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Der Comedian-Harmonists-Bass Robert Biberti mit Will Glahe? Hilfe dringendst erwünscht!
Moderatoren: SchellackFreak, berauscht, Grammophonteam, Formiggini, krammofoon, Limania, DGAG, Der_Designer
Autor Eintrag
humoresk
Do Mai 30 2013, 21:28 Druck Ansicht
Autor

Dabei seit: So Jun 10 2012, 16:06
Einträge: 378
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

vor ziemlich genau fünf Jahren kamen mir zwei spannende Will-Glahe-Aufnahmen in die Finger – der Weg der Platte zu mir war recht unspektakulär: Sie war eine Schutzscheibe im Verpackungsmaterial eines größeren Schellackpakets. Da ich grundsätzlich alles durchhöre, was bei mir landet und spielbar ist, bastelte ich auch hier brav das Klebeband ab, legte die Scheibe auf den Plattenspieler und hörte sie anschließend gefühlte 83 Mal hintereinander!





Meine Vermutung, die nach eingehenderem Austausch und ebensolcher Beratung auch von anderen Vokalgruppen-Enthusiasten geteilt wird: Auf den beiden Einspielungen mit Will Glahe scheint Robert Biberti, der Bass der Comedian Harmonists, zu singen, er übernimmt den Hauptpart des Refraingesangs. Der Melodieumfang, auch das Timbre der Stimme passen durchaus zu Biberti. Die Lage mag für einen Bass beim ersten Hören etwas hoch klingen, man muss aber bedenken, dass die Melodie maximal bis zum eingestrichenen C geht – das schafft jede Männerstimme, die ein wenig singen kann – und dass Biberti auch bei den Comedian Harmonists durchaus höhere Solopassagen übernommen hat (man denke an „Der alte Cowboy“ und „Schlaf’, mein Liebling“ von den Comedian Harmonists oder „Der Onkel Doktor hat gesagt“ und „Wenn Matrosen ’mal an Land geh’n“ vom Meister-Sextett). Dazu kommt, dass Biberti einen relativ typischen Klang hat: Er war nicht unbedingt ein technisch versierter Sänger, er intoniert nicht immer perfekt, schmiert Töne bisweilen eher an. So voluminös und dunkel sein Bass überdies in der Tiefe klingen mag, so zart und fast tonlos konnte er in höheren Lagen wirken – gerade so, wie auf diesen Aufnahmen eben.

Noch interessanter wird die Platte dadurch, dass hier nicht nur ein Solosänger zu hören ist, sondern der Refrain stellenweise zum Terzett erweitert wird. Im Falle von „Du darfst mir nie mehr rote Rosen schenken“ ist ab etwa 1:15 der Hauptsänger, also mutmaßlich Biberti, zu hören. An einer höheren Stelle (!) der Melodie wird er von einem Kollegen abgelöst („Schenk’ mir Flieder…“, ab 1:44), bevor anschließend das gesamte Terzett singt („Schenk’ mir Kakteen…“, ab 1:50). Dabei wird hörbar: Der Hauptsänger (Biberti) übernimmt die unterste Stimme des dreistimmigen Satzes, der zweite Solist singt in der mittleren Lage, während die höchste Stimme in der Terzettpassage neu in Erscheinung tritt.

Wenn man davon ausgeht, dass hier tatsächlich Robert Biberti zu hören ist, liegt ein weiterer Schluss nahe: Wenn man bedenkt, dass die Aufnahme im Sommer 1941 entstanden sein dürfte, in einer Zeit also, als Biberti gerade vergeblich versuchte, sein Meister-Sextett wiederaufzubauen, aber durch ständige Einberufungen laufend neue Mitglieder ziehen lassen musste, könnte man auf den Verdacht kommen, dass hier das Rumpfensemble des Sextetts zu hören sein könnte, „Roberts Resterampe“ sozusagen. Die beiden höheren Stimmen könnte man im Vergleich mit anderen Einspielungen durchaus mit Alfred Grunert und Willy Vosmendes identifizieren, wobei ich mir bei Biberti wesentlich sicherer bin – zu ihm gibt’s einfach mehr Vergleichsmöglichkeiten.

Dank der Erlaubnis des GrammoTeams darf ich Euch die beiden Aufnahmen im Folgenden hören lassen - und dank Yannick sind jetzt sogar bessere Überspielungen zu hören als die von meinem ruinösen Exemplar:

Orchester Will Glahe – Du darfst mir nie mehr rote Rosen schenken – ORA 5194-1 – Electrola E.G. 7219
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Orchester Will Glahe – Für ein süßes Mädel – ORA 5196-1 – Electrola E.G. 7219
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Meine Frage, Bitte und Hoffnung: Gibt es Material, das meine These, hier sei Biberti zu hören, stützt oder widerlegt? Firmenunterlagen, Plattenkataloge, andere Refrainsänger, die genauso klingen, ähnliche Platten aus der Zeit mit genaueren Angaben… Und hat jemand von Euch die Aufnahme, die zwischen diesen beiden Matrizennummern liegt? ORA 5195?! Ich wäre für jeden noch so kleinen Hinweis dankbar! Es wäre toll, wenn wir das Rätsel hier im Forum lösen könnten!

Herzlichen Dank schon jetzt für Eure Hilfe, vielen Dank ans GrammoTeam und vor allem Danke an Nils, der den Anstoß zur Veröffentlichung gegeben hat, sowie an den Chef für die Aufnahmen-Spende!

Liebe Grüße,

Josef
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[ Bearbeitet Do Mai 30 2013, 23:50 ]
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gramofan
Do Mai 30 2013, 21:45
Dabei seit: Sa Okt 01 2011, 20:32
Wohnort: bei Berlin
Einträge: 944
ORA 5195 1 "In Berlin, in Berlin", Electrola E.G. 7237 vorhanden
Gruß
gramofan
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humoresk
Do Mai 30 2013, 22:20
Autor

Dabei seit: So Jun 10 2012, 16:06
Einträge: 378
Eine fahrlässige Antwort, denn damit kommt natürlich meine Anschlussfrage: Kann man diese Platte einmal hören?! Singt auch ein Terzett?!

Danke und liebe Grüße,

Josef
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gramofan
Do Mai 30 2013, 22:31
Dabei seit: Sa Okt 01 2011, 20:32
Wohnort: bei Berlin
Einträge: 944
Das hab'ich mir schon gedacht!
Es singt ein Terzett und ich stell' sie ein (auch wenn sich mir musikalisch der Magen rumdreht). -> meinen Sender. In meiner Sammlung steht die Platte eigentlich nur wegen der Rückseite: Es klopft mein Herz bum, bum ORA 5198 2, El E.G. 7237 (ohne Gesang).


[ Bearbeitet Do Mai 30 2013, 22:53 ]
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Grammophonteam
Do Mai 30 2013, 23:02
Seitenbetreiber

Dabei seit: So Sep 04 2011, 14:54
Wohnort: In den tiefen des Netzes ;)
Einträge: 2094

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Will Glahe: In Berlin, in Berlin
Aufgenommen 1941 in Berlin
Mx. ORA 5195 1, Electrola E.G. 7237
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humoresk
Do Mai 30 2013, 23:04
Autor

Dabei seit: So Jun 10 2012, 16:06
Einträge: 378
Danke, gramofan, ich kann überhaupt nicht verstehen, warum das Überspielen dieses grandiosen Glanzwerks guten Geschmacks Überwindung gekostet haben soll. :-)

Im Ernst: Die Aufnahme bestätigt in meinen Ohren den Eindruck, dass man Biberti als Hauptsänger annehmen darf! Und hier ist er deutlich in Basslage zu hören!

Jetzt bräuchte man nur noch Schriftliches zur Bestätigung?!

Liebe Grüße,

Josef

P.S.: Wenn zufällig jemand diese Platte loswerden wollte, man kann mir auch eine Private Nachrichte schicken. :-)
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Musikmeister
Do Mai 30 2013, 23:17
Autor
Dabei seit: So Aug 21 2011, 21:23
Wohnort: Hamburg
Einträge: 973
humoresk schrieb ...


Jetzt bräuchte man nur noch Schriftliches zur Bestätigung?!



Beim schnellen Durchblättern der Electrola-Heftchen wird man leider auch nicht schlau, da auch dort die Platten nur mit Refraingesang angegeben sind.

Ich höre bei den Aufnahmen auch Biberti, die beiden anderen Sänger hören sich für mich an wie Otto-Gerd Fischer und Rudi Kampersky, die jeweils auch solo mit Glahe auf Electrola aufgenommen haben.

Es gibt noch eine weitere Aufnahme mit Biberti auf Electrola aus der selben Aufnahmesitzung:

0RA 5193-1 Sing, Nachtigall, Sing

Konnte mich gerade beim Anhören meines Exemplares davon überzeugen,
im Netz habe ich die Platte auch gefunden und man kann sie hier hören (Biberti solo von 1:24-1:36 min.)
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[ Bearbeitet Mo Feb 05 2018, 19:55 ]
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humoresk
Do Mai 30 2013, 23:37
Autor

Dabei seit: So Jun 10 2012, 16:06
Einträge: 378
Danke, Musikmeister! Treffer versenkt, würde ich sagen. Wenn das nicht Biberti ist, verpfände ich die Dritten meiner Urgroßtante väterlicherseits! In dem Punkt gibt's wohl keine Zweifel mehr: Robert Biberti singt in dieser Aufnahmesitzung. Aber wer singt mit ihm?! Ich hör' mich noch einmal ordentlich ein bei Fischer und Kampersky...

Liebe Grüße,

Josef
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LT1550
Do Mai 30 2013, 23:44
Dabei seit: Mo Apr 29 2013, 01:17
Wohnort: Main-Taunus-Kreis
Einträge: 72
Habe gerade einmal "Orchester Will Glahe – Für ein süßes Mädel – ORA 5196-1 – Electrola E.G. 7219" gehört. Meiner Meinung ist diese Art zu singen "typisch Biberti" - nur eben deutlich höher. Wie klingt das denn, wenn man die Scheibe etwas langsamer abspielt?
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humoresk
Do Mai 30 2013, 23:48
Autor

Dabei seit: So Jun 10 2012, 16:06
Einträge: 378
Genauso, nein, natürlich nicht, aber die Aufnahme ist defintiv korrekt abgespielt! Mit allen vier Titeln im Quervergleich würde ich Biberti als gesichert ansehen.

Liebe Grüße,

Josef
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LT1550
Do Mai 30 2013, 23:51
Dabei seit: Mo Apr 29 2013, 01:17
Wohnort: Main-Taunus-Kreis
Einträge: 72
humoresk schrieb ...

Genauso, nein, natürlich nicht, aber die Aufnahme ist defintiv korrekt abgespielt!


Davon bin ich auch ausgegangen. Doch durch ein langsameres Abspielen dürfte die Stimme leicht tiefer werden und man könnte noch besser vergleichen.

Das Beispiel von YouTube ist aber auch schon sehr eindeutig -> eben angehört!

[ Bearbeitet Do Mai 30 2013, 23:53 ]
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humoresk
Do Mai 30 2013, 23:54
Autor

Dabei seit: So Jun 10 2012, 16:06
Einträge: 378
Naja, mit der Art des "Vertiefens" würde man den Stimmklang mitverändern. Ich glaube, man sollte die Titel eher mit hohen CH-Passagen Bibertis vergleichen. Aber, wie Du schon sagst: Mit allen Titeln zusammen - eindeutig.

Liebe Grüße,

Josef
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humoresk
Mi Aug 21 2013, 08:27
Autor

Dabei seit: So Jun 10 2012, 16:06
Einträge: 378
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

eine zusätzliche Frage zu den Biberti-Aufnahmen: Kann jemand bei einer genaueren Datierung helfen? Ich vermute, dass die Einspielungen (ORA 5193-1, 5194-1, 5195-1 und 5196-1) etwa im August 1941 entstanden sein dürften. Kann dies jemand von Euch bestätigen oder - im besten Falle - konkretisieren?

Danke schon jetzt für jede Hilfe und liebe Grüße,

Josef
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Musikmeister
Mi Aug 21 2013, 16:21
Autor
Dabei seit: So Aug 21 2011, 21:23
Wohnort: Hamburg
Einträge: 973
humoresk schrieb ...

Kann dies jemand von Euch bestätigen oder - im besten Falle - konkretisieren?


Hallo Josef,

laut Lotz-Diskographie Tanzmusik Band 8 Seite 2532 sollen die Matrizen ca. Juni/Juli 1941 aufgenommen worden sein. Ausserdem wird als Sänger der Platte EG 7219 (Hans?) Emmé Schuhardt angegeben.
Demnach gibt es auch eine bisher völlig unbekannte Aufnahme mit der Matrizennummer 0RA 5197 vielleicht auch mit der Beteiligung von Biberti.

Bezüglich genauerer Datierung kann ich nur mit der Matrizennummer 0RA 5190 (also 3 Matrizen vor Beginn der Glahe-Aufnahmesitzung) dienen (siehe Bild).
Diese wurde genau am 24.09.1941 aufgenommen (Quelle: Prieberg Handbuch Deutsche Musiker, Seite 6854) im Rahmen der Aufnahmesitzung, die sehr wahrscheinlich mit der 0RA 5188 beginnt und vielleicht sogar mit der 0RA 5192 endet.

Also dürften die Biberti-Aufnahmen sehr wahrscheinlich erst Ende September 1941 entstanden sein.
Veröffentlicht wurde die EG 7219 mit der Liste 1 für 1942, die EG 7224 mit Liste 2 für 1942 und die EG 7237 erst mit Liste 4 für das Jahr 1942.




[ Bearbeitet Fr Aug 23 2013, 10:48 ]
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humoresk
Mi Aug 21 2013, 17:30
Autor

Dabei seit: So Jun 10 2012, 16:06
Einträge: 378
Herzlichen Dank für die tollen Infos!

Josef
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humoresk
Fr Aug 23 2013, 15:41
Autor

Dabei seit: So Jun 10 2012, 16:06
Einträge: 378
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

dank des Nachlassverwalters der Comedian Harmonists kann ich nun die endgültige Lösung des Rätsels liefern. In den persönlichen Aufzeichnungen von Biberit fand sich eine Notiz vom 1. Oktober 1941:
Aufnahmen Electrola 11-16 [Uhr]
4 Refrains mit Vogel und Steuernagel
1 Niemals rote Rosen
2 In Berlin
3 Süßes Mädel
4 Nachtigall"
160 Reichsmark notierte Biberti als Lohn für die Einspielungen.

Damit ist nicht nur die Mitwirkung Bibertis bewiesen, sondern auch die Theorie des "Rumpfensembles": Mit Erwin Sachse-Steuernagel war ein weiteres Mitglied der letzten Meister-Sextett-Besetzung mit von der Partie. Ob auch der genannte Herr "Vogel" für das Ensemble im Gespräch war, ist nicht mehr zu erschließen. Ich vermute, dass es sich hier um Egon Vogel handelt, der mit Biberti bereits gesungen und eine Schallplatte eingespielt hatte ("Unser Paul Lincke"). Das Rätsel scheint also gelöst - Danke an alle, die dabei mitgeholfen haben.

Um nicht gleich den Spaß an der Sache und den Drang nach Neuem zu verlieren, habe ich aber schon das nächste Schellack-Sudoku, denn: Im Tagebuch Bibertis findet sich eine weitere Aufnahmesitzung vom 27. Mai 1941 mit ähnliche rudimentären Angeben wie die obige.
Aufnahme Electrola, 14-17 [Uhr]
Mein Mädel...
Warte mein Mädel
Kann jemand von Euch erschließen, um welche Platte es sich dabei handeln könnte?

Liebe Grüße,

Josef
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Musikmeister
Fr Aug 23 2013, 16:13
Autor
Dabei seit: So Aug 21 2011, 21:23
Wohnort: Hamburg
Einträge: 973
humoresk schrieb ...

Kann jemand von Euch erschließen, um welche Platte es sich dabei handeln könnte?



Hallo Josef,

mit meiner Schätzung lag ich da ja nicht weit weg. *grins

Die beiden anderen Aufnahmen sind im September 1941 auf EG 7188 erschienen:



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humoresk
Fr Aug 23 2013, 17:33
Autor

Dabei seit: So Jun 10 2012, 16:06
Einträge: 378
Nein, die Schätzung war super! Und der blitzschnelle Plattenfund ist es erst recht!

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Liebe Grüße und Danke für all Deine Hilfe,

Josef
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