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Foren > Grammophone > Technik
Holzbeize /-tönung je nach Mode?
Moderatoren: SchellackFreak, berauscht, Grammophonteam, Formiggini, krammofoon, Limania, Der_Designer
Autor Eintrag
Hedensö
Fr Jan 22 2016, 22:41 Druck Ansicht

Dabei seit: Fr Jan 06 2012, 11:09
Einträge: 903
Guten Abend,

ist jemandem bekannt, wie sich die "Holz"-Mode in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts entwickelt hat?
Es gibt Geräte um 1914/15, die sind helle Eiche. Dann Anfang 1920 ist die Eiche sehr dunkel gebeizt. Ich habe aktuell ein Trichtergerät aus 1927-32, das ist wieder eine recht helle Eiche.

Ist das mit der Modeentwicklung zu erklären? Oder konnte man gar sein Gerät in unterschiedlicher "Tönung" bestellen/auswählen? Das ist wiederum bei industrieller Fertigung fast nicht vorstellbar, dass es mehrere Tönungen parallel gab...



[ Bearbeitet Fr Jan 22 2016, 22:42 ]
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alang
Sa Jan 23 2016, 06:00
Dabei seit: Di Jun 12 2012, 19:52
Wohnort: Delaware, USA
Einträge: 572
Also zumindest Victor in USA hatte fuer Victrolas eine ganze Palette von verschiedenen Holztoenungen im Angebot. Viel frueher, so um 1899 -1905 war gruen gebeizte Eiche bei Edison Phonographen standard. Danach wurde auf die gruene Beize verzichtet. Die Moebelmode hatte sich geaendert und somit mussten sich die Phonographen anpassen.

Andreas
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Starkton
Sa Jan 23 2016, 10:41
Dabei seit: Mi Okt 05 2011, 21:47
Wohnort: Berlin
Einträge: 1927
Die Vorliebe für bestimmte Hölzer bzw. Holzfarben hat sich von Land zu Land unterschieden.

Du hast das Beispiel "Eiche" gebracht. Anhand des D.G.A.G. Modells No. 15 von 1903 kann man den Unterschied schön aufzeigen: Link - Hier klicken

In heller Eiche gab es das No. 15 nur im Liefergebiet der D.G.A.G. (Deutschland, Skandinavien, Russland, Österreich-Ungarn). Die gleichen Gehäuse mit anderer Modellbezeichnung verkaufte die Gramophone Co./Victor Talking Machine Co. auch in den USA, in England und Frankreich (um die neben Deutschland größten Absatzmärkte zu nennen). Dort waren sie allerdings durchweg dunkel gebeizt.

Offenbar passte helle Eiche besser zum damals im Deutschen Reich vorherrschenden Historismus, obwohl ich viele Möbel dieses heutzutage verpönten Stils eher dunkel in Erinnerung habe.

Eiche gab es auch farbig gebeizt. Andreas hat ja schon die kurzlebige Mode der grünlich gebeizten Edison Phonographengehäuse angesprochen. In Deutschland ist das bei Eiche eher selten, siehe als Ausnahme das D.G.A.G. Monarch de Luxe No. 15b von 1904 Link - Hier klicken

99,9% aller Gehäuse wurden industriell in großen Stückzahlen gefertigt. Man bekam seinen Phonographen oder sein Grammophon genau so wie es im Katalog stand. Lediglich die absolute Luxusklasse mit nur auf Vorbestellung gefertigten Gehäusen ließen individuelle Kundenwünsche zu, siehe den D.G.A.G. Salon-Apparat "De Luxe" von 1908: Link - Hier klicken

Hier ist ein passender Bericht von 1907 über den zunehmenden Einfluss von Gestaltern auf Design und Farbfassung: „Markt-Bericht über Gehäuse. – [...] Die Zeiten der schlichtgestrichenen, altmodischen Gehäuse sind vorbei; architektonisch geschulte Kräfte haben sich speziell auf unsere Branche geworfen [...]. Durch Auflegen resp. Versenken von modernen Metall-Beschlägen, Metall- oder Masse-Bordüren oder auch buntgefärbten Schnitzereien und Gravierungen werden die reizendsten Effekte hervorgerufen, welche noch durch geschmackvolles Nuancieren der Beizen um ein Beträchtliches zu heben sind. [...]“ (Phonographische Zeitschrift, Berlin, 8. Jahrgang, No. 34, 22. August 1907, S. 895)
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bluenote
Sa Jan 23 2016, 10:47
Dabei seit: Mi Dez 25 2013, 12:55
Wohnort: Deutschland
Einträge: 32
ich habe vor wenigen Jahren mich mal intensiver mit u.a. diesem Thema beschäftigt, da ich ein ganzes Haus im Design der späten 10er Jahre einrichte. Fakt ist, es gab -damals wie heute- kein "entweder oder" in den ersten 20 Jahren des Jahrhunderts. Bemerkenswert ist, dass Tropenhölzer in der Möbelherstellung nach dem I.WK nahezu ganz verschwanden (Kolonien), der Deutsche sich im Wesentlichen auf Eiche und verschiedene Nussbäume konzentrierte. Mal hell, mal dunkel. Sehr gefragt in den 10er Jahren war auch der weiße Schleiflack. Richtig ist aber, dass die meisten Möbel um 1920 dunkel gebeizte Eiche waren. Das heißt aber praktisch: Eiche furniert, die dann nicht mit "Eiche-dunkel" begeizt wurde, sondert schwarz, Nussbaum dunkel Nussbaum mit Schwarz etc... um keinen rötlichen, warmen Ton in der Eiche entstehen zu lassen. Bemerkenswert ist aber vor allem - und da wundert mich, dass es hier im Forum niemals einen Theard zum Thema gab - dass die äußere Gestalt, das Design des Grammophon-Möbels um viele Jahre damaligem Trend, Mode, Designentwickklung hinterherhinkte. Man denke nur an die gedrechselten Füsschen, Louis Quinze und Seize zu Zeiten des Bauhaus, Neue Sachlichkeit, Art-Deco etc... wir kennen das alles, selbst teuerste Geräte aus edelsten Materialien sahen so, dem kleinbürgerlichen Geschmack entsprechend aus. Vergleicht man - um wieder zum Ausgang zu kommen - jetzt ein Tisch oder Schrankgerät von 1910 mit einem von 1920 oder gar von 1930... wird deutlich, dass eine Verhaftung zur historisierenden Formensprache hin besteht. Wenig bis keine sichtbaren Veränderungen in dieser langen Zeitepoche beim Grammophon-Möbel stattfanden. In Deutschland sind die ersten mir bekannten Modelle, welche mit einem modernistischeren Design auf sich aufmerksam machten, die der Vox, welche, den zaghaft, langsam entstehenden Art-Deco-Stil in einer sehr frühen Form (1921) aufgriff, de Stijl im Utrechter Haus, ein konstruktivistisches Gerät 1923 und zwei Jahre später den sich zeitl. parallel entwickelten Bauhaus-Stil in Gestalt des Ultraphons. - Wahrscheinlich ist das auch der Grund, dass in den entsprechenden Zeitschriften jener Zeit kaum, nahezu niemals ein Grammophon auftaucht, wenn moderne Häuser, Appartements... der Mittel- und Oberschicht vorgestellt werden. Es würde mich wirklich interessieren, wenn hier einige Hinweise auf Firmen und Geräte eingingen, die dem widersprachen.

[ Bearbeitet Sa Jan 23 2016, 10:53 ]
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joha
Sa Jan 23 2016, 10:54
Dabei seit: Mo Mär 26 2012, 15:45
Wohnort: Dresden/Sachsen
Einträge: 1004
Ich denke auch hier spielt die Zeit und der zeitliche Geschmack,eine wichtige Rolle.Die Geräte sollten ja zur Einrichtung der damaligen Zeit passen,so wurden die meisten Geräte der Einrichtungsmode angepasst.
Natürlich gab es Sonderanfertigungen in Wurzelholz,in Eiche hell,oder in Samtschwarz oder Hochglanz lackiert.
Ohne Anpassung der Geräte an die Mode wäre ein erfolgreicher Verkauf kaum denkbar gewesen.
Die Industrie brachte 4 Farben an den Markt:
Eiche hell,Eiche dunkel,Mahagoni Rötlich bis Rot,
sowie Eiche Schwarz bis Lackschwarz (Klavierlack,hochglanz)
Es gab des weiterer modische Gimiks statt Eiche Schwarz außen innen Eiche hell je nach dem Geschmack des Käufers.
Plattenteller Farben konnten kombieniert werden,von Königsblau,über Grün,Rot,Weinrot bis Rose,auch knall gelb war als Plattenteller möglich,dazu die passenden Metallteile in Hochglanz (versilbert Alpacka) Goldmattiert,bis hin zum Standart.
Der Übergang zur Serienproduktion beschränkt sich auf die meist verwendeten und preislich dem Einkommen der Käufer angepassten Geräte.Der Ratenkauf ermöglichte den Herstellern Einblicke in die Einrichtung des Käufers,wär auf Raten kaufte hatte nicht das Vermögen um Luxus zu erwerben.Aus diesem Grund finden wir Luxusgeräte verhältnismäßig selten,Mahagoni war schon die Oberklasse da kam auch der Preissprung.
In einer Zeitschrift aus dem Jahre 1926 gibt es einen interessanten Vergleich,dort wird nützliches Haushaltmobilar verglichen.Der Übergang der Möbel und Lampen aus der Kaiserzeit in die moderne Bauhauszeit,überflüssiges an Zierat fällt fast weg,moderne Formen und Farben ohne Schnörkel sind der Trend.Überflüssiger Zierrat weicht klaren Formen, *kicher das betraf natürlich auch die Grammophone. Es wurde im großen Stil schon damals (ausgemisstet) die Industrie gewann eine moderne Käuferschicht Omas Trichter hatte längst ausgedient. da war es auch egal ob Messing oder Eiche es wanderte auf den Müll.Wer wenig Mittel hatte bewahrte so manches bis in die heutige Zeit in der Hoffnung es wird mal Wertgeschätzt nach hundert Jahren.
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Starkton
Sa Jan 23 2016, 12:06
Dabei seit: Mi Okt 05 2011, 21:47
Wohnort: Berlin
Einträge: 1927
bluenote schrieb ...

Bemerkenswert ist aber vor allem - und da wundert mich, dass es hier im Forum niemals einen Theard zum Thema gab - dass die äußere Gestalt, das Design des Grammophon-Möbels um viele Jahre damaligem Trend, Mode, Designentwickklung hinterherhinkte. [...]
Es würde mich wirklich interessieren, wenn hier einige Hinweise auf Firmen und Geräte eingingen, die dem widersprachen.

Mich interessiert das Thema für die Zeit der vorletzten Jahrhundertwende sehr. Die jeweilige "Moderne" fängt ja nicht erst 1920 an!

Ich habe vor kurzem im US Forum eine Umfrage gestartet ob es amerikanische Grammophone und Phonographen im modernen Stil um 1900 (American Craftsman, Tiffany, Missionsstil) gibt. Sie waren offenbar selten, aber einige wurden dann doch genannt, auch von bedeutenden Herstellern (Victor, Edison, Columbia): Link - Hier klicken

Die Firmen wollten vor allem eines: in Massen verkaufen, und sind deshalb dem Mainstream hinterher gelaufen. Dieser hinkt aber immer Jahre oder sogar Jahrzehnte hinter aktuellen Designideen hinterher. In der Tat ist ein Threat mit modernem Gehäusedesign der Phonoindustrie zwischen 1895 und 1955 überfällig.

[ Bearbeitet Sa Jan 23 2016, 12:08 ]
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Hedensö
Sa Jan 23 2016, 15:31

Dabei seit: Fr Jan 06 2012, 11:09
Einträge: 903
Danke euch für die nauführlichen Feedbacks.

Ich stellte mir die Frage, da ich "eigentlich" kein Eiche-rustikal Fan bin und trotzdem einige Eiche-Geräte habe. Dabei freut es mich immer besonders, wenn die Eiche hell ist.

Wenn man davon ausgeht, dass diese hellen Geräte in der Tat auch immer hell waren (also nicht abgebeizt, überarbeitet), dann wundert mich das hin und her im DGAG/Gramophone company Konzern bzw. nach dem WWI bei der Gramophone company.

Wenn ich das mal in einen zeitlichen Ablauf bringe, so habe ich in Eiche hell ein Model TAO (1913) - gibts nur hell - sowie ein 13 (1914) - gibt´s hell wie dunkel. Dann kommt mein No. 6 (ca. 1920) in sehr dunkler Eiche - war vorher hell, ab 1920 dunkle Eiche. Unter den späten Trichtergeräten habe ich dann u.a. ein No. 25 (ca. 1925) in "normaler" Eiche dunkel sowie den Nachfolger No. 32 (ca. 1929) in doch sehr heller Eiche.

Auf dieses hin und her kann ich mir keinen Reim bilden, zumal in den Katalogen immer nur "Eiche" oder eben "Oak" steht - niemals mit Farbangabe.

Wenn man bei hochwertigen Linien auf Anforderung heller oder dunkler liefern konnte, dann könnte das zusammen passen, denn das HMV 13, das 25 und 32 sind hochwertige und leistungsstarke Geräte mit jeweils 3-Feder- oder gar 4-Feder Motoren.

Dass das HMV 32 durchaus ab Werk so hell gewesen sein kann (was eigentlich den üblichen Abbildungen und Beschreibungen des Models widerspricht), belegen weitere Fotos anderer HMV 32-Geräte, die ich über die Zeit aus dem www gesammelt habe.

Wie musste man sich das vorstellen? ...wenn nicht zufällig dem Kunden klar war oder der Verkäufer es ihm sagte, dass es das jeweilige Modell in verschiedenen Beizungen gab? Ging es wirklich soweit, dass der Kunde im Geschäft bei verschiedenen Modellen die Beizung sowie die Trichterfarbe wählen konnte?

Wie ist das im Verhältnis Massenproduktion zu sehen? Offensichtlich muss es dann kleine Fertigungslinien für bspw. helle Gehäuse gegeben haben...
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Starkton
Sa Jan 23 2016, 17:07
Dabei seit: Mi Okt 05 2011, 21:47
Wohnort: Berlin
Einträge: 1927
Hedensö schrieb ...

Wenn ich das mal in einen zeitlichen Ablauf bringe, so habe ich in Eiche hell ein Model TAO (1913) - gibts nur hell -

Das Gehäuse Deines Grammophons ist nicht Eiche hell sondern Eiche geräuchert. Stand auch so im D.G.A.G. Katalog. Das Grammophon war offenbar ein Import aus Deutschland. Bei uns war man zu der Zeit experimentierfreudiger was Holzfarben angeht.

schrieb ...

sowie ein 13 (1914) - gibt´s hell wie dunkel.

Das Modell gab es sowohl in Eiche als auch in Mahagoni, jeweils matt oder hochglanz poliert. Farbunterschiede entstehen auch durch die Alterung des Schellacks. Je dicker die Schicht umso stärker ist das ausgeprägt. Auch hier ist, bis zum Ausbruch des Krieges, der Import einer hellen Variante aus Deutschland möglich.

schrieb ...

Dann kommt mein No. 6 (ca. 1920) in sehr dunkler Eiche - war vorher hell, ab 1920 dunkle Eiche.

Die Änderung betraf nicht nur das Gehäuse sondern auch den Tonarm. Offenbar wollte man ein ganz "neues" Gerät daraus machen, zumal die Verkäufe des hellen Modells zuvor in den Keller gegangen waren.

schrieb ...

Auf dieses hin und her kann ich mir keinen Reim bilden, zumal in den Katalogen immer nur "Eiche" oder eben "Oak" steht - niemals mit Farbangabe.

Die Gramophone Co. hat eben einiges probiert und sich zum Beispiel einen Modellwechsel durch Verwendung einer anderen Beize erspart. Es kommt auch auf die Details im Katalog an. Bei einfachen Modellen steht da zum Beispiel "varnished oak", bei besseren "polished oak". Lackierte Eiche dürfte heute wesentlich stärker nachgedunkelt sein als polierte Eiche.
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alang
Sa Jan 23 2016, 18:00
Dabei seit: Di Jun 12 2012, 19:52
Wohnort: Delaware, USA
Einträge: 572
Hier ein Beispiel von verschiedenen Victor Holz-Optionen: Link - Hier klicken

Andreas
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Hedensö
Sa Jan 23 2016, 18:55

Dabei seit: Fr Jan 06 2012, 11:09
Einträge: 903
Vielen Dank, sehr interessant!
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