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Ernö Rapee's Jazz Symphoniker
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Formiggini
Di Jul 05 2011, 18:47 Druck Ansicht

⇒ Mitglied seit ⇐: Di Dez 28 2010, 19:20
Beiträge: 1579
Weiß jemand mehr über Rapee's Jazz Symphoniker "Jazz Phase" in Deutschland?


Die Funkstunde, Januar 1926
Am Banjo dürfte Mike Danzi zu sehen sein.




Zu Rapée findet sich auf Wiki folgendes:
Ernö Rapée (eigentlich Ernest Rappaport; * 4. Juni 1891 in Budapest; † 26. Juni 1945 in New York City) war ein US-amerikanischer Pianist, Komponist und Dirigent ungarischer Herkunft.

Er studierte Klavier und Dirigieren am Budapester Konservatorium. Später war er Assistent von Ernst von Schuch in Dresden. Nach einer Amerikareise wurde er Assistent von Hugo Riesenfeld am Rialto-Lichtspieltheater in New York. Dort begann er, für den Film zu komponieren und Kino-Orchester zu dirigieren. Nach Engagements am Rialto und am Rivoli-Lichtspieltheater holte ihn Samuel Rothafel als Musikdirektor an sein Capitol-Lichtspielhaus Roxy Theatre, wo Rappée ein 77-Mann-Orchester zu dirigieren hatte.

In diesem Theater verfasste er sein berühmtes sinfonisches Arrangement der Ungarischen Rhapsodie No. 13 von Franz Liszt. Als Konzertmeister und zweiten Dirigenten engagierte er seinen Landsmann Jenö Blau, der später als Eugène Ormándy Ruhm erlangte. Das Capitol-Orchester machte 1923-24 unter der Leitung von Rapée auch eine Reihe von Schallplattenaufnahmen bei der Firma Brunswick-Balke-Collender. Nach einem weiteren Ortswechsel leitete Rapée ein 68 Mann starkes Orchester im Fox-Kino von Philadelphia. Einer der Gastkünstler während seines dortigen Engagements war Percy Grainger.
Europa und Rückkehr in die USA [Bearbeiten]

Danach ging er zurück nach Europa und dirigierte mit internationalem Erfolg in Berlin das Kino-Orchester im Ufa-Palast mit 85 Musikern. Während seines Aufenthaltes dort wurde er eingeladen, ein Konzert der Berliner Philharmoniker zu dirigieren. Später trat er auch als Dirigent der Budapester Philharmonie und anderer namhafter Orchester in Erscheinung.

Nach bemerkenswerten Erfolgen in Europa kehrte er 1926 in die USA zurück, wo er zur Eröffnung des Roxy-Theaters in New York am März 1927 das Roxy-Sinfonie-Orchester mit 110 Musikern dirigierte (zu dieser Zeit das größte ständige Orchester der Welt, es übertraf die New Yorker Philharmoniker um drei Musiker). Millionen Rundfunkhörer lauschten seinen Sinfoniekonzerten während der Übertragungen in der "Roxy-Stunde" am Sonntagnachmittag. Den Gipfel seiner Karriere aber erklomm Rappée als Chéfdirigent und Musikdirektor von Roxys "Radio City Music Hall"-Sinfonieorchester. Diese Stellung behielt er bis zu seinem Tode infolge Herzschlags am 26. Juni 1945.




Rapée nahm im Februar und März für die VOX einige, zumindest dem Titel nach recht interessante Platten auf:

Ach Du...

(Ernö Rapee / Werner Richard Heymann / Fritz Rotter / Otto Stransky) 3-1926 Vox 8174-B

Alt-Kentucky - Meine Heimat
Born And Breed In Old Kentucky
(Meyer / Hanley) 3-1926 Vox 8175-B

Deutsches Schlanger-Potpourri

(Ernö Rapee / Werner Richard Heymann) 3-1926 Vox 8177-A

Machen wir's der Schwalbe nach

(Follow The Swallow)
(Ray Henderson) 2-1926 Vox 8094-A

Hungaria
(Frank Black) 3-1926 Vox 8176-B

Ich Habe Niemand
(I Ain't Got Nobody)
(Frost / Klickmann) 2-1926 Vox 8174-A

I'm Sitting On Top Of The World

(Ich sitz´ auf der Welt obendrauf)
(Ray Henderson) 3-1926 Vox 8177-B

Sally Lou
(Wenn ich wüsst)
(Hugo Frey) 2-1926 Vox 8094-B

The Throw Down Blues
(Jackson / Phil Napoleon / Frank Signorelli) 3-1926 Vox 8176-A

Wer Kam Nach Mir
(Who Took My Place?)
(Herman Ruby / Jack, Shilkret) 2-1926 Vox 8175-A

Kennt jemand von euch eine der Aufnahmen, und kann etwas zu dem "Jazzgehalt" sagen?



Auf YT findet sich lediglich eine Rapée Komposition auf einer anonymen DERBY


Heut fahr ich nach Amerika
Foxtrot (Ernö Rapee/Werner Heyman)


Der Titel könnte angesichts von Rapées Rückreise nach Amerika entstanden sein.
Schön ist der "Charleston Beat" ab 1:44.

[ Bearbeitet Sa Feb 16 2013, 10:52 ]
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schellackplatte
Mi Jul 06 2011, 00:04
⇒ Mitglied seit ⇐: Do Jun 23 2011, 11:33
Beiträge: 42
Hallo Sammlerkollegen!
Wer mehr über Ernö Rapee erfahren möchte sollte sich die Hot Dance Bands in Germany Volume 2 - Heisse Tanzmusik in Deutschland - Ein Fotoalbum Seite 47 und 65 erlesen.
Ich lege als Bildmaterial noch einen Artikel aus einem Wochenmagazin, ich glaube es war das Wiener-Magazin?? vom März 1926 bei. Und als etwas Besonders noch ein Autogramm des Meisters.
Auf meiner Homepage könnt Ihr unter der CD Hi-Diddle-Diddle den Titel: "I´m sitting on top of the world" anhören, zumindest teilweise. Der Uli kennt bzw. hat die CD schon. Das Stück finde ich erstaunlich gut mit Solistik!











[ Bearbeitet So Aug 17 2014, 11:43 ]
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snookerbee
Mi Jul 06 2011, 00:46
"Urgestein"

⇒ Mitglied seit ⇐: Fr Apr 15 2011, 20:12
Beiträge: 1636
Tolle Fotos! Auf dem ersten Blatt sitzt der Herr Monosson vor dem Trichter, oder?
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Formiggini
Mi Jul 06 2011, 21:17

⇒ Mitglied seit ⇐: Di Dez 28 2010, 19:20
Beiträge: 1579
aus dem Rapée Artikel


ob unser Herr Rapée da die "Six Brown Brothers" im Kopf hatte?


um 1916
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Formiggini
Do Jul 07 2011, 06:42

⇒ Mitglied seit ⇐: Di Dez 28 2010, 19:20
Beiträge: 1579
Ich möchte nochmal auf das tolle Bild des Rapée Orchesters im Plattenstudio eingehen.

Zunächst mal der Herr vor dem Trichter




Es kann sich eigentlich nur um Leo Monosson handeln.
Erstaunlich ist, das bei keiner der Rapée Aufnahmen ein Sänger zu hören ist. So kann unser vielseitiger Herr M. bei der Aufnahme eigentlich nur im Streichersatz mitgewirkt haben.
Monosson wurde bereits 1924 im Streichersatz eines Tanzorchesters auf Platte verewigt, auch bei Bela spielte er Geige. Jedenfalls verschweigt ihn Lange in seiner Besetzungsliste der Rapée Band.

Sehr interessant ist auch der Blick auf einen Aufnahmetrichter. Diese wurden von den meisten Firmen als Geheimniss gehütet. Auf einigen Photos aus akustischen Aufnahmestudios ist nicht der echte Aufnahmetrichter zu sehen, sondern Wiedergabetrichter.
Hier ist mal ein "echtes" Stück. Aufnahmetrichter wurden oft mit Metall oder Gipsbändern umwickelt, um Eigenresonanzen des Trichters zu verhindern - dies kann man hier schön sehen.
Auch die Mundöffnung des Trichters, erinnert etwas an einen Exponentialtrichter. Mit einem solchen lassen sich bessere Aufnahmen, vorallem im Bassbereich machen.
Viele der akustischen VOXaufnahmen haben eine sehr gute Klangqualität - gelegentlich kann man sogar eine Basstrommel hören.

Jetzt nochmal ein Blick auf das ganze Photo:


Rapée hatte nur zwei Aufnahmesitzungen bei der VOX - es muss sich hier also um das VOXstudio handeln. Schön ist zu sehen, wie die Musiker um den Aufnahmetrichter angeordnet wurden, um dann auf der Platte ein ausgewogenes Klangbild zu haben.

Z.B. sind die Blechbläser weiter vom Trichter entfernt, sonst würden sie bei der fertigen Aufnahme dominieren.
Viele akustischen VOXaufnahmen zeichnen sich durch einen recht "luftigen" Klang aus - kein Wunder bei so einem großen und hohen Raum. Man schaffte es anscheinend auch geringe Hallanteile mit auf Platte zu verewigen.

Hier noch ein Blick auf die Herren in der "zweiten Reihe":

Was spielt den der Musiker neben dem Trompeter für ein Instrument - ist das eine Ventilposaune?
Der Musiker mit der Zugposaune steht nochmal dahinter.

Etwas vermisse ich den Banjospieler (laut Lange soll es sich um Mike Danzi handeln).
Könnte dies der Herr sein, dessen Gesicht halb von dem Posaunenzug verdeckt wird?

Auch der Herr Trompeter kommt mir irgendwie bekannt vor...
Könnte es sich um den Trompetenspieler aus der 1925´er Formiggini Jazzband handeln - hier ein Ausschnitt:




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Mareko
Do Jul 07 2011, 09:33
⇒ Mitglied seit ⇐: So Jan 02 2011, 11:49
Beiträge: 109
Hallo Uli
Auch ich habe sehr aufmerksam dieses äusserst seltene Foto aus einem Akustik-Studio betrachtet. Etwas darüber (vor laaanger Zeit) erzählt bekommen zu haben ist interessant - eindrücklicher ist es hingegen, ein Studio mit eigenen Augen "live" anschauen zu können.
Beispielsweise das Gestell auf Rollen, um das Klavier auf optimale Höhe für den Aufnahmetrichter zu bekommen und es nach Bedarf hin- oder wegschieben zu können. Gleichfalls die teilweise älteren Musiker mit den Blasinstrumenten, wie sie offensichtlich mit viel Spass und Hingabe Jazz spielen. Der etwas fülligere Herr mit den weissen Haaren auf dem Rapeé-Foto und vom Formiggini-Orchester würde auch ich als identisch ansehen. Welches Instrument er im Vox-Studio spielt, kann ich nicht erkennen. Auch was Leo Monosson bei der Aufnahme soll, eine zur Seite gelegte Geige ist nicht zu erkennen, kann ich nicht beantworten.
Zu schade, dass uns der Fotograph die Aufnahmeapparatur hinter dem Aufnahmetrichter vorenthält. Verständlich die damaligen Gründe dazu - heute würden wir uns mit Vernügen wundern, mit welch' einfacher Technik der Ton vom Trichter übertragen wurde und wie der Wachsteller auf 78 Umdrehungen gebracht wurde. Leider weiss ich nicht in welchem Studio, wo ein ganz gewöhnlicher Bruchstein an einer Schnur als Zuggewicht über eine Zahnradmechanik als Antrieb gedient hatte (das Prinzip vergleichbar mit einer Standuhr mit Zuggewicht).
Besten Dank für Deine Fotobearbeitung und die Vergrösserungen.
Liebe Grüsse
Mark
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snookerbee
Do Jul 07 2011, 11:17
"Urgestein"

⇒ Mitglied seit ⇐: Fr Apr 15 2011, 20:12
Beiträge: 1636

Die Blechbläser in beiden Bildern dürften identisch sein. Auf dem Foto aus dem Studio steht der linke Trompeter etwas nach rechts geneigt, so daß seine Stürze hinter dem Kopf des Kollegen neben ihm verschwindet. Dieser Musiker spielt auch Trompete. Der Zug der Posaune stammt von dem Musiker im Hintergrund. Man sieht auch noch rechts neben der Brille des Trompeters die Finger, die den Posaunenzug halten. Auf dem Foto von der Bühne kann man sehen, wie lang solch ein Zug sein kann.



[ Bearbeitet Do Jul 07 2011, 14:34 ]
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schellackplatte
Do Jul 07 2011, 17:42
⇒ Mitglied seit ⇐: Do Jun 23 2011, 11:33
Beiträge: 42
Der beschrieben Trompeter findet sich auch noch auf Aufnahmen des Paul Godwin-Orchesters. Er war wohl sehr gefragt. Leider ist sein Name nicht übermittelt worden.
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Formiggini
Do Jul 07 2011, 19:22

⇒ Mitglied seit ⇐: Di Dez 28 2010, 19:20
Beiträge: 1579
Lange gibt sowohl bei der Rapée Band, als auch bei den frühen Godwin Aufnahmen einen gewissen Georg Schulz im Trompetensatz an.
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snookerbee
Do Jul 07 2011, 23:53
"Urgestein"

⇒ Mitglied seit ⇐: Fr Apr 15 2011, 20:12
Beiträge: 1636

Der Trompeter Georg Schulz spielte außerdem bei zahlreichen Aufnahmen von Ben Berlin. Hier noch als Ergänzung zum Thema die mir vorliegende Liste der Berliner Hot-Aufnahmen des Orchesters Ernö Rapée. Alle verzeichneten Platten sind auf VOX erschienen.

Ernö Rapée's Jazz-Symphoniker : Ernö Rapée (vln,ldr) poss Georg Schulz (tp) Georg Lohmann (tb) 3 unknown saxes/cl, Boris Kroyt (vln) E. Mittmann, Werner Richard Heymann (p) Mike Danzi (bj) E. Linke (tu) Joe Panneck (d) + maybe others

Berlin, February 1926
Sally Lou 8094
Sally Lou 08095 (12 inch)
Follow the swallow 8094
Follow the swallow 08170 (12 inch)
I ain't got nobody 08095 (12 inch)
Who took my place ? O8170 (12 inch)
Who took my place ? 8175

Berlin, March 1926
I ain't got nobody 8174
Ach Du — 8174
Ach Du — 08173 (12 inch)
Deutsches Schlager-Potpourri 08173 (12 inch)
Deutsches Schlager-Potpourri 8177
I'm sitting on top of the world 8177
I'm sitting on top of the world 08172 (12 inch)
Born and bred in old Kentucky 8175
Born and bred in old Kentucky 08171 (12 inch)
Hungaria 8176
Hungaria 08183
The throw down blues 08183
3183-B The throw down blues 8176

Quelle: Bruyninckx Hot-Diskografie
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Formiggini
So Apr 13 2014, 11:30

⇒ Mitglied seit ⇐: Di Dez 28 2010, 19:20
Beiträge: 1579
Längerer (englischer) Artikel in dem US-Magazin "Motion Picture News" über die Erfolge der Ernö Rapee's Jazz Symphoniker im Ufa-Palast, Berlin.



Juni 1926



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