Automatic translation in English

‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾

‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾

‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾

‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾


Grammophone in BildernGrammophongalerie


International Gramophone Board
Participate?

Foren

Foren > Musik, Tanz, Theater und Tonfilm > Auftrittsorte der Künstler
Palais de Danse - Pavillon Mascotte - Metropol Palast
Moderatoren: SchellackFreak, berauscht, Grammophonteam, Formiggini, krammofoon, Limania, DGAG, Der_Designer
Autor Eintrag
Formiggini
So Jun 17 2012, 17:04 Druck Ansicht


Dabei seit: Di Dez 28 2010, 19:20
Einträge: 1758







Quelle: Universität Osnabrück Link - Hier klicken


Palais de Danse


Abends im Berliner Palais de Danse. Die tschechische Tänzerin wird zusehends munterer – sie geht auf, als ob man sie in warmes Wasser getaucht hätte. Es ist aber auch zu schön ... !

Der Saal erstrahlt im Stil Ludwigs des Kitschigen; dass die Kellner auf dem Bauch keine Ornamente tragen, ist ein Wunder. Vorn an der Tür steht: EINTRITT NUR IN GESELLSCHAFTSTOILETTE – aber kann man im Sakko nicht auch in Gesellschaft gehen? Wir sind immer fein, wa? Ob wir fein sind!

Die Kapelle hebt an. Es ist die beste Tanzkapelle Berlins (lieber S. J., morgen wird im »Berliner Revolverfutteral« stehen: »Wie Kommunisten Inserate ködern!«) – die kleine runde Badewanne, in der getanzt wird, ist einen Augenblick leer, das Parkett glänzt ... Mensch, diss Parkett hat was jesehn ... ! Und dann tanzt ein Paar.

Eine so aufmerksame Zuhörerschaft kann kein Parlamentarier haben, wie diese beiden. Sie: ganz nett – so von dem Typus: » ... aber sie hat hübsche Augen!« – und Er: ein lockengekräuselter, gebückter Strumpfwarenverkäufer. Er ist aber Berufstänzer. Sie tanzen gut, ohne dass es gut aussieht. Wippen auf dem Platz, ein paar lustige Schritte. Ungeheurer Applaus.


Und wieder hebt die Kapelle an, und das Volk stürzt sich in die Arena. Die feinsten und die ältesten Damen Berlins. Woher die nur alle das Geld haben? Eine trägt einen wundervollen Pelz. Sicherlich echtes Reptil. Einer wogt vor Erregung der Busen. Soweit der kleine Vorrat reicht. Und los gehts.

Es wird unruhig, unruhig unter den Tänzern, unruhig im Publikum. Ich äuge – da tanzt ein mittelgroßer, fetter Mann in einem wundervollen Kaiserwilhelmgedächtnisgehrock – nein, da tanzt Gollnow. Der Mann legt einen Polka hin, dass alles schlicht begeistert ist. Er tanzt etwas, das es überhaupt nicht mehr gibt, etwas, das es wahrscheinlich nur in der Tanzstunde bei Petersen in Gollnow gegeben hat. So, mit Touren und Alleinrumdrehen und Pirouettieren, und jetzt – wahrhaftig! –, jetzt kniet sich der Fettbauch vor der Dame mitten im Tanz hin und jetzt wieder – und wieder. Der Saal erbraust. Und während wir uns noch freuen, steigt – du mein Preußen! – steigt ernsten Gesichtes der Stallmeister des Vergnügens in die Manege und verbietet dem Mann solche Kokolores. Der fügt sich und wedelt weiter in einem unmöglichen Polka dahin. Eins, zwei – eins, zwei – eins, zwei, drei, vier ... Schade. Es war eine Fächerpalme aus Papier.

Und die Jünglinge reißen die Nasenlöcher auf und schlenkern und schieben und hopsen und gleiten – je nach Bedarf. Und die Damen sind ganz in sich versunkene Lieder in Laub ... Und der Takt zuckt. Oben, an der Spitze des Bogens von dem Geigisten, hängen die Herzen. Und er zieht sie.

Um Punkt soundsoviel Uhr packen die Verursacher des Bachanals, die göttlichen Musiker, ihr Handwerkszeug zusammen. Denn alles ist in Berlin organisiert: die Musiker, die Kellner, die Lokale und die Lust.

Und wir gehen. Was war das? Es wurde getanzt, und einer dachte immer vom andern, der sei ein interessantes Bild, und schließlich waren sie wirklich alle zusammen eines. Na ... interessant ... Sie sind alle mit Spreewasser getauft: die Musiker, die Weine, die Manager und die Lust.

Peter Panter
Die Weltbühne, 27.01.1921, Nr. 4, S. 116.




Palais de Danse Berlin, Behrenstraße 53/54, eröffnet 1910 mit Ladislaus Löwenthal als Kapellmeister.

Ab 1911 spielt hier der deutsche "Ragtime König" Giorgi Vintilescu die modernsten Schlager und Stücke, auch aus den USA.



[ Bearbeitet Do Feb 05 2015, 19:41 ]
Nach oben
Webseite
snookerbee
Sa Sep 01 2012, 01:51
"Urgestein"

Dabei seit: Fr Apr 15 2011, 20:12
Einträge: 1786

Der Pavillon Mascotte war wohl ein Bestandteil des Palais de Danse.


mx. 568 az


[ Bearbeitet Mi Apr 24 2013, 23:17 ]
Nach oben
berauscht
Mi Nov 07 2012, 13:48
"Urgestein" Autor/Moderator

Dabei seit: Mi Jan 06 2010, 21:59
Einträge: 1514



Hier gibt sich dieses Etablissement ganz unbescheiden. "Die eleganteste Tanzstätte der Welt".
Nach oben
berauscht
Mo Feb 18 2013, 18:10
"Urgestein" Autor/Moderator

Dabei seit: Mi Jan 06 2010, 21:59
Einträge: 1514



In dreißiger Jahren war das Etablissement nicht mehr ganz so fein. Unter dem neuen Namen Atlantis setzte man mehr auf die breite Masse (2350 Plätze).
Nach oben
Musikmeister
Sa Feb 01 2014, 22:13
Autor
Dabei seit: So Aug 21 2011, 21:23
Wohnort: Hamburg
Einträge: 973
Grammophonteam schrieb ...

Orchester Bernard Etté im Pavillon Mascotte, Berlin






Inhalt, Bild oder Datei nur fuer angemeldete Mitglieder
Nach oben
Formiggini
Sa Aug 23 2014, 11:15


Dabei seit: Di Dez 28 2010, 19:20
Einträge: 1758
Das Palais de Danse gehörte zum/war Teil des Metropol Palast.



1912




1913


Bereits einen Tag nach der britische Kriegserklärung vom 4. August 1914 wurde dem Palais de Danse sein Name "genommen".

5. August 1914
Nach oben
Webseite
Musikmeister
Sa Aug 23 2014, 19:22
Autor
Dabei seit: So Aug 21 2011, 21:23
Wohnort: Hamburg
Einträge: 973
Sehr schöne Infos. Vielen Dank!
Das Palais de Danse und der Pavillon Mascotte (eigentlich ein Weinlokal) lagen im 1.Stock. Das Cabaret im Erdgeschoss.
Das von mir bereits weiter oben gezeigte Foyer des Pavillon Mascotte mit der Baumimitation befand sich im 1.Stock.
Nach oben
Musikmeister
So Aug 24 2014, 19:08
Autor
Dabei seit: So Aug 21 2011, 21:23
Wohnort: Hamburg
Einträge: 973
Der Metropol-Palast wurde von 1928-1930 in Alkazar umbenannt und nach einer grundlegenden Sanierung 1934 ging man ins Atlantis.
Zur Eröffnung am 30.09.1934 spielten die Orchester James Kok und Billy Bartholomew.
Im Erdgeschoss wurde aus dem Cabaret das Theater in der Behrenstrasse.

Der Metropol-Palast wurde im 2.WK stark beschädigt, wie folgendes Bild aus 1947 mit dem Metropol-Theater im Vordergrund zeigt. Wir schauen genau in das ehemalige Pavillon Mascotte im nun zerstörten 1.Stock.
Heute steht ungefähr auf dem Gelände des Metropol-Palastes das Hotel Westin Grand Berlin.

Notenbücher mit moderner Musik aus dem Jahre 1913
Nach oben
Musikmeister
So Aug 24 2014, 21:57
Autor
Dabei seit: So Aug 21 2011, 21:23
Wohnort: Hamburg
Einträge: 973
Reunion im Metropol-Palast, März 1913


Vor dem 1.Weltkrieg gab es einige Kapellmeister im Metropol-Palast (Palais de Danse und Pavillon Mascotte), u.a. die von Grammophon-Schallplatten bekannten Giorgi Vintilescu ( Link - Hier klicken ), Josef Birnbaum und den Kapellmeister Loewenthal.


Die Sensation Berlins, März 1912

Mai 1917

Juni 1918


Hier noch ein Programmheft des Theaters in der Behrenstrasse (im Erdgeschoss des ehemaligen Metropol-Palastes) aus der Zeit Anfang der 1940er Jahre, u.a. mit dem ebenfalls von Schallplatte und Film bekannten Rudolf Platte.
Nach oben
Formiggini
Do Feb 05 2015, 22:26


Dabei seit: Di Dez 28 2010, 19:20
Einträge: 1758

Pavillon Mascotte

Die Eröffnung des Metropol-Palast mit dem Ballsaal Palais de Danse und dem Restaurant Pavillon Mascotte erfolgte zum 20. und 21. Dezember 1910.



Sowohl Palais de Danse, wie auch Pavillon Mascotte hatten einen Bühnenstand für Orchester. Im Palais de Danse befand sich dieser auf einer Empore:




Im Restaurant Pavillon Mascotte (mit gehobener Weinkarte) war dieser ebenerdig. Hinter dem Orchester war ein großer Spiegel angebracht, vor dem der Flügel stand. Der reich verzierte Balkon wurde links und rechts von zwei großen Leuchtern begrenzt.



In der Mitte des Raumes befand sich ein Springbrunnen. Weitere Flächen für Gäste boten die Emporen. Zunächst wurde hier nur gespeist. Das Orchester spielte zur Untermalung. Lediglich bei Bällen und besonderen Anlässen wurde die Fläche zum tanzen frei gemacht. Erst ab Mitte der zwanziger Jahre gab es regelmäßige 5-Uhr-Tees als Tanzveranstaltung im Pavillon Mascotte. Nun waren die Tische um eine freie Fläche angeordnet. Viele Jahre galt das Pavillon Mascotte als eines der teuersten Lokale mit der besten Weinkarte von Berlin.

Orchester Ette im Mascotte - c.1925


Das Restaurant war durch einen Übergang mit dem Ballsaal Palais de Danse verbunden. Vermutlich wechselten sich Orchester in beiden Räumen ab. Auch wenn im Pavillon Mascotte eher selten getanzt wurde, legte man immer großen Wert auf erstklassige Orchester.

1912 engagierte man die "berühmteste Ungarische Zigeuner-Kapelle der Welt BERKES BELA Hofkapellmeister seiner Majestät Kaiser Franz Josef!" (Mehr zu diesem Orchester: Link - Hier klicken )






Möglicherweise wurde das Mascotte mit Ausbruch des ersten Weltkrieg geschlossen. Jedenfalls fand ich zwischen Ende 1914 und Herbst 1916 keinerlei Anzeigen des Lokals im Metropol-Palast.

Im September 1916 wurde das Restaurant neu eröffnet. Umbenannt in Metropol - Casino (früher Mascotte) spielte hier die Kapelle Stern (mehr zu diesem Orchester Link - Hier klicken ) mindestens bis 1918.



Juni 1918


Nach Ende des Kriegs erfolgt wieder die Umbenennung zu Mascotte. Im Sommer 1919 bereist ein englischer Journalist Berlin und berichtet in Zeitungen über das Berliner Nachtleben. Dem Pavillon Mascotte räumt er in einem Artikel größeren Raum ein:

Es sei das teuerste Lokal außerhalb von New York, der Prunk - aber auch der Spaß der einem hier geboten wird, sei unübertrefflich. Das Essen (für direkte Nachkriegszeit) fast verschwenderisch luxuriös, der Maître (Oberkellner) arbeitete zuvor im Waldorf in New York. Für zwei Personen bezahlte man für das Essen 13.-£ - mehr als der Monatslohn eines Arbeiters! Die Kapelle (im Restaurant) spielte englische und amerikanische Schlager und Tanzmusik. Nach dem Essen ging man durch die "Mitternachts Grotte" (Midnight Groto?) in den Ballsaal Palais de Danse. Hier gab es Tango, Foxtrott und Shimmy.

Der Artikel endet mit dem Vermerk, das wohl auch mit Falschgeld bezahlt und gespielt wird. Dies interessiere nur niemanden...


Artikel 1919
Weitere Informationen:


Ab Anfang 1922 finden sich in zeitgenössischen Artikeln Hinweise auf Jazzbands im Mascotte. Laut Etikett spielte hier um 1921/22 das Orchester von Max de Groot.


1924 spielte auch Efim Schachmeister in dem Restaurant.



Leider nennen Zeitungsartikel der Zeit selten Orchester oder die die Namen der Musiker. Es lässt sich somit heute kaum noch nachvollziehen, ob und wann welches Orchester hier spielte. Sicher ist: Bedingt durch die direkte Nähe vom Palais de Danse zum Pavillon Mascotte kommt quasi jedes erwähnte Orchester unter dem einen oder anderen Lokal in Frage.

Erst im Oktober 1923 begann der Rundfunk in Deutschland - bereits im Dezember 1924 gab es auch Live-Übertragungen von Tanzmusik aus dem Mascotte. Schachmeister?



Legendär waren damals auch die regelmäßigen Bälle im Mascotte. Dieser Artikel vom Januar 1925 gibt einen recht illusteren Einblick, wie es Nachts um vier hier zugehen konnte...



Wohl um 1925/26 entstand auch dieses Photo einer (bis jetzt) noch unbekannten Kapelle im Mascotte. Veröffentlicht jedoch erst 1932 auf einer Mirola Bildplatte


Auch das Orchester von Bernard Etté spielte 1925 auf einer der Bälle im Mascotte. Möglicherweise entsandt zu diesem oder einem ähnlichen Anlass oben gesehenes Photo der Kapelle.



Das teuer (zahlende) Publikum wendet sich zunehmend anderen Vergnügungsstätten zu. Es ist nicht mehr die Welt von 1910 aus der Kaiserzeit. Man öffnet sich sogar so profanen Vergnügungen wie "Tanztees". Dies jedoch meist mit ausgesucht guten Tanzkapellen.




Im März 1927 spielen im Metropol-Palast mit dem Palais de Danse und dem Pavillon Mascotte eine Auswahl von Orchestern, die noch heute manchem den Mund wässrig machen könnten...

* Don Parker und seine Piccadilly-Hotel Band (London)
*James Kok Band
* The Abriani - Orchestra




Alle diese Orchester nutzen nichts, kurz danach wird der Metropol-Palast aufgrund von Zahlungsschwierigkeiten geschlossen. Im Oktober 1927 eröffnet die Vergnügungsstätte wieder. Neuer Besitzer ist Josef König. Dieser brachte bereits um 1912 im Kerkau-Palast "Mr. Maseltop" nach Berlin: Link - Hier klicken





Kaum eröffnet, ist die Spielstätte im Januar 1928 bereits wieder insolvent.


Mehrere Monate bleibt die Adresse geschlossen. Erst im September 1928 wird der Vergnügungstempel wieder eröffnet. Allerdings nutzt man unter dem neuen Betreiber nicht mehr den alten Namen. Der Metropol-Palast ist Geschichte. Ab dem 1.September ist es nun das ALKAZAR in der Behrenstr. 53/54.




31.12.1928


1930 schloss auch dieses. Ab 1934 dann als Atlantis.



Ein letzter Versuch unter altem Namen - der Glanz war aber nur noch Fassade...

Wiedereröffnung Palais de Danse
(Oktober 1930)



[ Bearbeitet Fr Feb 06 2015, 07:07 ]
Nach oben
Webseite
Grammophonteam
Fr Jul 15 2016, 18:21
Seitenbetreiber

Dabei seit: So Sep 04 2011, 14:54
Wohnort: In den tiefen des Netzes ;)
Einträge: 2092
(1912)







[ Bearbeitet Fr Jul 15 2016, 18:59 ]
Nach oben
 

Forum:     Nach oben