Automatic translation in English

‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾

‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾

‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾

‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾


Grammophone in BildernGrammophongalerie


International Gramophone Board
Participate?

Foren

Foren > Schellackplatten > Digitalisierung und Klangrestaurierung
Einfache Methode, den Frequenzgang akustischer Aufnahmen zu korrigieren
Moderatoren: SchellackFreak, berauscht, Grammophonteam, Formiggini, krammofoon, Limania, DGAG, Der_Designer
Autor Eintrag
Willi-H-411
Mo Nov 24 2014, 11:47 Druck Ansicht
Dabei seit: Mi Okt 12 2011, 11:42
Wohnort: Ruhrpott
Einträge: 1368
Um es gleich offen zu sagen: Diese Methode ist nicht das Gelbe vom Ei. Es gibt viele Faktoren, die unberücksichtigt bleiben, da man sie als Laie oder Amateur nicht kennt. Trotzdem kann man mit ihr recht beeindruckende Ergebnisse erzielen, den Klang einer akustischen Aufnahme etwas zu verbessern.

Betrachtet man sich zunächst einmal den Frequenzgang einer akustischen Aufnahme:



In diesem Fall fällt der Frequenzgang unterhalb von ca. 550 Hz unregelmäßig stark ab. Es müßte also hier ein Ausgleich gemacht werden, um den Frequenzgang gerader zu bekommen. Das geht recht einfach, wenn auch nicht "mal eben".

Bei Audacity besteht die Möglichkeit, diese Kurve als Textdatei abzuspeichern. Das sieht dann so aus:


Bei ca. 690 Hz ist der letzte Maximalpegel bei ca. 33 dB. Diesen Pegel setzt man sozusagen als Nullpunkt an, nach dem die anderen Korrekturwerte berechnet werden. Zunächst einmal trägt man die Werte in eine Tabelle einer Tabellenkalkulation ein:


Hier sind zunächst einmal nur die Spalten A und B wichtig; in Spalte A die dB-Werte, in Spalte B die Frequenz, jeweils Zeile 6 bis 24. In Feld B3 ist der Wert des Maximalpegels eingetragen. Dadurch kann man sich die Werte für die Felder C6 bis C24 automatisch ausrechnen lassen. Diesen Wert berechnet man, indem man von dem Wert für die zuständige Frequenz den Maximalwert (B3) subtrahiert.

Nun hätten wir die Werte, die für die Korrektur benötigt werden. Es gibt bei Audacity Konfigurationsdateien mit der Endung XML für den Equalizer. In eine solche Datei werden die gewonnenen Werte eingetragen:


Am Ende sind noch zwei weitere Werte eingetragen:

<point f="4000" d="0"/>
<point f="7000" d="-96"/>

Diese dienen der Höhenbeschneidung oberhalb von 4.000 Hz, denn da befinden sich bei akustischen Aufnahmen keine "Musikanteile" mehr. Anschließend speichert man diese Datei ab, am besten unter dem Namen des Plattentitels.

Nun startet man Audacity und wählt den Menüpunkt Effekt/Equalizer. Vorher muß man allerdings noch eine Musikdatei laden, da sonst die Menüpunkte nicht anwählbar sind. Ist der Equalizer gestartet, klickt man auf den Button "Kurven verwalten..." und dort auf den Button "Importieren". Dann wählt man noch die vorher erstellte Konfigurationsdatei - und fertig. Das Ergebnis sieht dann so aus:


Die Kurve stellt praktisch das "Negativ" der eigentlichen Kurve da. Korrigiert man diese Platte dann mit der eigens hierfür erstellten Korrekturkurve, hat man den Frequenzgang einigermaßen korrigiert. Man muß abschließend noch ein Rumpelfilter anwenden, da ansonsten die tieffrequenten Störungen zu laut wären:


Das Bild der Frequenzanalyse sieht dann folgendermaßen aus:


Bleibt noch zu erwähnen, daß man diese Prozedur für jede Aufnahme speziell durchführen muß.

Inhalt, Bild oder Datei nur fuer angemeldete Mitglieder


VG Willi













Nach oben
Arto
So Nov 30 2014, 01:36
Dabei seit: Di Jan 07 2014, 01:33
Wohnort: z.Z. Dänemark
Einträge: 186
Danke für die Dokumentation der genauen Arbeitsweise!

Dieses ist sehr interessant, aber ich verstehe nicht richtig die Ausgangsbedingungen. Ich habe den ganzen Bereich “Digitalisierung und Klangrestaurierung” durchgeschaut, denn es könnte ja sein dass so was grundlegendes schon vorkam, aber dass ich darauf nicht aufmerksam war. Aber ich habe nichts gefunden und frage daher nach.

Was bedeutet “Frequenzgang einer akustischen Aufnahme”? Wenn der durch Analyse einer ganzen Plattenseite als Spektrum vorliegt (also sozusagen ein Mittelwert aus vielen Augenblickswerten), dann muss wohl die Tonart irgendwie auch als Spitzen gezeigt werden, denn alles was gemessen wird ist die bei unterschiedlichen Frequenzen vorkommende Energie. Und das sollte bedeuten, dass häufige Töne durch Spitzen gezeigt werden. Die gehören dann nicht zur Frequenzgang. Beispiel: “Bei ca. 690 Hz ist der letzte Maximalpegel bei ca. 33 dB”. Dieser Wert könnte entweder vom Trichter kommen, der vielleicht alles bei dieser Frequenz anhebt oder von der Ton F5 wenn dauernd vorkommend. Wenigstens stelle ich mir es so vor. Zum Frequenzgang gehört natürlich auch die Eigenschaften des Pickups und Vorverstärker, einschliesslich RIAA, falls nicht ausgeschaltet.

Ich habe die Schallbeispiele durchgehört, und sie klingen sehr sympatisch! Aber, wie hat es bevor diese Filterungen geklungen?
Nach oben
Willi-H-411
Mo Dez 01 2014, 12:14
Dabei seit: Mi Okt 12 2011, 11:42
Wohnort: Ruhrpott
Einträge: 1368
Hallo Arto

Danke für deine Nachfrage.

Bei mir war die Ausgangsbedingung so, daß ich die Platte mit einer Bassanhebung bei 200 Hz ohne Höhenabsenkung überspielt habe. Da man aber nachträglich eine Frequenzkorrektur durchführt, nehme ich mal an, daß man die Art, wie man die Platte überspielt, vernachlässigen kann.

Was den “Frequenzgang einer akustischen Aufnahme” betrifft, so zeigt das Bild der Frequenzanalyse, den Maximalpegel der Frequenzen. Es ist also egal, wie oft eine bestimmte Frequenz vorkommt.

Dein Einwand, man könne ja nicht wissen, ob ein Ton eine bestimmte Lautstärke hat oder ob es sich um Resonanzen des Aufnahmetrichters handet, ist richtig. Daher schrieb ich ja auch gleich zu Anfang: Es gibt viele Faktoren, die unberücksichtigt bleiben, da man sie als Laie oder Amateur nicht kennt. Es kann also nur bei dem Versuch bleiben, eine akustische Aufnahme zu "entzerren".

Im Profibereich ging man ja bei dem "Soundstreamverfahren" auch dahin, die typischen Verzerrungen eines Aufnahmetrichters zu messen, um dann anschließend, mit Hilfe eines Computerprogramms, diese Verzerrungen eliminieren zu können. Aber selbst hierbei bleiben, wie mir das Norman, bei Diskussionen, die wir über dieses Thema geführt haben, erläutert hat, viele Faktoren unberücksichtigt.

Soundstream:
Wikipedia: Link - Hier klicken
Hearing Caruso: Link - Hier klicken
Record Notes: Link - Hier klicken

VG Willi

Inhalt, Bild oder Datei nur fuer angemeldete Mitglieder

Nach oben
Arto
Di Dez 02 2014, 00:05
Dabei seit: Di Jan 07 2014, 01:33
Wohnort: z.Z. Dänemark
Einträge: 186
Hallo Willi,

danke für die weitere Erklärung! Eben das Soundstream-Verfahren habe ich im Kopf gehabt, denn dort hat man gedacht "die Nutzsignale müssen die gleichen sein" " wenn man Trichter-Wirkung messen wünscht. Man hat also eine elektrische Aufnahme vom selben Stück sozusagen als Referenz benutzt. Im Falle Caruso hat man Jussi Björling benutzt (die waren ja beide berühmte Tenöre und sind (wenigstens für Ingenieure) deswegen gleich). Aber was hat man dann in der Tat bekommen: die Stimme Björlings mit der Prosodie und Vortrag von Caruso. Jeder kann sich darüber überzeugen durch Höhen-Anhebung der ursprünglichen RCA-Soundstream-LP. Wenn man den originalen Artikel von Stockham (+ ein anderer) in Proceedings IEEE von 1976 liest ("Blind deconvolution ....") kann man sich auch überzeugen lassen. Leider kann ich z.Z.keine bessere Hinweise geben, denn ich bin auf der Reise.

Anders war es mit John McCormack -- er hatte sowohl akustisch wie elektrisch aufgenommen, und der Referenz war einfach besser.

Jetzt werde ich die Links anschauen, und ich finde es grossartig, dass Du die unbehandelten Aufnahmen auch bereitgestellt hast. Ich werde in den nächsten Tagen (wenn ich etwas Zeit für Vertiefung habe) VOR und NACH näher anhören

Besten Dank,

Arto.
Nach oben
 

Forum:     Nach oben