Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
Dirk, So Mai 15 2016, 20:08

Moin,

Ich habe da eine Odeon-Platte, mit der ich nicht weiterkomme: Sie ist nur einseitig bespielt (Opernarie einer Sopranistin). Auf der Rückseite ist erhaben das Firmenlogo. Im Schellack ist nur ein handschriftliches "prv No. 8" und "HL I." eingeprägt, aber keine Matritzennummer oder sonstwas. Das Label ist wohl mal nass geworden und nur noch beige-rosa ohne irgendwelche Anhaltspunkte auf den Original-Aufdruck. Nur ein kurzer handschriftliche Bleistift-Vermerk ist zu lesen. Was das heißt, weiß weder meine über 80-jährige Mutter noch Jemand der jüngeren Generation... Was noch besonders ist: Sie hat einen erhöhten Wulst innen und außen, aber keine Einlauf- noch Auslaufrille!
Meine Fragen nun: Wer weiß was über Alter, Titel und Sängerin? Tante Google war nicht wirklich hilfreich; ich vermute irgendwas um 1910-1920...

Wäre schön, wenn einer von Euch die schwarze Platte etwas erhellen könnte...;-)

Viele Grüße, Dirk









Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
Starkton, So Mai 15 2016, 20:18

Auf dem Label steht "Mignon" und "Priv No. 8". Es ist also eine Privataufnahme mit einer Arie aus der Oper Mignon.

"Prv No. 8" ist auch im Spiegel, d.h. auf der Platte, eingeritzt. Es folgt "HL I.". Das dürfte das Zeichen vom Toningenieur Heinrich Lampe sein, der die Aufnahme gemacht hat.

Ich sammle klassische Tonaufnahmen. Wenn die Sängerin gut ist würde mich die Platte interessieren.

Nachtrag: Die Platte dürfte aus den frühen(?) 20er Jahren sein.

Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
Formiggini, So Mai 15 2016, 20:50

Etwas verwirrend. Laut der Matrix Block Übersicht bei Hr. Lotz Link - Hier klicken begann die prv-Serie (Private) 1932. Diese Platte zeigt aber Merkmale der akustischen Aufnahmezeit. In den Aufnahmebüchern fand ich, bis jetzt, nur beginnend ab prv98 (1934). Vielleicht "verstecken" sich die vorherigen Aufnahmen noch irgendwo dazwischen...

Grüße

Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
Dirk, So Mai 15 2016, 20:55

Jetzt bin ich aber platt über die schnelle und präzise Antwort!
Die Qualität ist mittelprächtig: leise im Ton, nur leichtes Rauschen, aber trotzdem kaum zu verstehen. Was aber wohl am Operngesang und nicht an der Platte liegt... ;-)

Danke und Gruß, Dirk

Nachtrag: Ist eine 30er

Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
Dirk, So Mai 15 2016, 21:17

Es wird langsam ein Schuh daraus (ich habe eben noch mal nachgeschaut):
In dem Jugendstil-Album, wo die Platte drin ist, sind u.a. noch zwei weitere Platten: Grammophon von 1911, einseitig, Opernarien von Frieda Hempel. "Arie der Rosine, 1. Teil (aus der Barbier von Sevilla)" und - wenn das jetzt noch Zufall ist: "Mignon (Thomas) - Polonaise"...
Dann könnte die unbekannte Sängerin auch Frieda Hempel sein...?


Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
Starkton, So Mai 15 2016, 21:30

Na dann hör' mal genau hin.

Ich halte es aber für sehr unwahrscheinlich, obwohl Hempel auch für Odeon gesungen hat. Jedoch nicht die Polonaise. Hempel Platten wurden sehr gut verkauft. Es wundert mich nicht, dass Du gerade von dieser Künstlerin Aufnahmen gefunden hast.

Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
Dirk, So Mai 15 2016, 21:48

Die beiden "Grammophon"-Platten mit Frieda Hempel sind eindeutig, da die Label und die Platten an sich in guten Zustand sind. Die Datierung konnte ich mit Hilfe eines Links hier im Forum auch auf´s Jahr genau bestimmen.
Über den Toningenieur konnte ich (noch) nichts weiteres rausbekommen, aber über die Sängerin:

Aus den Lebenserinnerungen von Frieda Hempel:
"Als ich 1907 an die Berliner Hofoper kam, steckte das Grammophon noch in den Kinderschuhen. Es gab schon die noch heute bekannte Firma ODEON, und für ODEON habe ich meine erste Platte besungen.
Ich erinnere mich nicht mehr, wo sich die Firma damals befand, ich glaube aber, ihre Büros lagen in der Friedrichstrasse, in ihrem südlichen Teil, wo sich ja auch die ersten Filmfirmen ansiedelten.
Ich wurde in ein verhältnismäßig kleines Zimmer geführt. Vor mir stand ein trichterförmiges Horn, in das ich singen sollte.Neben ihm waren Apparaturen, an denen mehrere Männer aufgeregt hantierten. Irgendeiner der Männer knuffte mich in den Rücken, es war das Zeichen, das ich singen sollte, und ich sang. Wenn meine Partitur kräftigere Töne verlangte, zog mich einer der Techniker am Rock, damit ich zurücktrat. Wenn ich piano zu singen hatte, schob er mich mit entsprechender Energie an den Trichter heran. Bei diesem handgreiflichen Verfahren die musikalische Kontinuität zu wahren , viel nicht leicht.Die Aufnahmen mußten sehr oft wiederholt werden, weil die Stimme nicht gleichmäßig war. Und wenn eine Aufnahme wirklich Glückte, dann zerbrach womöglich die Platte.
Besonderen Kummer machte die Begleitung. Noch war es nicht möglich, gleichzeitig mehrere Instrumente oder gar ein Orchester aufzunehmen. Auch die Arie aus "La Traviata" musste ich mit Klavierbegleitung singen. Für Klavier galt ähnliches wie für meine Stimme: Obwohl die Aufnahme an sich geglückt war, stellte sich oft heraus, daß das Klavier zu nahe gestanden hatte. Man musste dann ein anderes Arrangement treffen, und die Aufnahme wiederholen. Dieses Verfahren war oft mehrere Male nötig, bis die Begleitung endlich die richtige Tonstärke hatte. Das erforderte manches Mal viel Zeit und war dann eine harte Geduldsprobe.
Aus Liebe zur Sache ertrug man alles. Meine Stimme nahm sich sehr gut auf, auch meine Aussprache galt als hervorragend verständlich."

(gefunden hier im Forum)

Um den Gedanken weiterzuspinnen (ich mag gerne Spekulatius...), wenn der Toningenieur Heinrich Lampe von 1907 bis 1911 bei Odeon in Berlin gearbeitet haben sollte, würde das sehr gut ins Puzzle passen!

Ich forsche weiter... ;-)

Edith: Rechtschreib- und Sinnfehler

Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
Starkton, So Mai 15 2016, 21:56

Lampe war in den 20er Jahren Toningenieur bei Odeon: Link - Hier klicken

Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
Dirk, So Mai 15 2016, 21:56

Nachtrag:




Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
Dirk, So Mai 15 2016, 22:09

Starkton schrieb ...

Na dann hör' mal genau hin.

Ich halte es aber für sehr unwahrscheinlich, obwohl Hempel auch für Odeon gesungen hat. Jedoch nicht die Polonaise. Hempel Platten wurden sehr gut verkauft. Es wundert mich nicht, dass Du gerade von dieser Künstlerin Aufnahmen gefunden hast.


Hallo Starkton,

erstmal Danke für Deine tatkräftige Unterstützung!
Nicht, daß wir uns mißverstehen: Ich stelle die These auf, daß es auf der Odeon-Platte die Hempel sein könnte, aber ich kann nicht raushören, ob es (auch) die Polonaise ist. Es ist ja durchaus wahrscheinlich, daß es sich um eine andere Arie aus der selben Oper handelt.

Gruß, Dirk

Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
Charleston1966, So Mai 15 2016, 22:20

Hallo Dirk,
erstmal ein herzliches Willkommen auch von mir, ein Vergleich mit Deiner Odeon Privataufnahme mit einer offiziellen Hempel Platte wäre interessant. Kannst du sie mal aufnehmen?

LG Karlheinz


Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
Dirk, So Mai 15 2016, 22:23

Zitat über Frieda Hempel aus Operissimo.com:
Zahlreiche schöne Aufnahmen auf Odeon (die frühesten Aufnahmen bereits von 1906 aus Schwerin), HMV (seit 1911, darunter eine erste Serie aus Berlin und London, eine zweite von 1924 aus London; zwei elektrische Aufnahmen von 1935 aus Berlin), Victor (in den USA aufgenommen), Polydor (1923), Edison-Platten (akustische Aufnahmen von 1917, zwei elektrisch aufgeommene Titel von 1928).

Ich bin mir bewusst, daß ich mit Frieda Hempel auf meiner Odeon-Platte durchaus gewaltig auf dem Holzweg sein kann, aber es wäre ja zu schön, solch ein seltenes Frühwerk von Frieda Hempel zu besitzen... ;-)
Nicht mißverstehen: Sollte sich die wahre Identität der Platte aufklären können, wäre ich sehr glücklich! Auch wenn´s in eine ganz andere Richtung gehen sollte...

Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
Starkton, So Mai 15 2016, 22:23

Frieda Hempel hat nur bis 1913 für Odeon gesungen. Unter den veröffentlichten Platten für Odeon war keine Arie aus Mignon. Stelle doch die Privataufnahme in unseren Sender ein. Vielleicht erkennt jemand die Stimme.

Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
Dirk, So Mai 15 2016, 22:55

Hmm..., hab´s gerade mal probiert: Mein Händy macht nur .wav-Dateien... Bin jetzt aber auch nicht so der Audio-Freak. Evtl. mach ich es über Youtube, wenn das da funktionobelt und stelle dann den Link hier rein. Die Platten sind ja schon etwas älter, sodaß es mit dem Urheberrecht kein Problem geben sollte. Oder doch?
Wenn einer von Euch mir kurz und knackig erzählen kann, wie das mit mp3 hier ins Forum reingeht, wäre ich dankbar! Gerne auch per PN, bevor das hier noch Mecker vom Admin gibt wegen Off-Topic.

Gruß, Dirk

Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
snookerbee, So Mai 15 2016, 23:16

Heinrich Lampe hat ab 1920 für Odeon regelmäßig als Aufnahmeingenieur gewirkt.

Link - Hier klicken

Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
Dirk, So Mai 15 2016, 23:25

Das passt dann ja zu Starktons Aussage, daß es sich wohl nicht um Frieda Hempel handeln wird; höchstens theoretisch ein Spätwerk. Aber auch das wäre unwahrscheinlich, da sie nach 1914 nur selten in Deutschland war...

Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
Konezni, Mo Mai 16 2016, 00:41

Lotz irrt, wenn er schreibt, "Prv" begänne 1932. Prv 60 & 61 wurden ebenfalls noch "akustisch" aufgenommen und stammen ergo spätestens von 1927. Das ist jedenfalls das letzte Jahr, in dem Lindström noch das Studio mit dem Trichter benutzte.

Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
Dirk, Mo Mai 16 2016, 11:33

Moin.

So, jetzt habe ich es geschafft, das Stück an den Sender zu schicken:
Link - Hier klicken

Mal schauen, wer von Euch dies schon mal gehört hat... ;-)

Gruß, Dirk

Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
Konezni, Mo Mai 16 2016, 13:25

Das ist die Arie der Titania "Je suis Titania la blonde", deutsch gesungen als "Titania ist herabgestiegen" (die andere Möglichkeit wäre "Connais-tu le pays" / "Kennst du das Land" gewesen) von einer recht fähigen Sängerin, aber keinesfalls handelt sich's um Hempel. Ungewöhnlich ist die Orchesterbegleitung; für Privataufnahmen reichte gemeinhin ein Klavier aus...

Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
Dirk, Di Mai 17 2016, 17:09

Dann fasse ich die Erkenntnisse mal zusammen:
Oper: Mignon
Arie: Titania ist herabgestiegen
Sängerin: ?
Aufnahmeingenieur: Heinrich Lampe
Aufnahmedatum: 1920-1927
Aufnahmeart: akustisch
Hersteller: Odeon
Matrizennummer: prv 8

Ich muß schon sagen, innerhalb kurzer Zeit sind das eine Menge Informationen, die Ihr aus einer schwarzen Scheibe mit einer Rille und ein wenig Bleistiftgekritzel rausbekommen habt!

Da dies ja eine "Privat"-Aufnahme ist, kann es vielleicht sein, daß der H. Lampe vielleicht absichtlich irgendein beschriftetes Label abgerieben hat, um selber mit Bleistift "seine" Beschriftung einzutragen?
Ist diese Platte ein Einzelstück oder maximal eine aus einer Kleinstserie für sich, die Künstlerin und die Firma und vielleicht ein paar Bekannte? Dann würde es Sinn machen, wenn es kein extra gedrucktes Label gibt. "Copy-Shop" gab es wohl damals noch nicht... Oder was verbirgt sich allgemein hinter den "Privat"-Aufnahmen?

Gruß, Dirk


Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
Starkton, Di Mai 17 2016, 20:18

Privataufnahme heißt, dass die Sängerin einen bestimmten Betrag an Odeon bezahlt hat. Sie mietete damit das Aufnahmestudio, den Toningenieur und das Orchester. Außerdem musste sie Odeon eine bestimmte Anzahl, z.B. 10 Stück, der fertig gepressten Schallplatte abkaufen. Privataufnahmen hatten immer ein neutrales Etikett zum selbst beschriften.

Ich habe einige Privataufnahmen der Deutschen Grammophon A.G. aus der Zeit um und vor 1910. Damals kostete der Spaß der eigenen Schallplatte etwa 150 Mark, das Monatseinkommen eines Industriearbeiters.

Damit nicht zu verwechseln sind Testaufnahmen, welche die Plattenfirma selbst beauftragte und bezahlte.

Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
Charleston1966, Do Mai 19 2016, 09:43

Im Aufnahmebuch "Odeon 1923 - 40" finden sich auf PDF Seite 14 und 15 Sonderbare Nummern neben den eigentlichen Aufnahmenummern. Nr 8 ist natürlich nicht dabei, könnte es sich dabei um frühe Privataufnahmen handeln die aber auch veröffentlicht worden sind, evtl. sind zwei Matritzen gezogen worden eine für Privat, die andere für die Veröffentlichung? Da wäre nämlich eine Frau Maria Gerhart, Sopran an der Staatsoper Wien mit Philharmonischem Orchester, im Jahr 1924. Kann sich das mal bitte jemand anschauen? Vielleicht liege ich ja aber auch völlig daneben.

LG Karlheinz

Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
Formiggini, Do Mai 19 2016, 10:35

Wäre vorstellbar: Die Künstler(in) erhielt unveröffentlichte Probeaufnahmen aus einer (der) regulären Aufnahmesitzung als Privataufnahme.







Vergleicht man die Überspielung im Sender mit einer regulär veröffentlichten Aufnahme von Maria Gerhart, könnte es sich tatsächlich um die Sängerin handeln. Jedoch ist, zugegebenermaßen, mein Ohr nicht ausreichend auf diese schönen Stimmen geschult...

.

Grüße

Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
Konezni, Do Mai 19 2016, 16:07

Das wär' zu schön gewesen, aber es ist leider nicht Maria Gerhart. Die im Aufnahmebuch verzeichneten zweistelligen Ziffern sind nur die in Wien bei der Aufnahme vergebenen vorläufigen Nummern, die dann später in die laufende xxB-Zählung eingeordnet wurden.

Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
kr103, Mo Jul 22 2019, 13:44

Hallo,
ich werde mal versuchen, dem alten Thread ein bisschen Leben einzuhauchen, da kürzlich (man glaubt es nicht!) ein zweites Exemplar der Platte via USA bei mir gelandet ist. In diesem Fall ist das Label etwas mitteilsamer (siehe Bild), aber gibt weitere Rätsel auf: Eine Sängerin "Ada Pellny" gab es definitiv nicht. Ich versuche aber mal, hier etwas einzukreisen. Zunächst mal würde ich die Aufnahme eher auf die frühen 20er, wenn nicht sogar noch davor schieben, denn die Aufnahme läuft (in Berliner 435Hz-Stimmung und Original-Tonart) mit 70 Umdrehungen. So passt die Arie ohne Kürzungen drauf, aber eine so langsame Geschwindigkeit kenne ich eigentlich bei Oden - bislang - von spätakustischen Aufnahmen nicht. So hört man dann auch, dass es eine wirklich gute Sängerin der altdeutschen/"pseudo-instrumentalen" Schule ist: Zumindest die beste deutsche Version der Arie, die ich in der Sammlung habe. Warum ist eine Sängerin dieser Qualität weder in den Bühnenjahrbüchern, noch Konzertkalendern und Adressbüchern zu finden? Meine Theorie: Jemand hat sich verhört und den Namen aus dem Gedächtnis falsch notiert oder auf diese Platte geschrieben, und die Sängerin ist Olga Pewny (1872-?)! Die stammte aus Ungarn, da ist mit den dunklen "a"s und liquiden "l"s so ein Versehen schnell passiert. Zum Zeitpunkt der Aufnahme wäre sie zwischen Ende 40 und Anfang 50 gewesen - kein Problem für eine gut geschulte Stimme, vor allem, da sie sich 1904 von der Opernbühne zurückgezogen hatte. Geld für eine Orchester-Aufnahme zu privaten Zwecken wäre sicher auch genug im Haus gewesen, und in ihr Rollenbild, das neben einigen lyrischeren Wagner-Partien auch Rollen mit einigen Koloratur-Anforderungen umfasste, passt der Titel allemal. [Ironie an] Nun vergleichen wir alle mal mit unseren zahlreichen Pewny-Aufnahmen, ob das hinkommt! [Ironie aus] Ich habe leider nur einen Vergleichstitel, der sowohl vom Repertoire als auch von der Technik her nix taugt (Breslau 1904 halt), aber gewisse Ähnlichkeiten in der Stimmproduktion sehe ich schon. Oder hatte sie vielleicht eine Tochter namens Ada, die sie privat unterrichtet hat? Als Pädagogin war Olga Pewny ja in Breslau durchaus eine Nummer. Also, falls es wirklich so ist: Herzlichen Glückwunsch zu einer Riesen-Rarität!



Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
Polyfar41, Mo Jul 22 2019, 16:32

Ich habe mal in eine andere Richtung ermittelt, der Name ist selten, vielleicht ist das hier die gesuchte Person:
Eine Frau namens Ada Pellny hat es in Deutschland gegeben. Sie war 1928 in Wentorf-Reinbek bei Hamburg im Billeweg gemeldet.
Am 21.Juli 1928 trat sie eine Schiffsreise aus dem Bremer Freihafen mit Ziel Callao (das ist der Hafen der Hauptstadt Lima) in Peru an. Mindestens eine weitere Schiffsreise nach Liverpool ist nachgewiesen, also muß sie vermögend gewesen sein, auch wenn sie für das Schiffsticket als Beruf lediglich "Hausfrau" angegeben hat. Da wäre es schon finanziell möglich gewesen, eine Privataufnahme anfertigen zu lassen.
Nicht jede/r Sängerin/Sänger hatte ja immer das Glück, einen Plattenvertrag zu bekommen.
Für eine berufliche Tätigkeit als Sängerin habe ich allerdings kein einziges Indiz gefunden, vielleicht hat sie - obwohl talentiert - den Weg auf die Bühne nicht gefunden.

Ihre Registrierungsdaten für die Schiffsreise:
Name: Ada Pellny
Geschlecht: Weiblich
Nationalität: Deutsch
Zivilstand: verheiratet
Alter bei der Abreise: 43
Geburts­jahr: ca. 1885
Jahr des Wohnortes: 1928
Wohnort: Wentorf-Reinbek
Datum der Abreise: 21. Jul 1928
Abreiseort: Bremen, Freihafen
Zielort: Callao, Peru
Ankunftsort: Callao, PE
Herkunft: Preussen
Beruf: Hausfrau
Schiff: Wido
Schifffahrts­gesellschaft: Nordd. Lloyd, Bremen
Passagiernummer: 2

Datenquellen:
1. Hamburger Adreßbuch 1928: Einwohnerverzeichnis der Gemeinden Reinbek, Wohltorf, Aumühle einschl. Sachsenwald-Hofriede, Friedrichsruh und Wentorf, Seite 79
2. Ancestry.com: Bremen, Germany, Passenger List Index 1907-1939
3. Ancestry.com: UK, Incoming Passenger Lists 1878-1960

Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
DGAG, Mo Jul 22 2019, 20:57

kr103 schrieb ...

da kürzlich (man glaubt es nicht!) ein zweites Exemplar der Platte via USA bei mir gelandet ist.

Ist es das Exemplar aus der vorletzten Holdridge-Auktion? Ich habe drauf geboten, die Platte aber nicht bekommen. Holdridge hat die Aufnahme auf "probably ... 1915 - 1921" datiert. Der Außenrand war bei diesem Exemplar nicht abgeschliffen. Auf dem unbedruckten weißen Label stand handschriftlich der Name der Sängerin und die Nummer der Privatpressung.

kr103 schrieb ...

Eine Sängerin "Ada Pellny" gab es definitiv nicht.

Doch! Laut dem Neuen Theater Almanach war Ada Pellny in der Spielzeit 1913/14 in Lübeck am Neuen Stadttheater als Opernsängerin engagiert. Sie wohnte in der Sandstraße 10.

Zur obigen Information ihrer Abreise nach Peru passt, dass Pellny laut dem Buch "Über das Deutschtum in Peru" in diesem Land als Solosopranistin mit Klavierbegleitung aufgetreten ist.

PS: Hier die betreffende Seite aus dem Neuen Theater Almanach, Ausgabe von 1914:




Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
DGAG, Mo Jul 22 2019, 21:23

kr103 schrieb ...

Ich habe leider nur einen Vergleichstitel, der sowohl vom Repertoire als auch von der Technik her nix taugt (Breslau 1904 halt),

Dann hast Du die Originalpressung von Olga Pewnys Aufnahme aus Jocelyn? (Die hätte ich auch gerne!)

Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
kr103, Mo Jul 22 2019, 23:40

Wenn mal ein paar Infos da sind (Danke!), geht's auch schneller weiter. Ich streiche also einen Teil meines obigen Beitrags bzw. lasse ihn nur aus historischen Gründen stehen.
Ein bisschen was zur Geschichte hätte ich dann noch:
Bis 1912 gibt's in Neu-Wentorf den Ingenieur Bernhard Pellny - hier ein Auszug aus dem Hamburger Adressbuch 1912, Band IV, S. 44:

Der verschwindet im kommenden Jahr. 1914 taucht Ada Pellny dann in Lübeck auftaucht und bleibt (wahrscheinlich) bis 1916. Im Bühnen-Jahrbuch 1916 steht sie noch im Registerteil unter „Lübeck I“, ist aber im Hauptteil nicht mehr erwähnt – was mag es bedeuten?
Bernhard Pellny jedenfalls scheint Compagnon einer nicht ganz kleinen Bau- und Technikfirma in Peru gewesen zu sein: 1912 wird „Dünkelberg & Pellny“ in Lima Interessenvertreter der Siemens-Schuckertwerke. Der plötzliche Geschäfts-Zuwachs könnte jedenfalls die Abreise erklären, während die Gattin noch in Deutschland blieb. Vielleicht ist sie später nachgereist?
1925 jedenfalls werden Dünkelberg & Pellny von Philipp Holzmann aufgekauft – und 1927 ist auch zumindest Ada Pellny wieder in Wentorf unter der alten Adresse, seit 1929 sogar mit Telefon:


Im Telefonbuch 1930 ist der Anschluss Bernhard Pellny zugeordnet, also wissen wir zumindest, dass die beiden sicher zusammengehören:


Hier bleibt Ada Pellny bis 1933, und mehr habe ich gerade nicht zu bieten (glücklicherweise auch nicht in der Datenbank der Holocaust-Opfer) - vielleicht findet jemand noch mehr? Evtl. gibt es Zeitungsberichte aus ihrer Lübecker Theaterzeit?

Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
kr103, Di Jul 23 2019, 00:20

Ich liefere dann doch selbst schon mal:
1) Heiratsanzeige, Neue Hamburger Zeitung, 29.11.1908:


2) Kritik des ersten Auftritts in Lübeck, Hamburgischer Correspondent, 8.10.1913:


3) Kritik der zweiten Rolle, Hamburgischer Correspondent, 12.11.1913:


4) Ein Auftritt in Berlin "als Gast" - die Verpflichtung wurde wohl doch nichts - Vertragsstreit?
Berliner Börsen-Zeitung, 16.10.1914:


5) Eine Geburtsanzeige, die belegt, dass auch Ada Pellny 1921 in Lima war - Hamburgischer Correspondent, 20.6.1921:


Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
kr103, Di Jul 23 2019, 00:24

... und für alle, die glauben, Koloratursopran wäre keine Anstrengung: Ein Foto aus der Zeitschrift "Sport im Bild" [!] Jg. 1914 Heft Nr. 3 (16. Januar), S. 86:



Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
DGAG, Di Jul 23 2019, 00:40

Mich würde immer noch interessieren ob Deine Platte das Exemplar aus der Holdridge-Auktion ist - was ich annehme, denn sonst gäbe es schon drei Stück dieser Pressung.

Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
kr103, Di Jul 23 2019, 12:31

In der Tat, meine ist von Larry - sie ist nur etwas spät hier angekommen, da sie "persönlich" und nicht im Paket gereist ist. Aber ausschließen kann man ja nicht, dass da irgendwo im Hamburger Raum oder Peru ein anderes Exemplar vor sich hinstaubt. Oder gar eine benachbarte Nummer...

Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
DGAG, Di Jul 23 2019, 19:08

Vielen Dank für die Bestätigung. Ich habe in der damaligen Auktion leider nur zwei Platten gewinnen können - immerhin sehr schöne von Leopold Demuth.

Da wir keinen Vergleich mit einer gesicherten Aufnahme, bzw. einen entsprechenden Eintrag im Aufnahmebuch haben, ist die Zuweisung an Ada Pellny immer noch spekulativ. Interessant wäre ein Handschriftenvergleich. Vielleicht hat sie das Label selbst beschriftet. Es erstaunt allerdings, dass das zweite Exemplar "namenlos" ist.

kr103 schrieb ...

1914 taucht Ada Pellny dann in Lübeck auftaucht und bleibt (wahrscheinlich) bis 1916. Im Bühnen-Jahrbuch 1916 steht sie noch im Registerteil unter „Lübeck I“, ist aber im Hauptteil nicht mehr erwähnt – was mag es bedeuten?

Sie erscheint bereits in der Saison 1914/15 nicht mehr in der Besetzungsliste von Lübeck - und auch nicht in denjenigen von Berlin oder Hamburg. Ich konnte, abgesehen von den oben abgebildeten, zudem keine weiteren Artikel über sie finden. Offenbar beendete sie ihre verheißungsvolle Bühnenkarriere bevor sie richtig begonnen hatte. Vielleicht hängt das mit dem Ausbruch des 1. Weltkriegs zusammen. Womöglich war es auch der Wunsch ihres Mannes. Kam damals gar nicht so selten vor. Ich denke da z.B. an Irene Abendroth.

Übrigens - auch Pellnys Mutter(?) Ada von Streland ist bereits als Sopranistin aufgetreten.

Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
Musikmeister, Di Jul 23 2019, 22:32

kr103 schrieb ...

Ich liefere dann doch selbst schon mal:
1) Heiratsanzeige, Neue Hamburger Zeitung, 29.11.1908:




Ich habe rausgefunden, dass Ada Pellnÿ (Amanda Ida Johanna Karoline Streland), geboren am 04.07.1885, Tochter des Konzertmeisters a.D. William Robertus Streland am 27.11.1908 in Harburg den Architekten Friedrich Leopold Leonhard Pellnÿ, geboren am 28.09.1882, geheiratet hat. Beide waren zu der Zeit in Harburg wohnhaft. Ich kann online die Heiratsurkunde einsehen.
Die letzten 2 Jahre am Theater in Lübeck war sie von dort nicht erreichbar und der Aufenthaltsort ungewiss. Das das Engagement in Berlin nicht geklappt hat, kann vielleicht daran liegen, dass im Juni 1915 ihr Vater in Harburg verstorben ist.
Die Aufnahme an sich kann ja nur nach Januar 1916 entstanden sein, als Lampe seinen Dienst bei Odeon angetreten hat. Ab ca. 1921 spätestens war sie dann in Peru, wo am 03.06.1922 der Sohn Kurt Pellnÿ geboren wurde, der später in den 70er Jahren Schulvereinspräsident an der deutschen Schule in Lima war. Im Netz findet man ein Foto. Der Sohn war bei der Schiffsreise nach Peru im Jahre 1928 auch mit dabei zusammen mit Ada`s 5 Jahre jüngeren Bruder Robert Streland.
Ein Bernhard Pellnÿ hat in Lima, Peru eine Manuela Guardia geheiratet, die 1926 einen Sohn Miguel dort geboren hat.




Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
DGAG, Mi Jul 24 2019, 11:17

Musikmeister schrieb ...

Die Aufnahme an sich kann ja nur nach Januar 1916 entstanden sein, als Lampe seinen Dienst bei Odeon angetreten hat.

Hast Du für "Januar 1916" einen Beleg? Ich dachte, dass Heinrich Lampe erst seit Anfang 1920 für Odeon aufgenommen hat.

Das Technikerzeichen dieser Aufnahme lautet "HL I." Der Zusatz "I" nach Lampes Kürzel ist bisher nur selten nachgewiesen worden und könnte einen Hinweis auf die Datierung geben. Hier sind zwei Aufnahmen von Oktober 1921 (xBe2736 + xBe2737) mit diesem Zeichen aufgelistet: Link - Hier klicken

Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
Musikmeister, Mi Jul 24 2019, 11:24

DGAG schrieb ...

[Hast Du für "Januar 1916" einen Beleg? Ich dachte, dass Heinrich Lampe erst seit Anfang 1920 für Odeon aufgenommen hat.


Hier im Forum ist es vermerkt mit dem 25-jährigem Dienstjubiläum: Link - Hier klicken

Es gibt auch eine Werbeplatte aus dem Jahre 1941 zum 25-jährigem Dienstjubiläum von Lampe, die ich leider nicht habe.

Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
DGAG, Mi Jul 24 2019, 11:43

Vielen Dank. Diese Werbeplatte von 1941 wäre wirklich hochinteressant!

Offenbar hat Lampe das Technikerzeichen "HL" aber erst seit Anfang 1920 verwendet, was die Datierung dieser Aufnahme eingrenzt.

Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
snookerbee, Mi Jul 24 2019, 12:24

DGAG schrieb ...

... Ich dachte, dass Heinrich Lampe erst seit Anfang 1920 für Odeon aufgenommen hat...


In den GHT-Listen von Herr Zwarg, der sich wohl auf die Lindström-Bücher stützt, taucht Herr Lampe mit seinem typischen Kürzel HL regelmäßig seit Januar 1920 auf (master xxBo 7158 - LES DRAGONS DE VILLARS, Gesang Max Altglass).

Er wird aber einmal auch schon 1916 mit Fragezeichen und Kürzel Lyu [!] genannt (master xxBo 6913 - Deutschmeister-Regiments-Marsch).

Seine letzte erfasste Aufnahme stammt aus der Zeit der Magnetbänder vom 16.8.1951 mit Sängerin Claire Waldoff ( master tape Be 14463-1 - Im Nußbaum links vom Molkenmarcht).

Ich hatte die Listen 2016 durchsucht. Sie sind seither auch nicht mehr erneuert worden. Man müsste die Abschriften der Aufnahmebücher durchsehen, um vielleicht noch fehlende Aufnahmen zu finden. Die Abschriften liegen mir nicht vor.


Musikmeister schrieb ...

Hier im Forum ist es vermerkt mit dem 25-jährigem Dienstjubiläum: Link - Hier klicken


Wir wissen ja nicht mit Sicherheit, ob Herr Lampe von Beginn an für das Anfertigen von Aufnahmen verantwortlich war.


Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
Polyfar41, Mi Jul 24 2019, 16:11

Die Kopien der Odeon-Aufnahmebücher, die auf der CD der GHT/Alfred Seiser-Stiftung Wien enthalten sind, habe ich durchgesehen und festgestellt:
erstmals am 15.Oktober 1927 wurde der Aufnahmeraum angegeben
und erstmals am 16.April 1929 wurde der Name des Aufnahmetechnikers im Aufnahmebuch genannt.
Davor gab es diese Angaben in den Büchern, die mir voliegen, nicht.

Herr Lampe war an dem genannten 16.August 1951 letztmalig bei den Waldoff-Aufnahmen in der Rheingauschule in Berlin-Friedenau (Be14457-1 bis Be14463-1) aktiv. Danach gibt es keine weiteren Einträge mit seinem Namen.
Der nächste Aufnahmetag war der 27.08.51, da ist der Name Lampe durchgestrichen und durch Herrn Klare ersetzt worden, ab September teilen sich die Aufgabe Herr Lindner und Herr Klare.

Gruß
Klaus

Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
kr103, Mi Jul 24 2019, 17:31

Vielen Dank für eine Menge spannender Infos. Aber nun bin ich doch verwirrt: Sowohl in der Zeitung vom 29.11.1908 als auch in der Hamburger Geburtsanzeige werden als Paar Bernhard und Ada Pellny genannt, und beide haben auch 1930 den gleichen Telefonanschluss in Neu-Wentorf, aber geheiratet hat sie offiziell einen anderen Pellny? Muss man sich schon um diese Zeit herum Sorgen um die innerfamiliäre Moral machen, oder was mag das zu bedeuten haben?

Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
Musikmeister, Mi Jul 24 2019, 18:45

kr103 schrieb ...

Sowohl in der Zeitung vom 29.11.1908 als auch in der Hamburger Geburtsanzeige werden als Paar Bernhard und Ada Pellny genannt


Ja, man sollte dem Transkript nicht immer trauen. Selber entziffern hilft manchmal.
Der Gatte heisst nicht Leonhard sondern Bernhard.

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Dann hat Ada Pellny 1921 sowie 1922 in Peru jeweils ein Kind geboren.
Mich verwirrt folgender Eintrag hier (oben rechts): Link - Hier klicken
Da wird Ada Pellny (Pelny) als Witwe geführt im bekannten Billeweg, heute noch eine schöne Häusergegend. Leider habe ich nur diesen Direktlink und ich kenne das Jahr der Eintragung nicht.
Auch muss der Gatte Bernhard zwischen der Eheschliessung und dem Eintrag im Jahre 1912 wohl sehr erfolgreich gewesen sein, um von einer kleinen Wohnung in Harburg, wo er noch nicht mal als Haushaltsvorstand erwähnt wird zu einem großen Grundstück mit Haus in Wentorf gekommen ist. Seine Eltern waren im Kreis Johannisburg in Ostpreussen wohnhaft.
Mich würde auch interessieren, wer danach, nachdem zumindest Bernhard nach Peru ging und Ada in Lübeck war, im Billeweg wohnhaft war bis sie im Jahre 1927 wieder dort wohnte.


Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
berauscht, Mi Jul 24 2019, 20:34

Am 7. Oktober 1913 reiste Bernhard Pellny, von Bremen kommend, mit final destination Peru, in die USA ein. Als nearest relative hat er bei der Einreise Wife Ada Pellny, Sandstraße 16, Wandsbek angegeben.

Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
DGAG, Mi Jul 24 2019, 20:49

kr103 schrieb ...

5) Eine Geburtsanzeige, die belegt, dass auch Ada Pellny 1921 in Lima war - Hamburgischer Correspondent, 20.6.1921:


Musikmeister schrieb ...

Dann hat Ada Pellny 1921 sowie 1922 in Peru jeweils ein Kind geboren.

Nein, bei der obigen Quelle ist ein falsches Jahr angegeben. Es soll 20.06.1922 heißen. Ein Aufenthalt in Lima im Jahr 1921 ist daher nicht belegt und Privataufnahmen für Odeon wären auch im Oktober 1921 noch problemlos möglich gewesen.

Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
DGAG, Mi Jul 24 2019, 21:30

Musikmeister schrieb ...

DGAG schrieb ...

[Hast Du für "Januar 1916" einen Beleg? Ich dachte, dass Heinrich Lampe erst seit Anfang 1920 für Odeon aufgenommen hat.


Hier im Forum ist es vermerkt mit dem 25-jährigem Dienstjubiläum: Link - Hier klicken

Es gibt auch eine Werbeplatte aus dem Jahre 1941 zum 25-jährigem Dienstjubiläum von Lampe, die ich leider nicht habe.

Da gibt es ein Missverständnis. Heinrich Lampe war seit 1916 für die Carl Lindström A.G. tätig. Dies erklärt die Existenz der Jubiläumsplatte von 1941, welche jedoch nichts mit seiner Aufnahmetätigkeit ab Januar 1920 für die auch nach dem Verkauf an Lindström eigenständige Firma „International Talking Machine Co.m.b.H. Odeon-Werke“ zu tun hat.

Die oben erwähnte Odeon von 1916 (xxBo 6913), mit dem außergewöhnlichen und sonst nicht nachgewiesenen Technikerzeichen "Ly u", sollte man meiner Meinung nach nicht Lampe zuschreiben - jedenfalls nicht aufgrund des Zeichens, welches auch einem Ablesefehler geschuldet sein kann.

Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
DGAG, Fr Jul 26 2019, 21:46

snookerbee schrieb ...

In den GHT-Listen von Herr Zwarg, der sich wohl auf die Lindström-Bücher stützt, taucht Herr Lampe mit seinem typischen Kürzel HL regelmäßig seit Januar 1920 auf (master xxBo 7158 - LES DRAGONS DE VILLARS, Gesang Max Altglass).

Es wäre interessant zu wissen ob das Kürzel "HL" tatsächlich aus dem Aufnahmebuch stammt, oder - unvollständig - von der Platte selbst abgelesen wurde. Ich habe diese Aufnahme nämlich und da steht ganz deutlich "HL 4 N" im Spiegel (auf der zweiten Seite steht "HL 4 N.").


Siehe zu diesem Technikerzeichen auch: Link - Hier klicken

Re: Einseitige Odeon ohne Matritzennummer...
Dirk, Mo Jul 29 2019, 20:00

Moin.

ich wollte einfach mal "Danke!" sagen, weil ich begeistert bin, wie ausführlich und vor allem wie umfangreich meine Frage beantwortet wurde! Ich hätte auch nicht damit gerechnet, daß nach so langer Zeit noch so tolle Erkenntnisse kommen. Und irgendwie freue mich jetzt auch noch etwas mehr, eine Rarität zu besitzen...;-)

Viele Grüße, Dirk