

Der schwedische Film "En melodi om våren" ("Eine Melodie im Frühling") mit der Sängerin LILIAN ELLIS, die als Tänzerin bereits in der Weimarer Zeit in Berlin gastierte und von der Fotografin YVA (Else Ernestine Neuländer-Simon) fotografiert wurde, hatte in Stockholm am 31.07.1943 Premiere.




POLYDOR (Export) (Gold auf Grün)
49565 G, Stockholm 10.08.1943 (Depositato 9.9.43)





SIEMENS POLYDOR (Ungarn) (grau-grünes Papieretikett)
47803/261 H, Aufnahme Budapest, Februar 1943 (kein Depositato)



POLYDOR NACHKRIEGSPERSSUNG (Deutschland) (Gold auf Weinrot)
47803 H, Aufnahme Budapest, Februar 1943 (Depositato 8.6.)



BRUNSWICK (Deutschland) (Gold auf Schwarz)
82303, Aufnahme Budapest, Februar 1943 (Depositato 8.6.)



Die BRUNSWICK-Pressung und die Nachkriegsprssung haben das gleich Erscheinungsbild im Wachs. Die auf ungarisch beschriftete Ausgabe der selben Aufnahme trägt KEIN Depositato im Wachs.


SIEMENS POLYDOR (Ungarn) (rot-schwarzes Papieretikett)
49207/327 H, Aufnahme Budapest, Mai 1944 (kein Depositato)



Diese SIEMENS-POLYDOR-Aufnahme entstand im Mai 1944 und trägt kein Depositato oder Mechan. Copyright im Wachs. Die Matriznummer ist stark reduziert auf die fünfstellige Zahl 10237, Rücksiete 10238.


Als Abschluss die anonymisierte Platte von KIRSTEN HEIBERG mit der Soundtrack-Aufnahme von "Ich bin heut' frei, meine Herren" auf POLYDOR 57312 (30 cm). Auf der Platte ist noch der Arbeitstitel ds Filmes vermerkt, im Dezember 1942 wird allerdings in der Presse berets über den Film "Liebespremiere" geschrieben, so dass die Drucklegung des Etiketts mit dem alten Arbeitstitel "Bist du verliebt" spätstens im November 1942 erfolgt sein muss.

Der Film hatte am 11.06.1943 in Berlin Premiere, am 05.01.1943 erfolgte der Umschnitt des Tonbandes mit der Playback-Musik auf Wachs.

Auch hier also eine anonyme Platte, ähnlich, wie es bei der bekannten Zarah-Leander-30cm-Polydor-Platte auch der Fall ist.

POLYDOR (Deutschland) (Gold auf Hellbraun)
57312 GM (30cm), Aufnahme Berlin, ca. November 1942, Umschnitt 05.01.1943




So sind in diesem Beitrag immer noch nicht alle Fragen geklärt, auch nicht, was das "Depositato" engeht, das ich imme rnoch als einen Copyright-, bzw. Zensur-Vorlagestempel halte. Bei etlichen italienischen Pressungen der CETRA, ODEON und FONIT finden sich auch teils tagesgenaue Stempel im Wachs: Besonders beeindruckend, dass am Silvestertag 1942 Dutzende Aufnahmen den Stempel tragen, andere Platten targen das Weihnachtsdatum 1943. Diese Stempel finde ich bei italienischer ODEON auch noch in Nachkriegsjahren 1945 und 1946. Die in römischen Zahlen bezeichnete neue Jahresrechnung ab Mussolini ist dann bei älteren Aufnahmen in Nachkriegspressungen mit "xxxxx" überdruckt.

Fortsetzung folgt.

Beste Grüße, Stephan


Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
berauscht, Do Jan 31 2019, 20:46

Die Fragen zum Posting von Stephan sollen wir vielleicht im "Depositato" Thread diskutieren.

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
jitterbug, Fr Feb 01 2019, 12:11

Es folgen weitere Ergänzungen
(Teil 3 : ODEON / PARLOPHONE)


Über die 26000-Serie mit WILLI STEFAN DIDI und GRETL SCHÖRG wurde bereits von den Mitgliedern Konezni und Musikmeister berichtet, ebenso hat Odeon89 die O-31728 (WERNER SCHWARZ) abgebildet. Um die Neuerscheinungen November/Dezember 1943 als Auftakt zu illustrieren, die berauscht am 17. und 19.01. vorstellte, hier zu Beginn die gelistete MICHAEL JARY/HORST WINTER-Platte O-31721.

ODEON Goldschrift auf blau
O-31721, Aufnahme Berlin, 21.06.1943 (Neuerscheinung: November/Dezember 1943)



Diese Pressung begegnete mir in über 40 Jahren des Sammelns insgesamt nur zwei Mal auf freier Wildbahn, als Nachkriegspressung trifft man sie weitaus häufiger an.


ODEON Goldschrift auf blau ("Wehrmachts-Eigentum")
O-31724, Aufnahme Berlin, 05.04.1943 (Neuerscheinung: 1944)



Die Neu-Inlandsveröffentlichungen der ODEON wurden ab spätestens Mitte des Jahres 1943 stark eingeschränkt, diese Platte ist quasi ein "Restbestand auf Halde", der erst etwa 9 Monate nach Aufnahme erst veröffentlicht wurde. Dies ist u. a. belegbar durch die direkt aufeinander folgenden Plattenbestellnummern:

ODEON Goldschrift auf blau (Aufdruck "P"="Pathé" Frankreich)
O-31725, Aufnahme Berlin, 21.10.1943 (Neuerscheinung: 1944)



Diese Platte mit Goldaufdruck "P" ist tatsächlich auch eine Laminatpressung, wie sie bei der PATHÉ (zusammengefasst mit COLUMBIA, SWING, LA VOIX DE SON MAÎTRE) in Frankreich üblich war.

Da die höchste genannte Nummer im Nachtrag November/Dezember 1943 von berauscht die Nummer 31722 zeigt, sind diese beiden FRED HECKER-Platten offensichtlich erst 1944 veröffentlicht worden. Dabei fällt auf, dass zwischen beiden Einspielungen mehr als 6 Monate liegen, sie aber quasi gemeinsam veröffentlch wurden.


Die mir vorliegende O-31685 von MICHAEL JARY trägt überigens zwei unterschiedliche Etiketten und ist KEINE Laminatpressung:

ODEON Goldschrift auf blau (mit UND ohne Aufdruck "P")
O-31685, Aufnahme Berlin, 29.08.1941 (Neuerscheinung: Ende 1941)





Für den Export nach Dänemark stellte die ODEON etliche Platten her, die erst 1944 aufgenommen und/oder gepresst wurden:

Zuerst wiederum eine Platte mit Aufdruck "P" (allerdings KEINE Laminatpressung):

ODEON Goldschrift auf blau (Aufdruck "P")
OD. D-905, Aufnahme Kopenhagen, September 1943 (Pressung offenbar 1944)





Die folgende Aufnahme von BRUNO HENRIKSEN entstand am 12.06.1944 und erschien nach dem Krieg auch in Deutschland mit der (dänischen) Export-Bestellnummer. Hier eine Kriegspressung von 1944:

ODEON Goldschrift auf blau
OD. D-961, Aufnahme Kopenhagen, 12.06.1944 (deutsche Kriegspressung)



Diese Platte trägt erstaunlicherweise keinen Aufdruck "P", sie ist KEINE Laminatpressung, sondern in bestem Voll-Material hergestellt worden.


Hier folgt eine Export-PARLOPHONE-Pressung, die mit Umschnitt-Matrizen und britischer Besetllnummer in den europäischen Export, bevorzugt nach Skandinavien, geschickt wurde. Diese Serie wurde quasi als Fortsetzung der ODEON SWING MUSIC SERIES, die allerdings mit Original-Matrizen arbeitete, während des Krieges auf den Markt gebracht. Man behalf sich mit Umschnitt-Matrizen, da die Originale fast ausschließlich bei der DEUTSCHEN GRAMMOPHON/BRUNSWICK lagen. So behalf man sich mit Umschnitten von Schallplatten, die mit Lindström-Ersatzmatrize "Bb" belegt wurden und gekennzeichnet durch den Anhang "-0" nach der Nummer.

Diese seltsame Verwicklung kam zustande durch die Übertragung der Rechte an die Britische PARLOPHONE mit Gründung der EMI und Firmenliquidationen/Übernahmen von Labels in den USA und Großbritannien.

Solche PARLOPHONE-Pressungen tauchen über Re-Import hin und wieder in Deutschland auf, waren aber in Folge des relativ niedrigen Preises beliebt in Skandinavien.

PARLOPHONE Goldschrift auf violett (mit Aufdruck "P")
PARL. R 2554, Aufnahme New York, 17.09.1937 (deutsche Kriegspressung)





Als Abschluss ein Kuriosum, das quasi als "Überläufer" 1944 untergegangen ist und erst in der Neuerscheinungsliste I/1950 vorgestellt wird:

ODEON (Papieretikett, Nachkriegsveröffentlichung)
O-31878, Aufnahme Kopenhagen, 27.10.1944 (Neuerscheinung Januar 1950)





Der dänische Bandleader BENT FABRICIUS-BJERRE ging selber jahrelang davon aus, dass die vier Titel dieser Aufnahmesitzung verschollen seien, da sie im November 1944 nach Berlin zur technischen Entwicklung geschickt wurden und er nicht einmal - wie sonst üblich - ein Belegexempar erhielt.

So ist offenbar, dass bei ausländischen Produktionen selbst im Herbst/Winter 1944 davon ausgegangen wurde, die Produktion der ODEON würde nahtlos trotz aller Kriegswirren weiterlaufen, was in diesem Falle selbst für die sicherlich bevorzugte Export-Produktion aus gegebenem Anlass auch nicht mehr funktionierte.

Eine Veröffentlichung der BENT FABRICIUS-BJERRE-Sitzung müsste also für das beginnende Jahr 1945 geplant gewesen sein...

Auch wenn die Inlandsproduktion nahezu zum Erliegen kam und nur noch stark eingeschränkt Neuaufnahmen erfolgten, muss die Exportproduktion bei ODEON nach wie vor auf Hochtouren gelaufen sein.


Fortsetzung folgt.

Viele Grüße Stephan


Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Arto, Sa Feb 02 2019, 00:24

Nur ganz kurz:

"SIEMENS POLYDOR Export-Serie Schweden (Gold auf Weinrot)
49963, Aufnahme Kopenhagen, 13.06.1943, Depositato: 8.6.43 (!)"

die Zeile "ur filmen "En melodi om våren"" ist schwedisch


die Zeile "med Teddy Petersen og hans orkester" is dänisch, sowie das Orchester an sich.

MfG

Arto



Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
jitterbug, Sa Feb 02 2019, 11:02

Es folgen weitere Ergänzungen
(Teil 4 : IMPERIAL Export)

Ein weiterer Beleg, dass die Plattenproduktion - zumindest mit Exportproduktionen - in Deutschland auch 1943/1944 immer noch weiter fortlief, zeigen die folgenden Etiketten mit Produktionen für Ungarn und Dänemark.


IMPERIAL (Gold auf violett, Ungarn)
JU 3056, Aufnahme Budapest, ca. September 1943





IMPERIAL (Gold auf blau, Dänemark)
DS 1006, Aufnahme Kopenhagen, November 1943





IMPERIAL (Gold auf blau, Dänemark, Aufdruck "P")
DS 1023, Aufnahme Kopenhagen, 20.01.1944





IMPERIAL (Gold auf blau, Dänemark, Aufdruck "P")
DS 1026, Aufnahme Kopenhagen, Februar 1944





Obwohl die letzten beiden Etiketten wiederum ein "P" (bekannt von ODEON-Etiketten als Kennzeichnung Presswerk "Pathé") auf dem Etikett zeigen, handel es sich nicht um Laminatpressungen.

Diese Serien sind in Deutschland nicht veröffentlich worden.

Einen schönen Start ins Wochenende!
Viele Grüße, Stephan

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Konezni, Sa Feb 02 2019, 14:29

Die Odeon O-31724 befindet sich bereits in der Sept/Okt-Liste 5.43, die O-31725 in der leider nicht komplett hier eingestellten Liste 6.43. Die Neuerscheinungen 1944 beginnen erst mit O-31729.

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Konezni, Sa Feb 02 2019, 14:31

Kennt jemand den Inhalt der O-31727?

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
jitterbug, So Feb 03 2019, 20:33

Zur Ergänzung vorangegangener Beiträge zu den Veröffentlicheungen POLYDOR/SIEMENS POLYDOR hier Anzeigen, die im Schwedischen ORKESTER JOURNALEN geschaltet wurden.

Teilweise tauchen als Neuerscheinung Platten auf, die in Beiträgen oben bereits abgebildet sind, teilweise werden auch Restbestände beworben von älteren Aufnahmen, die noch lieferbar waren.
SIEMENS POLYDOR Anzeige Neuheiten März 1943



SIEMENS POLYDOR Anzeige Neuheiten Mai 1944
Die hier gelistete Nummer 49565 ist weiter oben abgebildet, im Wachs "DEPOSITATO 9.9.43"



SIEMENS POLYDOR Anzeige Dezember 1944
Dies ist die letzte Anzeige, die während des Krieges in der Weihnachtsausgabe 1944 des Schwedischen ORKESTER JOURNALEN von SIEMENS/POLYDOR geschaltet wurde. Es sind nur bereits zuvor veröffentlichte Platten gelistet, die wohl zu Weihnachten nochmals "aus der Versenkung" geholt wurden.


Viele Grüße, Stephan


Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Musikmeister, So Feb 03 2019, 21:12

Konezni schrieb ...

Kennt jemand den Inhalt der O-31727?


Be 13341 und 13342 (17.06.1943)


Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Arto, So Feb 03 2019, 21:59

Ehrlich gesagt, auch wenn immer interessant, gehören Exportpressungen nicht hier. Es sei denn, dass skandinawische Platten im offenen deutschen Markt vertrieben wurden. Ausser vielleicht 'Victor spielt' kenne ich keine. Und Victor nur, weil es tatsächlich ein deutsches Label gibt.

M.f.G.

Arto

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
jitterbug, Mo Feb 04 2019, 09:24

Arto schrieb ...

Ehrlich gesagt, auch wenn immer interessant, gehören Exportpressungen nicht hier. Es sei denn, dass skandinawische Platten im offenen deutschen Markt vertrieben wurden. Ausser vielleicht 'Victor spielt' kenne ich keine. Und Victor nur, weil es tatsächlich ein deutsches Label gibt.

M.f.G.

Arto


Es geht darum zu zeigen, dass die Deutsche Plattenindustrie, insbesondere auch die POLYDOR/SIEMENS-POLYDOR selbst 1944 noch produzierte.

In den gezeigten Auflstungen/Anzeigen sind auch deutsche Aufnahmen gelistet, so LESCHEZITZKY, BROCKSIEPER, BÖRGE FRIIS auf der eindeutig deutschen 82000-Serie.

Die 83000-Serie BRUNSWICK wurde ausschließlich während des Krieges für Skandinavien hergestellt, die Aufnahmen von SAM SAMSON, MIFF GÖRLING, GÖSTA ERIKSON sind parallel als 82000-Serie für den Inlandsmarkt erschienen.

Einige der SAM SAMSON/SUNE ÖSTLING POLYDOR-Pressungen erschienen parallel auf BRUNSWICK 82000 für den deutschen Markt, ich habe bisher wegen der Masse davon abgesehen, diese Labels sämtliche abzubilden.

Wenn also gewünscht wäre, tatsächlich nur "Teutonisches" zu besprechen, würde der Blick auf die internationale Funktion des Exports und die Produktionsstrategie der Plattenfirmen verfehlt: Ohne (europäischen) Export häte es keine weitere Plattenproduktion gegeben! Ohne "Import" von Musikern und Künstlern, wäre keine deutsche Platten- und Filmproduktion mehr möglich gewesen.

In Folge des Fehlens deutscher Printmedien im Jahre 1944/1945 besteht für Forschung nur die Möglichkeit, die Darstellung der deutschen Musikproduktion im Ausland zu bewerten. Insbesondere Schweden und Schweiz sind als Länder, die nicht aktiv ins Kriegsgeschehen verwickelt waren, besonders interessant, da nicht tendenziös und ideologisch gefiltert. So ist die Auslandsdarstellung als repräsentativ anzusehen, da sie einerseits von heimischen Firmen mit Anzeigen belegt, andererseits auch von Autoren des Auslandes besprochen, vorgestellt und rezipiert wurde.

Von daher werde ich gerne meine Ergänzungen und Forschungen weiterhin zur Verfügung stellen und bitte Mitglied Arto, seine - sicherlich durch Nichtwissen begründete - kurzsichtige Einwendung zu überdenken.

Beste Sammlergrüße, Stephan


Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
berauscht, Mo Feb 04 2019, 10:01

jitterbug schrieb ...

Von daher werde ich gerne meine Ergänzungen und Forschungen weiterhin zur Verfügung stellen und bitte Mitglied Arto, seine - sicherlich durch Nichtwissen begründete - kurzsichtige Einwendung zu überdenken.
[/justify]


Deine Beiträge sind natürlich wertvoll um den Gesamtkomplex zu begreifen.
Ich glaube die Aussage von Arto war gar nicht so gemeint, wie du sie jetzt vielleicht aufgefasst hast. Es geht vermutlich darum, das dieser Thread "Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt" heißt, und Exportplatten vielleicht besser in einen separaten Thread passen würden.
Wir können natürlich auch einfach das Thema des Threads um deutsche Exportpressungen erweitern.

Am besten äußern sich noch ein paar Leute, ob wir Exportpressungen weiter hier behandeln wollen, oder ob es einen neuen Thread geben soll.

Ich würde dann ggf. die entsprechenden Beiträge dorthin kopieren.


Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Odeon89, Mo Feb 04 2019, 18:28

berauscht schrieb ...

Am besten äußern sich noch ein paar Leute, ob wir Exportpressungen weiter hier behandeln wollen, oder ob es einen neuen Thread geben soll.


Erstmal ein großes Dankeschön an Stephan, der uns hier unter erheblichem Zeitaufwand und mit großer Sachkenntnis diese alles andere als alltäglichen Platten präsentiert! Ich plädiere daher dafür, die Beiträge zu den Export-Pressungen nicht in einen neuen Thread auszulagern, sondern hier zu belassen. Sie sprechen beredt über die vermehrte Energie, die die deutsche Plattenindustrie gegen Ende des Krieges auf den Export legte, um Devisen und Rohstoffe zu gewinnen. Ich würde mich daher sehr über weitere Beispiele freuen, ergänzend zu den deutschen Neuerscheinungen von 1944-45.

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Arto, Di Feb 05 2019, 01:04

Ich möchte gar nicht jemandem belästigen: die Auskünfte über Exportpressungen sind sehr wichtig, aber diese waren nicht für den deutschen Zivilmarkt berechnet. Man möchte also Devisen und keine wahlfreie Unterhaltung. Für Unterhaltungszwecke hatte man ja den Radio. Das Zivilleben während des Krieges war fürchterlich; ich habe die Kriegsausgabe der elektrischen Starkstrominstalltionsvorschriften, wo kein Isoliermaterial mehr zugänglich war, und wir wissen alle, dass Spulen, wie Drosselspulen in Radios, mit Zinkdraht statt Kupfer gemacht wurden.

Die Exportpressungen wurden im allgemeinen nicht in Deutschland vertrieben, und daher ist das Fehlen in einer mit grossem Sorgfalt hervorgebrachten Liste von deutsch-hergestellte Platten nur ein Bild der eigentlichen zivilen Situation.

Daher denke ich, dass aus Klassifikationsgründen unterschiedliche Threads verwendet werden müssten.

Mit freundlichen Grüssen,

Arto



P.S. Als Bewohner in Skandinawien haben mich die gezeigten Kriegslabels besonders interessiert.
A.

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Arto, Di Feb 05 2019, 12:09

"Von daher werde ich gerne meine Ergänzungen und Forschungen weiterhin zur Verfügung stellen und bitte Mitglied Arto, seine - sicherlich durch Nichtwissen begründete - kurzsichtige Einwendung zu überdenken." So Jitterbug.

So was sollte mich eigentlich beleidigen (wurde mir privat angedeutet), jedoch leiden wir alle an Nichtwissen -- auf unterschiedlichen Gebieten. Daher ist es so fröhlich, dass wir allen zu dem gemeinsammen Wissen beitragen können. Das erlaubt aber keinen selber zu bestimmen, wie das Wissen zugänglich gemacht wird! Ich bin nicht von Ehrfurcht über Beiträge von Mitglied Jitterbug so gegriffen, dass ich ihm alles erlauben würde. Es ist deutlich, dass andere anders fühlen.

Mit freundlichen Grüssen,


Arto

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
jitterbug, Do Feb 07 2019, 12:03

Ohne irgendjemanden zu beleidigen - was auch nicht meine Absicht ist - hier die Fortsetzung der Beiträge zum Thema, was weder Ehrfurcht noch Erlaubnis bedarf, sondern erneut einen Blick über den Horizont erlauben wird:

Zunächst die Original-Kriegspressung der bereits in obigen Beiträgen erwähnten HEINZ BURZYNSKI-Platte auf ELECTROLA:

E.G. 7323. Aufnahme Berlin, ca. Okt. 1943




Ebenfalls von ELECTROLA konzipiert für den Skandinavischen Markt, insbesondere Dänemark und daher sicher für Mitglied Arto interessant, Kriegs-Exportpressungen der ELECTROLA als HMV mit "X"-Bestellnummer (Skandinavien). Da ELECTROLA während des Krieges nicht über Original-Matrizen verfügte, wurden diese von Umschnitt-/Zweitmatrizen angefertigt, was wiederum über "-0" im Wachs gekennzeichnet ist.

Solche Platten wurden von dort stationierten deutschen Soldaten gerne als Mitbringsel im Heimaturlaub nach Deutschland mitgebracht, waren sogar teilweise über Re-Import bestellbar und wurden - laut Aussage von Zeitzeugen - hin und wieder ausgeliefert.

ELECTROLA (HMV)X 6829 (Umschnittmatrize)
Aufnahme: Chicago, 28.05.1940, Neuveröffentlichung: Februar 1943




COLUMBIA D.W.4928, Aufnahme: Berlin ca. Juli 1943





Leider liegen mir von ELECTROLA/COLUMBIA keine öffentlich re-importierten Platen vor, nur von oben erwähnten PARLOPHONE-Kriegspressungen besitze ich Ausgaben mit Stickern von den Berliner Plattengschäften "Alberti" und "Televox".

Viele Grüße, Stephan


Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Odeon89, Do Feb 07 2019, 19:10

Konezni schrieb ...

Auch die Didi-Platte (Be 13401 & 13402) vom 23. 12. 1943 ist erst am 22. 03. 1944 adoptiert worden.

Inhalt, Bild oder Datei nur fuer angemeldete Mitglieder


Erstaunlicherweise steht die O-26622 hier tatsächlich unter "Neuerscheinungen 1946/47", was mich nicht eben wenig wundert.


Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Odeon89, Do Feb 07 2019, 19:17

Danke, Stephan, für diese schönen Beispiele aus dem Hause Lindström!

Hier noch eine späte Kriegs- (oder frühe Nachrkiegs-) SIEMENS-POYLDOR 47913, im Spiegel mit "1944" gestempelt. Auf der A-Seite ist das Etikett mit dem Lizenzstempel der Allierten versehen - mein Exemplar kam also erst frühestens im Sommer 1946 in den Handel.

Weiß jemand, wann die Aufnahmen entstanden? Die Matrizennummern lauten 10252/ 10253 (kein "Depositato").



Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Konezni, Do Feb 07 2019, 19:55

Beide Lorey-Platten dieser Aufnahmesitzung (47912 & 47813) liegen mir ohne Stempel vor. Die Matrizennummern lauten vollständig 10250 - 10253 GD und sind Ende April/Mai 1944 entweder in Prag oder in Budapest geschnitten worden. Die obige Werbung, welche die O-26622 als Neuheit anbietet, ist unseriös, da das Aufnahmebuch eindeutig eine Notiz zum Erscheinen 1944 verzeichnet. Die ebenfalls angekündigten weiteren Titel blieben sämtlich unveröffentlicht.

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
berauscht, Do Feb 07 2019, 21:38

Odeon89 schrieb ...

Erstaunlicherweise steht die O-26622 hier tatsächlich unter "Neuerscheinungen 1946/47", was mich nicht eben wenig wundert.


Vermutlich ist die Platte während des Krieges nur noch in Kleinstauflage erschienen, so dass es für die Breite Masse 1946/47 eine Neuerscheinung war.


Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Odeon89, Fr Feb 08 2019, 17:18

Konezni schrieb ...

Beide Lorey-Platten dieser Aufnahmesitzung (47912 & 47813) liegen mir ohne Stempel vor. Die Matrizennummern lauten vollständig 10250 - 10253 GD und sind Ende April/Mai 1944 entweder in Prag oder in Budapest geschnitten worden.


Vielen Dank für die Angaben! Von Wolf Lorey gibt es ja sogar noch Orchester-Aufnahmen mit noch höheren Matrizennummern.
Konezni schrieb ...

Die obige Werbung, welche die O-26622 als Neuheit anbietet, ist unseriös, da das Aufnahmebuch eindeutig eine Notiz zum Erscheinen 1944 verzeichnet. Die ebenfalls angekündigten weiteren Titel blieben sämtlich unveröffentlicht.


Das Diddi-Werbeblatt scheint dann also eher eine Aktualität seiner Aufnahmen vorzutäuschen, die es so nicht gab - man möchte es etwas böswillig als Selbstvermarktung ausdrücken...


Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
jitterbug, Fr Feb 08 2019, 18:42

Odeon89 schrieb ...

(...)
Vielen Dank für die Angaben! Von Wolf Lorey gibt es ja sogar noch Orchester-Aufnahmen mit noch höheren Matrizennummern.
(...)

Hier die Labels der Polydor 47914 H, Tanz-Orchester WOLF LOREY
Matriz-Nr. 10325 1/2 GD9 - 10326 1/2 GD9 (keine weiteren Angaben im Wachs), Aufnahme: Ende 1944


Die oben erwähnte Willi Stefan Didi Platte existiert als Nachkriegspressung ist aber als blau-goldene Kriegspressung in meinem Besitz (wie an anderer Stelle abgebildet).

Es ist mir immer wieder aufgefallen, dass in früher Nachkriegspresse ("Melodie", "VierViertel") immer wieder Plattenbesprechungen von relativ alten Aufnahmen präsentiert werden, die aber als Neuerscheinung dort vorgestellt sind (z. B. KARY BARNET "Emil war mein Ideal"). So mag es sein, dass die breite Masse auch in Folge der Ermangelung von Werbung/einschlägigen Zeitungen erst nach dem Krieg erstmalig von diesen älteren Aufnahmen erfuhr, sie somit damals als "Neuvorstellung" gerechtfertigt erschienen...

Viele Grüße, Stephan


Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Konezni, Fr Feb 08 2019, 21:07

Die obigen Loreys wurden am 28. 09. 1944 in Berlin aufgenommen, wie auch die 47915 (Potpourri aus DER GOLDENE KAEFIG / Lorey-Potpourri Nr. 2).

Hier noch 'was fürs Auge:
O-26621 (Be 13473, aufgenommen 25. 02. 1944, adoptiert 01. 08. 44)



Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
gramofan, So Feb 10 2019, 14:55

Der Frage der Versorgung des deutschen Inlandsmarktes gegen Kriegsende kann man sich auch mal von einer ganz anderen Seite nähern. Schellack als wesentlicher Bestandteil der Pressmasse war ein Rohstoff, der im Wesentlichen aus britischen Kolonien bezogen wurde und damit nach Kriegsausbruch nicht mehr neu zur Verfügung stand. Man darf davon ausgehen, dass Lagerbestände in Deutschland und eventuelle Beutebestände in den besetzten Ländern im vierten und fünften Kriegsjahr i.d.R. (von Ausnahmen abgesehen) nicht mehr zur Verfügung standen. Da die deutsche Plattenindustrie jedoch, wie oben gezeigt, auch 1943 und 1944 noch Exportmärkte im neutralen Ausland versorgte,um mit den Devisen mutmaßlich zur Kriegsfinanzierung beizutragen, konnte der benötigte Rohstoff für die Pressungen nur noch aus Recyclingmaterial stammen. Wie bekannt waren im Krieg für den Erwerb einer neuen Platte zwei alte Platten abzugeben. Eine überschlägige Rechnung zeigt schnell, dass zur Produktion einer Exportplatte (ohne Materialrückgabe) ca. eineinviertel Platten im Inland mit Materialabgabe verkauft werden mussten, um den notwendigen Materialüberschuss zu erwirtschaften.* In der Praxis lag der Wert wahrscheinlich aufgrund von Verlusten im Herstellungsprozess etwas darüber. Solange also ein deutscher Export ins Ausland stattfand, konnte man eine Stillegung des inländischen Plattenmarktes nicht ins Auge fassen, sondern war gezwungen, dem Publikum in entsprechend großem Umfang Neuware anzubieten.

*Berechnung wie folgt:
Der Einfachheit halber lasse ich die Dicke der Platten außer Betracht und unterstelle, dass sie überall gleich sei. Es genügt daher statt mit Volumina mit Flächen zu rechnen:
Fläche= π*r², d.h. 3,142*12,5*12,5= 490,93 cm², abzüglich des ausgestanzten Etiketts, das ich der Einfachheit halber mit 8 cm Durchmesser annehme: 3,142 * 4*4= 50,27 cm². Bleibt ein verwertbarer Rest von 440,66 cm², bei zwei Platten also 881,32 cm².Davon werden zur Produktion einer Inlandsplatte gebraucht 490,93 – 3,142*0,35*0,35 (Mittelloch!)= 490,55 cm². Daraus ergibt sich ein verwertbarer Überschuss von 390,77 cm². Um eine Exportplatte ohne Materialabgabe zu pressen braucht man demnach ca. 1,25 Überschüsse bzw. verkaufte Inlandsplatten. Puh!! So ich hoffe ich habe alles richtig gerechnet (ansonsten gilt: iudex non calculat) und die Mathe-Genies mögen mich korrigieren.


Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
berauscht, So Feb 10 2019, 16:34

gramofan schrieb ...

Wie bekannt waren im Krieg für den Erwerb einer neuen Platte zwei alte Platten abzugeben.


Das stimmt nicht. Es musste nur eine Platte beim Erwerb einer neuen abgeben werden und es durfte von den Händlern auch nur eine verlangt werden.

"VB" vom 12. April 1941

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
gramofan, So Feb 10 2019, 17:36

Sollte das so zutreffen, dann würde sich natürlich die Frage stellen, woher die dann schon beim Inlandsverbrauch auftretende Materiallücke durch Ausstanzen des Etiketts geschlossen wurde? Ganz zu schweigen von den Lieferungen ins Ausland, von wo vermutlich kein Altmaterial zurückkam.
Mehrere Zeitzeugen haben mir das mit der Abgabe von zwei Platten unabhängig voneinander erzählt, aber das menschliche Gedächtnis ist bekanntlich unzuverlässig. Irgendwo habe ich auch noch mehere Schreiben von Plattenfirmen von Ende 1939, die den Handel auf die Altmaterialabgabpflicht hinweisen. Eine erste Suche hat sie allerdings noch nicht zutage gefördert (Wohl dem, der ein reproduzierbares System in seiner Ablage hat).
Wenn ich mal in den Thread "Neue Schallplatten für Altmaterial?" gehe, ist da schon Einiges beigetragen worden. Demnach scheint es zumindest ab 1.8.1942 so gewesen zu sein, dass 2 Platten abzuliefern waren (siehe den Scan im Beitrag von Formigginini vom 21.9.2014), wohl Zeichen einer sich verschärfenden Rohmaterialknappheit. Meine Überlegungen wären demnach für die in Frage stehenden letzten Kriegsjahre durchaus zutreffend.

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Konezni, Di Mär 19 2019, 22:34

... ein zaghafter Versuch, diesen Thread wieder zu beleben...



Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
berauscht, Mi Mär 20 2019, 09:16

Konezni schrieb ...

... ein zaghafter Versuch, diesen Thread wieder zu beleben...




Diese Platte gehört zu den vier hier schon angesprochen (A 10536 - A 10539), die in Wien noch relativ häufig zu finden sind.


Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Konezni, Mi Mär 20 2019, 18:02

Habe 'mal alle mir bekannten Platten der A-Serie (25 cm), die 1944 aufgenommen wurden und nach meinem Ermessen noch vor Kriegsende erschienen sind, zusammengestellt. Wäre schön, wenn jemand die noch fehlenden Nummern ergänzen könnte...

A 10536 Jane Tilden, Ernst Landl
A 10537 Gretl Rath, Ernst Landl
A 10538 Gretl Rath, Ernst Landl
A 10539 Franz Schuh / Hans’l Kainer
A 10540 ?
A 10541 ?
A 10542 ?
A 10543 ?
A 10544 Marika Rökk, Willy Mattes (bereits am 30. 01. 1943 aufgenommen)
A 10545 ?
A 10546 ?
A 10547 Franz Schuh
A 10548 ?
A 10549 ?
A 10550 (bereits als A 5290 für Schweden) Siegfried Ehrhardt (bereits am 01. 02. 1942 aufgenommen)
A 10551 Peter Kreuder / Margot Hielscher, Peter Kreuder
A 10552 Kurt Hohenberger (bereits am 15. 07. 1943 aufgenommen)
A 10553 Peter Kreuder (bereits am 19. 11. 1943 aufgenommen)
A 10554 (auch als TA 1093 für Protektorat) Peter Kreuder
A 10555 ?
A 10556 ?
A 10557 Karel Vlach, Allan-Terzett
A 10558 Karel Vlach, Allan-Terzett
A 10559 Teddy Kleindin
A 10560 Herbert Mytteis, Gretl Rath
A 10561 Herbert Mytteis, Refraingesang Bettina Rey
A 10562 Die vier Solisten Peter Kreuders (bereits am 19. 11. 1943 aufgenommen)
A 10563 ?
A 10564 Karel Vlach, Dir. Heinz Wehner, Heinz Wehner


Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
jitterbug, Sa Mär 23 2019, 12:52

Ergänzung: A 10559 Teddy Kleindin

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
berauscht, So Mär 24 2019, 12:46

Die Matrizen der Ernst Landl-Aufnahmen
35028-30
35032, 33
35036-39
35041
35121-23
sind bislang nur als Testpressungen belegt. Möglicherweise waren welche hiervon für die noch freien Bestellnummern geplant.

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Konezni, So Mär 24 2019, 14:43

Liegt die A 10559 jemandem vor? Zur Koppelung gibt es widersprüchliche Angaben; am wahrscheinlichsten wäre 26395 (18.05.42) / 26440 (22.06.42)...

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
snookerbee, So Mär 24 2019, 19:24

Hier eine Zusammenfassung der Problematik.

26395 ist lt. der Kleindin-Disco im Booklet der CD "Klarinettenzauber" auf Telefunken-Schellack unveröffentlicht.

Bestellnummer A 10559 wird dort in folgender Kopplung gelistet:

26396 fehlerhaft als 26386 "Mit deinen schönen Augen"(Hasenpflug) Foxtrot - 18.5.42
26440 "Der Weg zu dir" (Kleindin) Foxtrot - 22.6.42

In der Abschrift der Aufnahmebücher hingegen steht folgende Kopplung:

26395 "Schöne Überraschung" - 18.5.42
26440 "Der Weg zu dir" - 22.6.42

Letztere Angabe wird im Bobsette-Archiv Link - Hier klicken bestätigt.


Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
berauscht, So Apr 07 2019, 12:58

Electrola- und Columbia-Aufnahmen in Wien 1944

Im Frühjahr 1944 wurden in Wien Aufnahmen Columbia gemacht. Der Bereich der bekannten Matriznummern ligt zwischen CR 761-2 und CR 861-1.

Die Matrizen CR 761-2 und CR 762-1 sind auf Columbia DW 4919 erschienen, CR 767-1 und CR 768-1 auf Col DW 4908 und CR 817-2 und CR 818-2 auf Columbia DW 4916.

CR 860-1 und CR 861-1 sind bislang nur als Electrola-Testpressungen belegt.

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Odeon89, So Apr 07 2019, 17:59

Vielen Dank für diese Angaben - Aber: Kann das wirklich stimmen?

Columbia DW 4908 (Heinz Sandauer und Hans Lang an zwei Klavieren: "Ringstraßenmelodie") wird als Neuerscheinung in Liste 4 (Jul./Aug.) 1942 (!) genannt; DW 4916 (Heinz Sandauer und Gustav Zelibor an zwei Klavieren: "Potpourri aus 'Hochzeitsnacht im Paradies'") als NE in Liste 6 (Nov./Dez.) 1942; DW 4919 (Heinz Sandauer m.s. Orchester u. Chor: "Ein Fräulein und drei Kanoniere"/ "Wenn du auf Urlaub kommst") in Liste 2 (März/ April) 1943...

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Odeon89, So Apr 07 2019, 18:16

In der spätestens vorliegenden ELECTROLA-Neuerscheinungsliste 5/1943 ist die höchste verzeichnete Best.Nr. bei Columbia DW 4924 (W.Stanke). Sammlerkollege Stephan hat hier im Beitrag vor kurzem noch DW 4928 (ebenfalls Orchester W.Stanke) gezeigt, diese dürfte in Liste 6/43 beworben worden sein. Kurz danach müsste auch Schluss bei COLUMBIA gewesen sein.

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Konezni, So Apr 07 2019, 18:19

Tatsächlich war das Aufnahmeteam 1944 in Wien, um CR 860 bis höchstens CR 875, bzw. einige Matrizen für Electrola aufzunehmen. Nichts davon ist mir allerdings bisher in regulären Ausgaben untergekommen.

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Odeon89, So Apr 07 2019, 18:29

Nicht mehr in der letzten bekannten Liste 5/43 erfasst ist auch COLUMBIA DW 4925 (Orchester W. Stanke).


Auch diese ELECTROLA D.A. 4506 (Mx. ORA 5748, Ester Rethy mit dem Wiener Rundfunkorchester) ist noch nicht in Liste 5/43 aufgeführt. Weiß jemand, wann und wo diese Aufnahme enstand?


Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Konezni, So Apr 07 2019, 19:02

Die 0RA 5748-1 stammt von Ende Oktober 1942. 1944 gab's in Wien 2RA 6081 bis 6090, was verwirrt, da die Nummern infolge des Aufsplittens von 0RA und 2RA in seperate Blöcke als 0RA neu belegt wurden.

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
berauscht, So Apr 07 2019, 20:12

Odeon89 schrieb ...

Vielen Dank für diese Angaben - Aber: Kann das wirklich stimmen?

Columbia DW 4908 (Heinz Sandauer und Hans Lang an zwei Klavieren: "Ringstraßenmelodie") wird als Neuerscheinung in Liste 4 (Jul./Aug.) 1942 (!) genannt; DW 4916 (Heinz Sandauer und Gustav Zelibor an zwei Klavieren: "Potpourri aus 'Hochzeitsnacht im Paradies'") als NE in Liste 6 (Nov./Dez.) 1942; DW 4919 (Heinz Sandauer m.s. Orchester u. Chor: "Ein Fräulein und drei Kanoniere"/ "Wenn du auf Urlaub kommst") in Liste 2 (März/ April) 1943...


Ich habe die Daten aus einer offensichtlich falschen Discographie.

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Odeon89, Mo Apr 08 2019, 20:45

Danke für die Angaben!

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
snookerbee, Di Apr 09 2019, 11:27




Konezni schrieb am Fr Jul 01 2016, 17:46

aufgenommen 1944 in Wien.
Die letzte mir bekannte Matrize dieser Sitzung ist die C 29887 ("Märchen" von K. Komzák), korrespondierend mit C 0486 (30cm). Die C 0487 ist bereits von 1947. In der 25-cm-Serie geht es 1946 erst wieder mit C 29900 weiter. Kennst jemand vielleicht Nummern dazwischen (29888 - 29899)?

Quelle: Link - Hier klicken

Veröffentlichungsdatum: ?


Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Odeon89, Di Apr 09 2019, 21:03

jitterbug schrieb ...

ODEON Goldschrift auf blau (Aufdruck "P"="Pathé" Frankreich)
O-31725, Aufnahme Berlin, 21.10.1943 (Neuerscheinung: 1944)



Diese Platte mit Goldaufdruck "P" ist tatsächlich auch eine Laminatpressung, wie sie bei der PATHÉ (zusammengefasst mit COLUMBIA, SWING, LA VOIX DE SON MAÎTRE) in Frankreich üblich war.


Hier wäre es sehr interessant, ob sich zu dieser recht späten Aufnahme (Mx. Be 13381) im Aufnahmebuch Angaben zur Adoption der Matrizen finden. Möglicherweise wurden ja fast alle für die Liste 6/43 vorgesehenen Platten erst 1944 adoptiert und waren - obwohl beworben - 1943 noch garnicht erhältlich (?)
Kann dies evtl. jemand bestätigen oder widerlegen?

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Polyfar41, Mi Apr 10 2019, 05:40

Im Aufnahmebuch steht zu dieser Platte:
Aufnahme 21.Oktober 1943 Raum II Frenz
Adoptiert 27.April 1944 Koch
Plattennummer O-31725
Bemerkungen Kratzgeräusch, Nov/Dez. 43 (No.6)




Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Odeon89, Mi Apr 10 2019, 18:17

Vielen Dank!

Wenn die "Adoption" der Matrize bedeutet, dass erst nach diesem Zeitpunkt Pressungen angefertigt werden können (wovon ich ausgehe), dann kann man das Pressdatum der von Stephan gezeigten Odeon O-31725 recht gut auf die Zeit zwischen Mai und Ende August 1944 (Amerikaner in Chatou - Presswerk Pathé) eingrenzen.

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Odeon89, Sa Apr 13 2019, 11:52

Mir immer noch nicht erklärlich ist, weshalb offenbar zahlreiche Titel, die für die ODEON-Neuerscheinungsliste 6/43 (Nov./Dez. 1943) vorgesehen waren, zum Druckzeitpunkt der Liste (8.43) noch garnicht aufgenommen waren und auch erst lange Zeit nach dem beworbenen Zeitpunkt (Nov. 1943) adoptiert wurden usw. Dies bedeutet ja, dass zahlreiche Händler ihre Kunden im Geschäft enttäuscht von dannen ziehen lassen mussten, da die beworbenen Platten (für das Weihnachtsgeschäft!) noch nicht einmal aufgenommen waren... So kann ja die im erst im April 1944 adoptierte O-31725 frühestens im Sommer 1944 in deutsche Geschäfte gelangt sein - über ein halbes Jahr nach dem vorgesehenen Zeitpunkt!

Hier setzt meine Frage an: Hat diese auffällige Produktionsverzögerung womöglich etwas mit den Fliegerangriffen auf Berlin in der zweiten Jahreshälfte 1943 zu tun? Gab es im Herbst 1943 schon Schäden bei der Lindström/ Schlesische Str., sodass Aufnahmesitzungen und Produktionsvorgänge stark verzögert wurden?

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Odeon89, Fr Apr 26 2019, 18:56

Diese POLYDOR 47892 mit alten Aufnahmen von 1940/41 aber sehr hoher Bestellnummer liefert uns nun einen recht eindeutigen Beleg für eine Neuerscheinung bei der DGG im Jahre 1944.

Dieser Etikett-Typ (andere Schrifttype als bei den üblichen Pressungen aus Hannover) deutet mit einiger Gewissheit auf eine Pressung aus den Werken in Tetschen (damals Sudetenland, heute Decin in Tschechien) bzw. Prag hin, wo die DGG ab Ende 1943/Anfang 1944 Auftragspressungen fertigen ließ. Es gibt Beleg-Beispiele von BRUNSWICK in exakt diesem Druckbild mit tschechischer Beschriftung. Die hier gezeigte Platte wurde in Wien gekauft, was wiederum gut ins Bild passt.

Die Bestellnummer 47892 gehört ziemlich eindeutig in das Jahr 1944, vielleicht sogar schon eher in die zweite Jahreshälfte. Zum Vergleich: Rudi Schurickes "Capri-Fischer" wurden am 21.12.1943 geschnitten und tragen die Best.Nr. 47867.
Hat jemand weitere POLYDOR-Pressungen mit diesem Etikett-Typ und Bestellnummern oberhalb 47810 und mag sie hier zeigen?




Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Odeon89, Mo Mai 20 2019, 21:30

Hier noch Telefunken A 10524, Tanzorchester Fud Candrix (Aufnahme: Brüssel, 27. November 1942). Neuerscheinung entweder noch im Dezember 1943 oder Anfang 1944:





Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Konezni, Fr Jun 28 2019, 10:30

Besitzt jemand diese Ende 1943 eingespielte Platte als Innlands-Pressung mit gelacktem Label? Wie steht es mit Berkings 17433 - 17437, bzw. 17440- 17442, oder Sandbergs 17439 aus dem Jahr 1944? Ethel Reschkes 17438 wurde bereits 1943 aufgenommen. Diese könnten sämtlich ebenfalls noch während des Kriegs herausgekommen sein...



Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Odeon89, Do Jul 11 2019, 17:31

Hier noch ODEON O-26608, Herbert Ernst Groh, "Barcarole-Veneziana (Leise erklingen die Glocken...)". / "Heimat, mit der Seele grüß' ich dich"). Die Platte müsste in der Liste 6/43 als Neuerscheinung aufgeführt sein. Es handelt sich um eine Laminatpressung aus den Pathé-Werken bei Paris, sodass die Pressung spätestens im August 1944 entstanden sein kann. Besonders interessant ist hierbei, dass die A-Seite eindeutig einen Italien-Bezug enthält. Der Titel "Leise erklingen die Glocken" bildete außerdem die Rückseite zu Rudi Schurickes "Capri-Fischern" auf SIEMENS-POLYDOR 47867.

Könnte evtl. jemand bestätigen oder widerlegen, dass auch diese beiden Matrizen vom 28.9.43 (Mx. Be 13364 / -63) erst im Jahresverlauf 1944 adoptiert wurden?




Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Konezni, Do Jul 11 2019, 18:48

Beide Takes wurden jeweils am 15. 10. 43 adoptiert.

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Polyfar41, Do Jul 11 2019, 18:53

Die Eintragung im Lindström-Aufnahmebuch sagt folgendes:
Die Matrizen Be13363 / Be13364 (Aufnahmen vom 28.September 1943) wurden am 15.Oktober 1943 adoptiert. Unter der Nummer O-26808 wurde die Platte in den Nachtrag Nr. 6 (Nov./Dez.43) übernommen.

Gruß
Klaus

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Odeon89, Do Jul 11 2019, 20:06

Vielen herzlichen Dank, Raoul und Klaus!
Dann könnte diese Platte tatsächlich noch 'rechtzeitig' im November/ Dezember 1943 erhältlich gewesen sein.


Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Odeon89, Do Jul 11 2019, 20:18

Hier noch BRUNSWICK 82313, mit zwei 1944 (!) in Kopenhagen entstandenen Aufnahmen von Börge Friis, die ich leider nicht genau datieren kann. Die Matrizennummern sind nicht exakt zu entziffern und könnten sowohl 2234/ -35 HDK oder 2284/ - 85 HDK lauten.

Mx. 2228 HDK stammt vom 11. Januar 1944; 2292 HDK ist am 14. Sept. 1944 aufgenommen worden.
Quelle:
Inhalt, Bild oder Datei nur fuer angemeldete Mitglieder


Im Wachs findet sich weder ein "Mech.Copt." noch ein DEPOSITATO.

Hat evtl. jemand Unterlagen, aus denen die Aufnahmedaten für diese Platte genau hervorgehen?





Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Polyfar41, Fr Jul 12 2019, 08:12

Die HDK-Matrizen stammen aus Kopenhagen und wurden normalerweise auf dem dänischen Label Polyphon der DG veröffentlicht.
Im Verzeichnis der Schellackplatten des Deutschen Rundfunkarchivs (DRA), online bei der Uni Oldenburg, sind für die Brunswick 82313 die Matrixnummern 2284HDK und 2285HDK angegeben, im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) ebenso.
In der Dänischen Jazzdiscographie 1900-1944 online konnte ich die fast benachbarte 2287HDK mit dem Aufnahmedatum 14.03.44 finden. Noch näher bin ich der Lösung leider auch nicht gekommen.
Gruß
Klaus

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
snookerbee, Fr Jul 12 2019, 12:30



Aufnahme:
29. März 1943

Im Wachs:
26841
L.-Kr.

Kriegspressung (?)
Es fehlt der Zensurvermerk.

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Polyfar41, Fr Jul 12 2019, 14:36

Aus meiner Sicht sprechen mehrere Argumente für eine Nachkriegspressung:

1. Der Zusatz "Die deutsche Weltmarke" fehlt unter dem Namen Telefunken.
2. Das hellgraue Etikett mit dem blauen Druck ist für die Nachkriegszeit bis etwa 1950 typisch.
3. Der fehlende "Zensurvermerk " wie Du es nennst, ist keine Zensur der einzelnen Musikstücke.
"Zugelassen durch...Militärregierung" ist nicht mehr und nicht weniger als eine allgemeine Arbeitserlaubnis, die nach dem Krieg jeder brauchte, um eine gewerbliche Arbeit im besetzten Deutschland ausüben zu dürfen (Klempner genau so wie Schallplattenfabrik). Diese Arbeitslizenz wurde nach der Gründung der Bundesrepublik am 20.Sept.1949 im Rahmen des neuen Besatzungsstatuts der Alliierten für die 3 zur neuen Bundesrepublik gehörenden Besatzungszonen (franz.,engl. und amerik. Zone, o h n e West-Berlin) generell erteilt und mußte nun nicht mehr im einzelnen nachgewiesen werden. Das kann das Fehlen des Vermerks auf dem Etikett erklären, denn:
4. Die Firma Telefunken-Platte war schon 1948 nach Hamburg übergesiedelt, d.h. wenn der Lizenzvermerk nun fehlt, ist das für mich ein Indiz, dass die Platte nach September 1949 in der Bundesrepublik gepresst wurde. Das Presswerk befand sich in Nortorf auf schleswig-holsteinischem Boden nahe bei Hamburg, unterlag also auch der neuen Regelung.

Gruß
Klaus.

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
snookerbee, Fr Jul 12 2019, 16:10


zu 1. Der Zusatz "Die deutsche Weltmarke" fehlt bereits bei Kriegspressungen mit blauem oder roten Etikett.

zu 2. Belege für Kriegspressungen auf Grauetikett siehe "Das alte Spielmannslied" und "TRAMONTO" im Beitrag von Jitterbug: Link - Hier klicken

zu 3. Ich nenne es lapsig Zensurvermerk ;-) Bei Lizenzangaben der französischen Zone steht sogar wörtlich "Censure".

zu 4. Ja, es gibt Grauetiketten ab 1949, z.B. "Zither Ballade" Link - Hier klicken . Jedoch ist es schwer, die optisch von den Kriegspressungen auf Grauetikett zu unterscheiden, wenn es nicht durch ein Nachkriegs-Aufnahmedatum gesichert ist. Vielleicht durch die Art der Einpressungen im Wachs?

VG Claus

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Odeon89, Fr Jul 12 2019, 19:44

Vielen Dank, Klaus, für die Daten!

Wie Claus oben schrieb, sind diese Telefunken Grau-Etikett-Pressungen OHNE Lizenzvermerk in aller Regel zwischen Anfang 1944 und Frühjahr 1945 entstanden.

Es könnte sein, dass Platten mit diesem weiß-grauen Etikett und blauer Serifenschrift zumeist aus dem Presswerk in Ehrenfriedersdorf (Sachsen) stammen, wohin die Telefunken zu dieser Zeit größere Presskontingente verlagert hatte. Sicher ist dies nicht.

Man erkennt Pressungen aus dem Presswerk Hannover recht gut an dem kleinen Sternchen * im Wachs, was ebenso bei Grammophon/ Polydor/ Siemens-Polydor und Brunswick dort auftaucht.
Außerdem gibt es im Wachs bei Telefunken in der späteren Kriegszeit (ab ca. Ende 1941) u.a. die Großbuchstaben "B" (evtl. für Belgien/ Brüssel?), "C" (dieses manchmal in Kombination mit dem Sternchen) und "E" (= Ehrenfriedersdorf?).

Man muss aber davon ausgehen, dass die Etiketten vermutlich von mehreren externen Druckereien (evtl. im besetzten Ausland, d.h. vermutlich insbesondere in Belgien, Tschechoslowakei) hergestellt wurden und dann entsprechend über eine Zentralstelle an die einzelnen Presswerke (sei es nun Hannover, Prag, Ehrenfriedersdorf oder Brüssel) verteilt wurden.

Restbestände von Etiketten (Papier war zwischen ca. 1943/44 und 1946/47 ziemliche Mangelware und kontingentiert) wurden natürlich in der frühesten Nachkriegszeit einfach weiterverwendet, z.T. dann mit aufgestempelter oder aufgeklebter Lizenz.

Warum man bei TELEFUNKEN den Zusatz "DIE DEUTSCHE WELTMARKE" auf den Etiketten irgendwann wegließ, entzieht sich meiner Kenntnis. Der Zusatz wurde auf jeden Fall noch bei Pressungen aus Hannover (Sternchen * im Wachs) bis ca. Sommer 1943 verwendet. So liegt mir A 10459 (Rosita Serrano, Neuerscheinung Jan./Feb. 1943) und A10485 (Adalbert Lutter, Neuerscheinung März/April 1943) noch als Pressung mit "Weltmarke" auf dem Etikett vor.

Ich würde mich sehr freuen, wenn jemand hier etwas Licht ins Dunkel bringen könnte.

Vielen Dank bis hierhin an alle Beteiligten für die Hilfe und die sehr spannenden Diskussionen!

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
snookerbee, Fr Jul 12 2019, 20:22

Meine Platte hat auf der gezeigten Seite keine weiteren Einprägungen als die beschriebenen. Auch keine Sternchen auf beiden Seiten. Im Wachs der Rückseite (mx. 26840) gibt es jedoch neben dem Technikerzeichen und der Matrizennummer ein großes B .

Re: Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Odeon89, Fr Jul 12 2019, 20:46

Interessant - ich habe eine Grau-Etikett Telefunken (ohne Lizenzvermerk und mit blauer Serifenschrift) mit einem großen "E" und ebenfalls eine mit "B" im Wachs...
Eine mit Sternchen (Hannover) ist mir hingegen bei diesem Etikett noch nicht untergekommen. Überhaupt ist diese Telefunken-Variante nicht ganz so häufig anzutreffen.