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Browier-Hamann-Quartett
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Grammophonteam
Fr Jul 08 2016, 17:22 Druck Ansicht
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Das Browier-Hamann-Quartett



Felix Hamann (erster Tenor), Ludwig Schubert (zweiter Tenor), Ernst Browier (erster Bass), Carl Müller (zweiter Bass)


Die immer weiter in der Richtung auf künstlerische Höhen zu sich entwickelnde Grammophon-Industrie hat eine sehr erfreuliche Begleiterscheinung neuerdings aufzuweisen: Bis zu einer starken Selbständigkeit gelangt, beginnt sie nunmehr das Erziehungswerk der ausübenden Künstler für ihre Reproduktionszwecke. Nicht etwa so, dass sie autokratisch einer Freiheit der Auslegung und des Sichgebens Fesseln anlegt! Nein! Indessen nach vielen Jahren der Zugeständnisse, des Sichanpassens an die Eigenart der Instrumental- und Vokalmusik, ist sie auf Höhen angelangt, die sie selbst zu einer Kunst prägen; nunmehr kann und muss sie auch ihrerseits Konzessionen erwarten, die ihrer zäh beibehaltenen Eigenart entgegenkommen. Vergleicht man die Erzeugnisse vor fünf und sieben Jahren mit denen, die heute zu Hunderttausenden in die Welt wandern und begeisterte Freunde einer „Idealmusik im eigenen Heim` erworben haben, so kann man die Verwunderung über den geradezu ungeheuerlichen Abstand nicht unterdrücken, begreift auch kaum, wie es möglich war, mit den Produkten einer nicht weit zurückliegenden Vergangenheit sich zufrieden zu geben und in ihnen eine Nachbildung zu finden, die ästhetische Ansprüche zufriedenstellt. Hier darf das Wort des Famulus: „und wie wir's dann so herrlich weit gebracht" ohne jede satirische Beimischung angewendet werden. Wir haben es in der Tat weit gebracht, — so weit, dass selbst die grundsätzlich oppositionellen, kritischen Lästerzungen allmählich verstummen, um sich nicht zu kompromittieren. Und daß will ganz gewiss etwas heissen!

Vergleiche auch:

— Die widerhaarigsten Gegner Grammophone, wie sie namentlich im Heerlager der Instrumente zu finden sind, haben vor dein Raffinement der Aufnahmetechnik kapitulieren müssen : Die Saiteninstrumente, das Klavier, die Orgel. Die Singstimme tritt — dank der Abschaffung aller überanstrengten Trichterschreierei und des Prinzips: »Möglichst laut!' — jetzt in all ihrer künstlerisch-individuellen Eigenart hervor, man vermag die einzelnen Stars vom Hören durch den Schalltrichter genau so gut zu erkennen und voneinander zu unterscheiden, wie bei der Begegnung im Konzertsaale und auf der Bühne, — man weiss: das ist Caruso, das Sammarco, McCormack, die Destinn, Hempel, Schumann-Heink, Lehmann. Solch verfeinerte Differenzierung durch den eigenwilligen Mittler, die Membran, war der bedeutsamste, schwierigste Teil der Entwicklungsphase; und er ist glänzend gelöst.

— Schon die Aufgabe des Trichterschreiens, der Membraninstrumente, des Uebergehens der piano- und pianissimo Nuancen, des Unterstreichens und Steigerns alles Gespielten und Gesungenen bildet ein Entgegenkommen seitens der Ausübenden Grammophon gegenüber. Allein das sind mehr äußerliche Dinge; von ihnen schritt man zum Vergleiche zwischen künstlerischer Absicht und Reproduktionsmöglichkeit; man spürte letzten Feinheiten der Mittlung nach, sobald sich eine gewisse Passivität oder gar Renitenz zeigte, und eliminierte Nichttaugliches, sonderte Plattenfähiges von Nicht-plattenfähigem, sagte den Künstlern: Diese Tonbildung tritt in der Uebertragung klar heraus, jene nicht, hier verwischen sich die Abrisse, dort nicht. Aus solchen Wahrnehmungen hat sich nun ein vollkommenes System gebildet, das für die Leute, die auf wohlgelungene Aufnahmen reflektieren, zum Vademecum geworden ist. Damit hat auch die andere Part den schuldigen Tribut entrichtet. ---

Am längsten und zähsten widersetzte sich die Kombination von Männerstimmen, wie sie im a cappelle - Quartett ihren musikalischen Höhepunkt findet, der Vermittlung durch die Sprechmaschine.

Die Gründe hierfür lagen in verschiedenen Dingen: Jeder einzelne der mitwirkenden Sänger musste zunächst ein plattenfähiges Organ aufweisen ; weiter war der Reinintonation eine ganz besondere Sorgfalt zuzuwenden, also absolutes musikalisches Gehör und Tonbewusstsein bildete eine Grundbedingung; endlich aber forderte der Quartettgesang vor dem Aufnahmetrichter eine. wesentliche Verfeinerung der Nuancen, des Ausgleichs innerhalb der Gruppen. Das, was für die Wirkung des Streichquartetts in einer idealen Darbietung als Norm galt, übertrug sich hier auf die musikalische Bundesgenossenschaft der vier Sänger. Es waren mithin keine eben leichten Vorbedingungen, die grosse Bach- und Fachkenntnis voraussetzten. Allein auch auf diesem Gebiete hat das rastlose, eifrige Vorwärtsdringen schönste Ergebnisse gezeigt.

Zu ihnen gehört die Künstlergemeinschaft, deren Name an der Spitze der vorliegenden Betrachtung steht, — das Bruwier-Hamann-Quartett. Eine auserlesene Schar, die sich zusammensetzt aus Felix Hamann (erster Tenor), Ludwig Schubert (zweiter Tenor), Ernst Browier (erster Bass), Carl Müller (zweiter Bass), mithin aus Künstlern, deren Vortrefflichkeit wir bereits von anderer Stätte her, wo sie mitwirken, kennen. Unter der Rubrik „Phonokritik" der „Phonogr. Zeitschrift« wurde das Konsortium in letzter Zeit wiederholt genannt — immer in Ehren, unter Hinweis auf die ganz prächtigen Leistungen, dabei ohne jede Schönfärberei oder etwa unter dem Aufgebote kritischer Konnivenz, die einer vorwärtsstrebenden Industrie der grimmigste Feind ist. Was an dem Browier-Hamann- Quartett besondere imponiert, das ist die ungemeine Durchsichtigkeit und Klarheit der Innengliederung bei allem Darzustellenden, die Sauberkeit der Intonation, der frische, beherzte Zug, abhold jeder Süsslichkeit und Verschwommenheit, das bedeutsame Ansprechen der Einzelstimme im Ensemble wie bei kurzen Soli, die klangliche Vollendung, endlich auch die innere Abschattierung, die mit einer bewunderungswerten Subtilität und Sorgfalt folgt. Man sieht: Eine ganze Reihe wichtiger Vorzüge im Sinne jener oben aufgestellten Grundbedingungen für eine Wirkung im feinmusikalischen Sinne!

Noch eins wäre hinzuzufügen, was die Meisten bei der Aufzählung zu übersehen geneigt sind: Die Wahl der darzubietenden Literatur. Hier wollen wir zunächst einmal anknüpfen, weil selbstverständlich der Stoff selbst und seine Qualifikation für den Plattenvertrag ausschlaggebend ist. Das Browier-Hamann-Quartett pflegt das deutsche Volks- und das volkstümliche Kunstlied, sieht mithin von der modernen Umbeugung des Quartette im Dienste einer Instrumentalen Technik, der Nachahmung des Orchesterklangs, der Bewältigung diffizilster Aufgaben, ganz ab. Bravo! Es ist hier nicht der Platz, über die ureigentliche Mission des Männerquartette (auch des chorischen Männergesangs) zu reden. Jedenfalls beweist die Willfährigkeit und Gefügigkeit der grammophonen Reproduktion, dass eine einfache, schlicht sich gebende, aus der Natur ihrer Mittel heraus dargebotene Spezialkunst weit wirksamer ist, als die Ausdehnung auf ein ihr leidlich fremdes Gebiet.

Was die vier Herren in der Interpretation des echten, rechten Volksliedes leisten, fordert unbedingte Anerkennung heraus; denn es ist nichts Typisches, Hergebrachtes oder Konventionelles, es ist eben — künstlerische Eigenart. Ich sprach vorhin von dem beherzten Zufassen. Man missverstehe mich nicht und meine etwa, dass es sich hier um rubato-Sänger handle, die im fröhlich-kräftigen Kommerstone ihre Aufgabe anfassen. Der Sinn für absolute klangliche Klarheit und Festigkeit der Harmonie wie der melodischen Linie war damit gemeint. Kein vorsichtiges Tasten, kein leichtes Nachgeben nach oben oder unten, wie wir daß im öffentlichen Kunstleben bei Sängern so häufig finden. Der Ton steht fest, sobald er angestimmt wird, in seinen physikalisch vorgeschriebenen Stimmungsgrenzen. Das ist gar-nicht so leicht, wie man sich's denkt; es setzt ungeheurere Schulung und Sorgfalt voraus, — eine neben der steten Rücksicht auf die Mitsingenden herlaufende Emanzipation von ihnen und Selbständigkeit. Indessen wenn ein jeder das Richtige so trifft, dass selbst der Beckmesser Membran keinerlei Einwendungen dagegen erhebt, so gibt's eben einen guten Klang. Er ist hier vorhanden. Jede Stimme spricht gleich gut an, selbst bei weiteren Intervallen verlässt keinen der Mitwirkenden die vollkommene Sicherheit des Schritts. Solcher erfüllter Grundbedingung schliesst sich in gleich vollkommener Art die Abschattierung an. Leiter für sie bleibt überall ein natürliches Empfinden, das sich nirgends ins Spekulative oder Raffinierte versteigt. Was sollte auch eine derartige Untermischung beim Volksliede? Sie würde seinen Eindruck nur stören und gefährden.

— Und nun sehe man sich einmal eine solche Gabe des Browier-Hamann.Quartelts auf die meisterliche Art hin an, mit der das gleiche Hervortreten der führenden Stimme vor den übrigen bewerkstelligt wird I Wie diskret kleine Soli ausgeführt werden, ohne jene so üblichen Unproportionalitäten und Abstände, die wir mit einem Schlage eine ganz andere Skala des Ausdrucks und der Wirkung wählen. Der grosse Grundzug bleibt erhalten; in einer derartigen Konsequenz spiegelt sich eben die Geschlossenheit und Festigkeit der künstlerischen Intuition wieder. —Als einen wichtigen Vorzug gilt es noch zu erwähnen, dass die Sänger der süsslichen Sentimentalität abhold sind, dass sie selbst dort, wo die Komposition kleine Zugeständnisse nach jener Richtung hin verlangt, sie solche mit grösster Vorsicht machen, jedenfalls aber niemals über die gesunde Grenze hinausgehen. Das will auch das wahre Volkslied! Wenn wir uns vergegenwärtigen, wie oft Kosehais „Verlassen«, Krugs: „In einem kühlen Grunde" u. a auf eine gewisse Sentimentalität abgestimmte Lieder durch süssliche Auslegung bis zur Unausstehlichkeit getrieben werden, so können wir den männlich-gesunden Sinn nicht genug loben, der gerade aus den Darbietungen des Browier-Hamann-Quartetts zu uns spricht. Ein an das Epos der Antike gemahnender Zug. Denn dort geben sich die Helden auch bei höchstem Schreerzaffekte nicht weichlich, begegnen vielmehr der sie überraschenden, tragischen Komplikation mit der Energie ihres Grundwesens. Der Ausdruck der Trauer im Gewande männlichen Gefasstseins ist weit über-zeugender als eine Sentimentalität, die auf verweichlichte, dekadente oder halb hysterische Naturen zugeschnitten wird. Mit dem Browier-Hamann-Quartett hat ein wichtiger Spezialzweig unserer Grammophonliteratur eine richtige Unterstützung und die Möglichkeit fleissiger Pflege gefunden. Wir hoffen den Vorträgen der wirklich erlesenen Künstlerschar recht oft auf der Platte zu begegnen!
Phonographische Zeitschrift, 29. Februar 1912

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eigentlich Browier-Hamann-Nebe-Quartett?
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snookerbee
Fr Jul 08 2016, 22:49
"Urgestein"

Dabei seit: Fr Apr 15 2011, 20:12
Einträge: 1765
Ernst Browier?

Das glaube ich nicht. Die Kopfform ist anders, der Augenabstand stimmt nicht und er trägt den Scheitel verkehrt. Carl Müller sieht dem obersten Sänger ähnlicher. Die Stimmverteilung würde so auch passen (2xTenor, 2xBass) Schubert und Hamann könnte stimmen.

Interessant ist der Bildvergleich allemal. Es scheint also, dass sich hier aus einem gemeinsamen Stamm an Sängern zwei verschiedene Gesangsgruppen bildeten.

[ Bearbeitet Fr Jul 08 2016, 22:59 ]
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Formiggini
Fr Jul 08 2016, 23:40


Dabei seit: Di Dez 28 2010, 19:20
Einträge: 1759
Deswegen ja die ??? Selbst die Bildunterschriften sind in den historischen Quellen teilweise nicht ganz eindeutig. Die Besetzung des Browier-Hamann-Quartett stammt aus dem Lauftext; ob diese (in der Reihenfolge) mit den abgebildeten Herren übereinstimmt, wissen wir nicht... Zumindest mit den weiteren (bekannten) Bilder, könnte es Sinn ergeben.

Es scheint also, dass sich hier aus einem gemeinsamen Stamm an Sängern zwei verschiedene Gesangsgruppen bildeten.


Genau dies war auch mein Gedanke. Zuerst gab es wohl (?) das Nebe-Quartett, gefühlte 75% gehörten aber dem Browier-Hamann-Quartett an... Aufgrund welcher Umstände auch immer, trennte sich Carl Nebe von den Herren Hamann und Browier - und gab es zwei Pionier-Ensembles auf Platte.

Gelegentlich traf man sich aber auch wieder, für unterschiedliche Einspielungen und Besetzungen, im Plattenstudio. "Gefühlt": Zwei Konkurrenz-Gruppen die aber immer wieder kooperierten.

Grüße
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Webseite
snookerbee
Sa Jul 09 2016, 00:02
"Urgestein"

Dabei seit: Fr Apr 15 2011, 20:12
Einträge: 1765
Schönes Puzzle! Wenn man oben die Bildunterschriften von Browier und Müller tauscht, wäre es eindeutig, dass Müller Nebe in der Gruppe ersetzte ... oder umgekehrt.

Danke für die Ausgrabung dieses Zusammenhangs! Tolle Detektivarbeit.
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