Historische "Schmiermittel" für Schellackplatten
DGAG, Di Feb 24 2026, 16:09

Historische "Schmiermittel" für Schellackplatten

Mindestens seit den 1920er Jahren bürgerten sich zwei Methoden zur Schonung oder gar "Verjüngung" der Platte, zur längeren Haltbarkeit von Bambusnadeln und wohl auch zur Reduzierung des Rauschens beim Abspielen ein: das wachsartige und das trockene "Schmieren" von Schallplattenoberflächen.

Zuerst verwendete man als "Dressing" gerne Kerzen aus Paraffinwachs, welche man auf die rotierende Schallplatte drückte. Nach und nach kamen andere, wachsige oder fettige Mischungen auf den Markt, unter anderem ein schwarzes, wachsartiges Produkt von Pathé. Sie waren wohl oft umständlich aufzutragen und, einmal verwendet, mühsam zu entfernen.

Auch die legendäre englische Firma E.M.G., spezialisiert auf besonders hochwertige und teure Grammophone, bot seit 1930 "Davey Record Dressing" in Lippenstiftform an. Die Bestandteile dieses "Wax Dressings" wurden bisher nie bestimmt, vermutlich ist Carnaubawachs enthalten.






Händler erkannten schnell, dass man graue Rillen oder andere Schäden auf schlechter erhaltenen Schellackplatten mit diesem "Dressing" oder "Balsam", inkl. anschließendem Polieren mit einem weichen Lappen, wieder zum Glänzen bringen und damit werterhöhend tarnen konnte. Man kennt in Sammlerkreisen bei der Zustandseinstufung der Schallplatten dafür den warnenden Begriff "waxed".

Die zweite verbreitete Methode war die trockene Schmierung mit Graphit. Entweder fuhr man mehrfach mit einem Bleistift durch die Rille oder kaufte sich zum Beispiel "Davey Dry Lubricant", um das Graphitpulver aufzureiben. Siehe auch: Link - Hier klicken




Re: Historische "Schmiermittel" für Schellackplatten
Bruno1902, Mi Feb 25 2026, 10:58

Ah, danke! Die Bilder kenne ich aus dem EMG Museum. Inwieweit dieses Dry Lubricant jetzt Graphit war, habe ich auf deren Seiten nichts gefunden. Die Therorie mit dem Carnuba hatte ich als Einschätzung auch gelesen.

Re: Historische "Schmiermittel" für Schellackplatten
DGAG, Mi Feb 25 2026, 19:13

Die Erwähnung von Graphit habe ich aus dem amerikanischen Forum und hatte solche Platten bereits in der Sammlung. Schon beim bloßen Anfassen werden die Finger schwarz, erst recht nach dem Abspielen. Ich hatte ursprünglich an eine Art des Einfärbens gedacht, um graue Rillen verschwinden zu lassen.

Re: Historische "Schmiermittel" für Schellackplatten
somberrecords, Do Mär 05 2026, 17:49

Von solchen Mitteln hatte ich noch nie was gehört! Mir hat ein alter Herr aber mal erzählt, dass abgespielte Platten, um den Klang zu verbessern, mit Olivenöl eingerieben wurden!

Re: Historische "Schmiermittel" für Schellackplatten
Brunswick1928, Mo Mär 09 2026, 16:14

Mit der Verwendung von Paraffinwachs (Kerzenwachs) habe ich selbst auch schon experimentiert - selbstverständlich nur mit Platten, die sich am Ende ihrer Lebensdauer befanden. Platten, die sonst die Feder der meisten Grammophonmotoren überfordert hätten, lassen sich sich so zwar wieder abspielen und klingen minimal besser, allerdings wird eine große Sauerei erzeugt, wenn die Nadel das Wachs wieder aus den Rillen kratzt. Es besteht außerdem die Gefahr, Wachsflecken in Plattenhüllen oder auf dem Plattentellersamt zu hinterlassen; mit einem modernen Leichttonabnehmer würde ich die gewachsten Platten auch nicht mehr spielen wollen. Insgesamt würde ich also davon eher abraten.

Re: Historische "Schmiermittel" für Schellackplatten
Grammo, Fr Mär 13 2026, 10:28

DGAG schrieb ...

Die Erwähnung von Graphit habe ich aus dem amerikanischen Forum und hatte solche Platten bereits in der Sammlung. Schon beim bloßen Anfassen werden die Finger schwarz, erst recht nach dem Abspielen. Ich hatte ursprünglich an eine Art des Einfärbens gedacht, um graue Rillen verschwinden zu lassen.


Bloß nicht, das ist echt eine Riesensauerei! Ich hatte vor vielen Jahren gebraucht ein Fahrrad gekauft, welches vom Vorbesitzer mit Graphitspray behandelt wurde (Kette, bewegliche Teile ...). Selbst nach mehreren Reinigungsversuchen und einigen Regengüssen verfolgt mich das Zeugs heute noch hartnäckig.