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Piccadilly Four Jazz Band
Moderatoren: SchellackFreak, berauscht, Grammophonteam, Formiggini, krammofoon, Limania, DGAG, Der_Designer
Autor Eintrag
Grammophonteam
Fr Mär 14 2014, 23:32 Druck Ansicht
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Die Piccadilly Four (Jazz Band) gilt in der älteren Literatur als die erste deutsche "Jazz-Kapelle". Leider sind kaum Fakten über diese "Pionier"-Jazzband der der frühen Jazzgeschichte in Deutschland bekannt - es bleiben einem quasi nur die überlieferten Schallplattenaufnahmen, einige zeitgenössische Berichte und Indizien. Auch die Aufnahmebücher (soweit vorhanden) liefern leider keine Hinweise, wer hier wirklich so "modern" aufspielte. ...Weiterlesen


Wir würden uns über weitere "Erkenntnisse", Label-Bilder, Überspielungen und event. Ausschnitten aus alten Artikeln sehr freuen.
Bis jetzt wurden nur 2 Stücke dieser "Jazz Band" der Öffentlichkeit auf CD bzw. LP zugänglich gemacht. Vielleicht findet sich ja noch etwas in der ein oder anderen Sammlung...

Viele Grüße
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Limania
Sa Mär 15 2014, 10:19
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Hallo,

auf dieser HMV spielt das Piccadilly Orchestra.
Ob es sich um die gesuchte Jazz Band handelt, weis ich natürlich nicht.

'Cradle me close in your arms'
De Groot an the Piccadilly Orchestra

Cat.No B2086
Matriz Nr.: 5.574
Im Spiegel steht zusätzlich: Bb 6262 VII und ein Dreieck






LG Limania
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Calle
Sa Mär 15 2014, 11:18
Dabei seit: Mo Apr 18 2011, 10:57
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Nein; ich glaube das war ein englisches Orchester unter Leitung von einem Holländer (aus Rotterdam wenn ich mich nicht irre).
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Limania
Sa Mär 15 2014, 12:07
Dabei seit: Mo Mai 21 2012, 15:14
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Das dacht ich mir fast...
Danke für die Antwort Calle.

LG Limania
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Charleston1966
Sa Mär 15 2014, 14:31
Dabei seit: Mo Nov 12 2012, 11:19
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Ich hab mal ein bissle recherchiert immerhin bin ich auf ein YT-Video gestoßen:
Link - Hier klicken
mehr konnte ich leider auch nicht rausfinden.

LG Karlheinz
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Grammophonteam
Sa Mär 15 2014, 14:48
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Dieses Stück (YT) ist bereits in dem Artikel mit eingearbeitet (Vielen Dank an Livschakoff!).

David de Groot (1880-1933) leitete von 1908 - 1928 das (Salon) Orchester im Piccadilly Hotel in London und hat mit dieser Band nichts zu tun.
Es wurde zwar mal die Vermutung aufgestellt, bei den Piccadilly Four könnte es sich um Engländer handeln, die in eben jenem Hotel in London auftraten. Dafür gibt es jedoch keinerlei Belege.
Auch ist nichts überliefert das eine ähnliche Formation jemals im Piccadilly Hotel auftrat.
Die einzige "Verbindung" nach England ist das dort ebenfalls "Jazz Bands" in ähnlicher bis gleicher Besetzung zwischen c. 1916 und 1920 recht populär waren.

Möglicherweise leitet sich der Name Piccadilly aber auch aus einer ganz anderen Ecke ab...

Das berühmte "Haus Vaterland" eröffnete 1912 als Haus Potsdam. Neben einem Kino beherbergte der Betrieb auch das "Café Piccadilly" im Erdgeschoss. Während des ersten Weltkrieges wurde das "Café Piccadilly" in "Kaffee Vaterland" umbenannt.
Inhalt, Bild oder Datei nur fuer angemeldete Mitglieder


Möglicherweise wurde nach dem Krieg einige Zeit wieder der Name "Café Piccadilly" geführt oder er behielt sich im Sprachgebrauch.
Dies macht es zumindest möglich, das die Band zuerst dort auftrat oder aus dieser "Richtung" den Namen bezog bevor es um 1920 in den Scala Palast ging.

Grüße

PS: Im www sowie in der bekannten Literatur findet sich leider gar nichts zu diesem Orchester, hier muss in Primär-Quellen gesucht werden...

[ Bearbeitet Sa Mär 15 2014, 14:51 ]
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jitterbug
Sa Mär 15 2014, 15:10
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Hier zwei Labelscans aus meiner Sammlung. Die Band macht alles, was man für rhythmisch akzentuierte moderne Tanzmusik in jener Zeit richtig machen konnte, auch tatsächlich erstaunlich gut!

Bei Gelegenheit werde ich die Musik digitalisieren und als Sendung einstellen.

Ein schönes Wochenende und vielen Dank für die archäologischen Denkanstöße!


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Grammophonteam
Sa Mär 15 2014, 18:43
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Vielen Dank für die Labelscans! I´m always chasing Rainbows wurde bei H. Lange gar nicht gelistet und ergänzt nun die Discographie der Piccadilly Four.

Berlin, 26. Januar 1921, Lindström-Studios, Schlesische Straße 26/27
(Das Aufnahmebuch verzeichnet noch Scala-Jazz-Band )
2773-2 Down on the farm Parlophon 1157 (30cm)
2774-2 Peaches in Georgia -
2775 Cairo Parlophon 1158 (30cm)
2778 Rainbows -

Berlin, 10. - 12. Februar 1921
2742 My baby's arms Anker (16202) Homokord 16202/Anker 1027
2743 The camp meetin' day (16201) Homokord 16201/Anker 1027
2744 Salome (16198) Homokord 16198/Anker ?
2745 You cannot shake that shimmy here (16203) Homokord 16203/Anker 1028
2746 Swanee (16199) Homokord 16199/Anker 1026
2747 Dardanella (16200) Homokord 16200/Anker 1026
2748 Blowing bubbles (16204) Homokord 16204/Anker 1028

2749 ?
2750 ?
2751 ?

Berlin, März 1921 (?)
2752 Mandy Homokord 16206/Anker H.2034
2753 Arabian nights Homokord 16207/Anker 1030
2754 Pal of mine Homokord 16208/Anker 1030

Berlin, c. Mai 1921 (nach Horst Lange) Februar 1921 (nach Rainer Lotz)
Alle Aufnahmen aus dieser Sitzung 30cm!
10550 You'll be some wonderful girl Anker 5283
10551 Mon homme Anker 5287/Homokord 50372/Stradivari 137
10552 When Big Ben Chimes Homokord 50373
10553 Miami shore Anker 5285/Homokord 50374/Stradivari 137
10554 Mammy O´ Mine Anker 5284/Stradivari 139 (Auf "Der Jazz in Deutschland, Vol.1", Bergmeier & Lotz)
10555 You'd be surprised Anker 5283
10556 ? The Jazz-Band Homokord 50372
10557 Wyoming Anker 5285 /Anker 5291
10558 I´m always chasing Rainbows Anker 5291
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jitterbug
Sa Mär 15 2014, 20:32
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Das freut mich, dass ich tatsächlich einen Lückenfüller beisteuern konnte!
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Grammophonteam
So Mär 23 2014, 13:07
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1921


"Jimmy", der neueste Modetanz, der nicht nur die Beine, sondern auch den ganzen Körper nach der ohrenbetäubenden, rasenden Musik der Jazz-Kapelle in wirbelnde Bewegung bringt.
Berliner Illustrierte Zeitung, 27. Februar 1921


Die Besetzung der Kapelle im Hintergrund (Klavier, Geige, Banjo, Schlagzeug) erinnert doch stark an die Piccadilly Four, inklusive dem Banjo-Spieler auf dem Barhocker aus unterer Zeichnung...



Die Titel
10557 Wyoming Anker 5285 /Anker 5291
10558 I´m always chasing Rainbows Anker 5291
auf Anker Record von Jitterbug sind nun auch Link - Hier klicken zu hören (Vielen Dank!).

Grüße
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Grammophonteam
Di Mär 25 2014, 23:09
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Herr Konrad Nowakowski aus Wien (Jazz in Wien: Die Anfänge bis zur Abreise von Arthur Briggs im Mai 1926 Link - Hier klicken ) sendete uns diese hoch­in­te­r­es­santen Informationen seiner Forschungsarbeit zu den Piccadilly Four. Der Artikel wird noch entsprechend ergänzt. Vielen Dank!

Der Widerspruch zwischen den Piccadillys als erster deutscher Jazzband (stimmt in gewisser Hinsicht, aber nur für Berlin) und Borchards ersten Aufnahmen ist überholt, weil die Borchard-Aufnahmen nicht von 1920, sondern vom Mai 1921 sind. Siehe Bear Family, Jazz in Deutschland, Volume 1, Booklet Seite 80. Das hat mir Herr Dr. Lotz erläutert, die Verschiebung der Borchard-Aufnahmen in den Mai 1921 ergab sich aus den Matritzen-Nummern. Bis dahin (2008) sprang der Widerspruch allerdings ins Auge.

"Vermutlich zwischen 1920 bis 1922" in der Scala: die Piccadilly Four tauchten am 8.1.1921 in den Inseraten auf, verschwanden jedenfalls vor dem Sommer 1921 wieder aus dem Lokal, wo sie schon ab Mitte Februar nicht mehr die einzige Band und bald auch nicht mehr ausdrücklich genannt waren. Inseriert wurde dann "2 Original Jazz Band" usw. Im Sommer waren sie in Binz auf Rügen, von wo sie im September noch einmal ins Scala-Casino zurückkamen. Im November 1921 sind dort andere Bands inseriert, damit endet meines Wissens die derzeit verfolgbare Geschichte der Band.

"Besetzung ... geändert": dass sich Ostaijen im März 1921 auf die Piccadillys bezieht, ist keineswegs gesichert, weil die Band wie gesagt schon ab Mitte Februar 1921 nicht mehr die einzige Jazzband in dem Lokal war. Das betrifft auch den nochmaligen Bezug auf den Ostaijen-Brief weiter unten, und ebenso auch die Texte von Siemsen und Tucholsky bei Koebner (im Gegensatz zu dem Foto dort).

Zur Besetzung bei Lange: die ist mit Sicherheit erfunden, Bildvergleiche tun ihr fast zuviel Ehre an. Vorsicht jedenfalls bei dem mit dem Schlagzeuger Giese: das Vergleichsbild zeigt entgegen der Bildunterschrift bei Bergmeier/Lotz 1988, Seite 70, nicht Giese, sondern den mir von anderen Fotos her bekannten Engländer Sidney Lucas. Dass es nicht Giese ist, beweist auch ein Vergleich mit dem Giese-Foto bei Bergmeier/Lotz 1988, Seite 80.

Zu den Piccadilly Four fehlt aber vor allem eines: die Band kam, wie Hans Pehl (Frankfurt) herausgefunden hat, aus Wiesbaden, wo sie seit Mitte Oktober 1920 ("direkt aus London") im Apollo inseriert gewesen war und Anfang Januar 1921 verschwand. Die Spekulationen über Besetzungen mit Leuten aus der Berliner Szene erübrigen sich wohl schon deshalb.

Was die Bezeichnung der Piccadillys als "amerikanisch" anlangt, so bezog sich das wohl nur auf die Besetzung. Ab einem gewissen Punkt nannte man Bands mit Kombinationsschlagzeug "amerikanisch", gern sogar "original amerikanisch", ohne damit ausdrücken zu wollen, dass irgendein Amerikaner dabei sei oder die Band von dort komme.
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Grammophonteam
Do Mär 27 2014, 12:06
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Herr Konrad Nowakowski schickte uns noch einige Dokumente aus seiner Sammlung die die Geschichte der "Piccadilly Four" nachvollziehbarer machen - Vielen Dank!
Die Anzeigen (1 - 3) aus dem Wiesbadener Badeblatt wurden von Herrn Hans Pehl aus Frankfurt entdeckt.



Bereits im Dezember 1919 (!) warb das Apollo Theater in Wiesbaden mit einer (unbekannten) Jazz Band.

13. Dezember 1919

Hans Pehl


Im Oktober 1920 tritt hier erstmals die "Piccadilly Four" auf

14. Oktober 1920


Ab 14. Oktober - Neuer Jazz-Band Die Original Piccadilli direkt von London
Hans Pehl


Letztmals wird die Band in Wiesbaden Anfang Januar 1921 beworben

1. - 3. Januar 1921

Hans Pehl


Danach erfolgte das Engagement im Scala-Casino in Berlin (alle nun folgenden Anzeigen aus BZ am Mittag).

8. Januar 1921

Konrad Nowakowski


Bereits ab mindestens dem 16. Februar 1921 (Anzeige) spielen zwei "Jazz-Bands" in der Scala.

19. Februar 1921

Konrad Nowakowski


Im März 1921 "wehrt" man sich noch vehementer gegen die "Imitatoren" in anderen Lokalen.

3. März 1921

Konrad Nowakowski


"Imitatoren"


5. März 1921


Ende März 1921 werden sogar drei Jazz-Bands in der Scala beworben. Möglicherweise war eine davon die Eric Borchard Kapelle wie die Anzeige ("früher Scala-Casino") vermuten lässt. Die "Piccadilly Four" werden nicht mehr namentlich erwähnt.

19. März 1921

Konrad Nowakowski


23. Mai 1921

Konrad Nowakowski


Erst im Herbst 1921 werden die "Piccadilly Four" wieder in Berlin beworben. Zuvor waren sie im Kurhaus in Binz auf Rügen engagiert.

9. - 13. September 1921



Konrad Nowakowski


Inserate erfolgen noch im September; im November 1921 sind dort andere Bands inseriert.

15. und 17. September 1921

Konrad Nowakowski


[ Bearbeitet Do Mär 27 2014, 12:25 ]
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Grammophonteam
Di Apr 01 2014, 22:25
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Interessant auch diese beiden Anzeigen aus dem Wiesbadener Badeblatt vom 16. bzw. 19. Oktober 1920:






Das Apollo veranstaltete ein "Foxtrott-Preis-Tanzen". Die Teilnehmer wurden dabei gefilmt. Die Anzeige lässt ahnen: Die "Piccadilly Four" lieferten die Musik dazu.
Die Gewinner des Wettbewerb wurden gekürt, als "Preis" (unter anderem) wurden die kinematographischen Aufnahmen am 28. Oktober 1920 im hauseigenen (und weiteren?) Kino vorgeführt.
Weitere Anzeigen belegen: Die Vorführung dieses Filmes fand tatsächlich statt. Nun müsste man diesen (Stumm) Film "nur noch" finden...
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