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Stahlnadeln mit unterschiedlichen Spitzenradien?
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tmtriumph
So Apr 12 2015, 12:41 Druck Ansicht
⇒ Mitglied seit ⇐: Fr Feb 20 2015, 18:20
Beiträge: 14
In einem anderen Thread wurde über moderne Tonabnehmersysteme mit Saphiren mit unterschiedlichen Verrundungsradien diskutiert.

Für mich wären Stahlnadeln mit unterschiedlichen Verrundungsradien viel interessanter. Für meine fünf Caruso-Platten möchte ich kein neues Tonabnehmersystem kaufen. Stattdessen hätte ich gern entsprechende Stahlnadeln, die viel billiger wären und sich auch schneller austauschen ließen.

Gibt es sowas zu kaufen?

Gruß, Albert
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Formiggini
So Apr 12 2015, 15:03

⇒ Mitglied seit ⇐: Di Dez 28 2010, 19:20
Beiträge: 1579
Hallo Albert,

nein....

Stahlnadeln sind zwar an der Spitze tatsächlich verrundet und nicht absolut spitz aber - die Spitze behält die Nadel nur die ersten paar Umdrehungen. In der Schellackplatte sind Abriebmittel, die die Spitze der Nadel ab/zuschleifen - die Nadel "passt" sich (vereinfacht) der Rille an. Deswegen hat die Stahlnadel am Ende der Platte auch eine anders "geformte" Spitze als zu Beginn:


Würde sich die Spitze nicht abnutzen, wäre sie härter als die Platte - dann nutzt sich die Schellackplatte aber sehr schnell, also nach wenigen mal abspielen, ab. Es wurde damals absichtlich so gewählt, dass sich eher die Nadel verbraucht - nicht die Platte. Deswegen machen Stahlnadeln mit unterschiedlichen Radien auch keinen Sinn; am Ende der Platte haben sie (an der Spitze) eh eine andere Form.

Grüße
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Starkton
So Apr 12 2015, 19:19
⇒ Mitglied seit ⇐: Mi Okt 05 2011, 21:47
Wohnort: Berlin
Beiträge: 1881
Wie oben schon geschrieben passt sich die Stahlnadelspitze der Rille an. Für Caruso Platten sind Medium Nadeln die beste Wahl.

Schlecht erhaltene Platten (= graue Rillen) sollte man nicht mehr mit Stahlnadeln abspielen, da die Abnutzung der Schallplatte dann sehr stark ist. Vermutlich weil die Nadel tiefer ins Rillenprofil einsinkt.
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tmtriumph
Mo Apr 13 2015, 16:34
⇒ Mitglied seit ⇐: Fr Feb 20 2015, 18:20
Beiträge: 14
danke für die Antworten.

@ Starkton: Korreliert denn der Verrundungsradius der Nadelspitze mit der Dicke der Nadel? Ich glaube, bei meinen Nadeln unterschiedlicher "Laustärke" ist der Durchmesser des Schaftes der Nadel unterschiedlich, der Verrundungsradius der Spitzen aber gleich. Irre ich mich?

@ Formiggini: Dem Thread über die Radien der Saphire von elektrischen Tonabnehmern habe ich entnommen, daß man die ganz alten Platten mit "breiterer" Nadelspitze abspielen sollte, weil auch die Rillen breiter sind. Warum sollte das nur für Saphire gelten und nicht für Stahlnadeln? Mir ist schon klar, daß sich die Form der Spitze im Lauf der 200 Meter ändert, aber warum ist für die frühen Platten ein Saphir 100 µm Verrundungsradius richtig, aber eine Stahlnadel mit (auf den ersten Zentimetern) 65 µm?

Habe optisch nachgemessen: Meine Nadeln von zwarteschijf und meine Marschall-Nadeln sehen nach 65 µm aus (Habe die Nadeln hochauflösend gescannt und dann im Digitalbild gemessen. Ich weiß auch, was der Verrundungsradius ist).

Ich betreibe einen elektrischen PE Plattenspieler mit 58 Gramm Auflagegewicht. Da ist nach einer Pattenseite eine Abnutzung sichtbar, aber die Nadel ist nicht spitz zugeschliffen.

Gruß, Albert

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Starkton
Mo Apr 13 2015, 17:06
⇒ Mitglied seit ⇐: Mi Okt 05 2011, 21:47
Wohnort: Berlin
Beiträge: 1881
Der Verrundungsradius der Spitze wird in etwa gleich sein. Erfahrungsgemäß hören sich Medium Nadeln bei den meisten akustischen Aufnahmen bis c. 1920 am besten an.

Du hast im Scan sicher gesehen, dass die Nadel nicht "angespitzt" wird, sondern die Flanken angeschliffen werden. Für gewöhnlich ist eine Flanke stärker angeschliffen als die andere.

[ Bearbeitet Mo Apr 13 2015, 17:11 ]
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Willi-H-411
Di Apr 14 2015, 08:29
⇒ Mitglied seit ⇐: Mi Okt 12 2011, 11:42
Wohnort: Ruhrpott
Beiträge: 1291
tmtriumph schrieb ...
Dem Thread über die Radien der Saphire von elektrischen Tonabnehmern habe ich entnommen, daß man die ganz alten Platten mit "breiterer" Nadelspitze abspielen sollte, weil auch die Rillen breiter sind.

Das kann man zwar als "pi-mal-Daumen-Regel" nehmen, aber in der Praxis ist es hin und wieder anders. Gerade bei Caruso-Platten benötigt man öfters 65er Nadeln.

In der Biographie "Caruso", von Pietro Gargano und Gianni Cesarini, werden folgende Angaben gemacht:

Für die Schallplatten Carusos sind Nadeln in mindestens drei Größen erforderlich: die .004" für die Victor von 1904 und 1905 sowie für alle anderen Aufnahmen die .0027" oder .0035"; bei den angegebenen Maßen handelt es sich um englische Zoll.


Exakt auf µm berechnet sind das dann 101,6µm für die Victor von 1904 und 1905 sowie für alle anderen Aufnahmen 68,58µm oder 88,9µm. Diese Angaben beziehen sich auf moderne elektrische Abtastsysteme.


tmtriumph schrieb ...
Warum sollte das nur für Saphire gelten und nicht für Stahlnadeln? Mir ist schon klar, daß sich die Form der Spitze im Lauf der 200 Meter ändert, aber warum ist für die frühen Platten ein Saphir 100 µm Verrundungsradius richtig, aber eine Stahlnadel mit (auf den ersten Zentimetern) 65 µm?

Bei den meisten Schellacks, die mit Stahlnadel gespielt wurden, sind zu Anfang die Rillen stärker beschädigt, da sich die Nadel hier erst "einschleifen" mußte. Vielleicht wären die Beschädigungen noch ausgeprägter, wenn man hier eine dickere Nadel benutzt hätte. Das wäre zumindest ein Grund, wenn es denn stimmt, daß Stahlnadeln einen Verrundungsradius von 65µm haben. In dem Buch "Schallplatte und Tonband", welches ich zur Zeit leider nicht griffbereit habe, um nachschlagen zu können, wird bei Stahlnadeln jedoch 100µm angegeben. Hier bliebe nur die Möglichkeit, eine Macroaufnahme im selben Maßstab zu machen, jeweils von einer 65er Nadel eines Kristall- bzw. Magnetsystems und einer Stahlnadel oder unter einem Mikroskop zu betrachten. Aber selbst dann könnte es schwerfallen, das Ganze per Augenmaß genau zu definieren.

VG Willi
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