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Foren > Grammophone > Koffergeräte und Spielzeuggrammophon
Der "Watchtower Vertical" Koffer der Zeugen Jehovas
Moderatoren: SchellackFreak, berauscht, Grammophonteam, Formiggini, krammofoon, Limania, Der_Designer
Autor Eintrag
Gast
So Nov 08 2015, 18:36 Druck Ansicht
Gast
HERSTELLER: Watchtower Bible and Tract Society
MODELL: "Aaron" (Nach dem Bruder von "Mose")
SERIENNUMMER: Nicht vorhanden
JAHR: 1940-195?
DAMALIGER PREIS: Unverkäuflich
GEHÄUSE: Einfache Stoffbespannung
PLATTENTELLER: mit dünnem Grünen Filz
TRICHTER: Lautsprechermembran (hier dünnes Papier)
MOTOR: einfaches Federwerk mit Kurbel als Tragegriff
SCHALLDOSE:Lautsprechermembran (hier dünnes Papier)

Ich distanziere mich von der Gesinnung des (Vor-)Vorbesitzers und des eigentlichen Nutzen des Koffers!

Ich habe diesen Koffer gestern in Rüdesheim mitgenommen (Vorher schon reserviert) und schon dort sorgte er für Erstaunen! Der Koffer ist eigentlich sehr schmucklos außer der hübschen (Tragegriff)Kurbel. Die Funktion hat es jedoch in sich ,aber dazu gleich mehr...Der Koffer wurde von der Zeugen Jehovas Sekte zur Vorführung von Reden vor der Haustür genutzt (wie man es bis heute kennt)...da wohl nur wenige der Menschen die Leute ins Haus ließen oder sie nicht sogar verjagten musste der Koffer auch im stehen oder getragen funktionieren was ihr sehr speziell und interessant macht! Er war nur in Amerika in Gebrauch was ihn hier in Europa sehr selten macht. Dazu noch: auch hier nutze man Koffergrammophone,aber nur handelsübliche Koffer mit Vermerk auf die Sekte. Es gab wohl auch noch ein früheres oder späteres Gerät was aber bloß ein ganz gewöhnlicher Koffer ohne diese Funktionen war.

Zur Bedienung: Man legt eine Platte auf den Plattenteller und macht sie fest mit einer Schraube, (diese fehlt bei meinem und wurde gegen ein Gummi ersetzt was besser klappt als man denkt) man schließt den Koffer und dreht den Hebel an der Seite so das die "Schalldose" sich bewegen kann. Mit etwas Gefühl bewegt man den Koffer nach links sodass die Nadel auf der Platte hält. (da der Koffer für die 30cm Platten der Zeugen gedacht ist hält hier ein Sprengring die Schalldose für 25cm Platten fest) nun dreht man den Hebel weiter nach rechts bis die Nadel auf der Platte ist...und schon geht's los. ;) Nach Wunsch lässt sich auch die Lautstärke mit dem Schieber vor dem Lautsprecher verändern.

Hat noch jemand Informationen,Fotos,Infos zu den offenen Lücken oben oder weis jemand wo ich eine passende Schraube für den Teller bekomme? Weis jemand ob die Zeugen Jehovas Dauernadeln wie die Tungstift nutzten?Könnte man heute Dauernadeln nehmen? Bitte entschuldigt den ungemachten Zustand !

Gruß
ps. In dem Fach ließen sich die Bücher und Karten(lheute geht aber auch ein Roman ) aufbewahren,jedoch keine Platten da man ja 30cm Platten nutzte








[ Bearbeitet Sa Jan 13 2018, 16:11 ]
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Formiggini
So Nov 08 2015, 18:59
Seitenbetreiber

Dabei seit: Di Dez 28 2010, 19:20
Einträge: 1759
Die Funktion, dass die "Schalldose" die Platte vertikal abtastet, ist natürlich absolut genial!
Von der reinen Funktion der Wiedergabe, eine Weiterentwicklung der früheren HMV Lumiere Grammophone oder auch dem > Polly Portable <, bei welchen ja ebenfalls eine vergrößerte Papiermembran, ähnlich einem Lautsprecherkonus, die Funktion der Schalldose übernimmt.

Auftraggeber für den Koffer dürfte die Watchtower Bible and Tract Society gewesen sein. Diese stellte auch die Platten her, bzw. in deren Auftrag wurde produziert.

Bildquelle: TMF




Ab 1933 wurden Bibelreden auf 33 ⅓ Umdrehungen Schellackplatten produziert. Mit großen Lautsprecherwägen fuhr man dann durch die Gegend, und verkündete die Botschaften via Schallplatte. Diese Aktion traf nicht auf sonderlich viel Gegenliebe... Ab 1934 wurden dann die ersten (normalen) Koffergrammophone hergestellt, welche an der Haustür zum Einsatz kamen. Insgesamt sollen etwa 47.000 akustische Abspielgeräte hergestellt worden sein. Das "Programm" auf 30cm Schellackplatte umfasste rund 92 verschiedene Titel.

Angeblich wurden die früheren, "normalen" Koffer bei den Vorführungen gerne mal weg getreten - was zu der Entwicklung dieses Typen geführt haben soll. In geringeren Stückzahlen wurden sie, nach Erzählungen eines Zeugen, auch nach England importiert. Heute wohl recht rar in dieser Ausführung, da die Geräte in Besitz der Familien übergingen.

Kurz noch zur reinen Funktion: Der Nadelhebel (2) ist direkt mit der Membrane verbunden. Diese sitzt als "Einheit" auf einem Holzbrett, welches wieder auf einem Gestänge montiert ist.


Nach dem Schließen des Deckels, wird mit dem Hebel (1) diese ganze Einheit in die Schallplattenrille gepresst. Beim Abspielen bewegt sich der ganze Schlitten auf dem Gestänge vertikal (tangential) über die Platte.

Durch den hohen Anpressdruck ist die Abnutzung der Platte natürlich sehr hoch. Bei den reinen Sprachaufnahmen fiel dies nicht ganz so ins Gewicht. Bei Musikaufnahmen sind die Platten aber einer starken Abnutzung unterlegen. Du solltest also keinesfalls Dauernadeln verwenden.

Danke fürs Vorstellen!

[ Bearbeitet So Nov 08 2015, 23:09 ]
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Webseite
Gast
So Nov 08 2015, 19:26
Gast
Danke sehr Uli

Hier noch einige Bilder der Geräte als sie im Gebrauch waren:






zumindest Aufsehen bekamen auch die früheren Koffer


Quelle: Pinterest

[ Bearbeitet Mo Nov 09 2015, 10:42 ]
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VOX
So Nov 08 2015, 19:55
Dabei seit: Mo Aug 11 2014, 11:48
Einträge: 53
Hallo ,

Bist du mir davon erzähltest wusst ich gar nicht, dass es diese Koffer speziell für die Zeugen Jehovas gab.
Das ist heute das erstemal dass ich den Koffer seh.
Danke fürs Vorstellen.
Ich bin schon auf den Video gespannt.
Auch die Bilder dazu find ich interessant, ich kann leider nix dazu beitragen, weil ich, wie oben schon geschrieben hab, diesen Koffer noch nie zuvor sah *lino

Viel Spaß auf jeden Fall mit deinem neuen Koffer
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Starkton
So Nov 08 2015, 20:17
Dabei seit: Mi Okt 05 2011, 21:47
Wohnort: Berlin
Einträge: 1927
Danke fürs Zeigen - und ich bin ebenfalls gespannt wie es funktioniert. Sowas taucht normalerweise nur in den USA auf. Da es dort immer noch viele Zeugen Jehovas gibt ist dieses Grammophon, speziell mit den entsprechenden Platten, ziemlich begehrt und die Preise sind ganz anständig.


Quelle: Link - Hier klicken
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Gast
So Nov 08 2015, 22:05
Gast
Und in Aktion...

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Limania
Mo Nov 09 2015, 05:35
Dabei seit: Mo Mai 21 2012, 15:14
Einträge: 1114
WOW!
Das hast du ja eine echte Rarität ergattert, meinen Glückwunsch!
Ein wirklich sehr interessantes Grammophon.

LG Limania
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Formiggini
Mo Nov 09 2015, 16:53
Seitenbetreiber

Dabei seit: Di Dez 28 2010, 19:20
Einträge: 1759
Über Facebook kam noch diese Auflistung der Einzelteile:






Gut zu erkennen: Die originale Membran (no. 59) ist geformt wie von einem Lautsprecher. Möglicherweise findet sich da noch Ersatz, wenn du in diese Richtung suchst.

Grüße
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Webseite
Formiggini
Do Nov 12 2015, 09:56
Seitenbetreiber

Dabei seit: Di Dez 28 2010, 19:20
Einträge: 1759
Länger gesucht... Erfinder des Watchtower Phonograph war ein John G. Kurzen aus New York (selber Mitglied der Bibel-Gesellschaft), eingetragen auf die „Watch Tower Bible and Tract Society", New York.


Insgesamt reichte Kurzen drei Patente auf dieses vertikal spielende Grammophon ein.

Im Juni 1940 (erteilt April 1943): Hier war die Toneinheit noch insgesamt klappbar an einem Ausleger befestigt; dieser wurde auf die Platte gesenkt. Erst dann der Deckel geschlossen. Patent:
watchtower_phonograph_patent.pdf

Im Dezember 1940 (erteilt ebenfalls April 1943) die Version hier, bei der die Toneinheit im Deckel sitzt:
patent_2.pdf

Im Juni 1945 dann eine nochmals verbesserte Version. Die abzuspielende Platte befand sich nun im Deckel, Motor und Tonabnehmer (mit Membran) im Boden. Ziel war es, das Grammophon noch kompakter und leichter zu gestalten. Patent 3:
patent_3.pdf






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Webseite
Gast
Do Nov 12 2015, 18:15
Gast
Noch einmal vielen herzlichen Dank Uli!

Hätte nicht gedacht das es gleich mehrere Varianten dieses Gerätes gab..meine Version ist wohl die häufigsten gegen die beiden anderen noch viel spezielleren Varianten!

Gruß
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Starkton
Do Nov 12 2015, 19:38
Dabei seit: Mi Okt 05 2011, 21:47
Wohnort: Berlin
Einträge: 1927
Diese Koffergrammophone, bzw. die ersten Patentanmeldungen dazu, verdanken ihre Existenz sehr wahrscheinlich einem gewonnenen Prozess.

Newton Cantwell und seine Söhne Jesse und Russell, alle drei Zeugen Jehovas, wurden in New Haven, Connecticut, verhaftet und wegen Ruhestörung sowie nicht genehmigter Werbung angeklagt.

Jesse Cantwell hatte zuvor zwei Passanten angesprochen ob sie eine Schallplatte auf seinem "Victrola" anhören wollten. Auf der Platte wurde Werbung für das Buch "Enemies" gemacht welches sich gegen den katholischen Glauben richtete. Da die Passanten gläubige Katholiken waren fühlten sie sich persönlich angegriffen und drohten Cantwell, der daraufhin sein "Victrola" widerstandslos zusammenpackte und wegging.

Jesse Cantwell verklagte daraufhin den Staat Connecticut und bekam 1940 vor dem Obersten Gerichtshof Recht, vor allem weil er keinen Zwang ausgeübt hatte und einer Konfrontation sofort aus dem Weg gegangen war. Die Zeugen Jehovas konnten sich danach beim Abspielen ihrer Tonträgern, sofern sie Passanten vorher um Erlaubnis fragten, auf dieses Urteil berufen.

Es liegt nahe, dass sie dieses Privileg ausgiebig nutzten, eifrig Schallplatten produzierten und zusätzlich ihre Mitglieder mit einem für diesen Zweck entworfenen Grammophon ausstatteten. Nach Mitte der 40er Jahre soll diese Art der Straßenwerbung jedoch weitgehend verschwunden sein.
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