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Foren > Phonographen > Walzen und frühe Tonaufnahmen
Lambert Zelluloidwalzen 1900-1905
Moderatoren: SchellackFreak, berauscht, Grammophonteam, Formiggini, krammofoon, Limania, Der_Designer
Autor Eintrag
DGAG
Do Mär 14 2019, 20:15 Druck Ansicht
Dabei seit: So Dez 31 2017, 12:30
Wohnort: Berlin
Einträge: 221
Lambert Zelluloidwalzen 1900-1905

Die am 26. März 1900 in Chicago, Illinois eingetragene Lambert Company produzierte seit Mai 1900 Phonographenwalzen aus Zelluloid nach den Patenten von Thomas Bennett Lambert. Die ersten Walzen waren noch weiß bis hellbeige, erhielten aber nach wenigen Monaten einen, aufgrund des Färbemittels Fuchsin, intensiv rosafarbenen Überzug. Die "Pink Lamberts" sind in Sammlerkreisen heiß begehrt, insbesondere als Konzertwalzen mit vergrößertem Durchmesser. Später war das Walzenmaterial durchgängig braun und schließlich, ab Herbst 1903, schwarz eingefärbt.

Die Lambert Company, Limited wurde am 11. April 1904 ins Londoner Handelsregister eingetragen. Geschäftsinhalt war die Übernahme der Patentrechte der amerikanischen Lambert Company. Die Londoner Lambert Co., Ltd. wollte im gesamten Britischen Empire, mit Ausnahme von Kanada, tätig werden.

Die englische Lambert Company kaufte die Patente, wurde eine Aktiengesellschaft und errichtete in London eine Fabrik zur Herstellung von Zelluloidwalzen. Die Gesellschaft hat auch einige Phonographentypen unter dem Namen "Lambertphone" produziert. Am 7. Januar 1905 gab es noch eine Kapitalerhöhung, aber bereits am 31. August 1905 war die Lambert Co., Ltd. bankrott und wurde von einem Konkursverwalter geführt.

Im Folgenden werde ich nach und nach Material zum Thema Lambert-Zelluloidwalzen einstellen und freue mich über Eure Beiträge.
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krammofoon
Do Mär 14 2019, 22:14
Schellack-Gnadenhof
Dabei seit: Mo Jun 27 2011, 20:47
Einträge: 1170
Servus :-)

Und wie ich mich da freue, demnächst etwas über diesen Hersteller hier im Forum lesen zu dürfen.

Leider habe ich (noch) keine dieser Walzen im Fundus, bin aber stetig latent auf der Suche nach einem (bezahlbaren) Exemplar.

Gruss
Georg
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DGAG
Fr Mär 15 2019, 10:08
Dabei seit: So Dez 31 2017, 12:30
Wohnort: Berlin
Einträge: 221
Im Januar 1905, bei der Besichtigung ihrer Fabrik durch einen Pressevertreter, erwähnte die englische The Lambert Co., Ltd. zum ersten Mal eine Walze die anderthalb mal so lang sein sollte wie üblich. Die The Talking Machine News schrieb in ihrer Ausgabe vom April 1905, dass die neuen 6 Inch-Walzen jetzt fertig wären und aus einem neuartigen roten Zelluloid bestünden. Offenbar gab es jedoch Probleme in der Fertigung, denn im Juni 1905 hieß es dann, dass die neuen Walzen "bald" kommen würden.


Mit obiger Anzeige warb die englische The Lambert Co., Ltd. schließlich im August 1905, also nur wenige Wochen vor ihrem Bankrott, erstmals für die neuen "Imperial 6 Inch Records" zum Preis von 2 Shilling, umgerechnet etwa 12 Euro. Durch ihre Überlänge von knapp 15 Zentimetern (= 5.8 Zoll) hatten diese Walzen eine maximale Spielzeit von etwas über 3 Minuten.

Ich finde insbesondere das Bild oben links sehr anschaulich, bei der die junge Frau - mit geziert abgespreiztem kleinen Finger - eine dieser Walzen in der Hand hält und damit eine zweite ausbalanciert. Das hatte man vorher noch nie gesehen, denn die bislang sehr zerbrechlichen Walzen mussten wie rohe Eier behandelt, und ihre Rillen durften niemals berührt werden. Damit zeigte die Lambert Co. überdeutlich, dass ihre Walzen leicht zu handhaben und praktisch unzerbrechlich waren. Das war eigentlich ein gutes Kaufargument auf einem sehr umkämpften Markt.

Ich hatte von den "Imperial 6 Inch Records" gelesen und auch eine gesehen, die einzige die innerhalb eines Jahrzehnts auf eBay angeboten wurde. Diese war jedoch schwarz. Selbst englische Walzenexperten die über diese Exoten publizierten, in vielen Jahren jedes bekannte Detail zusammentrugen und alle bekannten Sammler aufsuchten, konnten keine rote Imperial Record finden, so dass man diese lange für einen Mythos hielt. Fortsetzung folgt.
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krammofoon
Fr Mär 15 2019, 10:15
Schellack-Gnadenhof
Dabei seit: Mo Jun 27 2011, 20:47
Einträge: 1170
Servus :-)

Danke bis hierhin. Bin sehr gespannt, wie es weitergeht.

Gruss
Georg
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DGAG
Fr Mär 15 2019, 21:29
Dabei seit: So Dez 31 2017, 12:30
Wohnort: Berlin
Einträge: 221
Ende 2011 tauchte wie aus dem Nichts eine "Imperial 6 Inch Record" aus rotem Zelluloid auf, die, nachdem ich sie gekauft und damals im amerikanischen Forum vorgestellt hatte, einiges Aufsehen erregte. Meine Walze ist der Länge nach gerissen, lässt sich aber gut abspielen. Der Verkäufer hatte tatsächlich noch eine zweite rote Lambert, die obendrein nicht gerissen war. Ich hatte damals beim Kauf der ersten leider versäumt den Verkäufer nach weiteren Walzen zu fragen. Eine zweite Chance bekam ich nicht, denn die zweite rote "Imperial 6 Inch Record" wurde - auf dem inzwischen darauf aufmerksam gewordenen Sammlermarkt - zu einem Rekordpreis für Lambert-Walzen versteigert.

Die englische Lambert Co., Ltd. wollte mit zunächst einhundert Katalognummern von "Imperial 6 Inch Records" auf den Markt kommen. Diese Zahl wurde aber nie erreicht, da die Aktiengesellschaft kurz danach in Konkurs ging.

Die im Folgenden abgebildete Walze ist die Katalognummer 14 mit dem populären Orchesterstück "By the Swanee River." Neben dem Orchester sind auch Stimmen zu hören. Die sehr gute Aufnahme beginnt mit der kurzen Ansage "Imperial Record" und dauert etwas über 3 Minuten. Bei der "I. C. Band" laut geprägtem Titelende handelt es sich um die Lambert Concert Band unter der Leitung von Peter Conroy, einem damals recht bekannten Komponisten und Bandleader. Diese Lambert-Hausband hatte 25 Stammmusiker. Hinzu kamen je nach Aufnahme bis zu 25 weitere Mitwirkende.



In der Seitenaufnahme kann man die tomatenrote Farbe und die Überlänge schön erkennen. Das Zelluloid der Walze ist stark geschrumpft, deshalb ragt der Kern aus grauem Pappmaché heraus.



Zum Glück war der originalbeschriftete Dosendeckel dabei.



Hier sind drei Ansichten der ebenfalls sehr seltenen Walzendose. Auf der Vorderseite befindet sich das angemeldete Warenzeichen "Imperial Records" mit einem vierzackiger Stern in der Mitte, umrahmt von einem Zahnkranz. Die Dosenbeschriftung "Will not warp, shrink or crack" hat sich leider nicht bewahrheitet. Vor über 110 Jahren mögen die Walzen ein Muster an Stabilität gewesen sein, heute sind sie, wenn sie sich noch auf ihrem Kern befinden, wie rohe Eier zu behandeln - und das Zelluloid schrumpft weiter.


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krammofoon
Fr Mär 15 2019, 21:56
Schellack-Gnadenhof
Dabei seit: Mo Jun 27 2011, 20:47
Einträge: 1170
Servus :-)

Eine wahrlich spannende Jagd nach der "Roten Walze", um es mal etwas salopp auszudrücken. Aber ein großes Glück, dass so etwas heutzutage noch erhalten ist und hier vorgestellt werden kann.

Eine technische Frage:

Kann die Walze überhaupt noch sauber und ohne Zerstörung der Rillenflanken auf einem Phonographen abgespielt werden, nachdem das Zelluloid so stark geschrumpft ist? Oder ist hier ausschließlich ein neuzeitliches Pendant mit einem umgebauten Plattenspieler-Tonarm zu empfehlen?

Gruss
Georg
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DGAG
Fr Mär 15 2019, 22:07
Dabei seit: So Dez 31 2017, 12:30
Wohnort: Berlin
Einträge: 221
krammofoon schrieb ...

Kann die Walze überhaupt noch sauber und ohne Zerstörung der Rillenflanken auf einem Phonographen abgespielt werden, nachdem das Zelluloid so stark geschrumpft ist? Oder ist hier ausschließlich ein neuzeitliches Pendant mit einem umgebauten Plattenspieler-Tonarm zu empfehlen?

Durch die geschrumpften Rillenabstände wird man eventuell Schwierigkeiten bekommen da die historischen Leitspindeln nun eine andere Steigung besitzen. Die Walze ist zum Überspielen mit einem modernen Phonographen bzw. Tonabnehmer abgetastet worden, was keinerlei Schwierigkeiten verursachte. Ich werde diese Walze schon alleine wegen der Überlänge und der deshalb zu kurzen Konusse üblicher Phonographen - ein Lambertphone besitze ich nicht - nicht auf zeitgenössischem Equipment abspielen. Es ist eher ein Hingucker und Vitrinenstück - wobei ich die Walze nicht dauerhaft dem Tageslicht aussetze. Wer weiß ob sie dann ausbleicht!?
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monokel
Fr Mär 15 2019, 23:43
Dabei seit: Mo Jul 09 2012, 14:03
Wohnort: im brandenburgischen bei Berlin
Einträge: 128
Ist zwar überhaupt nicht mein Sammelgebiet, aber die "Jagt" nach so seltenen Walzen liest sich sehr spannend.
Danke für deinen Bericht zu dieser Walzenart.

LG
Michael
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monokel
Fr Mär 15 2019, 23:44
Dabei seit: Mo Jul 09 2012, 14:03
Wohnort: im brandenburgischen bei Berlin
Einträge: 128
Ein kurzer Nachtrag: kann man diese Walze irgendwo hören?
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PONOPHON
Sa Mär 16 2019, 07:33
Dabei seit: Sa Dez 12 2015, 17:45
Wohnort: Österreich
Einträge: 134
Kleine "Wunder des Alltags" gibt es immer noch, also nie die Hoffnung aufgeben.
Ich habe erst am 30.12.2018 diese Walze im Internet gekauft, für €19,00 plus €7,00 Versand: "2242 The Baby`s Name Song"


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krammofoon
Sa Mär 16 2019, 08:12
Schellack-Gnadenhof
Dabei seit: Mo Jun 27 2011, 20:47
Einträge: 1170
Servus :-)

Hier wohl in "Normallänge", wie es auf dem Bild rüberkommt?

Auch hier sei Michaels Frage gestattet, ob diese Walze irgendwo zu hören ist.

Gruss
Georg
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berauscht
Sa Mär 16 2019, 08:44
"Urgestein" Autor/Moderator

Dabei seit: Mi Jan 06 2010, 21:59
Einträge: 1459
PONOPHON schrieb ...

Kleine "Wunder des Alltags" gibt es immer noch, also nie die Hoffnung aufgeben.
Ich habe erst am 30.12.2018 diese Walze im Internet gekauft, für €19,00 plus €7,00 Versand: "2242 The Baby`s Name Song"





Ist dies nun eine Pink Lambert?
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DGAG
Sa Mär 16 2019, 09:03
Dabei seit: So Dez 31 2017, 12:30
Wohnort: Berlin
Einträge: 221
PONOPHON schrieb ...

Kleine "Wunder des Alltags" gibt es immer noch, also nie die Hoffnung aufgeben.

Bezüglich Lambert Walzen habe ich auch ein "Wunder" anzubieten. In einem vor ein paar Wochen günstig angekauften Konvolut von einigen Dutzend Edison Walzen befand sich eine Dose mit dem bekannten Kracher "Am Stammtisch" von Martin und Paul Bendix.



Meine Freude und mein Erstaunen war grenzenlos als sich darin der gleichlautende Titel der Gebrüder Bendix, jedoch als Berliner Lambert-Aufnahme von Mai/Juni 1905 auf Deutscher Lambert (Katalognummer 8180) aus schwarzem Zelluloid im Top Zustand befand. Auf dem geprägten Titelende ist der Name falsch geschrieben: "Bendie" ! Jeder in Deutschland kannte damals die Brüder Bendix, jedoch offenbar nicht der englische Arbeiter in der Londoner Fabrik der Lambert Co. Ltd., der den Stempel für das Titelende aufsetzte.



Die Walze steckt auf ihrem originalen Pappkern und hat deshalb, obwohl geschrumpft und unter Spannung, noch weitgehend ihre Originalmaße. Trotzdem ist sie, inkl. Kern, mit 97 mm wesentlich kürzer als das Standardmaß von ca. 104 mm. Hier im direkten Vergleich mit einer Edison Walze (unten).



Vielen Dank für das Interesse und die netten Kommentare. Derzeit habe ich keine Hörbeispiele ins Netz gestellt. Ich hoffe auf ein Lambert-CD Projekt mit diesen Exoten.

[ Bearbeitet Sa Mär 16 2019, 09:14 ]
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PONOPHON
Sa Mär 16 2019, 12:12
Dabei seit: Sa Dez 12 2015, 17:45
Wohnort: Österreich
Einträge: 134
Bei meiner Schnäppchen Walze handelt es sich um eine in Normal Länge, sie ist ohne Papp Kern. Hier ein Bild des Beschriftungs Ringes:



Ein Handy Video habe hier hochgeladen:
Link - Hier klicken

[ Bearbeitet Do Mär 21 2019, 13:34 ]
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veritas
Sa Mär 16 2019, 19:02
Dabei seit: Do Jun 28 2012, 17:52
Wohnort: Allgäuer Provinzpampa
Einträge: 459
Hier zwei Beispiele einer braunen Edison-Bell-Indestructible. Die Produktion dieser Walzen begann im April 1903 und endete übrigens schon im Spätsommer, genauer im August desselben Jahres. Damit waren die braunen Indestructibles gerade einmal 4-5 Monate in Produktion.



Diese Walzen sind komplett durchgefärbt und tragen seitlich, entgegen dem Titelende, den Schriftzug "Edison Bell Indestructible Record" in erhabenen Lettern.
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