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Foren > Firmengeschichte, Labels, Hüllen, und Matrizen > LABELKUNDE - Internationale Labels > Labels A-B
Association Phonique des Grands Artistes (A.P.G.A.)
Moderatoren: SchellackFreak, berauscht, Grammophonteam, Formiggini, krammofoon, Limania, Der_Designer
Autor Eintrag
Starkton
So Okt 25 2015, 20:21 Druck Ansicht
Dabei seit: Mi Okt 05 2011, 21:47
Wohnort: Berlin
Einträge: 1927
L'Association Phonique des Grands Artistes (A.P.G.A.)

Am 1. Februar 1905 urteilte das Pariser Berufungsgericht, dass Tonträger Eigentumsrechte genauso verletzen wie der Nachdruck von Noten oder die unerlaubte Verwendung von Kompositionen. Platten- und Walzenhersteller wurden deshalb verurteilt eine Lizenzgebühr von etwa 10% des Verkaufspreises an die Interessenvertreter der Komponisten und Verleger zu entrichten.

Vor diesem Hintergrund beschloss der Dirigent und künstlerische Direktor Paul Alexandre Salomon in Paris eine Aktiengesellschaft ins Leben zu rufen. Die auf Gewinnmaximierung bedachten Tonträgerhersteller zahlten zwar einen Pauschalbetrag für die Zeit im Aufnahmestudio, räumten den meisten Künstlern aber weder Rechte an ihren Aufnahmen ein noch überwiesen sie Tantiemen. Salomon wollte das grundlegend ändern.

Die Gründung der L'Association Phonique des Grands Artistes (A.P.G.A.) erfolgte am 11. Mai 1906 mit einem Kapital von 75.000 Francs, das Salomon als Geschäftsführer einbrachte. Zehn Künstler, alles bekannte Mitglieder von Opernhäusern und Unterhaltungstheatern, waren bereits bei der Gründung dabei. Sie erhielten die Rechte an ihren Tonaufnahmen sowie eine Gewinnausschüttung.

Bis Ende 1908 stießen weitere Mitglieder hinzu, zumeist Franzosen, aber auch Belgier und Italiener, bis schließlich 80 Künstler unter Exklusivvertrag standen. Darunter gab es "Kleinmeister", aber auch berühmte Opernsänger wie Lucien Muratore, Léon Melchissédec, Jean Noté und Albert Piccaluga. Von recht vielen Mitgliedern scheint es keine veröffentlichten Aufnahmen für die A.P.G.A. zu geben, dennoch kamen seit Anfang 1907 bis 1910 knapp 1500 Schallplattenseiten heraus. Französischsprachige erschienen im Katalognummernbereich 1000 bis 2300, italienischsprachige im Bereich 35000 bis 35200.

Am 17. Juli 1906 wurde das Grundkapital durch Aktienausgabe auf 400.000 Francs erhöht um die erst ein Jahr zuvor errichtete Pressfabrik der Pariser Schallplattenmarke Gast Records (E.R.) Link - Hier klicken aufzukaufen. Die A.P.G.A. eröffnete ein Büro in der Rue de Balzac 16 und vergrößerte ihr Grundkapital einige Monate später sogar auf 1.000.000 Francs. Hauptaktionär wurde eine Bank.

Die einseitig gepressten Platten von Gast Records, aufgenommen in Seitenschrift, hatten einen Durchmesser von 26,5 cm. Label und Plattenoberfläche waren völlig flach. Die ersten Platten der L'Association Phonique des Grands Artistes sahen genauso aus. Allerdings waren sie hervorragend aufgenommen und bestanden aus gutem Pressmaterial, spielten deshalb mit vergleichsweise geringen Nebengeräuschen. Gut für den Klang, aber problematisch für viele Grammophone und mitverantwortlich für schleppenden Verkauf, war die hohe Wiedergabegeschwindigkeit von durchschnittlich 86 Umdrehungen pro Minute. Einige erforderten über 90 Umdrehungen!

Von den ersten Pressungen des Jahres 1907 kann ich leider kein Beispiel zeigen. Der Zeichner und Karikaturist Paul Poncet übernahm die Gestaltung des Labels in Beige-, Blaugrün- und Weißtönen, welches zu den schönsten der Schallplattengeschichte gehört.

Im Jahr 1908 waren A.P.G.A.-Platten bereits doppelseitig und nicht mehr völlig flach: Sie trugen einen erhabenen Ring als Abriebschutz für das Label und kurze Zeit später zusätzlich einen erhabener Ring an der Plattenaußenkante. Es gab vier Preiskategorien: rot (6 Francs), blau (7.25 Francs), braun (8.50 Francs) und gold (10 Francs) Link - Hier klicken

Pressung von 1908 der Preiskategorie braun, Katalognummer 1626/1627. Auf 6 Uhr ist die leicht vertiefte Katalognummer schwach zu erkennen. Unsichtbar ist ein eingeprägtes "A" auf 12 Uhr.




Erst auf dieser späteren Pressung ab Ende 1908, Katalognummer 1624/1625, Preiskategorie blau, kommt die wahre Schönheit des Labels zum Tragen. Die Katalognummer erscheint schwach eingeprägt auf 3 Uhr, sowie deutlich und erhaben auf 6 Uhr. Der geprägte Buchstabe "A" ist auf 9 Uhr zu erkennen.



Vom Standpunkt des Raritätenjägers sind die sechs extrem seltenen Tonaufnahmen des bereits 1843 geborenen Baritons Léon Melchissédec für die A.P.G.A. mit Abstand die interessantesten auf diesem Label. Melchissédec, der eine lange und erfolgreiche Karriere als Sänger und Gesangslehrer hatte, war seit dem 18. Dezember 1906 Mitglied und nahm die ersten vier Titel (1624 bis 1627) schon Anfang 1907 auf. Die anderen beiden (1990, 1991) folgten irgendwann vor November 1908. Hier kann man Melchissedec anhören, der bei dieser Aufnahme bereits 64 Jahre alt war: Link - Hier klicken

Die A.P.G.A. produzierte auch Trichtergrammophone in fünf verschiedenen Größen. Beispielhaft ein Auszug aus einem Katalog von November 1908 (Quelle: Link - Hier klicken )




Am 28. Dezember 1909 wurde das Aktienkapital auf 2,4 Millionen Francs erhöht. Allerdings bekam die A.P.G.A. wegen Missmanagement und zu hoher Produktionskosten kurz darauf ernsthafte finanzielle Probleme, zudem verklagten mehrere Künstler das Unternehmen wegen Betrugs.

Am 25. Juli 1910 kaufte Pathé für 5000 Francs die Schallplattenpressen, acht an der Zahl, und begann Verhandlungen mit den unter Exklusivvertrag stehenden Künstlern. Am 6. Dezember 1910 wurde eine Vereinbarung zwischen A.P.G.A. und Pathé Frères unterzeichnet. Pathé zahlte 15.000 Francs und eine Lizenzgebühr von 0,10 Cent pro Aufnahme welche auf dem Pathé Label in Tiefenschrift (!) wiederveröffentlicht wurde.

Im Jahr 1911 stellte die L'Association Phonique des Grands Artistes ihre Aktivität praktisch ein und ging Ende 1912/Anfang 1913 schließlich in Konkurs.

[ Bearbeitet So Feb 25 2018, 10:15 ]
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alang
So Okt 25 2015, 21:28
Dabei seit: Di Jun 12 2012, 19:52
Wohnort: Delaware, USA
Einträge: 548
Vielen Dank fuer diesen interessanten Artikel. Kann man das so verstehen wie man heute etwa "im Selbstverlag" sagen wuerde? Sind die Betraeg die Pathe gezahlt hat korrekt, dann ist es ein Wunder, dass die A.P.G.A. noch bis 1911/12 durchgehalten hat. Von 2,4 Millionen auf ein paar Tausend, das kann man nicht ueberleben.
Nochmals Danke.
Andreas
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Starkton
So Okt 25 2015, 23:44
Dabei seit: Mi Okt 05 2011, 21:47
Wohnort: Berlin
Einträge: 1927
Diese interessante und einzigartige Unternehmung hatte tatsächlich etwas von einem Selbstverlag und ist zudem so etwas wie der Vorläufer der GEMA.
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alang
Mo Okt 26 2015, 13:07
Dabei seit: Di Jun 12 2012, 19:52
Wohnort: Delaware, USA
Einträge: 548
Hat die A.P.G.A. auch Geld von anderen Plattenfirmen eingetrieben a. la GEMA, oder bekamen die Kuenstler nur Prozente von selbst gepressten Platten?
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Starkton
Mo Okt 26 2015, 13:56
Dabei seit: Mi Okt 05 2011, 21:47
Wohnort: Berlin
Einträge: 1927
Geld gab es sicher nur für die von der APGA vertriebenen Platten. Die anderen Firmen ließen sich von der "Künstler-Kooperative" ja nicht beeindrucken.

Gerade im Falle des Tenors Lucien Muratore, der über 200 veröffentlichte Walzen und Platten für ein Dutzend Firmen aufgenommen hat, darunter Edison, Columbia und G&T, wäre das sehr lukrativ gewesen.
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Formiggini
Mo Okt 26 2015, 14:28
Seitenbetreiber

Dabei seit: Di Dez 28 2010, 19:20
Einträge: 1759
Leider reichen meine Kenntnisse dieser schönen Sprache für eine Übersetzung nicht aus...


Le Figaro, 13. Dezember 1906




L'Humanité, 29. November 1909




L'Action
Française, 29. Mai 1910



Le Figaro, 12. Dezember 1912
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